Die Architektur der 50er und 60er Jahre in Deutschland - Veranstaltungs- und Kulturbauten


Referat (Ausarbeitung), 2006

24 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Architektur der 50er Jahre
2.1 Kinobauten
2.1.1 München „Baki“
2.1.2 West-Berlin „Zoo-Palast“ und „Atelier am Zoo“
2.1.3 Münster „Schlosstheater“
2.2 Theater
2.2.1 Stadttheater Münster

3. Die Architektur der 60er Jahre
3.1 Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung 1967 in Montreal
3.2 Die Stadthalle Bremen
3.3 Die Philharmonie Berlin

4. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Anhang

1. Einführung

Die vorliegende Arbeit ist die Ausarbeitung des Referats zum Thema „Kultur- und Veranstaltungsbauten der 50er und 60er Jahre“, welches ich in der Veranstaltung „Denkmalpflege und Nachkriegsarchitektur“ im Sommersemester 2005 an der Universität Bremen gehalten habe.

Diese Hausarbeit besteht aus vier Teilen und einem Anhang. Der erste Teil ist die Einführung, in der ich die allgemeinen Informationen zu der Entwicklung der Nachkriegsarchitektur in Deutschland vorstelle. In dem zweiten Teil widme ich mich speziell der Architektur der 50er Jahre in Deutschland. Ich konzentriere mich hier auf die Kino- und Theaterbauten der 50er Jahre im geteilten Deutschland. Ich präsentiere drei Kinos: „Baki“ in München, das Doppelkino „Zoo-Palast“ uns „Atelier am Zoo“ in Westberlin und das „Schlosstheater“ in Münster sowie ein Theater: das „Stadttheater“ in Münster. Im dritten Teil behandle ich die wichtigsten Merkmale der Architektur der 60er Jahre und präsentiere den Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1967 in Montreal, die Stadthalle Bremen und die Philharmonie Berlin. Der letzte Teil ist die Schlussbetrachtung. Im Anhang befinden sich die Fotografien der präsentierten Gebäude.

Für die Architektur in der Bundesrepublik Deutschland der Nachkriegsjahre werden in der

Regel vier Phasen beschrieben:

- der notdürftige Wideraufbau der Infrastruktur
- der Wideraufbau bis Mitte der 50er Jahre vorwiegend nach restaurativen Leitbildern
- das Anknüpfen an Tendenzen des „Neuen Bauens“[1] vor 1933
- das Anknüpfen an den Internationalen Stil bis 1960er Jahre[2]

Die Architekturentwicklung ging in den einzelnen Städten nicht immer parallel, was mit den örtlichen Besonderheiten der Nachkriegssituation zusammenhängt. Städte, die in besonders starkem Maße zerstört waren, wurden in anderer Weise wiederaufgebaut, als solche, in denen relativ viele historische Gebäude erhalten waren.

In der Nachkriegszeit verlief die Entwicklung der Architektur in der DDR und Bundesrepublik Deutschland zuerst auf getrennten Wegen.

In der Bundesrepublik Deutschland ging es anfänglich darum, Wohnungen für Millionen Menschen zu schaffen, die ihr Heim im Krieg verloren hatten. Fragen zur Bedeutung der Architektur in einer modernen Gesellschaft, die sich die Avantgarde in anderen europäischen Ländern gestellt hat, wurden in Westdeutschland kaum gestellt. Die Abwanderung vieler Architekten in den 30er Jahren hatte zur Folge, dass die moderne Tradition nicht fortgeführt werden konnte. Es entwickelte sich eine neue Architektur, die eine schöne neue Welt versprach.[3]

Die Überwindung des Gegensatzes zwischen Stadt und Land wurde zum Wunschbild des Städtebaus. Voraussetzung war die Auflösung der Städte und die Bindung an den Boden. Angestrebt wird Flachbau (1-3 Geschosse), geringe Dichten mit 80 bis 140 Einwohnern je Hektar. Die Großstadt soll in überschaubare Einheiten gegliedert werden, die als „Wohnzelle“ oder „Siedlungszelle“ genannt wurden. In der überschaubaren Einheit soll der Bewohner Gemeinschaft und Geborgenheit finden.[4]

Das Bauen in der frühen Nachkriegszeit im Osten Deutschlands wurde von der aus Moskau angeordneten Doktrin einer „nationalen Bautradition“ bestimmt. Diese Bauweise sollte im bewussten Gegensatz zur „amerikanisch“ internationalen Architektursprache der Moderne stehen. Das Ziel war es eine schöne und kompakte Stadt zu kreieren. Die Stadt wurde als die wirtschaftlichste und kulturreichste Siedlungsform für das Gemeinschaftsleben der Menschen angesehen. Sie sollte in ihrer Struktur und architektonischer Gestaltung Ausdruck des politischen Lebens und des nationalen Bewusstseins des Volkes sein.[5] Hohe Straßenradbebauung sollte im Zentrum, der „Seele“ der Stadt kulminieren. Hauptstrassen, Plätze und Uferzonen sollten künstlerische Kompositionen bilden und deren Architektur soll nationale Traditionen aufnehmen.[6]

Nach dem Tod Stalins musste auf Anordnung Chruschtschow auch in der DDR eine Kehrtwendung zur Rationalisierung und Typisierung im Bauen vollzogen werden.[7] Ab Ende der 50er Jahre wurde die Bauweise der DDR zunehmend von der Industrialisierung des Bauens gekennzeichnet.

2. Die Architektur der 50er Jahre

Für die 50er Jahre ist die Verschmelzung von Stadt und Natur charakteristisch. Die typischen Begriffe in der Architektur dieser Zeit sind: Licht, Luft und Sonne. Die Architektur der 50er Jahre grenzt sich sowohl gegen die 30er Jahre als auch gegen sie 60/70er Jahre ab. Gegenüber Monumentalität und Symmetrie, Schwäre und Massigkeit der 30er Jahre stehen transparente Leichtigkeit, dynamisch-fließende Bewegung, Verschlankung der Konstruktion der 50er Jahre. Die Klotzigkeit von Fertigbauten der 60er Jahre steht in Opposition zu der schlichten, bescheidenen und kleinteiligen Architektur der 50er.[8] Nur einzelne Elemente der Architektur, wie z.B. „fliegende“ Vordächer oder verschlankte Konstruktionen können aus der Architektur der 30er oder 40er Jahre abgeleitet werden.[9] Es kann eine Tendenz zur Antisymmetrie festgestellt werden. Achse und Symmetrie wurden beim Wiederaufbau häufig bewusst durchkreuzt und gebrochen.

Charakteristisch für die Architektur der 50er Jahre sind dünne Dächer, geschwungene Treppengeländer, Beton-Rasterbau, abgesetzte, verglaste Dachgeschosse, Fassadenornamen­tierung mit Betonfertigteilen, dünne Holzlamellen an Wänden und Balkonbrüstungen und in der Innenarchitektur Nierentisch oder Tütenlampe.[10]

Der Rasterbau der 50er Jahre ist typisch für die Verwaltungs-, Schul- oder Kaufhausbauten. Bei solchen Bauaufgaben wie Kino oder Cafe finden sich jedoch höchst originelle, eigenständige Architekturerfindungen.

Man setzte auf die neuen Materialien, wie Glas, Stahl, Beton und Backstein. In keiner anderen Zeit hat man solche Materialien wie Plastik, Eternit oder Plexiglas so unbekümmert miteinander kombiniert. (?) Kleinmosaik findet seine Anwendung an den Säulen und Fassaden, farbige Fließen verkleiden Wände, Schmiedeeisen und Messing verzieren Balkone, Türen und Fenster.[11]

In der Mischung aus Rasterbau, abstrahierter Dekoration und Materialpräsentation zeigt sich der spezifische Charakter der Architektur der 50er Jahre. Sie trägt heutzutage viele Namen, von „Nützlichkeits- und Kommerzbauten“ über „resignativer Modernismus“ bis „neue Leichtigkeit“, „Architektur der Bescheidenheit“ oder „dynamische Moderne“.[12]

Die Architektur der 50er Jahre wurde im Rahmen eines stärker „verdichteten Städtebaus“ von Bauten abgelöst, die weniger handwerklichen als industriellen Produktionsweisen entsprachen. Aufgrund der technischen Mängel oder des Nutzungswandels in den Städten existieren viele Bauten der 50er Jahre nicht mehr. Durch die Modernisierung und die notwendigen Reparaturen ging bei vielen Gebäuden dieser Zeit ihre dokumentarische Aussage und architektonische Qualität oft verloren. Diese Art des Umgangs mit der Architektur der 50er Jahre stößt oft auf Kritik seitens der Öffentlichkeit, deren Interesse an der Erhaltung von Bauten der 50er Jahre in der letzten Zeit gewachsen ist.[13]

2.1 Kinobauten

In den 1950er Jahren erlebte das Kino erlebte im geteilten Deutschland eine Blüte. Mitte der fünfziger Jahre zählte man in Westdeutschland 6483 Lichtspielhäuser, die 2,7 Millionen Kinoplätze anboten.[14] Nie wieder wurden in Deutschland so viele Kinobesucher gezählt. Nie wieder standen den Deutschen so viele Kinoplätze zur Verfügung.

[...]


[1] Das Neue Bauen ist eine neue Stilrichtung in der Architektur, die in den 20er Jahren entstand. Angeregt von neuen Bautechniken wie Eisenbau und Stahlbau rückte die Konstruktion in den Vordergrund. Dekorative Elemente waren unerwünscht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Neues_Bauen

[2] Brosch, Astrid: Kinobauten der 1950er Jahre im geteilten Deutschland. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2003, S. 103-104

[3] Curtis, J.R. William: Moderne Architektur seit 1980, Phaidon: Singapur, 2002, S. 472.

[4] Düwel, John. Gutschow, Niels: Städtebau in Deutschland im 20. Jh. Ideen – Projekte – Akteure. Teubner: Stuttgart, 2001, S. 187

[5] Lange, Ralf: Architektur und Städtebau der fünfziger Jahre. Ergebnisse der Fachtagung in Hannover. Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, 1990, S. 79

[6] Düwel, John. Gutschow, Niels, 2001, S. 187.

[7] Nerdinger Winfried: Architekturführer Deutschland. 20. Jahrhundert. Birkhäuser: Basel, Berlin, Boston. 1996. S.12-14

[8] Lange, Ralf, 1990, S. 38

[9] Lange, Ralf, 1990, S. 47

[10] Lange, Ralf, 1990, S. 42

[11] Lange, Ralf, 1990, S. 48

[12] Lange, Ralf, 1990, S. 38

[13] Lange, Ralf, 1990, S. 7

[14] Bangert, Albrecht: Die 50er Jahre. Möbel und Ambiente. Design und Kunsthandwerk. Wilhelm Heyne, 1990, S. 39

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Architektur der 50er und 60er Jahre in Deutschland - Veranstaltungs- und Kulturbauten
Hochschule
Universität Bremen
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V72007
ISBN (eBook)
9783638633819
Dateigröße
788 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur, Jahre, Deutschland, Veranstaltungs-, Kulturbauten
Arbeit zitieren
Justyna Purwin (Autor), 2006, Die Architektur der 50er und 60er Jahre in Deutschland - Veranstaltungs- und Kulturbauten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72007

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