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Das Sujet im Film des russischen Formalismus

Title: Das Sujet im Film des russischen Formalismus

Term Paper , 2007 , 13 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Mathias Seeling (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Die Literatur war schon immer in gewisser Weise ein Kuriosum, für die einen, weil sie
sie nicht verstehen, für die anderen, weil sie eben versuchen sie zu verstehen. Mit jeder
neuen Kunstform werden auch neue Denkweisen gefordert. Man kann vermuten, dass die
Gebrüder Lumière im Jahre 1898 wahrscheinlich nicht erahnen konnten, wie weit ihre
Erfindung des „Cinématograph“ in Frankreich führen sollte. Zumindest wussten sie sicher
nicht, dass es zu kontroversesten Debatten und höchsten Formen einer neuen Kunst
kommen sollte: die Filmkunst. Nachdem man sich besonders dem Genre der Cowboy-
Filme zuwandte, entdeckte man bald die Beliebtheit der Verfilmungen von Theaterstücken,
Romanen und Gedichten zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier zeigte sich bereits die
damals sehr begrenzten Möglichkeiten des Films, da er sich nicht exakt den literarischen
Mitteln bedienen kann, er besitzt so zusagen keine Literarizität im engeren Sinne, sondern
musste diese für sich selbst entdecken und modifizieren. Das Verhältnis von Wort und Bild
ist nicht erst mit dem Aufkommen technisch-apparativer Medien zum Gegenstand
kontroverser kultur- und literaturwissenschaftlicher Debatten geworden. Wie mit dem
neuen Medium Film ging man schon in der Unterscheidung anderer Künste vor, allein
schon in denen mit einem Verhältnis von Wort und Bild1. Die alleinige Übertragung von
beliebten Büchern in das filmische Medium sollte jedoch nicht der Hauptbestandteil
bleiben, da in diesem Genre die Bücher bessere Möglichkeiten hatten, das Sujet zu
übermitteln. Der Film musste also 'erzählen lernen'. Mit dieser Herausforderung war eine
Auseinandersetzung mit dem Material des Films unumgänglich. Konnte man das Material
in der selben Weise behandeln, wie in der Literatur? Zeigen sich in dem neuen Medium
vielleicht auch neue technische, sowie stilistische Möglichkeiten? Poetizität macht die
Literatur als Kunstform aus. Also müsste es genau auch diese im Film sein, die ihn zu einer
solchen machen kann. Dies ist im Rahmen dieser Hausarbeit zu betrachten und wurde
bereits mit der Expansion der neuen Kunstform untersucht und sehr strittig behandelt. Man
versuchte, trotz fehlender wissenschaftlicher Kenntnisse zum neuen Medium und
mangelnden technischen Möglichkeiten zu dieser Zeit, sich damit auseinanderzusetzen und
es in seiner Form zu optimieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Zur Poetik-Theorie des Films

2 Šklovskij – Schriften zum Film

3 Tynjanov – Poetik des Films

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des russischen Formalismus in Bezug auf das Medium Film. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, wie die formalistische Methode, die ursprünglich aus der Literaturwissenschaft stammt, auf den Film übertragen wurde und welche spezifischen Verfahren zur filmischen Poetisierung dabei zum Einsatz kamen.

  • Grundlagen der Poetik-Theorie des Films
  • Die Filmtheorie von Viktor Šklovskij
  • Die Poetik des Films nach Jurij Tynjanov
  • Das Konzept der Verfremdung im kinematographischen Kontext
  • Wechselwirkung zwischen Literatur und Film

Auszug aus dem Buch

3 Tynjanov – Poetik des Films

Tynjanov behandelt das sich gerade entwickelnde Medium Film in den 1920er Jahren in einer begrifflich-klassifizierenden Weise und setzt sich poetisch-produktiv mit ihm auseinander. Als Grundlage zu dieser Arbeit kann dabei Šklovskijs „Kunst als Verfahren“ von 1916 sehen. Das heißt also, dass sich bestimmte Verfahren auf einem primären System entwickeln und diese sich wiederum auf einem sekundären System bewegen. Dem entsprechend basiert also das primäre auf dem sekundären System. Das primäre System im Film kann zum Beispiel die ab- und nachgebildete Natur darstellen, die somit einen sehr realitätsnahen Charakter vorweist. Doch erst das sekundäre System macht mit seinen verschiedenen Verfahren den Film zu einer spezifischen Kunstform.

Tynjanov definiert die Fabel als den gesamten semantischen Grundriss einer Handlung. „Das Sujet des Werkes wäre dann zu definieren als seine Dynamik, wie sie aus der Wechselwirkung aller Verknüpfungen des Materials […] resultiert“(ebenda). Hierbei entsteht also eine Verknüpfung der Stilistik, sowie der Handlung an sich, wodurch man die Story im Film als textisch und schließlich filmisch betrachten kann. Nach Tynjanov schafft der Einstellungswechsel (auf der Ebene des sekundären Systems!) die bedeutungsgemäße Verwandlung und macht somit den Film zu einer Kunstform. Das heißt also, dass jedes stilistische Mittel auch einen bedeutungshaften Faktor darstellt. Somit ist der Prozess des Filmens keine einfache Wiedergabe der Realität, sondern vielmehr eine Schaffung von neuen Menschen oder Gegenständen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die historische Entwicklung des Films als Kunstform und die Relevanz einer formalistischen Analyse.

1 Zur Poetik-Theorie des Films: Theoretische Herleitung der Poetizität im Film unter Einbezug von Šklovskij und Arnheim.

2 Šklovskij – Schriften zum Film: Untersuchung der formalistischen Ansätze Šklovskijs bezüglich Montage, Sujet und Verfremdung im Film.

3 Tynjanov – Poetik des Films: Analyse des Films als sekundäres System und Definition der Begriffe Fabel und Sujet durch Tynjanov.

Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der formalistischen Filmtheorie und deren Bedeutung für das Verständnis der Filmkunst als eigenständige Form.

Schlüsselwörter

Russischer Formalismus, Viktor Šklovskij, Jurij Tynjanov, Poetik des Films, Sujet, Fabel, Verfremdung, Montage, Filmtheorie, Stilistik, Kunstform, Assoziationsprozess, Filmkunst, Sekundäres System

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Ansätzen des russischen Formalismus und deren Anwendung sowie Übertragung auf das Medium Film in den 1920er Jahren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Entwicklung einer eigenständigen Filmpoetik, die Rolle der Montage und das Konzept der Verfremdung durch filmische Verfahren.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die russischen Formalisten Šklovskij und Tynjanov das Medium Film analysierten und welche spezifischen Mittel sie zur Abgrenzung des Films von der bloßen Realitätswiedergabe identifizierten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und filmwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung primärer theoretischer Schriften des russischen Formalismus basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung einer Filmpoetik und die spezifischen Analysen der Theorien von Viktor Šklovskij und Jurij Tynjanov.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Russischer Formalismus, Sujet, Montage, Verfremdung und die spezifische Poetik des Films.

Inwiefern unterscheidet sich Tynjanovs Ansatz von dem Šklovskijs?

Während Šklovskij stark auf das Verfahren der Verfremdung fokussiert, führt Tynjanov das Konzept der sekundären Systeme ein, um zu erklären, wie filmische Mittel aus einer realitätsnahen Vorlage eine eigenständige Kunstform generieren.

Welche Rolle spielt die Montage bei Šklovskij?

Für Šklovskij ist die Montage ein essenzielles Mittel, um durch Rhythmus und Assoziationen eine filmische Struktur zu schaffen, die über die bloße Abbildung von Handlungen hinausgeht.

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Details

Title
Das Sujet im Film des russischen Formalismus
College
University of Erfurt
Course
Viktor Sklovskij
Grade
1,3
Author
Mathias Seeling (Author)
Publication Year
2007
Pages
13
Catalog Number
V71731
ISBN (eBook)
9783638635226
ISBN (Book)
9783638762151
Language
German
Tags
Sujet Film Formalismus Viktor Sklovskij Literatur russisch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mathias Seeling (Author), 2007, Das Sujet im Film des russischen Formalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71731
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