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Die Weimarer Verfassung: Verfassungsnorm und Verfassungswirklichkeit - Von der Aushöhlung einer gebilligten Verfassung

Title: Die Weimarer Verfassung: Verfassungsnorm und Verfassungswirklichkeit - Von der Aushöhlung einer gebilligten Verfassung

Bachelor Thesis , 2007 , 52 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Steve Nowak (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Summary Excerpt Details

Am 11.August 1919 wurde die erste demokratische Verfassung der deutschen Geschichte unterzeichnet. Sie vertrat verschiedenste politische Gesinnungen und sollte den Verfassungsvätern nach die modernste und freiheitlichste Konstitution ihrer Zeit werden. Auch wenn sie nicht erst nach ihrem offensichtlichen Scheitern mit der Entstehung eines totalitären Deutschland zu einer der umstrittensten Verfassungen wurde, so wäre es doch eine verzerrende Darstellung der realen Entwicklung, die Entstehung der Weimarer Republik allein nach ihrem Ende zu beurteilen. Die Zeit der Weimarer Republik ist geprägt von ökonomischen sowie politischen Krisen und immer währenden Streitigkeiten über das politische System der Republik. Zu leicht wird der Verfassung, als normative Grundlage der Weimarer Republik, die primäre Schuld am Ende der ersten deutschen Demokratie zugeschrieben. Auf welche Weise kann die Verfassung zu ihrem eigenen Ende beigetragen haben und welche Faktoren wirkten außerdem auf die junge Republik ein? Wie sollte es dazu gekommen sein, dass eine Verfassung, welche aus den vermeintlich besten Elementen westlich-demokratischer Vorbilder geschaffen wurde, zur Machtübernahme der Nationalsozialisten und einem totalitären Einparteienstaat führte? Diese Arbeit wird aufzeigen, worin die Besonderheiten dieser Weimarer Verfassung lagen. Sie wird erklären, auf welches Umfeld sie traf und welche politischen Entwicklungen das demokratische Experiment scheitern ließen. Dabei soll weniger die Entwicklung der Grundrechte, welche in den zweiten Teil des Dokumentes einflossen, betrachtet als vielmehr der politische Aufbau und die demokratischen Verfahrensweisen in das Zentrum der Untersuchung gerückt werden Es wird zu diesem Zweck zuerst die Verfassungsnorm dargestellt, um sie anschließend der Verfassungswirklichkeit gegenüber zu stellen. Besondere Aufmerksamkeit kommt hierbei der Frage zu, welche Intentionen die Verfassungsväter leiteten und inwiefern sie in der politischen Realität der Weimarer Republik umgesetzt werden konnten. Anhand der Verfassungswirklichkeit werden schließlich die Schwächen der Verfassungsnorm bewertet werden. Hatten die Deutschen sich eine schlechte Verfassung gegeben oder eine gute Verfassung nicht in die Realität umsetzen können?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Unterscheidung der Norm von der Wirklichkeit

2. Die Verfassung des Deutschen Reiches vom 11. August 1919

2.1. Ein Überblick über ihre Entstehung

2.2. Der Inhalt der Verfassung

2.3. Die Werte der Verfassung

3. Die politische Kultur als Fundament des neuen Staates

3.1. Die tönernen Füße der Verfassung

3.2. Von Demokratie und Verfassung bei Carl Schmitt

4. Die Verfassungswirklichkeit

4.1. Die inneren Belastungen

4.2. Die äußeren Belastungen

4.3. Das Ende der demokratischen Verfassung

5. Fazit: Der dualistische Geburtsfehler

6. Ausblick: Das große Labor der klassischen Moderne

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der normativen Vorgabe der Weimarer Reichsverfassung und ihrer tatsächlichen Anwendung in der politischen Praxis. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie eine formal demokratische Verfassung durch eine zerrüttete politische Kultur und strukturelle Schwächen in den totalitären Untergang geführt werden konnte.

  • Analyse der Entstehung und der inhaltlichen Ausgestaltung der Weimarer Verfassung
  • Einfluss der politischen Kultur und antidemokratischer Denkmuster auf die Republik
  • Die Rolle der Rechtsauffassung von Carl Schmitt für das Verfassungsverständnis
  • Interne und externe Belastungsfaktoren der jungen Demokratie
  • Gegenüberstellung von Verfassungsnorm und Verfassungswirklichkeit

Auszug aus dem Buch

3.1. Die tönernen Füße der Verfassung

Die Erhaltung der demokratischen Verfassung konnte weniger ein verfassungsrechtliches Problem, als die Aufgabe der öffentlichen Meinungsbildung und politischen Kultur sein. Um die Jahrhundertwende fand bei den Deutschen eine breite Abwendung von der Vernunft hin zur Mystik statt. Die öffentliche Meinung wurde mit Aussagen konfrontiert, wie in Moeller van den Brucks „Das Dritte Reich“: „Der Liberalismus hat Kulturen untergraben. Er hat Religionen vernichtet. Er hat Vaterländer zerstört. Er war die Selbstauflösung der Menschheit.“ Als Reaktion auf die kantischen Vernunft-Vorstellungen wurde diese Entwicklung vor allem über Schopenhauer und Nietzsche getragen. Sie sollte als „vulgäre Philosophie des Lebens“ die zukünftige Politik direkt beeinflussen. Derartige Missdeutungen der Philosophischen Werke führten beispielsweise bei Oswald Spengler zu mythischen Bildern der Vergangenheit. Er trat durch ebenso brutale wie simple antirepublikanische Voraussagungen hervor, in denen der Mensch als wildes Tier erschien und Demokraten, Kommunisten, sowie andere politische Parteien verachtet wurden. Aus der Sehnsucht nach einem neuen Cäsar heraus prophezeit er ein neues Führertum. „Das Denken wurde zum ‚Schauen’, das Schauen zum Glauben, der Glauben zur Tat – und die Vernunft blieb auf der Strecke.“ So geprägte Weltbilder trafen auf den Untergang des Deutschen Reiches und die Gründung der Weimarer Republik.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung skizziert die Entstehung der Weimarer Verfassung als erste demokratische Konstitution Deutschlands und führt in die zentrale Fragestellung ein, ob das Scheitern der Republik in der Verfassung selbst oder in äußeren Faktoren begründet lag.

1. Die Unterscheidung der Norm von der Wirklichkeit: Dieses Kapitel arbeitet die theoretische Differenz zwischen dem Wortlaut einer Verfassung (Sollensordnung) und der gelebten politischen Realität (Seinsordnung) heraus, wobei die politische Kultur als ausschlaggebender Faktor benannt wird.

2. Die Verfassung des Deutschen Reiches vom 11. August 1919: Es wird ein Überblick über die Entstehung, den inhaltlichen Aufbau und die demokratischen Werte der Verfassung gegeben, wobei der Fokus auf den zentralen Institutionen und den Kompetenzen des Reichspräsidenten liegt.

3. Die politische Kultur als Fundament des neuen Staates: Das Kapitel analysiert die antidemokratischen Strömungen und die Rolle des Staatsrechtlers Carl Schmitt, die maßgeblich zur Aushöhlung des parlamentarischen Systems in der Weimarer Republik beitrugen.

4. Die Verfassungswirklichkeit: Hier werden die inneren und äußeren Belastungen der Republik detailliert dargestellt, die schließlich zur Suspendierung der demokratischen Verfassung und dem Übergang in ein autoritäres System führten.

5. Fazit: Der dualistische Geburtsfehler: Das Fazit fasst zusammen, dass insbesondere die mangelnde Definition von Notstandskompetenzen in Verbindung mit einer instabilen politischen Kultur zum Zusammenbruch der Demokratie führte.

6. Ausblick: Das große Labor der klassischen Moderne: Der Ausblick zieht Lehren aus der Weimarer Erfahrung für das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das darauf abzielt, die Schwachstellen von 1919 durch explizite Schutzmechanismen zu vermeiden.

Schlüsselwörter

Weimarer Verfassung, Verfassungswirklichkeit, Politische Kultur, Demokratie, Parlamentarismus, Reichspräsident, Artikel 48, Nationalsozialismus, Rechtsstaatlichkeit, Totalitarismus, Politische Krise, Verfassungsnorm, Weimarer Republik, Carl Schmitt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die erste deutsche demokratische Verfassung von 1919 in der Praxis ausgehöhlt wurde und warum sie letztlich an den politischen und gesellschaftlichen Realitäten der Weimarer Republik scheiterte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die Struktur der Weimarer Verfassung, die Rolle der politischen Kultur, der Einfluss antidemokratischer Denkmuster sowie die verhängnisvolle Wirkung von Notstandsverordnungen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie das demokratische Experiment in Weimar durch die Wechselwirkung zwischen einer rechtspositivistischen Verfassungsnorm und einer fragmentierten, skeptischen Gesellschaft zur Diktatur führen konnte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die Primärquellen, Verfassungstexte und zentrale zeitgenössische sowie geschichtswissenschaftliche Fachliteratur gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Verfassungsnorm, die Analyse der antidemokratischen politischen Kultur (u.a. durch Carl Schmitt), die Untersuchung der inneren und äußeren Belastungsfaktoren sowie die Dokumentation des schrittweisen Endes der parlamentarischen Demokratie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Weimarer Verfassung, Verfassungswirklichkeit, politische Kultur, Parlamentarismus-Skepsis, Notverordnung und der dualistische Geburtsfehler der Reichsverfassung.

Welche Rolle spielte der Reichspräsident bei der Aushöhlung der Verfassung?

Die Arbeit legt dar, dass die weitreichenden Befugnisse des Reichspräsidenten, insbesondere in Verbindung mit Artikel 48, es ermöglichten, das Parlament zu umgehen und das System zunehmend in ein autoritäres Präsidialregime zu überführen.

Wie bewertet der Autor den Übergang zur Bundesrepublik?

Der Autor sieht in der Weimarer Republik ein „Labor“, aus dessen Fehlern das Grundgesetz gelernt hat, indem es durch ein konstruktives Misstrauensvotum, Schutz der Grundrechte und ein starkes Verfassungsgericht die strukturellen Schwächen von 1919 zu kompensieren sucht.

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Details

Title
Die Weimarer Verfassung: Verfassungsnorm und Verfassungswirklichkeit - Von der Aushöhlung einer gebilligten Verfassung
College
University of Rostock  (Historisches Institut)
Grade
1,3
Author
Steve Nowak (Author)
Publication Year
2007
Pages
52
Catalog Number
V71905
ISBN (eBook)
9783638624077
Language
German
Tags
Weimarer Verfassung Verfassungsnorm Verfassungswirklichkeit Aushöhlung Verfassung Republik Deutsche Demokratie politische Kultur toenerne Fuesse Carl Schmitt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Steve Nowak (Author), 2007, Die Weimarer Verfassung: Verfassungsnorm und Verfassungswirklichkeit - Von der Aushöhlung einer gebilligten Verfassung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71905
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