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Odradek: eine Leerstelle. Genaues Lesen von Franz Kafkas` „Die Sorge des Hausvaters“ und sich daraus ergebende Möglichkeiten für den Unterricht

Title: Odradek: eine Leerstelle. Genaues Lesen von Franz Kafkas` „Die Sorge des Hausvaters“ und sich daraus ergebende Möglichkeiten für den Unterricht

Seminar Paper , 2007 , 15 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Andreas Schuster (Author)

Didactics - German Studies
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Diese Arbeit möchte den kurzen Text „Die Sorge des Hausvaters“ von Franz Kafka unter zwei unterschiedlichen Aspekten behandeln. Einerseits soll eine Textanalyse unter der Ausschöpfung üblicher literatur- und sprachwissenschaftlicher Möglichkeiten erfolgen, anderseits sollen in einem zweiten Schritt Möglichkeiten der Didaktisierung aufgezeigt werden. In gewissem Sinne handelt es sich bei den daraus entstehenden zwei Teilen dieser Arbeit jedoch um ein Ganzes, indem die aufgezeigten Möglichkeiten, den Text im Deutschunterricht zu behandeln, aus der Textanalyse hervorgehen sollen.

Bei der Analyse soll auf interpretatorische Möglichkeiten, welche auf die Entscheidung für eine bestimmte Lesart zurückzuführen wären, verzichtet werden. Dies bedeutet, dass der Versuch unternommen werden soll, ein eingehendes Verständnis des Textes zu erlangen, welches sich ausschließlich auf den Text selbst stützt, ohne eine bestimmte Lesart zu favorisieren – freilich schließt dies den Rückgriff auf literatur- und sprachwissenschaftliche Kategorien, sowie intertextuelle Betrachtungen nicht kategorisch aus, es soll jedoch der Versuchung wiederstanden werden, die Ambiguität des Textes durch eine bestimmte Lesart auflösen zu wollen. Vielmehr ist es das Ziel dieser Arbeit, den Text in all seinen Aspekten zu analysieren, ohne daraus den Anspruch einer Deutungshoheit abzuleiten. Es soll dargestellt werden, inwiefern sich „Die Sorge des Hausvaters“ in unterschiedliche Abschnitte gliedern lässt und im Text inhaltlich dementsprechend auf unterschiedlichen Ebenen Möglichkeiten des Erkenntnisgewinnes durchgespielt werden – hiermit soll gezeigt werden, inwiefern eine Entwicklungslinie des Textes auszumachen ist, welche die explizite Fragestellung und Problematisierung, die der Erzähler am Ende des Textes aufwirft, gestaltet.

Ausgehend von dieser genauen Analyse sollen exemplarisch zwei Möglichkeiten der Didaktisierung aufgezeigt werden, welche sich aus dem gewonnenen Textverständnis ableiten. Diese sollen den Versuch darstellen, Ansätze für die Unterrichtsgestaltung aufzuwerfen, welche sich direkt aus der genauen Lektüre der Erzählung ergeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textanalyse

2.1. Die Erzählung als Ganzes

2.2. Die Erzählung im Einzelnen

2.3. Komponenten einer Sorge

3. Möglichkeiten für den Unterricht

3.1. Odradek als Leerstelle

3.2. Der Hausvater auf der Couch

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, Franz Kafkas Erzählung "Die Sorge des Hausvaters" durch eine tiefgehende textnahe Analyse zu erschließen und daraus didaktische Konzepte für den Deutschunterricht in der Oberstufe abzuleiten, ohne dabei einer einzelnen vorgefertigten Deutungshoheit zu unterliegen.

  • Strukturelle und semantische Analyse des Erzähltextes
  • Untersuchung der Erzählhaltung und Entwicklungslinien
  • Interpretation der Figur Odradek als Leerstelle
  • Pessimistisches Menschenbild und existentielle Sorge
  • Didaktische Umsetzung: Textarbeit durch Leerstellendefinition
  • Didaktische Umsetzung: Kreative szenische Interpretation

Auszug aus dem Buch

2.2. Die Erzählung im Einzelnen

Zu Beginn des Textes fallen vor allem zwei semantische Felder durch ihre Dominanz auf - philologische Ausdrücke wie „Wort“, „stammen“, „das Slawische“, „Bildung“, „das Deutsche“, „Sinn“ usw. einerseits und anderseits Ausdrücke, die in Zusammenhang stehen mit einer argumentatorischen Vergewisserung von Wahrheit oder Erkenntnis, wie etwa „Grund“, „nachweisen“, „meinen“, „Unsicherheit“, „Deutungen“ usw.. Hieraus entsteht eine Sprachebene, wie sie sonst etwa in Lexika zu finden ist, indem eine Aneignung des Betrachtungsobjektes anhand der Rekonstruktion seiner Genesis erfolgen soll; das Objekt ist in diesem Fall „das Wort Odradek“(Z.3). Dieser Erkenntnisversuch wird syntaktisch entsprechend des semantischen Feldes argumentatorischer Wahrheitsfindung gestaltet, indem streng strukturiert der erste Satz eine Position ausdrückt („Die einen sagen (…)“(Z.3)), der zweite Satz eine andere Position ausdrückt („Andere wieder meinen (…)“(Z.4)) und im dritten Satz schließlich die Konklusion erfolgt („(…) läßt wohl mit Recht darauf schließen“(Z.6)). Es handelt sich somit um die Gestalt eines logischen Schlusses, auch wenn dieser allein schon, da es sich um eine synthetische Konklusion handelt, als solcher nach streng logischen Kriterien abgelehnt werden muss.

Darüber hinaus, und dies ist die eigentliche Verkehrung der vorgeblichen Sprachebene argumentatorischen Erkenntnisgewinnes, stellt der Schluss geradezu fest, dass der Erkenntnisgewinn verschlossen bleibt, indem aus den zwei sich widersprechenden Meinungen zur Genesis des „Wortes Odradek“ lediglich deren Ungültigkeit gefolgert wird, und somit der Erzähler keinen „Sinn des Wortes“ (Z.7) aufzufinden vermag. Der Erzähler seinerseits bleibt dabei gänzlich hinter dem wissenschaftlichen Duktus des Abschnittes verborgen und tritt nicht als Figur auf. Er wirft von außen den Blick auf einen Diskurs zur Bedeutung eines Wortes, der sich somit auf der zeitlosen Ebene des Systems Sprache bewegt. Dabei stellt er den Versuch an, auf strukturell klar gestaltete Weise auf einen Sinn zu schließen – dies misslingt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit erläutert das methodische Vorgehen, Kafkas Text ohne vorab festgelegte Deutungsmuster zu analysieren und didaktische Ansätze aus dem gewonnenen Textverständnis abzuleiten.

2. Textanalyse: Das Kapitel untersucht den Text strukturell und inhaltlich, indem es die Erzählung als Ganzes betrachtet, die erzählerische Gestaltung im Detail analysiert und die zentralen Komponenten der im Titel genannten Sorge herausarbeitet.

2.1. Die Erzählung als Ganzes: Es wird festgestellt, dass der Text kein klassisches Ereignisgeschehen aufweist, sondern sich auf Zustandsbeschreibungen und das innere Erleben des Erzählers konzentriert.

2.2. Die Erzählung im Einzelnen: Dieser Abschnitt analysiert die semantischen Felder und die syntaktische Struktur, die das Scheitern der Sinnsuche des Erzählers auf sprachlicher, empirischer und kommunikativer Ebene verdeutlichen.

2.3. Komponenten einer Sorge: Hier wird der Titel der Erzählung als klammernde Instanz interpretiert, die aus der Konfrontation von menschlicher Sterblichkeit und der unbegreiflichen Existenz Odradeks eine pessimistische Perspektive auf das Dasein entwirft.

3. Möglichkeiten für den Unterricht: Das Kapitel skizziert zwei didaktische Szenarien für die gymnasiale Oberstufe, die auf der vorangegangenen Textanalyse basieren.

3.1. Odradek als Leerstelle: Ein methodisches Konzept, bei dem Schüler in Gruppen Textabschnitte mit gezielten Leerstellen bearbeiten, um die Erzählstruktur und die Inkonsistenz des Textes selbstständig zu erarbeiten.

3.2. Der Hausvater auf der Couch: Ein kreativer Ansatz, bei dem Schüler den Hausvater in einer simulierten Therapiesitzung befragen, um die inhaltliche Position des Textes durch szenisches Schreiben zu interpretieren.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Die Sorge des Hausvaters, Odradek, Textanalyse, Didaktik, Deutschunterricht, Literaturwissenschaft, Leerstelle, Sinnsuche, Erzähltheorie, Interpretation, Oberstufe, Sprachkompetenz, Existenzialismus, Lesekompetenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit einer detaillierten textnahen Analyse der Kafka-Erzählung "Die Sorge des Hausvaters" und deren Umsetzung in konkrete didaktische Unterrichtseinheiten für die gymnasiale Oberstufe.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Struktur des Textes, die Analyse der Erzählhaltung, die Bedeutung der Figur Odradek sowie die Verknüpfung von textimmanenter Sinnsuche mit einem pessimistischen Bild menschlicher Sterblichkeit.

Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, ein tiefgehendes Verständnis des Textes zu erlangen, das sich rein auf den Text stützt, und daraus Methoden für den Unterricht abzuleiten, die Schülern eine intensive und eigenständige Auseinandersetzung mit anspruchsvoller Literatur ermöglichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Es wird eine hermeneutische Herangehensweise gewählt, die literatur- und sprachwissenschaftliche Kategorien nutzt, jedoch bewusst auf eine einseitige psychoanalytische oder philosophische Deutung verzichtet, um die Ambiguität des Textes zu wahren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Textanalyse, die von der Gesamtbetrachtung über detaillierte sprachliche Untersuchungen bis zur zentralen Sorge-Thematik reicht, gefolgt von zwei konkreten didaktischen Entwürfen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben dem Autor und Werktitel insbesondere "Odradek", "Leerstelle", "Textanalyse", "Didaktik", "Sinnsuche" und "Existenzialismus".

Warum wird Odradek als "Leerstelle" bezeichnet?

Der Autor verwendet den Begriff, um zu verdeutlichen, dass Odradek keinem festen Sinn zugeordnet werden kann; er fungiert als Platzhalter, an dem verschiedene Deutungsversuche des Erzählers scheitern.

Wie unterscheidet sich die didaktische Methode "Der Hausvater auf der Couch" von der ersten Unterrichtsmöglichkeit?

Während der erste Ansatz primär die strukturelle Analyse und das sprachliche Verständnis durch Lückentexte fokussiert, zielt der zweite Ansatz auf die kreative und inhaltliche Auseinandersetzung durch eine szenische Rollenarbeit (Therapiesitzung) ab.

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Details

Title
Odradek: eine Leerstelle. Genaues Lesen von Franz Kafkas` „Die Sorge des Hausvaters“ und sich daraus ergebende Möglichkeiten für den Unterricht
College
University of Tubingen  (Deutsches Seminar)
Course
Fachdidaktik Deutsch: Genaues Lesen
Grade
1,0
Author
Andreas Schuster (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V71949
ISBN (eBook)
9783638689816
Language
German
Tags
Odradek Leerstelle Genaues Lesen Franz Kafkas` Sorge Hausvaters“ Möglichkeiten Unterricht Fachdidaktik Deutsch Genaues Lesen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Schuster (Author), 2007, Odradek: eine Leerstelle. Genaues Lesen von Franz Kafkas` „Die Sorge des Hausvaters“ und sich daraus ergebende Möglichkeiten für den Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71949
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