Die vorliegende Arbeit ist die Ausarbeitung des Referats zum Thema „Kultur- und Veranstaltungsbauten der 50er und 60er Jahre“, welches ich in der Veranstaltung „Denkmalpflege und Nachkriegsarchitektur“ im Sommersemester 2005 an der Universität Bremen gehalten habe. Diese Hausarbeit besteht aus vier Teilen und einem Anhang. Der erste Teil ist die Einführung, in der ich die allgemeinen Informationen zu der Entwicklung der Nachkriegsarchitektur in Deutschland vorstelle. In dem zweiten Teil widme ich mich speziell der Architektur der 50er Jahre in Deutschland. Ich konzentriere mich hier auf die Kino- und Theaterbauten der 50er Jahre im geteilten Deutschland. Ich präsentiere drei Kinos: „Baki“ in München, das Doppelkino „Zoo-Palast“ uns „Atelier am Zoo“ in Westberlin und das „Schlosstheater“ in Münster sowie ein Theater: das „Stadttheater“ in Münster. Im dritten Teil behandle ich die wichtigsten Merkmale der Architektur der 60er Jahre und präsentiere den Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung 1967 in Montreal, die Stadthalle Bremen und die Philharmonie Berlin. Der letzte Teil ist die Schlussbetrachtung. Im Anhang befinden sich die Fotografien der präsentierten Gebäude. Für die Architektur in der Bundesrepublik Deutschland der Nachkriegsjahre werden in der Regel vier Phasen beschrieben:
- der notdürftige Wideraufbau der Infrastruktur
- der Wideraufbau bis Mitte der 50er Jahre vorwiegend nach restaurativen Leitbildern
- das Anknüpfen an Tendenzen des „Neuen Bauens“1 vor 1933
- das Anknüpfen an den Internationalen Stil bis 1960er Jahre2
Die Architekturentwicklung ging in den einzelnen Städten nicht immer parallel, was mit den örtlichen Besonderheiten der Nachkriegssituation zusammenhängt. Städte, die in besonders starkem Maße zerstört waren, wurden in anderer Weise wiederaufgebaut, als solche, in denen relativ viele historische Gebäude erhalten waren. In der Nachkriegszeit verlief die Entwicklung der Architektur in der DDR und Bundesrepublik Deutschland zuerst auf getrennten Wegen.
==
1 Das Neue Bauen ist eine neue Stilrichtung in der Architektur, die in den 20er Jahren entstand. Angeregt von neuen Bautechniken wie Eisenbau und Stahlbau rückte die Konstruktion in den Vordergrund. Dekorative Elemente waren unerwünscht. http://de.wikipedia.org/wiki/Neues_Bauen
2 Brosch, Astrid: Kinobauten der 1950er Jahre im geteilten Deutschland. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2003, S. 103-104
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Architektur der 50er Jahre
2.1 Kinobauten
2.1.1 München „Baki“
2.1.2 West-Berlin „Zoo-Palast“ und „Atelier am Zoo“
2.1.3 Münster „Schlosstheater“
2.2 Theater
2.2.1 Stadttheater Münster
3. Die Architektur der 60er Jahre
3.1 Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung 1967 in Montreal
3.2 Die Stadthalle Bremen
3.3 Die Philharmonie Berlin
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Kultur- und Veranstaltungsbauten in Deutschland während der 1950er und 1960er Jahre. Das primäre Ziel ist es, die architektonischen Besonderheiten, die Einflüsse politischer Rahmenbedingungen auf das Bauwesen sowie den Erhaltungszustand ausgewählter Kino- und Theaterbauten im geteilten Deutschland kritisch zu beleuchten.
- Architektonische Differenzierung zwischen den 50er und 60er Jahren
- Vergleich der städtebaulichen Konzepte in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR
- Analyse spezifischer Kinobauten als kulturelle Identitätsträger
- Untersuchung des Theaterbaus nach dem Zweiten Weltkrieg
- Herausforderungen des Denkmalschutzes für Bauten der Nachkriegsmoderne
Auszug aus dem Buch
2.1 Kinobauten
In den 1950er Jahren erlebte das Kino erlebte im geteilten Deutschland eine Blüte. Mitte der fünfziger Jahre zählte man in Westdeutschland 6483 Lichtspielhäuser, die 2,7 Millionen Kinoplätze anboten. Nie wieder wurden in Deutschland so viele Kinobesucher gezählt. Nie wieder standen den Deutschen so viele Kinoplätze zur Verfügung.
Obwohl das Kino als äußerst interessante Bauaufgabe zu sehen ist, traten in Deutschland kaum Architekten von internationalem Rang in Erscheinung. Nur wenige Aufsätze beschäftigten sich mit der Gestaltung der Kinoräume und Kinogebäude. Selten wurde auch die Frage aufgeworfen, welcher Stil und welche Formensprache speziell einem Kino angemessen sei.
Die Konkurrenz innerhalb der Bundesrepublik war sehr groß. Deshalb versuchte man sich von den anderen abzuheben als deren Formen zu kopieren. Eines der wichtigsten Kennzeichen der Kinoarchitektur der 50er Jahre ist ihre Vielfalt. In den 50er Jahren finden sich sowohl strenge Kuben und polygonale Grundrisse als auch elegante Schwünge und fließende Formen. Es entstanden auch organisch geformte Räume. Deren Grundrisse werden als tulpen- oder eiförmig beschrieben. Gemein sind für viele Kinobauten eine plakative Wirkung, Abkehr von einfachen Grundrissformen und ein Hang zur Asymmetrie. Stahlbeton spielt eine wichtige Rolle, denn er ermöglichte eine individuelle Formung der Wände, Treppen, Ränge und Dächer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Arbeit stellt die methodische Herangehensweise dar und gibt einen Überblick über die vier Phasen des architektonischen Wiederaufbaus in Deutschland nach 1945.
2. Die Architektur der 50er Jahre: Dieses Kapitel erläutert den Charakter der Architektur dieser Dekade, die durch Leichtigkeit, dynamische Formen und eine bewusste Abkehr von der Monumentalität der 30er Jahre geprägt ist.
2.1 Kinobauten: Es wird die Blütezeit des Kinos beleuchtet, wobei spezifische bauliche Merkmale wie organische Grundrisse und die Rolle des Lichts sowie regionale Beispiele (München, Berlin, Münster) vorgestellt werden.
2.2 Theater: Der Abschnitt behandelt die Situation der Theaterbauten nach dem Krieg, die oft an traditionellen Standorten neu errichtet oder wiederaufgebaut wurden, ohne eine einheitliche, stilbildende Kraft zu entwickeln.
2.2.1 Stadttheater Münster: Hier wird der Pionierbau als erste Theater-Neuschöpfung der Nachkriegszeit detailliert analysiert, inklusive der architektonischen Gestaltung und der zeitgenössischen Kritik.
3. Die Architektur der 60er Jahre: Der Fokus liegt auf dem Wandel hin zu rationaleren, industriell geprägten Bauweisen und dem Aufkommen des Betonbrutalismus im Kontext des Wirtschaftswunders.
3.1 Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung 1967 in Montreal: Die Analyse konzentriert sich auf die innovative Netzkonstruktion von Frei Otto als Beispiel für zukunftsweisendes Bauen.
3.2 Die Stadthalle Bremen: Es wird der Entwurf von Roland Rainer sowie die spätere bauliche Veränderung und der damit einhergehende Verlust der ursprünglichen architektonischen Funktion diskutiert.
3.3 Die Philharmonie Berlin: Die Arbeit beschreibt die Konzeption Hans Scharouns, der mit der zentralen Anordnung des Orchesters neue Wege für die Konzertsaalarchitektur einschlug.
4. Schlussbetrachtung: Ein Resümee über die Gefährdung der Bausubstanz der Nachkriegszeit und ein Plädoyer für einen stärkeren Denkmalschutzgedanken zur Bewahrung dieses kulturellen Erbes.
Schlüsselwörter
Nachkriegsarchitektur, 50er Jahre, 60er Jahre, Kinoarchitektur, Theaterbau, Wiederaufbau, BRD, DDR, Denkmalschutz, Moderne, Städtebau, Betonbrutalismus, Kulturbauten, Architekturgeschichte, Veranstaltungsbauten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der Kultur- und Veranstaltungsbauten in Deutschland während der 50er und 60er Jahre und bewertet deren architektonischen Stellenwert im Kontext der Nachkriegsgeschichte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die architektonischen Trends, die städtebaulichen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sowie die Herausforderungen bei der Umnutzung oder Erhaltung dieser Gebäude.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den spezifischen Gestaltungsmerkmalen von Veranstaltungsbauten dieser Zeit und der Notwendigkeit, diese als bedeutende Zeugnisse der deutschen Geschichte unter Denkmalschutz zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine kunstwissenschaftliche Ausarbeitung, die durch Literaturanalyse und die Fallstudien ausgewählter repräsentativer Gebäude methodisch fundiert ist.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kinobauten und Theatern der 50er Jahre sowie wegweisende Projekte der 60er Jahre wie den Deutschen Pavillon in Montreal, die Stadthalle Bremen und die Philharmonie Berlin.
Welche Schlagworte charakterisieren den Inhalt am besten?
Kernbegriffe sind Nachkriegsmoderne, Architekturgeschichte, Denkmalschutz, Kino- und Theaterbauten sowie der strukturelle Wandel der Bauweise im geteilten Deutschland.
Welche Rolle spielten regionale Unterschiede bei Kinobauten?
Während in Westdeutschland ein starker Konkurrenzdruck zu vielfältigen und innovativen Bauweisen führte, war die Entwicklung im Osten stärker durch staatliche Vorgaben und die Doktrin des Sozialistischen Realismus geprägt.
Warum wird das Stadttheater Münster als besonderes Beispiel hervorgehoben?
Es gilt als der erste bedeutende Theaterneubau der Nachkriegszeit, der bewusst eine Rekonstruktion ablehnte und stattdessen eine radikale, moderne architektonische Lösung suchte.
Welche Problematik sieht die Autorin beim heutigen Umgang mit diesen Bauten?
Die Autorin kritisiert den enormen Modernisierungs- und Veränderungsdruck, der oft zum Verlust der ursprünglichen architektonischen Qualität führt, da viele Gebäude nicht als schützenswerte Denkmäler anerkannt sind.
- Quote paper
- Justyna Purwin (Author), 2006, Die Architektur der 50er und 60er Jahre in Deutschland - Veranstaltungs- und Kulturbauten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72007