Kolonialwirtschaft in Afrika


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handel und Wirtschaft vor der Kolonialherrschaft
2.1 Die Handelsstruktur im 19. Jahrhundert in Afrika
2.2 Der überregionale Karawanenhandel am Beispiel Sansibars und Deutsch – Ostafrikas
2.2.1 Entstehung und Ausbreitung des Karawanenhandels
2.2.2 Ordnung des Karawanenhandels

3. Aufbau der Kolonialwirtschaft
3.1 Die Infrastruktur
3.2 Die Entwicklung eines afrikanischen Handelszentrum zu einer kolonialen Stadt am Beispiel Tabora
3.3 Entwicklung der Landwirtschaft
3.1.1 Plantagenwirtschaft in Deutsch – Ostafrika

4. Die Bergbaukolonien

5. Zusammenfassung

6. Literatur

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit wird der Aufbau der Kolonialwirtschaft in Afrika und die daraus resultierenden Veränderungen für die afrikanische Urbevölkerung behandelt. Es werden in dieser Arbeit hauptsächlich die deutschen Kolonien betrachtet.

Der erste Teil beschäftigt sich dem Handel und der Wirtschaft vor der Kolonialherrschaft. Hier wird als erste die Handelsstruktur im 19. Jahrhundert in Afrika beschrieben. Als nächstes wird der überregionale Karawanenhandel am Beispiel Sansibars und Deutsch - Ostafrikas behandelt.

Der zweite Teil befasst sich mit dem Auf- und Ausbau der Kolonialwirtschaft. Der Ausbau der Infrastruktur und speziell der Aufbau des Eisenbahnnetzes ist hier ein wichtiger Faktor. Die Entwicklung eines afrikanischen Handelszentrums zu einer kolonialen Stadt wird am Beispiel Taboras verdeutlicht. Die Entwicklung der Landwirtschaft wird hier am Beispiel der Plantagenwirtschaft in Deutsch – Ostafrika beschrieben. Der letzte Teil befasst sich mit dem Bergbau, der eine zunehmend wichtigere Rolle in der kolonialen Epoche in Afrika spielte. Zum Schluss werde ich in der Zusammenfassung versuchen die Veränderungen im Leben der afrikanischen Urbevölkerung durch den kolonialen Einfluss und den Handel mit den Europäern zu bewerten.

2. Handel und Wirtschaft vor der Kolonialherrschaft

2.1 Die Handelsstruktur im 19. Jahrhundert in Afrika

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stand der Sklavenhandel noch im Mittelpunkt des Handels. Die meisten Sklaven wurden über den Atlantik verschifft, gleichzeitig wurden auch viele durch die Sahara und übers Rote Meer und den Indischen Ozean verschleppt.[1]

Durch den Sklavenhandel dehnte sich das Handelsnetz aus. Nach dem Verbot des Sklavenhandels und dem Übergang zu anderen Exportgütern wurden die Handelswege noch weiter ausgedehnt.[2]

Es entstanden laut dem ghanaischen Historiker Adu Boahen drei weitgehend unabhängige Handelssysteme. Einem atlantischen an der Westküste, einem mediterranen an der Nordküste und einem Handelssystem im Bereich des Indischen Ozeans. Durch die Ausdehnung des Handels von der ostafrikanischen Küste nach Zentralafrika schlossen sich die drei Handelssysteme zusammen. Durch den Rückgang des Sklavenhandels vervielfältigte sich die extraktive Exportwirtschaft, d.h. der Handel mit Rohstoffen aus der Natur, wie zum Beispiel Elfenbein und Tierhäute, die durch Jagen gewonnen werden, oder Bienenwachs, Kautschuk und Palmöl, die gesammelt werden.[3] Durch diese Wirtschaftsform veränderte sich der Handel mit diesen Gütern und die Handelswege wurden länger. Sobald die oben aufgeführten Handelsgüter in einer Region verbraucht waren, verschob sich der Handel immer weiter ins Landesinnere und somit wurden auch die Handelswege immer länger.[4] Die Rohstoffproduzenten und die Fernhändler wollten ihren Gewinn maximieren, in dem sie so viele Zwischenhändler wie möglich ausschalteten. Das führte zur einer Destabilisierung des afrikanischen Gemeinwesens, vor allem in Zentralafrika konnten durch den Handel mit Elfenbein schnell verschiedene Machtzentren entstehen und wieder verschwinden.[5] Die Situation in der Landwirtschaft sah hingegen ganz anders aus. Aufgrund der hohen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten wurde bei einigen Gütern vom Sammeln zum gezielten Anbau übergegangen. Vor allem in Westafrika führte es zu gesellschaftlichen Umbrüchen, da durch die Exportproduktion viel größere Bevölkerungsgruppen von dem Handel profitierten und so das starke Wohlstandsgefälle einen Ausgleich fand.[6]

Durch die in Westafrika stark verbreitete Arbeitsteilung verlief die Umstellung auf eine teilweise monokulturartige Spezialisierung ohne große Schwierigkeiten. In Zentralafrika dominierte aber weiterhin die extraktive Exportwirtschaft, wobei es natürlich sowohl in Westafrika extraktive Exportwirtschaft gab und in Zentralafrika auch mit landwirtschaftlichen Produkten gehandelt wurde.[7]

In Westafrika existierte schon seit Jahrhunderten ein sehr komplexes Handelssystem, in dem lokale, regionale und internationale Handelsnetze miteinander verflochten waren. Durch den lokalen Handel wurde der Warenaustausch zwischen verschieden Regionen unterstützt und durch Produkte aus dem Fernhandel bereichert.[8]

Im lokalen Handel konnten die Frauen in Westafrika bis zur Ausbreitung des Islams große Bedeutung erlangen. Dort herrschte bei einer Ehe nämlich Kassentrennung und so konnten die Frauen auf den Märkten eigenen Handel betreiben. Es darf aber hierbei auch nicht vergessen werden, dass die Frauen nicht immer so frei über ihre Arbeitszeit verfügen konnten wie ihre Männer, weil sie sich auch noch um die Familie kümmern mussten.[9] Die Märkte waren von einem bestimmten Regelsystem bestimmt, das genau überwacht und kontrolliert wurde. In den großen Städten durften die Märkte täglich und in kleineren Orten nur an bestimmten Tagen abgehalten werden. Des weitern gab es auch das rotierende System der Marktplätze, das zur Folge hatte, dass die verschieden Kleinhändler den Markt in gewissen Abständen bei sich in der Nähe hatten.[10]

Während sich der lokale Handel auf die Güter zur Grundversorgung beschränkte, konzentrierte sich der afrikanische Fernhandel auf die knappen und begehrten Produkte, wie z.B. Salz, Kolanüsse oder auf Luxuswaren wie Goldschmuck. Durch die langen Handelswege, die sich aufgrund des Fernhandels bildeten, entstanden buchstäbliche Handelsdrehscheiben, die die unterschiedlichen Klimazonen und die verschiedene ökologischen Regionen verbanden. Im Haussaland bildete sich so eine Drescheibe, da dort die Trans- Sahararouten endeten und sich dort auch eine wachsende Textilindustrie befand.[11]

Der Grundstein für den reibungslosen Ablauf eines solchen Handelssystems war das gegenseitige Vertrauen und eine gute Zahlungsmoral. Um dieses Vertrauen zu gewährleisten, wurde es oft durch eine Heirat oder durch Einbindung der Verwandtschaft besiegelt.[12]

Viele Händler ließen sich in fremder Umgebung nieder ohne den Kontakt in die Heimat zu verlieren und dienten so als kulturelle Vermittler. Diese Art des Fernhandel, sowohl der innerafrikanische als auch der mit den Europäern, wird als „Händlerdiaspora“ bezeichnet.[13] In Westafrika wurden die Waren auf unterschiedliche Weise transportiert. In der Sahara und in den Randgebieten wurden die Waren mit Kamelkarawanen in anderen Regionen mit Eseln und Pferden und in den Regenwaldgebieten nur mit Trägern befördert.[14]

In Zentralafrika mussten die Händler aufgrund der klimatischen Verhältnisse auf den Transport mit Tieren verzichten. Sie konnten also ihre Ware nur mit Hilfe von Menschen transportieren. Vor den Zwangsrekrutierungen der Kolonialzeit war es für die Träger auch ein lukrativer Beruf, denn sie durften auch eigene Waren mitnehmen, mit denen Sie Handeln konnten. Der Handel selbst wurde häufig als Etappenhandel praktiziert und die Karawanen wurden so im Zuge des Fernhandels ein Teil des lokalen und regionalen Handels, indem sie als wandernde Märkte die verschiedenen Gegenden mit ihren Waren versorgten.[15]

2.2 Der überregionale Karawanenhandel am Beispiel Sansibars und Deutsch – Ostafrikas

2.2.1 Entstehung und Ausbreitung des Karawanenhandels

Der Karawanenhandel Ostafrikas geht auf die Sultane aus dem Oman zurück, die seit dem 17. Jahrhundert an der Ostküste an Einfluss und Macht gewannen und mehrere Handelszentren aufbauten.[16] Anfang des 19. Jahrhunderts verlegte der Sultan Sayyid Said ibn Sultan seinen Herrschersitz nach Sansibar, da er dort sehr gute Handelsmöglichkeiten mit dem Anbau verschiedener Nutzpflanzen sah und sich die Insel sehr gut für Plantagenwirtschaft eignete. Da es ihm an Kapital mangelte genehmigte er großzügigen Bedingungen, weshalb sich indischen Kaufleuten auf Sansibar und dem gegenüberliegenden Festland niederließen.[17] Seit Anfang des 19 Jahrhunderts stiegen der Sklavenhandel und der Handel mit Gewürzen stetig an. Bald erweckte aber auch der Handel mit Elfenbein das Interesse und wurde eins der begehrtesten Exportgüter Ostafrikas.

Der Karawanenhandel interessierte schon früh die europäischen Geschäftsleute und sie gründeten Handelshäuser und schlossen Handelsverträge mit Sansibar ab.[18] Der Karawanenhandel wurde zwar von der sansibarischen Regierung kontrolliert, aber die Durchführung lag bei Privatleuten. Die Händler waren aber keineswegs alle Araber aus dem Oman und dem Hadhramawt, sonder im Gegenteil: nach heutigen Schätzungen gab es einige hundert arabische Händler und etwa 1000 bis 2000 Swahili.[19] Durch den Karawanenhandel verdienten nicht nur die eben erwähnten Omanis, Hadhramawt und Swahilis ihren Lebensunterhalt, sondern es gab auch noch Inder, Komorenser und Afrikaner aus dem Landesinneren, die davon lebten.[20] Viele Händler versuchten durch Hochzeiten mit den Töchtern der afrikanischen Herrscher ihre Positionen zu festigen und mit ihnen Allianzen zu schließen.[21] Auf der Suche nach Elfenbein drangen die Händler in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer weiter ins Landesinnere vor und gründeten viele große Handelszentren wie z.B. Ujiji, Tabora und Nyangwe. Zu den großen Zentren des sansibarischen Karawanenhandels gehörten auch Unyanyembe und Manyema. Sie lagen in den elfenbeinreichsten Regionen Ost- und Zentralafrikas. Dort wurden zum ersten Mal auch Niederlassungen der Händler gegründet, die nicht nur Handelsplätze waren, sondern auch als Basen für die Elfenbeinjagd fungierten.[22]

Es gab Mitte des 19. Jahrhunderts drei wichtige Handelswege ins Landesinnere. Die kürzeste und schnellste war die südliche Route. Sie führte über Lindi und Kilwa zum Nyassa – See. Die Karawanen brauchten etwa einen Monat für die Strecke. Die zentrale Route, die durch Ugogo und Unyamwezi führte, verlief von Bagamoyo und Pagani über Tabora nach Ujiji. Die Händler brauchten etwa drei Monate für diese Route. Die nördliche Route verlief von Tanga über Moschi und Arusha zum Victoria- See.[23] Auf diesen Routen gab es keine Wege oder ausgebaute Straßen, sie waren aber immer abhängig von den lokalen Bedingungen. Zu denen zählte zum einen die lokale Landwirtschaft, da die Karawanen, die bis zu mehreren tausend Mann stark waren, deren Produkte für die Verpflegung benötigten und zum andern die Bedingungen zur Produktion von Elfenbein, Gummi und Sklaven. Nur in den seltensten Fällen jagten die Händler die Elefanten selbst, in den meisten Fällen schlossen sie Verträge mit den lokalen Herrschern und Elfenbeinjägern.[24]

[...]


[1] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 19f

[2] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 29

[3] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 29

[4] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 29

[5] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S.30

[6] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 30

[7] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 30

[8] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 30

[9] Vgl. Ingeborg Grau, Interaktion afrikanischer Gesellschaften mit dem kolonialen System, S. 161 und Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 31

[10] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 31

[11] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 33

[12] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S.33

[13] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S.34

[14] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S.31

[15] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S.36f

[16] Vgl. Michael Pesek, Koloniale Herrschaft in Deutsch – Ostafrika, S.44

[17] Vgl. Christoph Marx, Geschichte Afrikas, S. 41

[18] Vgl. Michael Pesek, Koloniale Herrschaft in Deutsch – Ostafrika, S.44f

[19] Vgl. Michael Pesek, Koloniale Herrschaft in Deutsch – Ostafrika, S.45 Diese Zahlen beziehen sich auf die Hochzeit des Karawanenhandels in den 70er Jahren des 19. Jahrhundert im inneren Ostafrikas.

[20] Vgl. Michael Pesek, Koloniale Herrschaft in Deutsch – Ostafrika, S.45

[21] Vgl. Jutta Bückendorf, „Schwarz – weiss – rot über Ostafrika!“ S. 91 Als Beispiel wird hier die Heirat von Mohammed bin Juma, der Vater des später über die Grenzen Ostafrikas hinaus bekannte Tippu Tip, mit Karunde, der Tochter Ifundikiras, beschrieben.

[22] Vgl. Michael Pesek, Koloniale Herrschaft in Deutsch – Ostafrika, S.54f

[23] Vgl. Michael Pesek, Koloniale Herrschaft in Deutsch – Ostafrika, S.55

[24] Vgl. Michael Pesek, Koloniale Herrschaft in Deutsch – Ostafrika, S.55

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kolonialwirtschaft in Afrika
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Veranstaltung
Hauptseminar: Gesellschaft und Kultur im kolonialen Afrika
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V71730
ISBN (eBook)
9783638627085
ISBN (Buch)
9783638762144
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kolonialwirtschaft, Afrika, Hauptseminar, Gesellschaft, Kultur, Afrika
Arbeit zitieren
Johannes Kühne (Autor), 2007, Kolonialwirtschaft in Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71730

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