Chrétien de Troyes: Erec et Enide - Feendarstellungen


Seminararbeit, 2001

25 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Chrétiens Leben und Werke

2. Hauptteil
2.1. Erec et Enide
2.1.1. Inhalt
2.1.2. Aufbau
2.1.3. Sprache
2.2. La joie de la cort
2.3. Vergleich der beiden Paare
2.4. Vergleich von Enide und ihrer Cousine
2.5. Feenhaftes in Erec et Enide
2.5.1. Autre Monde
2.5.2. Enide
2.5.3. Enides Cousine
2.6. Feendarstellung in Marie de Frances Lai Lanval
2.6.1. Vergleich der Feendarstellung in Lanval und Erec et Enide

3. Schluß

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gegenstand der Untersuchung des Proseminars Einführung in die altfranzösische Lektüre im Sommersemester 2001 war die Beschreibung und Entstehung von Feendarstellungen in Werken verschiedener mittelalterlicher Autoren.

In dieser Hausarbeit wird zuallererst einer der bedeutendsten Dichter des französischen 12. Jahrhunderts vorgestellt und im Folgenden explizit eines seiner wichtigsten Werke, Erec et Enide. Eine knappe Inhaltsangabe und das Vorstellen der wichtigsten Charaktere dieses Romans bilden die Grundlage dieser Hausarbeit. Sprache und Textanalyse werden ebenfalls bearbeitet, um in die Schaffensweise Chrétien de Troyes’ einen Einblick zu erhalten.

Das Vorstellen einzelner Episoden und ihre Einordnung in das Werk runden das erste große Kapitel des Hauptteils ab. Im 2. Abschnitt des Hauptteils befasst sich diese Arbeit mit feenhaften Elementen und deren Verarbeitung in der Lektüre. Als Leitfaden dient die Frage, ob in Erec et Enide Feen dargestellt werden oder ob den weiblichen Akteuren lediglich feenhafte Elemente zugewiesen werden.

Da nur sehr wenig Sekundärliteratur für dieses Thema zur Verfügung steht, wird häufig versucht, mittels angestellter Vergleiche zu einem Ergebnis zu kommen. Der Inhalt des Proseminars wird an manchen Stellen verwendet.

In der Schlussbetrachtung wird die Feenthematik noch einmal aufgegriffen, um letztendlich ein Ergebnis zu präsentieren.

1.1. Chrétiens Leben und Werke

In der heutigen Sekundärliteratur wird Chrétien de Troyes zu den größten mittelalterlichen Epikern gezählt. Es wird auf alle seine größeren Werke

-allesamt handeln von den Rittern der Tafelrunde- verwiesen. Doch über sein Leben ist so gut wie gar nichts bekannt. Es lassen sich lediglich anhand der Vorworte seiner Werke und deren Inhalt einige Eckdaten erstellen, die es ermöglichen, Chrétien de Troyes’ Leben grob einzurahmen.

Seinen vollständigen Namen Chrétien de Troyes erwähnte Chrétien selbst zum ersten Mal in seinem ersten Werk Erec et Enide. Wie sein Beiname zeigt, kommt Chrétien vermutlich aus Troyes, wo sich der Hauptsitz der Grafschaft der Champagne befand. In seiner Schreibweise ist die damalige Mundart der Champagne deutlich zu erkennen und lässt somit Spekulationen über seine Herkunft verstummen.[1]

Sein erstes großes Werk Erec et Enide, welches in Kapitel 2.1. ausführlich behandelt wird, verfasste er ca. 1165 am Hofe der Gräfin von Champagne, Marie. Sie war die Tochter von Ludwig VII und Eleonore von Poitou und gelangte 1164 als Herrin an diesen Hof.[2] Rechnet man etwas zurück, so ist es möglich, das Geburtsjahr von Chrétien de Troyes ungefähr auf die Zeit von 1135 bis 1140 zu datieren. Die Vermutung, dass Chrétien als Dichter am Hofe der Marie angestellt war, wird durch die Tatsache verstärkt, dass sich der Autor in der Widmung eines seiner weiteren Werke, Lancelot ou le chevalier de la charette, direkt bei der Gräfin bedankte und sie mit „ma dame“ anredete. Die Schaffung dieses Werkes datiert man ca. auf das Ende der siebziger Jahre des 12. Jahrhunderts. Er selbst vollendete dieses Werk nicht, sondern mit Zustimmung Chrétiens tat dies Gottfried von Leigni.[3] Doch bevor er diesen Versroman schrieb, verfasste Chrétien de Troyes zwei weitere große Dichtungen, die wiederum als zentrale Thematik den Artusritter behandeln. Zum einen Yvain ou le chevalier au lion, um ca. 1170 entstanden, und zum anderen Cligès, ca. 1172 geschrieben. Als sein letztes Werk gilt der nicht vollendete Roman Perceval le gallois ou le conte du graal. In seiner Widmung wandte sich Chrétien an den Grafen Philipp von Flandern. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass Chrétien um 1180 an den Hof von Flandern wechselte und dort mit seinem letzten Werk begann. Nach einer Vorlage, die er von seinem Herrn bekam, entstand dieser Roman. Er ist unvollendet, da Chrétien de Troyes zwischen 1182 und 1190 starb.

Die oben genannten Romane zählen zu den wichtigsten und bekanntesten Dichtungen de Troyes’. In ihnen wird immer die selbe Thematik behandelt: Ein Ritter der Artusrunde muss ein Abenteuer bestehen, um entweder seine verlorengegangene Anerkennung in der Gesellschaft wieder zu erlangen oder einen Weg zu sich selbst zu finden. Als Hintergrund aller Erzählungen diente die Legende um den Artushof. Den Inhalt übernahm er wahrscheinlich von verschiedenen chansons de geste. Außerdem verarbeitete Chrétien in all diesen Werken keltische Sagenelemente. Vor allem die Darstellungen der Feen und andere märchenhafte Elemente fanden darin Verwendung.

Chrétien de Troyes verfasste jedoch nicht nur Artusromane, sondern auch Bearbeitungen und Übersetzungen von Ovids remedia amoris und ars amatoria. Er selbst zählte im Vorwort seines Werks Cligès einige andere Werke auf, die er zuvor verfasst hatte:

Cil qui fist d’Erec et d’Enide

Et les comandemanz d’Ovide

Et l’art d’amors en romans mist,

Et le mors de l’espaule fist,

Del roi Marc et d’Ysalt la blonde,

Et de la hupe et de l’aronde

Et del rossignol la muance

[...][4]

Gerade die Ovid-Bearbeitungen setzten die Kenntnis der lateinischen Sprache voraus, so dass man sehr stark vermutet, dass Chrétien die mittelalterliche Lateinschule (Trivium und Quadrivium) durchlief und somit die „septem artes liberales“ beherrschte.

2. Hauptteil

2.1. Erec et Enide

2.1.1.Inhalt

Erec zieht aus, um eine Beleidigung seiner Königin zu rächen. Er kehrt nach bestandenem "Sperber - Abenteuer" mit Enide als Braut an den Artus - Hof zurück. Dort erhält Enide nach dem Sperber einen weiteren Schönheitspreis und verhindert so einen möglicherweise tödlichen Kampf um die schönste Dame am Hof, wo die prunkvolle Hochzeit gefeiert wird.

Nach der Hochzeit beklagt Enide das "Verliegen", die Waffenmüdigkeit (recreantise) ihres Mannes. Erec zieht erneut aus, diesmal um seine ritterliche Ehre zu beweisen. Enide muss ihn begleiten, darf aber nicht mit ihm sprechen. Dennoch warnt sie ihn immer wieder vor drohender Gefahr und beweist somit die Standhaftigkeit ihrer Liebe. Als letztes und schwerstes Abenteuer erwartet Erec die "Joie de la Cort". In zauberhaft anmutender Atmosphäre besiegt Erec als erster Mensch überhaupt den roten "Todesritter" und erlöst dadurch ihn und die "Fee" aus dem Zaubergarten. Das Paar erweist sich als Liebespaar, das in seiner jugendlichen Unerfahrenheit die Abgeschiedenheit gesucht hat, um nur sich selbst zu gehören. Nur wenn der Minnepartner der Dame, die sich als Enides Cousine herausstellt, im Kampf besiegt wird, dürfen sie wieder zu den Menschen zurück.

Nach der Nachricht vom Tod von Erecs Vater wird Erec zum neuen König gekrönt.

2.1.2. Aufbau

Es gibt verschiedene Ansichten darüber, wie "Erec et Enide" aufgebaut ist. Am meisten werden die Dreiteilung und die Zweiteilung genannt.

a) Dreiteilung

Die eine Möglichkeit besteht darin , den Roman in drei Teile zu gliedern, wobei der erste Teil den Anfang bis zur Hochzeit umfasst und eine Art idyllischen, höfischen Roman darstellt. Der unerfahrene Ritter muss seine erste Bewährungsprobe bestehen und führt als "Preis" Enide heim. Ihre übermäßige Schönheit, verbunden mit Klugheit, macht sie zu einer Ausnahmeerscheinung und unterstreicht somit Erecs eigene außergewöhnliche Persönlichkeit, da er es ist, der sie zur Frau bekommt. Ihre Vermählung schließt den ersten Teil ab.

Im zweiten Teil werden die Liebenden auf die Probe gestellt. Endete der erste Teil mit einer glanzvollen Hochzeitsfeier, so beginnt der zweite mit einer Krise. Enide beklagt die Waffenmüdigkeit ihres Mannes, der daraufhin auszieht, um seine Ehre zu retten und seine Waffenkünste unter zu Beweis zu stellen. Nicht nur Erec muss sich harten Prüfungen unterziehen, auch Enide muss ihre Standhaftigkeit beweisen. Zusammengehalten wird dieser Abschnitt durch das Schweigegebot Erecs. Am Ende dieses Teiles sind sowohl Erecs Rittertum als auch Enides reine, unerschütterliche Liebe zu Erec über jeden Zweifel erhaben.

Den dritten Teil bildet die "Joie de la Cort". Erec hat sich als Ritter bewährt. Nun erlangt er eine noch höhere Ehre und Auszeichnung, indem er den roten "Todesritter" besiegt, was vor ihm keinem anderen Ritter gelungen ist. Er besteht nicht nur seinen schwersten Kampf, sondern verwandelt die gesamte Burg in eine Festung der Freude. Glanzvoller Abschluss dieses Teiles und somit des ganzen Romans ist die Krönung Erecs.

b) Zweiteilung

Plausibler als die Dreiteilung, wenn man die Parallelität betrachtet, ist der Vorschlag, den Roman in nur zwei Teile zu zerlegen.[5]

Wo die Grenze des ersten Teiles zu ziehen ist, ist jedoch keineswegs eindeutig. Chrétien selbst hat zwar wörtlich das Ende des ersten Abschnittes benannt: "ici fenist li premiers vers." (V.1796). Doch ist fraglich, ob es sich eben nur um einen Abschnitt oder um einen Teil handelt. Sinnvoller wäre es, die Grenze an späterer Stelle zu ziehen, nämlich dann, wenn die Krise einsetzt: " Mes tant l'ama Erec d'amors, / que d'armes mes ne li chaloit, / ne a tornoiemant n'aloit." (V.2430-2432). Das Wort "mes" kennzeichnet den Neuanfang. Es tritt ein Wendepunkt ein und erst am Ende des zweiten Teiles werden die Harmonie und das ungetrübte Glück des Ehepaares wieder hergestellt.

Der zweite Teil beginnt also mit der Maßüberschreitung Erecs. Die sich anschließende Bußfahrt dient zur Rehabilitation des Helden. Nach dem größten Abenteuer - die "Joie" wird nicht abgetrennt - steht die Krönung Erecs.

Die Zweiteilung macht die Parallelen deutlich, die den Roman kennzeichnen. Zu Beginn beider Teile steht eine große Herausforderung für Erec. Im ersten Teil besteht die Krise in der Bedrohung des Rittertums einmal durch den Zwerg, der die Hofdame der Königin und den unbewaffneten Erec schlägt, zum Zweiten durch den drohenden Streit um den Hirschkuss. Erec zeichnet sich dadurch aus, dass er beide Male Streit und Entehrung abwendet. Am Anfang des zweiten Teiles kommt es zur privaten Krise der Eheleute. Auch sie wird gegen Ende des Teiles überwunden, es steht also immer die Auszeichnung des Helden gegen Ende der beiden Teile. Glanzvollen Abschluss bildet jeweils eine prunkvolle Feierlichkeit, nämlich die Hochzeit und die Krönung Erecs.

[...]


[1] Hofer, Stefan, Chrétien de Troyes, 1954, Graz-Köln

[2] Hofer, Stefan, Chrétien de Troyes

[3] Kristian von Troyes, Foerster, Wendelin (Hg.), Erec und Enide, Halle, 1909, Seite 10

[4] Chrétien de Troyes, Micha, Alexandre (Hg.), Cligès, Vers 1-7,Paris, 1982

[5] Wolfgang Brand, Chrétien de Troyes, München, 1972 (S.36ff)

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Chrétien de Troyes: Erec et Enide - Feendarstellungen
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Altfranzösische Literatur
Note
1,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
25
Katalognummer
V71657
ISBN (eBook)
9783638633697
ISBN (Buch)
9783638673365
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Genaue Analyse von Erec et Enide mit Schwerpunkt auf den Feendarstellungen
Schlagworte
Chrétien, Troyes, Erec, Enide, Feendarstellungen, Altfranzösische, Literatur
Arbeit zitieren
M. A. Christoph Hollergschwandner (Autor:in), 2001, Chrétien de Troyes: Erec et Enide - Feendarstellungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71657

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