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Der konstruktivistische Ansatz in der Medien- und Kommunikationswissenschaft - Voraussetzungen, Elemente, Folgen

Title: Der konstruktivistische Ansatz in der Medien- und Kommunikationswissenschaft - Voraussetzungen, Elemente, Folgen

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Holger Ihle (Author)

Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
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Der Konstruktivismus ist in den letzten dreißig Jahren innerhalb der Medien- und Kommunikationswissenschaft zunehmend populärer geworden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass unter dessen Grundannahmen die als zunehmend zirkulär erscheinenden Medienwirkungen eine weiter reichende Bedeutungsdimension erhalten, als mit einem einfachen realistischen Modell, in dem Medieninhalte als Abbild ‚der Realität‘ gelten. Medieninhalte können damit als eigener sinnproduzierender Teil von Wirklichkeit verstanden werden. Jedoch hat diese erkenntnistheoretische Sichtweise eine zweite Seite. Nicht nur die MedienrezipientInnen werden im Sinne des Konstruktivismus durch ihre Umwelt entscheidend geprägt. Auch die MedienproduzentInnen und letztlich auch die MedienforscherInnen können die als objektiv gedachte Wirklichkeit nur als kognitives Konstrukt wahrnehmen, das entscheidend durch das Subjekt geprägt wird. Insbesondere im Rahmen der Medienwirkungsforschung, wo verschiedene Messinstrumente zum Nachweis bestimmter Medienwirkungen angewandt werden entsteht damit ein hermeneutischer Zirkel. Gemessen werden kann nicht die Wirklichkeit, sondern nur ein Wirklichkeitskonstrukt. Jedes Messergebnis ist dabei bereits bestimmt durch das Messinstrument, das notwendigerweise nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit erfassen kann. Da bereits diese Wirklichkeit durch das Subjekt ‚ForscherIn‘ bestimmt ist kann schlechterdings von einer empirischen Erfassung der Realität keine Rede sein. Der Konstruktivismus operiert mit den Begriffen der Wirklichkeit erster und der Wirklichkeit zweiter Ordnung. Aus wissenschaftstheoretischer Sicht muss hier die Beobachtung erster und die Beobachtung zweiter Ordnung hinzutreten. ForscherInnen, die sich auf die Suche nach den Konstruktionsmechanismen des Publikums begeben sind also BeobachterInnen zweiter Ordnung. Aus radikal konstruktivistischer Sicht ist dies auch die einzige Möglichkeit der Erkenntnis, da die Wirklichkeit erster Ordnung nur mit deren Wahrnehmung, nicht aber mit ihrem Objekt abgeglichen werden kann (vgl. Schmidt 1990: 50).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Grundpositionen des Konstruktivismus

Wissen

Neurobiologische Prämissen

Soziale Prämissen

Konstruktivismus in der Kommunikationswissenschaft

Konsequenzen des Konstruktivismus für die Medienwirkungsforschung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus und deren Anwendung sowie Konsequenzen für die medien- und kommunikationswissenschaftliche Forschung, insbesondere im Hinblick auf den Wirkungsbegriff.

  • Philosophische und neurobiologische Grundlagen der Konstruktion von Wirklichkeit
  • Die Rolle der Sprache und Sozialisation bei der Entstehung gemeinsamer Realitätsentwürfe
  • Konstruktivistische Perspektiven auf Massenmedien und deren legitimitätsstiftende Wirkung
  • Neubewertung der Medienwirkungsforschung unter Berücksichtigung von Selektivität und Viabilität
  • Ethische Implikationen konstruktivistischer Ansätze für die journalistische Praxis

Auszug aus dem Buch

Konstruktivismus in der Kommunikationswissenschaft

„Anders als der realistische Ansatz in der Kommunikationswissenschaft nimmt der konstruktivistische nicht einen Abgleich zwischen ‚der Realität‘ und der Medienberichterstattung vor, sondern untersucht, wie Medienrealitäten erzeugt werden, wie Wahrnehmungsmuster, Einstellungen und Identitäten entstehen.“ (Thiele 2005: 189). Medieninhalte können damit als eigenständige Form kultureller Sinnproduktion verstanden werden (Thiele 2005: 190).

Aus konstruktivistischer Perspektive dienen Massenmedien (zumindest auch) der Herstellung von Viabilität zweiter Ordnung. Damit kommt ihnen in dem Verständigungsprozess über die Realität innerhalb der Gesellschaft eine herausragende Bedeutung zu. Insbesondere auf Grund ihrer Reichweite erscheinen sie den einzelnen Individuen als besonders legitimiert, Aussagen über die Welt zu treffen. Je mehr RezipientInnen sich bestimmten Medieninhalten zuwenden, umso größer wird diese Legitimation. Denn es kann unterstellt werden, dass die Zahl der RezipientInnen sinken würde, wenn diese Inhalte deren Realitätsentwürfen derart widersprächen, dass sie als nicht viabel erscheinen. Das heißt im Umkehrschluss, dass Medieninhalte zum großen Teil die Erfahrungswirklichkeit vieler Individuen repräsentieren.

Hier laufen mindestens zwei Prozesse parallel ab. Einzelne Medieninhalte sind per se nur Ausdruck der Erfahrungswirklichkeit ihrer ProduzentInnen. Insofern erscheint die Kommunikation zwischen KommunikatorIn und RezipientIn als Individualkommunikation, wenn auch weitgehend einseitig. Auf der anderen Seite handelt es sich aber um Massenkommunikation, das heißt, sie ist einseitig, indirekt und wendet sich an ein disperses Publikum (Maletzke 1976: 4). Wie Früh und Schönbach in ihrem transaktionalen Modell der Massenkommunikation dargestellt haben, ist dieser Prozess neben den Intra-Transaktionen, also den Wechselwirkungen zwischen Aktivation und Wissen, auch durch Inter-Transaktionen (Para-Feedback) zwischen den KommunikationspartnerInnen gekennzeichnet, die zu Anpassungsprozessen zwischen KommunikatorIn und Publikum führen. (vgl. Früh/Schönbach 1984: 315).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den wachsenden Stellenwert des Konstruktivismus in der Medienwissenschaft und hinterfragt die Annahme einer objektiv messbaren Medienwirkung.

Grundpositionen des Konstruktivismus: Dieses Kapitel erläutert die Abkehr vom Realismus hin zu einer „Erfahrungswirklichkeit“ und definiert Kernbegriffe wie Viabilität sowie neurobiologische und soziale Voraussetzungen.

Konstruktivismus in der Kommunikationswissenschaft: Hier wird die Rolle der Medien als Produzenten von „Viabilität zweiter Ordnung“ analysiert und ihr Einfluss auf die gesellschaftliche Realitätskonstruktion diskutiert.

Konsequenzen des Konstruktivismus für die Medienwirkungsforschung: Das Kapitel plädiert für eine Modifikation des Wirkungsbegriffs und betont die Bedeutung von Selektivität gegenüber einfachen Reiz-Reaktions-Modellen.

Schlüsselwörter

Konstruktivismus, Medienwirkungsforschung, Erfahrungswirklichkeit, Viabilität, soziale Konstruktion, Massenkommunikation, Erkenntnistheorie, Selektivität, Kommunikation, Medienrealität, Journalismusethik, Transaktionales Modell, Wahrnehmung, Sinnproduktion, Systemtheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung konstruktivistischer Theorien auf die Medien- und Kommunikationswissenschaft, insbesondere im Hinblick darauf, wie Medien Wirklichkeit konstruieren statt sie nur abzubilden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf den erkenntnistheoretischen Grundlagen des Konstruktivismus, der Rolle der Sozialisation, der medialen Vermittlung von Realität sowie den Konsequenzen für die moderne Medienwirkungsforschung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Perspektive der Medienwirkungsforschung durch die konstruktivistische Annahme zu erweitern, dass nicht objektive Realität, sondern die individuelle und soziale „Viabilität“ von Wirklichkeitskonstruktionen im Zentrum steht.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Es handelt sich um eine wissenschaftstheoretische Arbeit, die primär auf der Literaturanalyse und der theoretischen Diskussion existierender Modelle (wie z.B. dem transaktionalen Modell) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Wissen, Neurobiologie, Soziale Prämissen), die Anwendung auf die Medienwissenschaft und die kritische Auseinandersetzung mit der klassischen Wirkungsforschung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Text?

Zentrale Begriffe sind der Radikale Konstruktivismus, Viabilität, Erfahrungswirklichkeit, selektive Wahrnehmung sowie die ethische Verantwortung in der Medienproduktion.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise der Arbeit vom klassischen Stimulus-Response-Modell?

Im Gegensatz zum S-R-Modell, das von einer direkten Wirkung des Medien-Inputs auf den Rezipienten ausgeht, betont der Konstruktivismus, dass der Rezipient die Inhalte auf Basis seiner bereits existierenden Erfahrungswirklichkeit aktiv auswählt und bewertet.

Welche Rolle spielt die Ethik im Kontext des konstruktivistischen Journalismus?

Der Konstruktivismus bietet eine Basis für eine Verantwortungsethik, die von Journalisten fordert, Spielräume für Autonomie zu erhalten und die Pluralität von Wirklichkeitsentwürfen zu fördern, anstatt eine singuläre „Wahrheit“ zu suggerieren.

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Details

Title
Der konstruktivistische Ansatz in der Medien- und Kommunikationswissenschaft - Voraussetzungen, Elemente, Folgen
College
University of Göttingen  (Institut für Soziologie)
Course
Hauptseminar Wissenschaftstheorie
Grade
1,0
Author
M.A. Holger Ihle (Author)
Publication Year
2007
Pages
17
Catalog Number
V72028
ISBN (eBook)
9783638633901
Language
German
Tags
Ansatz Medien- Kommunikationswissenschaft Voraussetzungen Elemente Folgen Hauptseminar Wissenschaftstheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Holger Ihle (Author), 2007, Der konstruktivistische Ansatz in der Medien- und Kommunikationswissenschaft - Voraussetzungen, Elemente, Folgen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72028
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