Die Architektur des Islam


Hausarbeit, 2006
28 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die geschichtliche Entwicklung der islamischen Architektur (661-1500)

3. Kulturelle und Gesellschaftliche Voraussetzungen

4. Der Raum
4.1. Das Zelt
4.2. Das Haus
4.3. Die Siedlung („Kasbas“)
4.4. Die Stadt

5. Residenzen und Paläste

6. Der Garten

7. Bilderverbot
7.1. Die Kalligraphie
7.2. Das Ornament

8. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

1. Einführung

Das Verständnis für die islamische Kunst leidet in Europa unter vielen Vorurteilen. Eine gängige Meinung ist, dass die islamische Kultur keinen Vorschritt wie die europäische Zivilisation erbracht hat. Man begegnet auch der Ansicht, dass die Kunst des Islams, weil sie weitgehend auf realistische Nachbildung verzichtet, keine Gehalte aufweist.

Die auffallende Enthaltsamkeit dieser Kunst ist ein Resultat einer Vorstellung, dass die Wirklichkeit die unsichtbare, sich überall manifestierende Macht des einen Gottes ist, die nicht zu fassen ist. Bei der islamischen Kunst geht es nicht um die Darstellung der alltäglichen Realität in ihren verschiedenen subjektiven Ansichten sondern um die Anstrebung eines kontemplativen Zustandes, aus dem sich dem Menschen jene Einheit der Schöpfung erschließt, die im Bild selbst nicht darstellbar ist.[1]

Das Ziel meiner Hausarbeit ist die Vorurteile gegenüber der islamischen Kunst abzubauen und ein besseres Verständnis für diese Kunst zu schaffen. Ich konzentriere mich Hauptsächlich auf der Architektur, da ich der Meinung bin, dass das eigentliche Wesen der islamischen Kunst anhand ihrer Architektur ermessen werden kann. In der Architektur sind auch die für die traditionelle islamische Kultur charakteristischen Haltungen und Formen am meisten greifbar.

Die islamische Architektur wurde durch eine Vielzahl von Einflüssen geprägt, zu denen vor allem die Geschichte, Religion und kulturelle Unterschiede gehörten. Um die Architektur des Islam zu analysieren ist es zunächst notwendig diese Einflussbereiche zu erläutern. Im zweiten Kapitel werde ich also die geschichtliche Entwicklung der islamischen Architektur schildern. Das dritte Kapitel ist den kulturellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen gewidmet. Des Weiteren behandle ich die Thematik des islamischen Raumdenkens und in den Kapiteln fünf und sechs beschreibe die architektonischen Formen des Palast- und Gartenbaus. Daraufhin widme ich mich dem islamischen Bilderverbot und stelle die drei wichtigsten Ausdrucksformen der bildenden Kunst Islams vor: die Kalligraphie, das Ornament und die Arabeske.

2. Die geschichtliche Entwicklung der islamischen Architektur ( 661-1500)

Die Anfänge der islamischen Architektur sind in der Zeit der Herrschaft (661-750) der Umaiyadendynastie zu suchen. Hier wurden die klassisch-antiken Traditionen in die islamische Kunst integriert und einige der Grundformen des Moschee- und Palastbaus entwickelt sowie die Grundlagen für die künftige Entwicklung der islamischen Kunst gelegt. In dieser Zeit setzte sich auch das geometrische, florale und epigrafische Ornament durch. Der charakteristische Typ des Hof- und Hallenmoschees geht auf das Haus des Propheten Mohammed zurück. Der Gebetsraum solcher Moschee entspricht in Grundzügen einer „quergestellten“ Basilika (Halle). Dem ist ein Arkadenhof angelagert. Dieser Typ entwickelte sich nach der Verlegung der Kalifenresidenz nach Damaskus und wurde für alle anderen umaiyadischen Moscheen verbindlich (z.B. Basra und Kufa in Mesopotamien).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grundriss der Umaiyaden-Moschee von Damaskus (705 n. Christus)[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hoffront der Gebetshalle der Umaiyaden- Moschee[3]

Der Höhepunkt der religiösen Architektur war die 785 begonnene Moschee von Córdoba. Leider blieben es nur zwei vollkommene Meisterwerke religiöser Architektur aus dieser Zeit erhalten: das Felsendom in Jerusalem und das Umaiyaden-Moschee von Damaskus. Sie sind eine Antwort auf die Pracht der sie umgebenden antiken und christlichen Architektur sowie eine Bekundung der Macht und Präsenz des islamischen Glaubens gewesen.

Da sich die Kunst in Syrien entwickelte, war sie nicht nur von der lokalen Spielart der spätantiken Kunst beeinflusst, sondern auch von der hauptstädtisch-byzantinischen, der ägyptisch-koptischen, der armenischen und jener der römischen Imperiums, gegenüber der sie offen war.[4] Syrien lag einzigartig günstig, wenn es darum ging, Inspirationen aus den wichtigsten Kulturen jener Länder zu beziehen, die in dem sich herausbildenden islamischen Reich zusammengeschlossen wurden. Die Praxis der Einberufung von Arbeitskräften und Künstlern aus den nichtsyrischen Provinzen sorgte dafür, dass stark divergierende Stile zusammenkamen. Den Künstlern machte es Spaß alte Ideen für neue Zwecke zu verwenden. Sie waren ungehemmt von Konventionen, offen und weit weniger eingeschränkt als ihre zeitgenössischen Kollegen im Mittelmeerraum. Dies erklärt auch den experimentellen Charakter der umaiyadischen Kunst.

Das was jedoch in der Kunst dieser Zeit gänzlich fehlte und was später für die islamische Kunst so besonders typisch werden sollte waren die glasierte Keramik, Metallarbeiten, Teppiche, Buchmalerei und Textilien.

Neben den Moscheen und Palästen haben sich auch andere Bautypen unter den Umaiyaden entwickelt. In zwei Stätten in der jordanischen Wüste: Qusair Amra und Hamman al-Sarakh; wurde ein klassischer Gebäudetypus frei adaptiert- die Thermen. Qusair Amra ist besonders bemerkenswert durch seine makellose Reihe von Wandmalereien, die aus der Spätantike und dem frühen Mitelalter erhalten sind. Sie preisen die Freuden von Tanz, Wein, Gesang und Weib.

Zwei bekannte Palastkomplexe sind Khirbat al-Mafdjar und Mshatta). Khirbat al-Mafdjar (unvollendet; vor 743) ist ein Beispiel eines multifunktionalen Palastkomplexes, das aus freistehenden Gebäuden besteht und das auf extravagante Ansprüche des Kalifen al-Walid II zugeschnitten wurde. Hier finden sich ein Palast, eine Moschee, ein unterirdisches Bad mit Duschvorrichtung, ein Hof mit einem imposanten Tholos (ein kolonadenumzogener Rundbau) und eine riesige überkuppelte und eingewölbte Thermenhalle. Die Pracht der Anlage ergänzen die Fresken und Temperamalereien sowie die Stuckierungen von unvergleichlicher Ausdruckkraft. Hier befindet sich das größte Bodenmosaik, das aus Mittelalter und Antike erhalten ist.

Bei dem Palast in Mshatta ist der politische und propagandistische Anspruch unübersehbar. Die Größe dieses Gebäudes übertrifft die aller früheren umaiyadischen Paläste (Seitenlänge beträgt 144 Meter). Obwohl er nicht vollendet wurde, blieb genug erhalten, um festzustellen, dass dessen Ziel war es, die absolute Macht des Monarchen zu betonen. Mshatta ist ein Vorläufer der Runden Stadt von Bagdad, die eine knappe Generation später entstand.[5]

Neben den Neugründungen sind auch Übernahme und Umnutzung bestehender Bauten dokumentiert. Christliche Basiliken wurden oft als Moscheen benutzt oder unter beide Religionen aufgeteilt. Die nach Osten gerichteten Kirchenräume wurden dabei als einfache Hallen angesehen, und die Reihen der Betenden drehten sich in Richtung auf Mekka. Im Laufe des 7./8. Jahrhunderts nach Christus wurden auch ganze Bezirke von römisch-hellenistischen Stadtanlagen übernommen und verändert. Bekannte Beispiele dafür sind die Agora von Aleppo und der Tempelplatz von Damaskus.[6]

Die Grundformen des Moschee- und Palastbaus, die in der Ära der Umaiyaden entwickelt wurden, wurden von späteren Generationen immer wieder aufgegriffen. In späteren Jahrhunderten traten sie in einer oder anderer Form wieder. Die Bereitschaft späterer Generationen, umaiyadische Prototypen zu kopieren, war dem einizigartigen Glanz geschuldet, in dem diese erste und mächtigste islamische Dynastie erstrahlte.

Die Dynastie der Abbasiden löste 750 die Umaiyaden in der Regierung des Kalifats ab. Seitdem sie den Sitz des Kalifats nach Bagdad verlegten, begann sich im islamischen Osten ein anderer Weg als im Westen abzuzeichnen. Statt der Aufnahme und Verarbeitung des römisch-hellenistischen und byzantinischen Erbes gingen vermehrt orientalische Traditionen mesopotamischen, iranischen und zentralasiatischen Ursprungs in die islamische Architektur ein. Mesopotamien war berühmt für den massiven Rohziegelbau, den Backstein, die glasierte Baukeramik, die das Mauwerk wie eine farbige Haut überzieh sowie das Stucküberzug als Verkleidung des Mauwerks. Bei den großen Moscheen von Samarra aus dem 9. Jahrhundert n. Christus hielt man zwar an dem System der Hof- und Hallenmoschee fest, doch die antiken Säulen waren durch massive Pfeiler in Ziegelbauweise ersetzt und die Wände mit Stukkaturen verziert.

Doch das für die Entwicklung der ostislamischen Architektur folgenreichste Erbgut war der Îvân.[7] Er ist eine dreiseitig geschlossene Halle, die an ihrer Vorderseite völlig offengelassen ist. Meistens öffnet sich der Îvân zu einem Innenhof, der gärtnerisch gestaltet ist und über ein zentrales Wasserbecken verfügt. Solch ein Innenhof kann auch über mehrere Îvâne verfügen. Sind um einen rechteckigen Innenhof kreuzförmig vier Îvâne so angeordnet, dass sich jeweils zwei gegenüberstehen, so spricht man von einer Vier-Îvân-Anlage. Îvân wurde von den Pathern im 1. Jahrhundert n. Chr. eingeführt, wo er als selbstständiger Raum vorkam. Später ab der sassanidischen Zeit wurde er als Vorzone zu einer überkuppelten Halle benutzt.[8] Er findet Eingang im Palastbau, in der Moschee, in der Koranschule (Madrasa) und im Wohnbau. Er bekam eine universelle Bedeutung als geschützter, dem Innenhof zugewandter Aufenthaltsraum gehobenen Charakters.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Iwan von Masjed Nasir ol Molk in Shiraz, Provinz Fars, Iran[9]

Im 9. Jahrhundert wurden mehrere kleinere Dynastien gegründet. Es entstanden die Tahiriden (821- 872), die Saffariden (866-ca.900) und die Semaniden (874-ca.1000).

Ab 961 bildeten sich die ersten Staaten türkischer Söldnerschaften in Ostivan und Mesopotamien. Im Jahre 1040 eroberten die Seldschuken den Iran ein und wurden bis 1157 zum mächtigsten Staat im Vorderen Orient. Unter Sultan Malikschâh (1072-1092) leitete diese Dynastie eine neue iranische Blütezeit ein.[10]

[...]


[1] Bianca, Stefano: Hofhaus und Paradiesgarten. Architektur und Lebensformen in der islamischen Welt. C.H. Beck: München, 1991. S. 253

[2] http://bauregelwerke.tuwien.ac.at/bauregelwerke/myindex.php?req=show_subthema&ue_id=4&themen_id=35&subthemen_id=32

[3] http://lexikon.freenet.de/images/de/thumb/9/9f/Omayyad_mosque.jpg/280px-Omayyad_mosque.jpg

[4] Stuckplastiken persischen Typs, irakische Techniken des Gewölbebaus, Zierleisten südostanatolischer Art, ein figürlicher Stil, der dem koptischen Plastiken sehr ähnlich ist, weisen darauf hin, dass der Stil und die Methoden der syrischen Architektur durch Ideen aus weit entfernten Gebieten bereichert wurden.

[5] Hillenbrand Robert: Kunst und Architektur des Islam. Ernst Wasmuth Verlag Tübingen: Berlin, 2005.S 11-37

[6] Bianca, Stefano: Hofhaus und Paradiesgarten. Architektur und Lebensformen in der islamischen Welt. C.H. Beck: München, 1991. S. 60, 61

[7] Bianca, Stefano: Hofhaus und Paradiesgarten. Architektur und Lebensformen in der islamischen Welt. C.H. Beck: München, 1991. S. 81

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_%28Architektur%29

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_%28Architektur%29

[10] http://www.zentralasien.net/stadt/index.html

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Architektur des Islam
Hochschule
Universität Bremen
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V72005
ISBN (eBook)
9783638633802
ISBN (Buch)
9783656082187
Dateigröße
1248 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur, Islam
Arbeit zitieren
Justyna Purwin (Autor), 2006, Die Architektur des Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72005

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