Diese Ausarbeitung bezieht sich auf das gehaltene Referat im Kontext des Seminars mit dem Thema der Epoche der Aufklärung, d.h. das 18. Jahrhundert. Diese Epoche wird auch als das „Pädagogische Zeitalter“ betitelt, was den Wandel der Werte und Normen im gesamten Leben der damaligen Menschen beinhaltet. In dem Seminar wurden die Philanthropen und ihre Ideen vorgestellt, sowie auch das Bildungswesen der verschiedenen Klassen und auch Altersgruppen. Dieser Text beleuchtet nun insbesondere die Familie, und die Stellung des Kindes und der Frau. Zunächst wird erläutert, wie sich die Situation vor dem Wandel gestaltet hat, und was die Forderungen der Aufklärer waren, um sich dem Zeitgeist anzupassen. Der nächste Abschnitt befasst sich mit dem Wandel der Mutter – Kind – Beziehung, wobei die Erweiterung der mütterlichen Verantwortung und die Mittel zur Erziehung zur Mütterlichkeit gesondert beschrieben werden. Anschließend werden auch die negativen Seiten der, durch die Aufklärung entstandenen, neuen Werte und Ideale beleuchtet und abschließend gefragt, ob Mutterliebe wirklich ein Instinkt ist, oder man es nicht als gesellschaftliches Phänomen betrachten kann, oder sogar muss.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Eltern – Kind – Beziehung zu Beginn des 18. Jahrhundert
2. Die Forderungen der Aufklärer
3. Der Wandel der Mutter – Kind – Beziehung
3. (1) Die Erweiterung der mütterlichen Verantwortung
3. (2) Mittel zur Erziehung zur Mütterlichkeit
4. Die negativen Seiten der „neuen Mutter“
4. (1) Die Infragestellung der Mutterliebe durch Elisabeth Badinter
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Wandel der Eltern-Kind-Beziehung im 18. Jahrhundert, wobei der Fokus insbesondere auf der „Pädagogisierung“ der Mutterrolle und der Entstehung neuer gesellschaftlicher Erwartungen an die mütterliche Fürsorge liegt.
- Wandel der Werte und Normen im „Pädagogischen Zeitalter“
- Stellung des Kindes und der Frau im 18. Jahrhundert
- Forderungen der Aufklärer an eine bewusste Erziehung
- Veränderung der Mutterrolle und mütterliche Verantwortung
- Kritische Reflexion des Mutterinstinkts als gesellschaftliches Phänomen
Auszug aus dem Buch
Die negativen Seiten der „neuen Mutter“
Die Frauen im 18. Jahrhundert mussten an ihre scheinbar vergessenen Aufgaben als Mutter erinnert werden. Zwar spielte die neue Philosophie von Glück und Gleichheit eine Rolle bei dem Wandel der mütterlichen Einstellungen, aber insgesamt war dieses neue Bild der fürsorglichen Mutter nur schwer durchzusetzen, da die Mühe und der Aufwand dafür zu groß war. Trotzdem kam der Diskurs über den mütterlichen Einfluss auf das Kind in Mode und die Sicherung des Überlebens des Kindes stand im Vordergrund. Aber es dauerte lange, bis die Frauen ihr Verhalten dem der „neuen Mutter“, wie sie in Schriften von Rousseau, Moralisten und Medizinern propagiert wurde, anpassten, was auch an den wirtschaftlichen Möglichkeiten lag. So dauerte es fast ein Jahrhundert, bis die Mütter nicht mehr egoistisch und gleichgültig handelten. Das eigene Kind nicht zu lieben wurde zu einem „unerklärlichen Verbrechen“, und so war man entweder eine liebevolle Mutter oder gar keine. Trotzdem änderten sich die Sitten nur langsam und die Frauen lehnten das neue Vorbild ab. Die neuen Mütter fanden sich überwiegend im Mittelstand und im begüterten Bürgertum an, wobei dies auch nicht nur aus Liebe geschah, sondern aus sozialen Gründen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Eltern – Kind – Beziehung zu Beginn des 18. Jahrhundert: Das Kapitel beschreibt eine von Lieblosigkeit, hoher Kindersterblichkeit und Vernachlässigung geprägte Ausgangssituation, in der Kinder häufig als Last empfunden wurden.
2. Die Forderungen der Aufklärer: Hier wird der Einfluss philanthropischer Ideen dargestellt, die eine bewusste Erziehung, das Ende der Ammenwirtschaft und eine stärkere moralische Verpflichtung der Mütter forderten.
3. Der Wandel der Mutter – Kind – Beziehung: Es wird analysiert, wie sich die Einstellung gegenüber Kindern wandelte und die Mutter zur zentralen Instanz der frühkindlichen Sozialisation und Erziehung erhoben wurde.
3. (1) Die Erweiterung der mütterlichen Verantwortung: Dieser Abschnitt erläutert die Theorie der „natürlichen Hingabe“, welche die mütterlichen Aufgaben über das Stillen hinaus auf die moralische und intellektuelle Bildung ausweitete.
3. (2) Mittel zur Erziehung zur Mütterlichkeit: Hier wird die Rolle von Literatur, Ratgebern und staatlichem Druck beleuchtet, die Frauen auf ihre neue, gesellschaftlich definierte Mutterrolle vorbereiten sollten.
4. Die negativen Seiten der „neuen Mutter“: Das Kapitel thematisiert die Diskrepanz zwischen dem neuen Idealbild und der Realität, insbesondere die Schwierigkeiten der verschiedenen sozialen Stände bei der Umsetzung dieser Anforderungen.
4. (1) Die Infragestellung der Mutterliebe durch Elisabeth Badinter: Der Autor schließt mit der kritischen Hinterfragung des Mutterinstinkts als biologische Konstante und interpretiert Mutterliebe als historisch gewachsenes Sozialverhalten.
Schlüsselwörter
Aufklärung, Pädagogisierung, Mutterrolle, Mutterliebe, Erziehung, 18. Jahrhundert, Philanthropen, Mutterinstinkt, Sozialgeschichte, Kindheit, Elisabeth Badinter, Jean-Jacques Rousseau, Gesellschaftliche Normen, Säuglingssterblichkeit, Familiensphäre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den tiefgreifenden Wandel der Eltern-Kind-Beziehung und die Veränderung der Mutterrolle während der Epoche der Aufklärung im 18. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die „Pädagogisierung“ des Familienlebens, die Anforderungen der Aufklärer an eine moderne Erziehung sowie die moralische Konstruktion der Mutterliebe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Wahrnehmung des Kindes und die Verantwortung der Mutter historisch gewandelt haben und dass Mutterliebe nicht zwingend als rein biologischer Instinkt zu betrachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Ausarbeitung, die auf der Analyse zeitgenössischer Quellen und sozialgeschichtlicher Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der ursprünglichen Lieblosigkeit, der aufklärerischen Forderungen, der Entwicklung zur „neuen Mutter“ und der kritischen Infragestellung des Mutterinstinkts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Aufklärung, Mutterrolle, Pädagogisierung, Sozialgeschichte, Mutterinstinkt und Kindheit.
Warum wurde das Stillen im 18. Jahrhundert so stark thematisiert?
Das Stillen entwickelte sich zu einem Indikator für „wahre“ Mutterliebe und moralische Integrität, wobei die Verweigerung des Stillens durch das Aufklärer-Ideal stark sanktioniert wurde.
Inwiefern beeinflusste Elisabeth Badinter die Argumentation der Autorin?
Die Arbeit stützt sich auf Badinters These, dass Mutterliebe ein spätes Produkt der menschlichen Entwicklung ist und sich historisch an gesellschaftliche Erwartungen und Normen angepasst hat.
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- Ulrike Basedow (Author), 2005, Die Pädagogisierung der Eltern-Kind-Beziehung im 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72022