In dieser Analyse geht es um die Frage, wie es dem Zuschauer gelingen kann, sich in der Story des Films zu orientieren. Der Schwerpunkt liegt also auf der besonderen Plotstruktur von "21 Gramm".
Die stark verschatelte Story stellt den Zuschauer mehr denn je vor die Aufgabe Leerstellen zu füllen und fehlende Informationen zu ergänzen. Erst ganz am Ende können alle Puzzelteile zusammengefügt werden.
Wie ist die Narration des Films aufgebaut, dass eine minimale Orientierung trotzdem möglich ist und so das Interesse des Zuschauers durchgängig erhalten bleibt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse des Films 21 GRAMM
2.1 Story, Plot und Dramaturgie
2.1.1. Themen und Konflikte
2.1.2 Figurenkonstellation
2.1.3 Die emotionale Aktivität des Zuschauers
2.1.4 Das Verhältnis von Story und Plot – die Narration
2.2 Filmische Verfahren
2.2.1 Montage
2.2.2 Bild-Ton-Beziehungen
2.2.3 Kameraführung
2.2.4. Das filmische Bild und die Mise en Scène
3. Fazit
Zielsetzung & Themen der Analyse
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die achronologische Struktur des Plots in Alejandro González Iñárritus Film "21 GRAMM" auf den Verständnisprozess und die emotionale Wahrnehmung des Zuschauers auswirkt. Im Fokus steht dabei die Analyse der filmischen Gestaltungsmittel, die dazu dienen, die komplexe narrative Erzählweise zu ermöglichen und in einen für den Zuschauer erfassbaren, bedeutungsgenerierenden Kontext zu überführen.
- Die formale Struktur der Narration (Plot vs. Story)
- Die emotionale Involvierung des Zuschauers durch achronologische Montage
- Einsatz filmischer Gestaltungsmittel wie Kameraführung und Mise en Scène
- Bedeutungsgenerierung durch Bild-Ton-Beziehungen
- Philosophische und thematische Grundfragen von Schicksal, Schuld und Tod
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Die emotionale Aktivität des Zuschauers
Da Story und Plot erst zusammen die Narration konstituieren, sind sie innerhalb eines Films untrennbar miteinander verwoben und bilden eine geschlossene Form, in der Bedeutung entstehen kann. Um die Wechselbeziehungen in diesem kohärenten System genauer zu betrachten, beziehe ich die Erkenntnisse über die Vielschichtigkeit des Inhalts und die Tragweite der Themen auf den Plot und das Vorgehen der Dramaturgie.
Die Dramaturgie organisiert die Geschichte mit Hilfe der Montage achronologisch, was zur Folge hat, dass die zeitliche Gestaltung nicht mehr der realen Zeitwahrnehmung des Rezipienten entspricht. Zeit und Kausalität spielen keine Rolle mehr.
Die Kette der Erfahrungen, die man als Zuschauer durch diese Verrätselung durchlaufen muss, ist gekennzeichnet durch erhöhte Anspannung und Unsicherheit, welche versucht werden mittels eines bewussten Prozesses der Bedeutungsgenerierung zu kompensieren. Drei Phasen des Erlebens, innerhalb derer der Zuschauer versucht sich die Story zu erschließen, können im Verlauf des Films ausgemacht werden. Die ersten fünfzehn Minuten des Films werden als Irritation und Desorientierung erlebt. Einzelne Szenen, die durch keine offensichtlichen filmischen Verfahren oder inhaltliche Hinweise in einen Zusammenhang gesetzt werden können, prallen aufeinander.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Problematik der achronologischen Erzählstruktur in 21 GRAMM vor und formuliert die Leitfragen zur Bedeutungsproduktion und zum Einfluss auf den Zuschauer.
2. Analyse des Films 21 GRAMM: Dieses Kapitel bildet den Hauptteil der Arbeit, in dem die dramaturgischen Aspekte der Story und des Plots sowie die eingesetzten filmischen Gestaltungsmittel detailliert analysiert werden.
3. Fazit: Das Fazit resümiert, dass erst das Zusammenspiel von Story und Plot die spezifische Wirkung des Films erzeugt und ordnet das Werk im Kontext des postklassischen Hollywood-Films ein.
Schlüsselwörter
21 Gramm, Alejandro González Iñárritu, Filmanalyse, Narration, Plot, Story, Achronologie, Montage, Zuschauerrezeption, filmische Gestaltungsmittel, Dramaturgie, Identität, Schicksal, Bedeutungsproduktion, Filmästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die spezifische narrative Struktur des Spielfilms "21 GRAMM" und untersucht, wie die achronologische Anordnung der Szenen den Zuschauer in seinem Verständnisprozess beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen das Verhältnis von Plot und Story, die Funktion der Montage, der Einsatz von Kameraführung und Mise en Scène sowie die Vermittlung philosophischer Themen wie Tod, Leid und Identitätssuche.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, die Erzählstrategien des Films offen zu legen und zu ergründen, wie die komplexe Narration die aktive Teilnahme und emotionale Anspannung des Rezipienten steuert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine filmwissenschaftliche Analyse angewendet, die den Film als geschlossene Form betrachtet und die Funktion einzelner Gestaltungselemente in ihrer Wirkung auf den Zuschauer untersucht.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Analyse der Story (Themen, Figurenkonstellation) und eine technisch-ästhetische Analyse der filmischen Verfahren (Montage, Bild-Ton-Beziehungen, Kamera).
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Narration, Montage, Achronologie, Verrätselung und Bedeutungsgenerierung charakterisiert.
Warum spielt das "Spiegelsymbol" eine so große Rolle für die Identitätssuche der Protagonisten?
Der Spiegel fungiert im Film als Metapher für die Selbstreflexion, da alle drei Hauptfiguren durch Schicksalsschläge aus ihrem Alltag gerissen werden und gezwungen sind, ihre Existenz und ihr Handeln neu zu bewerten.
Wie wirkt sich die "harte Montage" konkret auf den Zuschauer aus?
Der harte Schnitt verhindert den sofortigen Aufbau eines chronologischen Verständnisses und erzeugt brutale Brüche, die den Zuschauer dazu zwingen, intensiv über die Zusammenhänge und die emotionale Bedeutung des Geschehens nachzudenken.
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- Jennifer Ahl (Author), 2005, Eine Analyse der narrativen Struktur in Alejandro González Iñárritus Film 21 Gramm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71895