Naturdarstellung und Frauendienst bei Konrad von Würzburg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

14 Seiten, Note: 2,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Konrads Liedproduktion als Forschungsgegenstand

2. Naturdarstellung und Frauendienst bei Konrad von Würzburg
2.1 Konrads Minnekonzept
2.2 Umfunktionalisierung des Exordialtopos
2.3 Naturdarstellung bei Walther von der Vogelweide

3. Konrad als Formvirtuose

4. Literaturverzeichnis

1. Konrads Liedproduktion als Forschungsgegenstand

Einem Aufsatz Rüdiger Brandts, der sich ausschließlich mit der Sekundärliteratur zu Konrad von Würzburg befasst,[1] kann anschaulich entnommen werden, was nach eigener Recherche bereits deutlich wurde: Die Lyrik Konrads ist bis jetzt noch nicht im Zentrum des Interesses der Forschung gestanden. Man findet gelegentlich in Aufsätze integrierte Untersuchungen zu einzelnen Liedern, so zum Beispiel eine knappe Passage über das Lied Nr.6 in einem Aufsatz von Burghart Wachinger[2] und eine etwas ausführlichere über das Lied Nr.11 am Ende eines Aufsatzes von Franz Josef Worstbrock.[3]

Gert Hübners umfangreiche Abhandlung aus dem Jahr 1994 stellt da eine Ausnahme dar, zumal er sich ausschließlich mit der Lyrik Konrads befasst und mit einer Einteilung der Lieder in drei Gruppen (allgemeines Minnelied, Minnekanzone und Tagelied)[4] eine systematische Betrachtung ermöglicht.

Da Konrad, selbst nichtadeliger Herkunft, als der erste Berufsdichter gelten kann und seine Erzählung „Der Schwanritter“ als die früheste in die Zeit 1257/58 datiert wird,[5] zugleich aber bekannt ist, dass er in den 1260er Jahren in Basel sesshaft wurde,[6] erörterte man seine Lyrik besonders unter dem Aspekt der Stadt als Aufführungsort und diesbezüglich „[…]in erster Linie die Frage, wie und wieweit dieser Umstand Auswirkungen auf die literarische Produktion eines Sängers hatte.“[7] Zu nennen wäre hier besonders die Arbeit von Thomas Cramer.[8]

Zwar wurde vielfach festgestellt, dass Konrad Elemente aus dem klassischen Minnesang entnimmt, diese ausbaut und verfestigt.[9] Darin war er kein Neuerer, denn im späten 13. Jahrhundert war „[n]ach Inhalt und Stimmung, Erlebnis und Haltung […]alles vorgegeben. […]Der späte Minnesang ist als Typus eine Kunst der Variation, nicht der Erfindung.“[10] Aber seine Vorgehensweise dabei wurde bis dato nicht genauer betrachtet.

Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, am Motivkomplex der Natur festzustellen, auf welche Weise Konrad den bereits im klassischen Minnesang verwendeten Natureingang aufgreift, wie er ihn mit dem Minnedienst verknüpft und ihn dadurch umfunktionalisiert. In diesem Zusammenhang wird auch erkennbar werden, in welchem Verhältnis Natur und Frau zueinander stehen.

Die Wahl des Motivkomplexes der Natur als Untersuchungsgegenstand erscheint gerechtfertigt, weil der Natureingang außer in Lied Nr.28 in allen anderen Lieder zu finden ist (die Tagelieder Nr.14 und 15 seien ausgenommen) und er bei Konrad daher als „obligatorisch“[11] und als eines der konstitutiven Elemente seiner Lyrik bezeichnet werden kann. Darin ist ein Unterschied zu sehen im Vergleich zu den klassischen Minnesängern, denn „[d]er Entwurf einer Jahreszeitenskizze zu Beginn eines Liedes war nur eine, wenn auch sehr alte und beliebte Technik der Einleitung, die den Minnesängern neben anderen zur Verfügung stand.“[12]

2. Naturdarstellung und Frauendienst bei Konrad von Würzburg

Der Natureingang, den man schon bei lateinischen Dichtern als Einleitungsfigur finden kann,[13] ist ein jahreszeitenspezifisches Naturbild am Anfang eines literarischen Textes und im Minnesang ein formelhaftes Element, das von Neidhart „[…]zum gattungsstiftenden Prinzip […]“[14] ausgebaut und erweitert wurde und seinen Weg über Neifen zu Konrad fand.

„Konrads Liedtypus knüpft in seinen konstitutiven Elementen

an Neifen an; es gibt keines, das nicht bei Neifen bereits geprägt

und ausgebaut wäre, und zwar vielfach, darunter der notorische

Natureingang.“[15]

Noch bevor die Inszenierung dieses Exordialtopos bei Konrad betrachtet werden kann, muss ein kurzer Exkurs über sein Minnekonzept erfolgen.

Seine Lyrik wird im Allgemeinen als objektiv und mit einer Tendenz zur Lehrhaftigkeit bezeichnet.[16] Diese Objektivität resultiert aus einem Minnekonzept, das mit dem des mittelhochdeutschen Minnesangs nur noch wenig zu tun hat.

2.1 Konrads Minnekonzept

In 14 Liedern sucht man vergebens nach dem sonst so charakteristischen Rollen-Ich.[17] Es wird mit dem Rollenverständnis des klassischen Minnesangs gebrochen, bei dem der Autor ein Mitspielender in der Rolle des Leidenden, des sich verzehrenden Ichs ist, dessen Verlangen unerfüllt bleibt und „[…]das [ das Verlangen: Anmerkung der Autorin] sich in einer leidvollen und dennoch heiteren Entsagungsgebärde des Mannes stilisiert, und das nicht zuletzt deshalb erträglich erscheint, weil es im Minnedienst den Charakter läutert und damit auch die gesellschaftliche Reputation erhöht.“[18] Ebenso bleibt die Dame nur schemenhaft. Sie wird mit den gewöhnlichen Epitheta ausgestattet, häufig ist sogar die Rede von den Frauen im Allgemeinen:

„Wîp sint guot, süez unde wîs,

wîp hânt reiner tugent prîs.“[19] (Nr.11, V.39f.)

[...]


[1] Vgl. hierzu: Rüdiger Brandt: Literatur zu Konrad von Würzburg 1987-1996. S.356 f. Aus: Brunner, Horst (Hg.): Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen. Band 236, Berlin, 1999, S.344-369.

[2] Vgl. hierzu: Burghart Wachinger: Die Welt, die Minne und das Ich. Drei spätmittelalterliche Lieder. S.109 f. Aus: Poag, James F. (Hg.): Entzauberung der Welt: Deutsche Literatur 1200-1500. Tübingen, 1989, S.107-118.

[3] Vgl. hierzu: Franz Josef Worstbrock: Lied VI des Wilden Alexander. Überlieferung, Interpretation und Literaturhistorie. S.199-202. Aus: Grubmüller, Klaus (Hg.): Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. Band 118, Tübingen, 1996, S.183-204, im Folgenden zitiert als Worstbrock: Lied VI.

[4] Vgl. hierzu: Gert Hübner: Versuch über Konrad von Würzburg als Minnelyriker. S.65. Aus: Füssel, Stephan (Hg.): Artibus: Kulturwissenschaft und deutsche Philologie des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Wiesbaden, 1994, S.63-94, im Folgenden zitiert als Hübner: Versuch.

[5] Vgl. hierzu: Horst Brunner: Konrad von Würzburg. S.274. Aus: Verfasserlexikon. Band 5, Berlin,

1984, S.272-281, im Folgenden zitiert als Brunner: Konrad.

[6] Vgl. hierzu: Brunner: Konrad. S.276.

[7] Barbara Weber: Œuvre- Zusammensetzungen bei den Minnesängern des 13. Jahrhunderts. Göppingen,

1995, S.325, im Folgenden zitiert als Weber: Œuvre.

[8] Vgl. hierzu: Thomas Cramer: Minnesang in der Stadt. Überlegungen zur Lyrik Konrads von Würzburg. Aus: Kaiser, Gert (Hg.): Literatur- Publikum- historischer Kontext. Bern, 1977, S.91-108, im Folgenden zitiert als Cramer: Minnesang in der Stadt.

[9] Vgl. hierzu: Alfred Karnein: Die deutsche Lyrik. S.313. Aus: Erzgräber, Willi (Hg.): Neues Handbuch

der Literaturwissenschaft. Band 8, Wiesbaden, 1978, S.303-329, im Folgenden zitiert als

Karnein: Die deutsche Lyrik.

[10] Helmut de Boor: Die deutsche Literatur im späten Mittelalter. Zerfall und Neubeginn. Erster Teil, 1250-1350. München, 1964, S.298, im Folgenden zitiert als Boor: Zerfall und Neubeginn.

[11] Boor: Zerfall und Neubeginn. S.320.

[12] Wolfgang Adam: Die „wandelunge“. Studien zum Jahreszeitentopos in der mittelhochdeutschen Literatur. Heidelberg, 1979, S.36, im Folgenden zitiert als Adam: Studien zum Jahres-

zeitentopos.

[13] Vgl. hierzu: Adam: Studien zum Jahreszeitentopos. S.23.

[14] Günther Schweikle: Minnesang. Stuttgart, 1995, S.203, im Folgenden zitiert als Schweikle: Minnesang.

[15] Worstbrock: Lied VI. S.200.

[16] Der formale Aspekt seiner Lyrik, der bei vielen Interpreten besonders hervorgehoben wurde, soll hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Konrads Lied Nr.26 hat dazu beigetragen, dass seine Lyrik für viele „[v]or allem […]Reimkunst [ist], schmeichelnder Klang der sich suchen- den Worte.“ Boor: Zerfall und Neubeginn. S.47.

[17] „Stärkeren Ich-Bezug findet sich nur in Nr.6, 13 (an Frau Welt) und 27, 28 (an Maria).“Brunner: Konrad. S.281. Außerdem findet man das Rollen-Ich noch in Nr.17, 19, 26.

[18] Kokott, Hartmut : Konrad von Würzburg. Ein Autor zwischen Auftrag und Autonomie. Stuttgart, 1989,

S.181, im Folgenden zitiert als Kokott: Konrad.

[19] Schröder, Edward (Hg.): Kleinere Dichtungen Konrads von Würzburg, Band 3. Dublin, Zürich, 1970, S.28, im Folgenden zitiert als Schröder: Dichtungen Konrads.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Naturdarstellung und Frauendienst bei Konrad von Würzburg
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2,00
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V71849
ISBN (eBook)
9783638685818
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Naturdarstellung, Frauendienst, Konrad, Würzburg
Arbeit zitieren
Johanna Zeiß (Autor:in), 2006, Naturdarstellung und Frauendienst bei Konrad von Würzburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71849

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