Auch heute begegnet man dem Begriff Hanse noch häufig. So tragen Bremen, Hamburg und Lübeck heute, ca. 330 Jahre nach dem Untergang der Hanse, immer noch den Namen Hansestadt. Und diese drei sind nur die bekanntesten von den neun Städten, die sich noch heute Hansestädte nennen.
Die deutsche Hanse bestand ungefähr 500 Jahre, von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Sie entstand als eine Gemeinschaft von norddeutschen Kaufleuten und wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts zur sogenannte Städtehanse, die in ihrer Glanzzeit fast 200 Städte umfasste. Die Städte traten für die Sicherheit ihrer Kaufleute, sowohl im Innland, als auch in den Niederlassungen im Ausland, ein. Diese Niederlassungen, Kontore genannt, besaßen gegenüber den einheimischen Behörden Immunität. In ihnen wohnten, lebten und handelten die Hansekaufleute. An der Spitze des Kontors stand der Ältermann. Er sorgte dafür, dass das Leben im Kontor reibungslos verlief. Er leitete das Kontor und er führte Verhandlungen mit den einheimischen Behörden. Immer wieder kam es aber auch zu Streitigkeiten und Konflikten zwischen Hansekaufleuten oder Hansekaufleuten und Einheimischen. Als oberster Richter des Kontors regelte der Ältermann auch diese Angelegenheiten.
Diese Arbeit versucht anhand des Briefes des Herrn Ludwig Hutzenvlet an den hamburger Rat herauszuarbeiten, wie in der Hanse Konflikte gelöst wurden. Da in diesem Brief ein Konflikt in der englischen Niederlassung der Hanse geschildert wird, wird nur die Organisationsstruktur dieses Kontors, des Stalhofes , betrachtet.
Im ersten Teil wird zunächst die Entstehung der Hanse erläutert und kurz erklärt, woher der Name kommt. Des weiteren wird die Organisation im Ausland am Beispiel des Stalhofes in London aufgezeigt. Es wird erläutert, welche Privilegien die deutschen Hansekaufleute in England besaßen und welche Rolle das Kontor mit seinem Vorsteher, dem Ältermann, hatte. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Konfliktbeilegung in der Hanse. Zunächst wird die Quelle vorgestellt und kurzen quellenkritischen Anmerkungen unterzogen. Danach wird am Beispiel des Stalhofes erläutert, wie und durch wen in der Hanse Recht gesprochen wurde. Schließlich wird diese Rechtsprechung mit der Behandlung des Konfliktes, wie sie im Brief des Herrn Hutzenvlet aufgezeigt wird, verglichen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Entstehung und Organisation der Hanse
1.1 Enstehung und der Begriff „Hanse“
1.2 Organisation im Ausland am Beispiel des Stalhofes in London
1.2.1 Privilegien und Rechte der Kaufleute
1.2.2 Der Ältermann und das Kontor
2. Konfliktbehandlung in der Hanse
2.1 Der Brief des Ludwig Hutzenvlet an den Rat zu Hamburg
2.1.1 Beilegung des Konfliktes
2.1.2 Quellenkritische Anmerkungen
2.2 Rechtsprechung in der Hanse am Beispiel des Stalhofes
2.3 Vergleich und Besonderheiten
III. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand eines historischen Briefes aus dem Jahr 1266 die Mechanismen der Konfliktlösung innerhalb der Hanse, insbesondere im Kontext der englischen Niederlassung Stalhof in London. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie rechtliche Auseinandersetzungen zwischen Hansekaufleuten und ihrem Ältermann im Ausland gehandhabt wurden und welche Rolle dabei die Heimatstadt als letzte Instanz spielte.
- Strukturen der Hanse-Organisation und ihre historische Genese
- Rechtliche Privilegien und Immunitäten von Hansekaufleuten im Ausland
- Die Rolle und Befugnisse des Ältermannes innerhalb der Kontore
- Methodische quellenkritische Analyse eines mittelalterlichen Briefwechsels
- Rechtsprechung und Konfliktbeilegung im hansischen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Beilegung des Konfliktes
In seinem Brief vom 13. Februar 1266 an den Rat zu Hamburg, beschreibt der Bürger Ludwig Hutzenvlet einen Übergriff von Hamburger Bürgern gegen ihren Ältermann in England:
Die Hamburger Bürger Heyno de Stadis, Wichmann und Willekin Horborch haben in England ihren Ältermann Hennekin Buch schlimm und schwer behandelt. Obwohl sie den Streit gerne geschlichtet hätten, konnten sie sich nicht einigen. Der Ältermann Hennekin wollte zum obersten Gericht nach London reiten, um die Sache endgültig zu klären. Die drei Bürger Heyno, Wichmann und Willekin baten weitere Bürger, nämlich Heyno Hardenacke, Godekin Bekendorp, Nicolaus Busch, Jacke Stolle und Ludwig Hutzenvlet, zwischen ihnen und ihrem Ältermann Hennekin zu vermitteln, damit die Sache nicht vor das englische Gericht gelange. Man einigte sich darauf, dass Hennekin einen Brief nach Hamburg zu seinen Eltern und Freunden schicken sollte, in dem er erklärt, wie er behandelt wurde. Wenn seine Freunde bereit wären, den vereinbarten Stillstand zu halten, sollte ein Brief von Hamburg nach England gesandt werden, mit der Vereinbarung, wenn jemand den Stillstand bräche, hätte er dem anderen 20 Pfund Sterling Strafe zu zahlen. Außerdem sollten sich die Kontrahenten zur Übergabe der 20 Pfund an Weihnachten in Hamburg treffen und Hennekin sollte seine Beschwerde dem Rat von Hamburg vorlegen. Ludwig Hutzenvlet und Jacke Stolle, zwei der Streitschlichter, verbürgten sich für Hennekin für die 20 Pfund. Heyno de Stadis hat aber den vereinbarten Stillstand gebrochen und Hennekin in England verklagt, aber gegen ihn verloren. Somit haben Heyno de Stadis, Wichmann und Willekin Horborch das Recht der Deutschen in England über alle Maße verletzt. Da er den Stillstand gebrochen hat und Hennekin und seine Freunde innerhalb der Frist verklagt hat, muss Heyno diesen die vereinbarte Strafe von 20 Pfund Sterling zahlen.
Ludwig Hutzenvlet bittet den Rat zu Hamburg, die beschriebenen Vorgänge zu untersuchen, so dass Hennekin und seinen Freunden volle Genugtuung widerfahre.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Bedeutung der Hanse, die Entstehung der Arbeit und den methodischen Ansatz anhand des Briefes von Ludwig Hutzenvlet.
1. Entstehung und Organisation der Hanse: Dieses Kapitel erläutert die geschichtlichen Hintergründe, die Bedeutung des Namens „Hanse“ und die Rolle der Kontore im Ausland.
2. Konfliktbehandlung in der Hanse: Hier wird der konkrete Fall des Briefes von Ludwig Hutzenvlet analysiert und die allgemeine Rechtsprechung innerhalb des Stalhofes erläutert.
III. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die gängigen Verfahrensweisen bei Rechtsstreitigkeiten in der Hanse zusammen, die von der schlichtenden Rolle des Ältermannes bis zum Stadtrat als letzter Instanz reichen.
Schlüsselwörter
Hanse, Stalhof, Ältermann, Konfliktbeilegung, Kontor, London, Hamburger Rat, Ludwig Hutzenvlet, Rechtsprechung, Hansekaufleute, Städtehanse, Mittelalter, Rechtsbeistand, Handelsprivilegien, Hansetag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Strukturen der Konfliktbehandlung innerhalb der Hanse im Spätmittelalter, illustriert an einem konkreten Rechtsstreit in England.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Entstehung der Hanse, die Organisation der Auslandskontore (speziell des Stalhofes in London) sowie die hansische Rechtspraxis.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den historischen Prozess der Konfliktlösung nachzuvollziehen, bei dem ein Streit vor Ort im Ausland durch Streitschlichter und später durch das Heimatgericht der Stadt Hamburg reguliert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Untersuchung eines Briefes aus dem Jahr 1266, der im Kontext der hansischen Rechtsgeschichte interpretiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der hansischen Organisation, die Analyse des Falls Hutzenvlet sowie die theoretische Erläuterung der Rechtsprechung im Kontor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Hanse, Stalhof, Ältermann, Kontor, Rechtsprechung und Handelsprivilegien.
Warum war der Brief von Ludwig Hutzenvlet für die Untersuchung so bedeutsam?
Der Brief ist ein seltenes Zeugnis, da er einen Konflikt schildert, in den der Ältermann selbst involviert war, was das reguläre Rechtssystem im Ausland vor eine besondere Herausforderung stellte.
Welche Rolle spielte der Stadtrat in Hamburg bei derartigen Konflikten?
Der Stadtrat fungierte als oberste Instanz, bei der die Bürger einer Stadt zur Einhaltung der Rechtsfolge verpflichtet waren, wenn eine Einigung vor Ort nicht möglich war.
- Quote paper
- Matthias Wies (Author), 2004, Konfliktbehandlung in der Hanse anhand des Briefes des Ludwig Hutzenvlet an den Rat zu Hamburg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71907