NEUE SOZIALE BEWEGUNGEN -Eine etwas andere Form der politischen Partizipation


Hausarbeit, 2007
13 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Was ist eine „soziale Bewegung“?

3. Was sind Neue Soziale Bewegungen?
3.1 Charakterisierung der NSB
3.2 Was ist das Neue an den NSB
3.3 Historische Vorläuferbewegungen und NSB

4. Formen der Neuen Sozialen Bewegungen
4.1 Neue Frauenbewegungen
4.2 Ökologiebewegungen
4.3 Neue Friedensbewegungen

5. Parteien und Neue Soziale Bewegungen
5.1 Begriffliche Unterscheidung
5.2 Verhältnis von Parteien und NSB

6. Zusammenfassung und kritische Evaluation der NSB

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Massive gesellschaftliche Veränderungen und Probleme in Form von Globalisierung, Wertewandel, Wirtschaftskrisen, Arbeitslosigkeit, Umweltzerstörung oder die Bedrohung durch neue Kriege versetzen die Menschen in Besorgnis. Risiken wie diese überfordern den Einzelnen zunehmend und so richten viele ihre Hoffnungen auf die Handlungsfähigkeit der Politik. Doch auch diese erweist sich aufgrund der Vielzahl von Problemen oftmals als überlastet und so wird, anstatt einer Suche nach konkreten Problemlösungen, die eigene Machtlosigkeit nur rhetorisch kaschiert.

Aufgrund dieser Entwicklungen entstanden in den letzten Jahren Bündnisse, Netzwerke und Zusammenschlüsse, welche eine neue Form des Zusammenhalts jenseits der traditionellen Familien darstellten. Viele waren bereit sich an den neuen Formen der Bewegung zu beteiligen und sich dafür zu engagieren etwas an den gesellschaftlichen Zuständen und Problemen zu verändern . (vgl. Quelle Nr. 1)

Die Rede hierbei ist von den „Neuen Sozialen Bewegungen“ (künftig auch „NSB“ genannt) wie beispielsweise der neuen Frauenbewegung, der Ökologiebewegung oder der Neuen Friedensbewegung, welche im Einzelnen zu einem späteren Zeitpunkt noch thematisiert werden sollen.

Doch zunächst ist es von Bedeutung den Begriff der „Neuen Sozialen Bewegungen“ näher zu erläutern und diesen von dem der Sozialen Bewegung abzugrenzen. Unter diesem Gesichtspunkt soll auch der Fragestellung nachgegangen werden: „was ist eigentlich so neu an den Neuen Sozialen Bewegungen“? Ein weiterer Hauptaspekt dieser Ausarbeitung soll dann die Auseinandersetzung mit ausgewählten, oben bereits erwähnten, Teilbewegungen sein. Hierbei ist auch die Frage des Erfolges der einzelnen Bewegungen von Interesse. Anschließend werden die Unterschiede, sowie das Verhältnis zwischen politischen Parteien und Neuen Sozialen Bewegungen eine zentrale Rolle einnehmen, um dann schlussendlich die Thematik der Neuen Sozialen Bewegungen zusammenfassend und kritisch beurteilen zu können.

2. Was ist eine „soziale Bewegung“?

Es besteht seit je her eine enge Verknüpfung der Deutschen Geschichte mit sozialen Bewegungen. Viele der ersten Theoretiker sozialer Bewegungen waren Deutsche, zu nennen wären hierbei beispielsweise Karl Marx oder Friedrich Engels. Verschiedene deutsche Sozialbewegungen, wie die Arbeiterbewegung oder die nationalsozialistische (NS-) Bewegung zählen zu den größten ihrer Art in Europa. Dennoch hat es die Deutsche Sozialwissenschaft bis zum heutigen Tage zu keiner gesicherten, systematischen Begriffsbestimmung des Phänomens der sozialen Bewegungen gebracht.

Um den Begriff „Soziale Bewegung“ dennoch verständlich zu machen, möchte ich mich zunächst Raschke´s Definitionsvorschlag bedienen:

Soziale Bewegung ist ein mobilisierender kollektiver Akteur, der mit einer gewissen Kontinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifikation mittels variabler Organisations- und Aktionsformen das Ziel verfolgt, grundlegenderen sozialen Wandel herbeizuführen, zu verhindern oder rückgängig zu machen.“ (Roth/Rucht 1987: 21)

Eine Soziale Bewegung findet üblicherweise ihren Beginn in verstärkter Interaktion, Organisationsbildung, operativer Zielformulierung und ersten Aktionen. Hinsichtlich des Endes einer sozialen Bewegung unterscheidet man drei Formen:

1. Auflösung der Bewegung:

Durch weitgehende Auflösung von Bewegungsorganisationen und das Ausbleiben nicht-organisierten Bewegungsverhaltens. Ursachen für die „Auflösung“ kann in Unterdrückung liegen, oder aber in Selbstauflösung aufgrund von Erfolg, Misserfolg oder nachgelassenem Interesse.

2. Transformation in eine Nachfolgerbewegung:

Hierbei wird das Aktivitätspotenzial während oder nach einer Krise in eine Bewegung mit neuer Identität überführt.

3. Institutionalisierung der Bewegung:

Charakteristisch hierfür ist, dass sich die Aktivitäten der Bewegungen in Organisations-handeln erschöpft.

(vgl. Roth/ Rucht 1987)

3. Was sind Neue Soziale Bewegungen?

In der ersten Hälfte der siebziger Jahre konnte kaum einer vorhersehen, dass sich in den folgenden Jahren in der Bundesrepublik Deutschland eine neue, breite Welle der Protestbewegungen entzünden sollte.

Doch wenig später, gegen Ende der siebziger Jahre, tauchten gleich eine ganze Reihe neuer Äußerungen des politischen Protestes in Form von Einzelbewegungen, Bürgerinitiativen und Zusammenschlüssen auf. Die Zielsetzungen und Anlässe waren hierbei derart verschieden, dass in den Sozialwissenschaften lange Zeit eine starke Skepsis darüber herrschte, ob denn diese Protestformen überhaupt mit einen gemeinsamen Begriff zu definieren seien. (vgl. Görg 1992)

Im folgenden Teil der Ausarbeitung soll es nun darauf ankommen, die neuen Protestformen, welche heutzutage weitestgehend übereinstimmend und dem Begriff der Neuen Sozialen Bewegungen vereinigt werden, charakteristisch darzustellen und sie gegenüber den Vorläuferbewegungen abzugrenzen.

3.1 Charakterisierung der NSB

Laut Rucht lassen sich die Neuen Sozialen Bewegungen in vierfacher Weise charakterisieren:

1. In ideologischer Hinsicht haben die Neuen Sozialen Bewegungen ein gebrochenes Verhältnis zum Modernisierungsprozess. Auf der einen Seite befürworten sie eine demokratische Gesellschaftsordnung mit hohen Partizipations- und Selbstentfaltungsmöglichkeiten, auf der anderen Seite jedoch stellen sie sich gegen den Vorrang instrumenteller Vernunft. Entsprechend zwiespältig ist auch das Verhältnis der Neuen Sozialen Bewegungen zum wohlfahrtsstaatlichen Kapitalismus.
2. In organisatorischer Hinsicht bevorzugen die NSB dezentrale, hohe Autonomie gewährende Strukturen und tendieren somit zu lockeren Netzwerken.
3. In strategischer Hinsicht orientieren sich die NSB an einen reformatorischen Kurs, welcher sowohl an strukturellen als auch an persönlichen Veränderungen ansetzt.
4. Den sozialstrukturellen Kern der NSB bilden die neuen Mittelschichten, insbesondere Angehörige des Humandienstleistungssektors. Somit verfügen die Bewegungen über hohe kognitive Ressourcen, sowie starke Einflussmöglichkeiten in der politischen Öffentlichkeit. (vgl. Rucht 1994)

3.2 Was ist das Neue an den NSB

Die Kennzeichnung von beispielsweise der Neuen Frauenbewegung oder der Neuen Friedensbewegung als Neue Soziale Bewegungen beinhaltet die Fragestellung, welche Kriterien es sind, die eine Unterscheidung der Neuen Sozialen Bewegungen von den „traditionellen“ Sozialen Bewegungen, wie etwa der Arbeiterbewegung, rechtfertigen. Auch soll diese Unterscheidung der Begriffsschärfung des Phänomens der Neuen Sozialen Bewegungen dienen.

Japp sieht in der Verlaufschronik der sozialen Bewegungen vor allen Dingen eine Änderung der Bezugsprobleme und spricht sich daher für eine Aufgliederung der Entwicklung der Sozialen Bewegungen in drei Phasen aus.

Am Beginn der Bewegungsgeschichte stehen eine Vielzahl von Normkonflikten, welche wegen auseinanderklaffender Rechtsauffassungen öffentliche Aufstände und Empörungen zur Folge hatten. Diese wurden im 19. Jahrhundert von Knappheitskonflikten abgelöst, die sich an der ungleichen Verteilung von Gütern und Geldern entzündeten. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts traten an die Stelle der Knappheitskonflikte dann Konflikte um riskante Entscheidungen, welche sich nun protesterzeugend und –fördernd auswirkten. Die Protestthemen der Neuen Sozialen Bewegungen (ab 1968) basieren nach Japp auf der Risikoproblematik der modernen Gesellschaft. Im Unterschied zu den klassischen Sozialen Bewegungen besteht bei den NSB kein Zentralkonflikt, stattdessen sind sie vielschichtig und mehrdimensional. (vgl. Japp 1993)

Neben den Protestgründen haben sich auch die gesellschaftlichen Akteure der NSB gegenüber vorangegangener Bewegungsformen geändert. Sie bestanden hauptsächlich aus jüngeren, in den sechziger und siebziger Jahren politisch sozialisierten, höher gebildeten Teile der neuen Mittelschicht. Wie bereits unter 3.1 erwähnt, bestand diese Schicht vorrangig aus Angehörige der neuen sozialen Dienstleistungsberufe. Es sind nun nicht mehr sozialstrukturierte, weitgehend homogenen Lebenslagen und Problemerfahrungen, die zur Formierung sozialer Bewegungen und kollektiver Akteure führen, sondern themenspezifische Betroffenheit und gemeinsame Bedürfnisdefinitionen.

Auch die Organisations- und Mobilisierungsformen der Neuen Sozialen Bewegungen wandelten sich. Sie zeigten einen relativ flüssigen, offenen und weniger institutionalisierten Charakter auf. (vgl. Roth/Rucht 1987)

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
NEUE SOZIALE BEWEGUNGEN -Eine etwas andere Form der politischen Partizipation
Note
1,0
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V71707
ISBN (eBook)
9783638632270
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NEUE, SOZIALE, BEWEGUNGEN, Form, Partizipation
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, NEUE SOZIALE BEWEGUNGEN -Eine etwas andere Form der politischen Partizipation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71707

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