Zur Psychodynamik der Vater-Tochter-Beziehung in der Adoleszenz


Referat (Ausarbeitung), 2001
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Die Rolle der Tochter

2. Die Rolle des Vaters

3. Die Vater-Tochter-Beziehung in der Adoleszenz

4. Die Charakterisierung der Weiblichen Adoleszenz anhand des Buches „Weibliche Adoles- zenz: Zur Sozialisation junger Frauen, Karin Flaake & Vera King”

Anhang

Einleitung:

Auf Grund direkter Beobachtungen von Eltern-Kind-Interaktion, weiß man, daß nicht nur zwischen der Mutter und dem Kind, sondern auch dem Vater und dem Kind sehr früh affektive Interaktionen ablaufen.

Bei dem Versuch, vor allem schwere psychische Störungen zu erklären, hat sich die Annahme, daß die enge Mutter-Kind-Beziehung Nährboden sowohl für eine gesunde als auch eine „krankhafte” Entwicklung des Kindes ist, als konzeptionell sehr nachteilig herausgestellt. Lange Zeit blieb der Einfluß der Väter unberücksichtigt, obwohl, z.B. in der Familientherapie, die Väter zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Der Vater wurde für die Störungen in der Entwicklung einer stabilen weiblichen Identität verantwortlich gemacht, weil er entweder als schwach, unzuverlässig oder besitzergreifend oder als zu bestimmt/verbietend bezeichnet wird. Er wird zu sehr kritisiert, anstatt ihn als jemanden zu sehen, der auch positive Seiten hat und einen Anreiz zur Autonomie und Selbstverwirklichung vermitteln kann.

Diese Psychodynamik der Vater-Tochter-Beziehung soll uns auf die Schwierigkeiten aufmerksam machen, die auftauchen können, wenn die Entwicklungsgeschichte dieser Objektbeziehung nicht berücksichtigt wird, also statisch gesehen wird. Um dies zu verstehen, muß auch der Anteil, den beide Partner in diese Beziehung einbringen, genau betrachtet werden.

1. Die Rolle der Tochter

Aus psychoanalytischer Sicht beginnt der Einfluß des Vaters erst in der Phase der Separation und Individuation als drittes Objekt, das das Kind aus der dyadischen Verklammerung mit der Mutter herauslöst (Mahler). Entwicklungspsychologisch gesehen, beginnt der Einfluß des Vaters auf das Kind jedoch viel früher. So können 5 bis 6 Monate alte Säuglinge die Stimme und das Gesicht der Mutter und des Vaters unterscheiden. Die Väter haben beim Spiel mit den Kindern einen ganz anderen Stil als die Mütter. Das Spiel mit ihnen ist oft mit einem aufregenden Wechselspiel zwischen Spannung und Entspannung verbunden. Der Vater ist der unabhängige Dritte außerhalb der Dyade, der sich nicht nur für aufregende und stimulierende Interaktionen anbietet, sondern auch die Möglichkeit der Unabhängigkeit und der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ist. Die Säuglinge stellen schon ganz früh eine eigene emotionelle Bindung an beide Eltern her, die unabhängig von der Qualität der Bezie- hungen ist.

Die Tochter sucht in ihrer frühere Kindheit bei dem Vater auf keinen Fall Befriedigung der sexuellen Wünsche, was auch die Ergebnisse der entwicklungspsychologischen und psychoanalytischen Erforschung bestätigt haben. Da die triebhaft-sexuellen Wünsche der Tochter zuerst im Hintergrund stehen, drängen sich die narzißtische Erwartungen, die die Tochter in erster Linie an den Vater knüpft, in den Vordergrund. Sie führen zu einer starken Vatersehnsucht, welche bei den Söhnen und den Töchtern unterschiedlich ist.

Blos (1984) betonte, daß bei den Söhnen diese Vatersehnsucht nichts mit homoerotischen Beziehungsphantasien zu tun hat. Und ähnlich ist es auch bei den Töchtern, bei denen in der Vatersehnsucht auch keine erotisch-sexuellen Anzeichnen vorhanden sind. Die Umwandlung dieser unschuldigen Vatersehehnsucht in eine ödipale Beziehung ist voll von Konflikten. Die spezifischen Schuldgefühle, die die Tochter gegenüber dem Vater hat, blockieren die weibliche Selbsverwirklichung. Die Tochter hat Angst, daß sie die phallische Potenz des Vaters beschädigen kann.

Wenn die Tochter im Laufe der ödipalen Entwicklungsphase, die inzestuösen Phantasien hat, muß der Vater darauf vorbereitet sein und mit der Situation umgehen können. Diese ödipale Entwicklungsphase ist sehr kritisch, da die Tochter-Vater-Beziehung nur so die Liebes- und Haßgefühle ohne Schaden überstehen kann und das auch nur dann, wenn sich der Vater nicht als sexuelles Objekt darstellt und er genauso die Tochter als sexuelles Objekt ignoriert. Da die Liebe der Tochter zum Vater eindeutig narzißtische Züge trägt, die Tochter identifiziert sich mit ihm, möchte so sein wie er ist, ist die Tochter für narzißtische Kränkungen, infolge der Zurückweisung durch den Vater, sehr anfällig.

Eine Voraussetzung dafür, daß der Vater mit der Tochter spontan und phantasievoll umgehen kann, ist daß es für ihn kein Problem ist, mit dem Thema des Inzeststabus umzugehen.

2. Die Rolle des Vaters

Die Frauen haben nach der Geburt des ersten Kindes meistens weniger Probleme die Rolle der Mutter anzunehmen, im Gegensatz zu den Männern, denen die Rolle des Vaters schwerer fällt. Sie gehören nicht zur der Mutter-Kind-Dyade und kommen mit den Pflichten, die sie gegenüber den Kindern haben, und mit der undeutlichen Definition des Vaterrolle nicht klar. Daher sind sie oft unerträglich. Die Reaktionen auf das neu geborene Kind sind mit Depression und Neid verbunden. Um diese Depression und Neid zu vermeiden, sind 25% der Männer bereit sich in die Säuglingspflege miteinbeziehen zu lassen.

Die Geschlechtsrollen spielen in heutiger Zeit keine so entscheidende Rolle mehr im Vergleich zu früher. Obwohl die Geburt einer Tochter nicht mehr als minderwertig betrachtet wird, ist sie für den heutigen Vater trotzdem stärker irritierend, als die Geburt eines Sohnes. Dadurch, daß auch der Vater seine Erfahrungen als ein Sohn gemacht hat, fällt ihm der Aufbau einer Beziehung zum Sohn viel leichter. Er kann viel leichter Vorstellungen daran entwickeln, was der Sohn von ihm erwartet, im Gegensatz zu den Erwartungen einer Tochter.

Johnson (1963) ist in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, daß die Väter bei Töchtern ein expressives Verhalten und bei Söhnen ein instrumentelles Verhalten fördern. Das heißt, daß der Vater das Kind dafür liebt, was es tut und tun kann und es um so mehr liebt, jemehr er mit ihm anzufangen weiß.

Die Väter kommen mit Töchtern in der Zeit viel besser klar, wenn sie noch ganz klein sind. So lange die Tochter-Vater-Beziehung noch mit dem Thema des Inzests unbelastet ist, verläuft die Beziehung unproblematisch. Aber um so älter die Tochter wird, um so deutlicher werden die Spannungen in dieser Tochter-Vater-Beziehung, die mit dem Geschlechtsunterschied begründet werden. Aufgrund des unterschiedlichen Geschlechts, weiß der Vater später oft nicht wie er mit der Tochter umgehen soll.

Es ist ganz sicher, daß der Vater eine große Bedeutung für die Entwicklung der psychosexuellen Identität seiner Tochter hat, aber es ist schwer zu fassen, was die Interaktion im positiven Sinn beeinflußt.

Die Tochter-Vater- Beziehung hängt sehr vom Vater ab, bzw. wie weit er dazu bereit ist auf die Tochter zuzugehen, sich mit ihr zu beschäftigen und ihre Interesse an ihm zu wecken. Er hilft dadurch der Tochter mit der ödipalen Triade-Situation umzugehen. In der ödipalen Phase hat der Vater eine doppelte Aufgabe. Er soll die femininen und maskuli- nen Selbst- und Objektrepräsentanzen vermitteln. Der Vater kann in seiner Vaterfunktion doppelt scheitern, zum einen, in dem er nicht fähig ist eine dyadische Beziehung zur Tochter aufzubauen, (was für sie vorteilhaft wäre, weil so ihre primäre Vatersehnsucht befriedigt wird und sie sich langsam von ihre Mutter abgrenzt), genauso kann der Vater auch in der ödipalen

Phase versagen, wenn er nicht fähig ist, die dyadische Beziehung zu seiner Tochter in eine triadische Beziehung umzuwandeln.

Bei der Beobachtung der Beziehung zwischen Mutter und Kind und der Beziehung zwischen Mutter, Vater und Kind, wird klar, daß sie unterschiedlich sind. Das heißt; aus der Beobachtung der Dyade und der Triade ergeben sich drei Unterschiede:

- Dadurch, daß der Vater mit seiner Tochter eine dyadische Beziehung eingeht, grenzt er die Mutter von der Tochter ab. - Er ist für das Unbewußte der Tochter ein inzestuöses Objekt, auf das sie ihre erotischen Wünsche lenkt und an ihm ausprobiert, wie weit sie gehen kann. - Er ist gleichzeitig als ein inzestuöses Objekt ausgeschlossen, weil er eine sexuelle Beziehung mit seiner Frau führt.

3. Die Vater-Tochter-Beziehung in der Adoleszenz

Die Adoleszenz ist nicht nur die Entwicklungsphase, in der die Tochter, frühere Konflikte wieder erlebt, sondern auch ein Auslöser von stärkeren Emotionen beim Vater. Was erwartet die Tochter in der Pubertät vom Vater?

- er soll sich als jemand anbieten, der kognitive und emotionale Fähigkeiten besitzt - an dem sie Verführungskünste ausprobieren kann - jemand, der ihr hilft ihre Enttäuschungen abzuarbeiten, ihre Emotionen zu unterscheiden und zu kontrollieren

So wie sich der Vater bei der Tochter mit seinen Normen und Idealen präsentiert, kann sie sich von ihm lösen und doch mit ihm identifizieren.

Für beide Interaktionspartner, für Vater und Tochter, ist es schwer einen Übergang von der meistens desexualisierten Beziehung in die Pubertät zu schaffen, weil eine bis dahin befriedi- gende Interaktion aufgegeben werden muß. Die Tochter kann diesen Übergang als Verlust empfinden, weil sich der Vater langsam zurückzieht. Und das nicht nur bei ihren „unschuldi- gen Spielen”, sondern auch z.B. nicht mehr darauf eingeht, daß sie ins Bett gebracht werden möchte.

In der Forschung wird der Bedeutung des Vaters für die jugendlichen Mädchen weniger Aufmerksamkeit geschenkt, im Gegensatz zum Jungen in der Pubertät. Da der Vater auch schon Erfahrungen als Sohn in der Adoleszenz gemacht hat, auf die er zurück greifen kann, kann er dem Sohn das Gefühl geben, daß er sein Freund ist, was bei der Tochter sehr schwer ist.

Was ist das „Liebes-Kampf” zwischen dem Vater und der Tochter?

Da die Tochter in den Vater heimlich verliebt ist, ist es für ihn schwer, dies zur Kenntnis nehmen. Sie will ihre Verliebtheit nicht offen zeigen, weil sie das Bedürfnis hat sich von dem Vater abzugrenzen und ihren eigenen Weg zu gehen und genauso will sie nicht gegen die gesellschaftlichen Regeln verstoßen. Weil sie die Liebe zu ihrem Vater nicht aufgeben will, zeigt sie sie in einer anderen Form. In dieser Hinsicht, kann man auch von dem „Liebes- Kampf” zwischen dem Vater und der Tochter sprechen, bei dem es darum geht, daß Regeln für Separation und zur Vermeidung einer inzestuösen Verstrickung entwickelt werden müssen. Wenn die Tochter zu rigid von ihrem Vater abgeschottet wäre, würde sie sich mit Schuld- und Schamgefühlen wegen ihrer Liebe belasten. Andererseits würde eine ungestörte Fortsetzung zur einer Verletzung des Abhängigkeitsbedürfnisses oder sogar zum Inzest führen. Der Vater ist nur dann fähig die Tochter zu unterstützen und ihre Konflikte zu bewäl- tigen, wenn er mit seinen, wie auch mit ihren Emotionen umgehen kann. Dadurch, daß er von der Tochter in konkrete Interaktionen hineingezogen wird, kann er beweisen, daß er sich aus diesem interpersonellen Konflikt befreien kann. Dieser Konflikt kann für beide als lustvoll erscheinen, da besonders die Tochter sich wünscht das es auch weiter so bleibt, weil ihr dadurch der Prozeß der Ablösung und der Integration erspart bliebe. Genauso wie die Tochter muß sich auch der Vater mit dem ödipalen Konflikt auseinandersetzen und darf nicht versu- chen ihm zu vermeiden.

Die Vater-Tochter-Beziehung in der Adoleszenz ist für beide nicht leicht. Die Tochter versucht die Beziehung zum Vater so ändern, daß es für sie vorteilhaft wird. Einmal will sie eine kleine Tochter sein, weil ihr die konflikthafte ödipale Beziehung zu kompliziert erscheint, dann wiederum versucht sie den Vater mit ihren inzestuösen Phantasien zu provozieren. Der Vater nimmt die unsicheren Schritte der Tochter aus der Kindheit in die Pubertät nicht wahr. Er sieht in ihr die kleine Tochter wie früher, gerade wenn sie sein Denken noch durch ihr kindliches Verhalten verstärkt. Um so weniger der Vater die Unsicherheiten der Tochter in dieser Übergangsphase erkennt, um so mehr versucht sie ihn auf ihre Weise zu verführen, wobei sie sogar Grenzen überschreitet. Trotz der körperlichen Veränderung wünscht sie sich, daß die präinzestuöse Beziehung zum Vater erhalten bleibt. Zu gleichen Zeit ist er für sie jemand, an dem sie ihre erotischen Phantasien ausprobieren kann, weil sie ihn als ungefähr- lich und durch das Inzesttabu geschützt betrachtet. Die Sexualisierung läßt sich nicht mehr vermeiden, wenn der Vater dem schwenkendem Verhalten der Tochter und ihm selber keine klaren Grenzen setzt.

Wenn sich der Vater überhaupt nicht vorstellen kann, daß ihn die Tochter als ein inzestuöses Objekt sieht und er die erotische Wünsche der Tochter, die sie realisieren will, versucht durch Verleugnung zu ignorieren, wird die Situation ganz anders. Die Ablösung der Tochter in der Adoleszenz wird dann mit Verlustängsten und Verletzungen verbunden. Die Störungen der psychosexuellen Bewustheitentwicklung werden stärker. Es handelt sich hier um eine Form der „Vaterentbehrung” auch wenn der Vater psychisch anwesend ist. Dadurch, daß genug Freiraum und Phantasie vorhanden ist, kann diese „Vaterentbehrung” ausgeglichen werden. Untersuchungen haben gezeigt, daß die Töchtern von Witwen sehr stark an ein Vaterbild gebunden sind und viel von ihnen halten. Dadurch sind sie gehindert Kontakte zu gleichalteri- gen Jungen aufzunehmen. Die Töchter aus Scheidungsfamilien hingegen versuchen ihre Verletzungen dadurch auszugleichen, daß sie Jungen suchen, die ihnen helfen sollen die Mutter zu verlassen.

Das heißt, die Töchter aus Scheidungsfamilien suchen Zuneigung und Aufmerksamkeit bei gleichaltrigen Jungen, die ihnen das Gefühl geben sollen, wertvoll zu sein. „(Anders ist es bei Töchtern von Witwen, wo) ... ein überhöhtes inneres Bild geschaffen (wird), um das fehlende äußere Objekt zu ersetzen, an dem das Mädchen sich festzuhalten und sein durch den Verlust gestörtes Selbstwertgefühl zu regenerieren versucht. Gerade wegen dieses selbswertstabilisie- renden Charakters scheint es besonders schwierig, sich von diesem Phantasieobjekt zu trennen.” (S. 218)

Die narzißtische Befriedigung, die die Tochter in der Beziehung zu ihrem Vater findet, ist für die Entwicklung des Selbstgefühls gerade in der Adoleszenz sehr wichtig. Wenn die Bestäti- gung ihres Selbstgefühls durch den Vater nicht erreicht wird, gelingt es oft nicht den Schritt in die Erwachsenenwelt zu tun. Die Töchtern sind in dieser Situation sehr enttäuscht und wütend.

Um diese Enttäuschungswut zu charakterisieren, möchte ich das Beispiel einen magersüchtigen Mädchens und deren Vater zeigen:

Die 14-jährige Karla konnte durch ihre kognitive Fähigkeiten den Mangel an emotionaler Zuwendung durch ihren Vater ausgleichen, insofern hatte es den Anschein, daß sie gerade wegen ihrer guten Schulleistungen geliebt oder besser, bewundert wurde. Diese Fähigkeiten waren aber nicht wirkliche Quellen der Befriedigung. Sie fand Bestätigung von ihren Eltern erst nach Beginn einer Magersuchtphase, in der sie Angst hatten, daß ihre Krankheit ein Einfluß auf ihre Noten haben könnte. Die schulischen Leistungen waren für ihre Eltern wichti- ger, als sich Sorgen zu machen, ob diese Magersucht auch Auswirkungen an ihre Gesundheit haben kann. Gleichzeitig klagte ihr Vater darüber, daß sie sich zu männlich anzog und sich nicht für Jungen interessierte, als ob das ihre Krankheit hätte heilen können. Aber er selbst war nicht in der Lage, die Vater-Tochter-Beziehung lebendiger zu gestalten. Es sieht so aus, daß der Vater seine Tochter erst in ihre Magersuchtphasae wahrgenommen hat, und als, ob es in dieser Beziehung vorher keine Probleme und keine befriedigende Interaktionen gegeben hätte. Als Karla nicht aufhörte abzunehmen, empfand es der Vater als einen persönlichen Angriff und wurde immer wütender. Er verordnete Fahrradtouren für die ganze Familie, die immer erfolglos waren, weil Karla stumm und verbissen vor den Eltern dahinradelte, ohne mit dem Vater oder der Mutter mehr als die nötigsten Worte zu wechseln. Die Wut zwischen dem Vater und der Tochter wurde immer stärker. Als Karla einmal morgens im Hausflur ihr drecki- ges Fahrrad zu reparieren versuchte und herumschrie, daß sie nicht einmal ein Fahrrad allein reparieren könnte, raste der Vater im Bademantel wutentbrannt in den Flur, weil Karla sich nicht an seine Anordnung gehalten und in der Wohnung Dreck gemacht hatte. Karla erfaßte die Maßlosigkeit der Wut des Vaters peinlich genau und schrie ihn an, er solle sie doch endlich totschlagen, dann hätte er seine Ruhe. Beide waren nach diesem Vorfall sehr betroffen.

Fazit aus diesem Beispiel:

Beide haben sich das Gefühl gegeben, nicht wahrgenommen zu werden und nicht zu existie- ren. Karla müßte ihren Vater so lange provozieren, bis sie endlich das Gefühl hatte von ihm wahrgenommen zu werden. Deswegen hat sie ihn auch angeschrien, daß er sie totschlagen soll. Eine derart „eingefrorene” Beziehung aufzutauen ist oft sehr schwierig, ferner fällt hier das Fehlen inzestuöser Phantasien auf. Erst dann, wenn der Vater und die Tochter ein wechselseitiges primäres Vertrauen aufgebaut haben, können inzestuöse Phantasien entstehen. Wenn die primäre, nicht sexualisierte Phase nicht richtig statt gefunden hat, ist es sehr schwer diese in der Pubertät nachzuholen. Dadurch, daß der Vater und die Tochter keine gemeinsame Erfahrungen gemacht haben, ist es auch schwer eine konfliktfreies Gespräch durchzuführen genauso wie aufeinanderzuzugehen.

Die Klage von Karla, daß sie nicht einmal alleine ihr Fahrrad reparieren kann, sollte ein Hilfe- ruf an den Vater sein, es ihr endlich beizubringen. Die Hilfe anzunehmen, hätte für sie jedoch bedeutet, eine Beziehung mit ihn aufzubauen, aber Karla war noch nicht, oder nicht mehr dazu bereit.

Die Mutter-Tochter-Beziehung blieb bis jetzt extra ausgeklammert, auch wenn die Mutter als eine engste Bezugsperson der Tochter gilt und als ein Mitglied der Triade nicht im Hintergrund stehen bleiben darf. Aber die Mutter-Tochter-Beziehung soll wenigstens zum Schluß erwähnt werden. In dieser Dyade ist es normal, daß sich die Tochter für eine gewisse Zeit von der Mutter abwendet, genauso wie auch die Mutter von der Tochter, was in der Phase der Entwicklung der Tochter sehr wichtig ist.

Dadurch, daß sich die Mutter neue Lebensziele aufzeigt oder neue schafft, vermittelt sie ihrer Tochter ein neues Bild von Weiblichkeit und hilft ihr, ihre kindischen Phantasien über die Weiblichkeit loszuwerden und die Realität zu sehen. Solange sich die Tochter als eine Konkurrentin der Mutter sieht, kann sie sich mit ihrer Mutter nicht oder nur unter Schuldge- fühlen auseinandersetzen.

In der Adoleszenz kommt es in der Mutter-Tochter-Beziehung zu Konflikten, wofür meistens das ”ähnlich sein wollen” und das ”nicht ähnlich sein wollen” der Tochter verantwortlich ist. Auch durch diese Konflikte bleibt die Eltern-Beziehung stabil. Genauso wie Töchtern müssen auch die Söhne wahrnehmen dürfen, wie die Eltern ihre Konflikte lösen, ohne selbst in sie verstrickt zu werden. Die Stimmulierung von Konflikten zwischen den Eltern soll der Tochter helfen, ihre Schuldgefühle abzubauen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Zur Psychodynamik der Vater-Tochter-Beziehung in der Adoleszenz
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main  (Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Tochter und Vater - eine vernachlässigte Beziehung
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V7167
ISBN (eBook)
9783638145084
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychodynamik, Vater-Tochter-Beziehung, Adoleszenz, Tochter, Vater, Beziehung, Pubertät, weibliche Adoleszenz, weibliche Pubertät, zur Sozialisation junger Frauen
Arbeit zitieren
Jana Weber (Autor), 2001, Zur Psychodynamik der Vater-Tochter-Beziehung in der Adoleszenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7167

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