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Frühneuzeitlicher Feminismus in "La hija del aire" von Calderón de la Barca

Title: Frühneuzeitlicher Feminismus in "La hija del aire" von Calderón de la Barca

Seminar Paper , 2007 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Claudia Ballhause (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
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Betrachtet man die Stellung der europäischen Frau in der Frühen Neuzeit, also ungefähr im 16. und 17. Jahrhundert, und vergleicht dann diese Existenz, gefangen in Schweigen und Unterordnung unter den Mann, mit dem Geschehen auf den Theaterbühnen, im Falle dieser Hausarbeit mit dem Stück La hija del aire des Barockautors Calderón de la Barca, so ist die sich ergebende Ambivalenz höchst auffallend. Zum einen sieht man Frauen, die zwar gebildet sein konnten und im kleinen Kreis, etwa im eigenen Haushalt, ihre Meinung, wenn auch vorsichtig, äußerten, aber keine Autorität besaßen, dies auch öffentlich zu tun, zum anderen sieht man eine Frau, Semíramis, die es, zwar „nur“ auf der Theaterbühne, schafft, sich von vier Männern hintereinander zu emanzipieren, sich dabei aber auch noch ein Königreich aneignet und dies erfolgreich regiert.
In dieser Hausarbeit wird untersucht, mit welchen Grundlagen sich die Stellung der Frau zu dieser Zeit rechtfertigte, wie sich der damalige feministische Diskurs dazu äußerte, wie Semíramis in Calderóns Stück mit diesem Diskurs vereinbar ist, wie diese mujer varonil auf das frühneuzeitliche Publikum gewirkt haben muss und welche Intention Calderón mit dem Verfassen des Stückes verfolgt haben könnte. Gerade die letzten beiden genannten Punkte beruhen eher auf Annahmen als auf Fakten, vor allem, weil bis heute das Entstehungsjahr des Stückes nicht vollständig geklärt werden konnte und somit ein Bezug zu historischen Persönlichkeiten oder Begebenheiten nicht leicht fällt.
Dennoch soll am Ende zu einem Ergebnis gekommen werden, das entweder die These einiger Kritiker stützt, das Stück sei als Warnung zu lesen, den Frauen nicht zu viel Macht und Selbstständigkeit zuzugestehen, oder aber zeigen, dass Calderón die Bühne nutzte als „a laboratory where alternative ways of being could be tried out“ (McKendrick). Das würde bedeuten, dass er sich als Proto-Feminist der Situation der Frau bewusst war und seine männliche Autorität als Theaterautor nutzte, um eine Frau auf der Bühne zu zeigen, die mit Verstand zu handeln versteht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1. Die Stellung der Frau in der Frühen Neuzeit

2.2. Feministische Tendenzen in der Literatur der Frühen Neuzeit

2.3. Semíramis: Verkörperung der persona mixta

2.3.1. Semíramis als Hermaphrodit

2.3.2. Die Entwicklungsstufen von Semíramis als mujer varonil

2.3.3. Semíramis Entwicklung aus moderner psychologischer Sicht

2.4. Die Wirkung von La hija del aire auf lebensweltlicher Ebene

2.5. Intention des Autors: Calderón als frühneuzeitlicher Feminist oder warnende Instanz?

3. Schlussbemerkung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Stück "La hija del aire" von Calderón de la Barca vor dem Hintergrund der frühneuzeitlichen Stellung der Frau und analysiert, inwieweit die Protagonistin Semíramis als emanzipierte Figur innerhalb eines patriarchalisch geprägten Diskurses fungiert sowie welche Intentionen der Autor mit diesem Werk verfolgt haben könnte.

  • Die gesellschaftliche und rechtliche Stellung der Frau in der Frühen Neuzeit.
  • Feministische Tendenzen und der Diskurs um das "pro-woman argument" in der Renaissance-Literatur.
  • Die Figur der Semíramis als hybride "persona mixta" und deren psychologische Entwicklung.
  • Die Funktion der Bühne als Laboratorium für alternative weibliche Lebensentwürfe.
  • Die Ambivalenz der Autorenabsicht zwischen feministischer Darstellung und patriarchaler Warnung.

Auszug aus dem Buch

2.3.1. Semíramis als Hermaphrodit

Semíramis Mutter Arceta, eine Nymphe Dianas, wurde von einem Anhänger der Venus vergewaltigt. Aus dieser Verbindung entstammt Semíramis. De esta especie de bastardo amor, de amor mal nacido, fui concepto. [...] (I, 831-833)

Arceta tötet Semíramis Vater nach der Vergewaltigung und stirbt selbst nach der Geburt, so bleibt Semíramis als Waise dem Streit der beiden Göttinnen allein überlassen, der keuschen Jagdgöttin Diana, die Semíramis beseitigen lassen will, um die Schande auszulöschen, und der Liebesgöttin Venus, die Semíramis aus dieser Situation errettet und ihr die Vögel als Beschützer zur Seite stellt. Dies aber nicht aus selbstloser Zuwendung sondern allein, um Diana zu erniedrigen und zu verärgern. 'Esa infanta alumna es mía, y como siempre vivimos opuestas Diana y yo, la ofende ella y yo la libro.' (I, 914-916)

Der alte Tiresias nimmt sich des Kindes an und hält es nach Weisung der Venus in einer Berghöhle versteckt, damit sich ihr Schicksal nicht erfülle: Ihre Schönheit soll zur Gefahr der Menschen werden, der König, der sich in sie verliebt wird zum Tyrann und schließlich von ihr getötet. So wohnen nun also die Eigenschaften der beiden unterschiedlichen Göttinnen in Semíramis. Diana, keusche Jägerin und Kämpferin – also mit Charakterzügen beider Geschlechter ausgestattet –, und Venus, Liebesgöttin, die laut Hesse aber gleichzeitig männlich und weiblich sowie „a transformed phallus“ ist (Hesse (1986, 215)) vererben Semíramis Maskulines und Feminines. Sie wird zudem zum Spielball der egoistischen Machtinteressen der beiden Göttinnen, ein Verhalten, dass man ihr später als Königin auch vorwerfen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Ambivalenz zwischen der realen Unterordnung der Frau in der Frühen Neuzeit und der Darstellung machtvoller Frauenfiguren auf der Theaterbühne, insbesondere bei Calderón, heraus.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Frauenstellung, feministische Literaturtendenzen, die hybride Natur der Figur Semíramis sowie die psychologischen und lebensweltlichen Implikationen des Stücks.

3. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert, dass "La hija del aire" trotz des Scheiterns der Heldin als ein Ausprobieren alternativer Frauenmodelle und eine subtile Kritik an verkrusteten gesellschaftlichen Machtstrukturen gelesen werden kann.

Schlüsselwörter

La hija del aire, Calderón de la Barca, Frühe Neuzeit, Feminismus, Semíramis, persona mixta, mujer varonil, Patriarchat, Gender, Renaissance, Macht, Identität, Psychologie, Theater, Emanzipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Theaterstück "La hija del aire" von Pedro Calderón de la Barca im Kontext des frühneuzeitlichen Frauenbildes und der gesellschaftlichen Rolle der Frau.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die historische Stellung der Frau, das "pro-woman argument" der Renaissance, die Charakterisierung der Semíramis als hybride Figur sowie die Intention des Autors zwischen feministischer Subversion und patriarchaler Warnung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den emanzipatorischen Gehalt der Figur Semíramis zu ergründen und aufzuzeigen, wie Calderón die Theaterbühne als Ort für alternative weibliche Identitätsentwürfe nutzte.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Autorin nutzt literaturwissenschaftliche Textanalyse, bezieht historische Kontexte sowie psychologische Ansätze, insbesondere die Archetypenlehre nach C.G. Jung, in ihre Untersuchung mit ein.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die rechtlichen und philosophischen Grundlagen der Frauenstellung in der Frühen Neuzeit dargelegt, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der Semíramis-Figur hinsichtlich ihrer Abstammung, ihrer Entwicklungsphasen und ihrer Wirkung auf das Publikum.

Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Zu den prägenden Begriffen zählen Semíramis, persona mixta, mujer varonil, patriarchale Gesellschaft, Renaissance-Feminismus und literarische Subversion.

Inwiefern spielt der Begriff "persona mixta" eine Rolle?

Dieser Begriff beschreibt die gespaltene Identität der Frau in der Renaissance, die sowohl ihr natürliches als auch ihr politisches Selbst mit ihrem spirituellen Selbst in Einklang bringen musste – ein Dilemma, das Semíramis verkörpert.

Warum wird die Spiegelszene als besonders wichtig erachtet?

Die Spiegelszene markiert den Höhepunkt der Balance zwischen männlichen und weiblichen Eigenschaften; sobald das maskuline Element (der Animus) überhandnimmt, beginnt der psychologische und politische Abstieg der Königin.

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Details

Title
Frühneuzeitlicher Feminismus in "La hija del aire" von Calderón de la Barca
College
LMU Munich  (Romanistisches Institut)
Course
Proseminar: Die Performativität der Macht und die Macht des Wunders – Das Staatstheater Calderóns
Grade
1,0
Author
Claudia Ballhause (Author)
Publication Year
2007
Pages
21
Catalog Number
V71967
ISBN (eBook)
9783638635530
ISBN (Book)
9783638759137
Language
German
Tags
Frühneuzeitlicher Feminismus Calderón Barca Proseminar Performativität Macht Wunders Staatstheater Calderóns
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Ballhause (Author), 2007, Frühneuzeitlicher Feminismus in "La hija del aire" von Calderón de la Barca, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/71967
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