Thomas Moores Werk Lalla Rookh erschien im Jahre 1817 und war ein weltweiter Erfolg. Bis dahin war der Ire Thomas Moore hauptsächlich bekannt als Verfasser von irischen Nationalliedern und –gedichten (Irish Melodies) sowie politischer Satire, doch die Sammlung von vier erzählenden Gedichten, eingerahmt von einer romantischen Liebesgeschichte in Prosa katapultierte den Dichter auf einmal zum Liebling des literarischen Publikums. Die orientalische Liebesgeschichte erschien in zahlreichen Auflagen und wurde in beinahe jede literarische Sprache übersetzt.
Die Arbeit behandelt hauptsächlich die Frage, ob der Erfolg sich rein an dem Inhalt, auf der Geschichtsebene, von Lalla Rookh messen lässt – immerhin waren Geschichten aus dem Orient gerade stark in Mode – oder ob das Publikum zur Kenntnis nahm, dass sich unter der Oberfläche ein politisches Statement verbarg. Es ist zu klären ob Moore tatsächlich nur daran interessiert war Geld und Ruhm zu erlangen, wie Kritiker ihm häufig vorwerfen – „In a word, Lalla Rookh was written to make money and win reputation“ - oder ob er in der Beschäftigung und literarischen Auseinandersetzung mit dem Orient einen Weg gefunden hatte, die politische Situation seines Landes darzustellen und seine Position klarzumachen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung: Die politische Metaebene von Lalla Rookh
2 Politische Situation in Irland und Moore’s Position
2.1 Die lange Geschichte von Unterdrückung und Widerstand
2.2 Moore als passiver und schreibender Patriot
2.3 Politik in seiner Dichtung
3 Lalla Rookh als politisches Statement
3.1 Paradise and the Peri
3.2 The Fire-Worshippers
4 Lalla Rookh im Kontext der Orientalismus-Forschung
5 Abschlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "Lalla Rookh" von Thomas Moore unter Berücksichtigung seiner politischen Dimension. Dabei wird analysiert, inwieweit das orientalische Setting als Chiffre für die Unterdrückung Irlands durch England genutzt wird und wie sich Moores eigene Identität als irischer Patriot in seinen literarischen Texten widerspiegelt.
- Historischer Kontext der englischen Herrschaft in Irland
- Die politische Rolle und Haltung von Thomas Moore
- Allegorische Deutung von "Paradise and the Peri"
- Analyse von "The Fire-Worshippers" als irischer Widerstandstext
- Kritische Auseinandersetzung mit Edward Saids Orientalismus-These
Auszug aus dem Buch
3.1 Paradise and the Peri
Die Geschichte behandelt den Mythos der Peris, Feen der persischen Mythologie, denen der Eintritt in den Himmel wegen einer alten Schuld verwehrt wird. Die Peri in dieser Geschichte macht sich auf die Suche nach dem Geschenk „that is most dear to Heav’n“ (Moore/1929/395), um in den Himmel zu gelangen. Zuerst bringt sie den letzten Blutstropfen von einem für sein Land gefallenen Helden, danach den Seufzer einer selbstlos Liebenden die an der Seite ihres Geliebten stirbt – das dritte Geschenk überzeugt den Himmelswärter schließlich: die Träne eines sündigen Kriegers, der beim Anblick eines unschuldigen, betenden Knaben anfängt zu weinen und seine Taten zu bereuen.
Die Geschichte ist nicht sonderlich lang, enthält jedoch viele Stellen, die auf den Konflikt in Irland hinweisen. Das Symbol der Peri ist für mich stellvertretend für die Iren, die ihr Land, ihr Paradies, verloren haben, im Gegensatz zur Peri der Geschichte bleibt ihnen aber der Zugang verwehrt.
„She wept to think her recreant race should e’ver have lost that glorious place!” (Moore/199/394). Als sie sich schließlich auf die Suche nach dem Himmelsgeschenk macht, das ihre Sünde wieder gutmachen soll, begegnet sie nur zerstörten Paradiesen und Vernichtung. Die Flüsse Indiens sind voll von Blut, die Luft geschwängert vom Geruch des Todes und die Zeilen „Land of the Sun! What foot invades thy Pagods and thy pillar’d shades. […] ‚’Tis He of Gazna – fierce in wrath. He comes, and India’s diadems lie scatter’d in his ruinous path. […] Priests in the very fane he slaughters, and choaks up with the glitt’ring wrecks of golden shrines the sacred waters! “(Moore/1929/395-396) spielen wiederum auf die Eroberung Irlands und die blutigen Kämpfe mit den Engländern an.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die politische Metaebene von Lalla Rookh: Einführung in das Werk und die Fragestellung, ob der Erfolg als rein kommerziell oder als politisch motiviert zu bewerten ist.
2 Politische Situation in Irland und Moore’s Position: Beleuchtung der historischen Unterdrückung Irlands und der zwiegespaltenen persönlichen und politischen Identität von Thomas Moore.
3 Lalla Rookh als politisches Statement: Analyse der beiden Erzählungen "Paradise and the Peri" und "The Fire-Worshippers" hinsichtlich ihrer allegorischen Bezüge zur irischen Geschichte.
4 Lalla Rookh im Kontext der Orientalismus-Forschung: Anwendung und kritische Reflexion der Orientalismus-These von Edward Said auf das Werk von Thomas Moore.
5 Abschlussbemerkung: Resümee, dass Moore den Orient instrumentalisiert hat, um sein eigenes politisches Anliegen auszudrücken, ohne dabei in die eurozentrische Überlegenheit anderer Romantiker zu verfallen.
Schlüsselwörter
Thomas Moore, Lalla Rookh, Irland, England, Orientalismus, Edward Said, politische Literatur, romantische Dichtung, Paradise and the Peri, The Fire-Worshippers, Postkolonialismus, Identität, Patriotismus, Allegorie, Widerstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk "Lalla Rookh" des irischen Dichters Thomas Moore und analysiert die enthaltenen politischen Allegorien auf die historische Situation Irlands unter britischer Herrschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Unterdrückung Irlands, die Rolle des Autors als Patriot im Exil, die literarische Darstellung von Widerstand und die wissenschaftliche Einordnung des Orientalismus.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit stellt die Frage, ob der Erfolg von "Lalla Rookh" lediglich auf Modeerscheinungen des Orients basierte oder ob es sich um ein bewusstes politisches Statement des Autors handelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie einen komparatistischen Ansatz, indem sie historische Kontexte mit Moores Texten und der Orientalismus-Theorie nach Edward Said verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der irisch-englischen Beziehungen, die Untersuchung der beiden zentralen Gedichte und eine Diskussion darüber, ob Moores Werk Saids Orientalismus-Definitionen standhält.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Orientalismus, politische Allegorie, irischer Patriotismus, romantische Literatur und koloniale Identität.
Wie deutet die Arbeit die Figur der "Peri"?
Die Peri wird als Symbol für die Iren interpretiert, die ihr "Paradies" (ihre Souveränität) verloren haben, wobei ihr die Rückkehr durch eine moralische Schwelle verwehrt bleibt, was die Autorin mit dem ungelösten Konflikt Irlands assoziiert.
Warum wird "The Fire-Worshippers" als besonders politisch hervorgehoben?
Diese Geschichte wird als episches Abbild des irischen Aufstands von 1798 gesehen, in dem die verfolgten Gheber die katholischen Iren und die arabischen Besatzer die protestantischen Engländer allegorisch repräsentieren.
- Arbeit zitieren
- Claudia Ballhause (Autor:in), 2006, A Political reading of Thomas Moores Lalla Rookh, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71964