Abstract
Auch für viele deutsche Unternehmen bietet die EU-Osterweiterung große Potentiale. Einerseits ist es möglich den Absatz in den beigetretenen Ländern zu steigern. Auf der anderen Seite bietet die Ausweitung der EU in Richtung Osten aber auch Verbesserungspotentiale für den Lieferservice und die Logistikkosten für deutsche Unternehmen. Ziel der vorliegenden Studienarbeit ist es diese Potentiale aufzuzeigen.
Die Studienarbeit ist formal in drei Kapitel untergliedert. Im ersten Abschnitt werden die Grundlagen für das Verständnis der Arbeit geliefert. Dabei wird zu Beginn die EU-Osterweiterung 2004 kurz erläutert. Die Problemstellung, sowie Begriffdefinitionen von Logistikkosten und Lieferservice folgen. Im zweiten Kapitel werden Potentiale zur Minimierung von Logistikkosten untersucht, deren Auswirkungen auf den Lieferservice im letzten Kapitel erläutert werden.
Seit der EU-Osterweiterung und dem Wegfall der Grenzen haben sich die Transportkosten durch die Zeiteinsparung deutlich verringert. Aufgrund der gewonnenen Zeit ist eine Steigerung der Anzahl der Rundläufe möglich. Die Lieferzeit hat sich seit der EU-Osterweiterung in den meisten Fällen fast halbiert. Dies hat einen großen Einfluss auf den vom Kunden wahrgenommenen Lieferservice. Außerdem konnte die Lieferzuverlässigkeit verbessert werden, da Lieferzeiten besser prognostizierbar sind. Weitere Kosteneinsparungen ergeben sich durch den verstärkten Wettbewerbsdruck auf dem Markt für Transportdienstleister. Ferner konnten Einsparungen der Logistikkosten durch die Möglichkeit des Abbaus von Regionallagern und der Verlagerung des Distributionszentrums nach Osteuropa realisiert werden. Jedoch ergeben sich aus diesen Maßnahmen Zielkonflikte bei den Logistikkosten und dem Lieferservice.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Grundlagen zur EU-Osterweiterung 2004
1.2 Problemstellung
1.3 Begriffdefinition von Logistikkosten und Lieferservice
2 Kostensenkende Potentiale der EU-Osterweiterung
2.1 Transportpotentiale
Wegfall von Grenzen
Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
Wettbewerb unter Transportdienstleistern
2.2 Lagerhaltungspotentiale
Wegfall von dezentralen Lagern
Verlagerung von Distributionszentren nach Osteuropa
3 Konsequenzen für den Lieferservice
Zielsetzung und Schwerpunkte
Die Studienarbeit untersucht die Auswirkungen der EU-Osterweiterung von 2004 auf deutsche Transport- und Logistikunternehmen. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit durch den Wegfall von Grenzen, den Infrastrukturausbau und den verstärkten Wettbewerb Kostensenkungspotenziale bei Logistikkosten realisierbar sind und welche Auswirkungen dies auf den Lieferservice hat.
- Analyse der Transport- und Lagerhaltungspotenziale durch die EU-Osterweiterung.
- Untersuchung von Kosteneinsparungen durch den Wegfall von Grenzkontrollen und Zollformalitäten.
- Evaluierung des Wettbewerbsdrucks im Bereich der europäischen Transportdienstleister.
- Bewertung von Standortentscheidungen für Distributionszentren in Osteuropa.
- Darstellung von Zielkonflikten zwischen Logistikkosten und Lieferservice am Beispiel der Ersatzteillogistik.
Auszug aus dem Buch
Wegfall von Grenzen
Durch den Beitritt der neuen EU-Staaten wurden gleichzeitig auch die bis dahin bestehenden Grenzen zwischen Deutschland, aber auch den einzelnen Beitrittsländern überflüssig. Der Wegfall der Zollkontrollen und dem damit verbundenen verminderten Zollabfertigungsaufwandes machte sich an der deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Grenze direkt nach der EU-Osterweiterung positiv bemerkbar. Seit dem 1. Mai 2004 wird nur noch eine Pass- bzw. Sichtkontrolle an der Grenze durchgeführt. Längere Wartezeiten and den Grenzen sind sowohl an der deutsch-tschechischen als auch an der deutsch-polnischen Grenze mit Ausnahme von Hauptverkehrszeiten nicht mehr zu beobachten. Zuvor lagen die Wartezeiten mitunter am Grenzübergang Frankfurt / Oder - Slubice bei der Ein- bzw. Ausreise von und nach Polen bei über 20 Stunden für LKWs (vgl. Bundesamt für Güterverkehr 2004).
Allerdings ist noch nicht mit einer vollkommenen Stauauflösung an den Grenzübergängen zu rechnen. Bis zur Erfüllung sämtlicher Auflagen des Schengener Abkommens durch die neuen Mitgliedsstaaten, entfallen die Grenzen und damit verbundenen Personenkontrollen nicht vollständig. Das 1985 gegründete Abkommen ist mit dem Ziel unterzeichnet wurden auf Waren- und Personenkontrollen an den gemeinsamen Grenzen zu verzichten. Mit einem vollständigen Wegfall der Grenzkontrollen ist in den Beitrittslstaaten nicht vor 2007 zu rechnen. Des Weiteren wird es durch die bereits in Kapitel 1 besprochene Transportverlagerung auf den Straßengüterverkehr, aber auch durch den erhöhten Warenaustausch zwischen den Ländern zu einem höheren Verkehrsaufkommen führen, was sich wiederum auf erhöhte Wartezeiten an den Grenzen auswirken kann (vgl. Jauernig u.a. 2004, S. 16 f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel liefert die Grundlagen zum Verständnis der Arbeit, erläutert die EU-Osterweiterung 2004 sowie die zentralen Begriffe der Logistikkosten und des Lieferservices.
2 Kostensenkende Potentiale der EU-Osterweiterung: Hier werden die durch die EU-Erweiterung entstehenden Transport- und Lagerhaltungsvorteile untersucht, insbesondere durch den Wegfall von Grenzen und den Wettbewerb unter Dienstleistern.
3 Konsequenzen für den Lieferservice: Dieses Kapitel fasst die Auswirkungen der Kosteneinsparungen auf den Lieferservice zusammen und diskutiert auftretende Zielkonflikte anhand der Ersatzteillogistik.
Schlüsselwörter
EU-Osterweiterung, Logistikkosten, Lieferservice, Transportlogistik, Straßengüterverkehr, Grenzübergang, Distributionszentren, Lagerhaltung, Wettbewerb, Ersatzteillogistik, Warenstrom, Infrastruktur, Zollabwicklung, Supply Chain Management, Kosteneinsparung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, welche ökonomischen Potenziale sich für deutsche Unternehmen in der Logistikbranche durch die EU-Osterweiterung im Jahr 2004 ergeben haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Transportkosten, der Lagerhaltungseffizienz und der Optimierung des Lieferservices im Kontext der neuen EU-Mitgliedsstaaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Unternehmen ihre Logistikprozesse durch den Wegfall von Handelsbarrieren effizienter gestalten und dabei Kosten sparen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die Auswertung von Studien und Berichten öffentlicher Institutionen zum europäischen Güterverkehr.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Transport- und Lagerhaltungspotenzialen sowie die kritische Betrachtung der Auswirkungen auf den Lieferservice.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Logistikkosten, Lieferservice, EU-Osterweiterung, Straßengüterverkehr und Distributionsstrategien.
Warum ist die Ersatzteillogistik ein kritisches Fallbeispiel?
Ersatzteillogistik erfordert extrem hohe Zuverlässigkeit und kurze Lieferzeiten; daher entstehen hier besonders starke Zielkonflikte, wenn durch Kosteneinsparungen die Lieferqualität gefährdet wird.
Welchen Einfluss hat die Infrastruktur auf die Standortwahl?
Die Infrastruktur ist ein entscheidendes Kriterium bei der Standortbewertung von Logistikzentren, wobei das noch immer unterentwickelte Straßennetz in vielen Beitrittsstaaten die Planbarkeit beeinträchtigt.
Warum ist die Zollabwicklung ein wichtiger Faktor?
Der Wegfall bzw. die Vereinfachung der Zollformalitäten durch die EU-Erweiterung und moderne Verfahren wie ATLAS führt zu einer massiven Zeitersparnis für Logistikunternehmen.
- Quote paper
- Susann Lehmann (Author), 2006, Verbesserungspotentiale für Lieferservice und Logistikkosten durch die EU-Osterweiterung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71719