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Die Carolina und ihre Anwendung im Reich

Title: Die Carolina und ihre Anwendung im Reich

Seminar Paper , 2001 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thomas Woelki (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Im Jahre 1532 erließ Kaiser Karl V. auf dem Reichstag zu Regensburg die berühmt
gewordene Constitutio Criminalis Carolina (CCC), die peinliche Halsgerichtsordnung für das
Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Sie war das Ergebnis jahrzehntelanger
Bestrebungen, die unhaltbar gewordenen Zustände der Strafrechtspflege zu reformieren, das
heißt vor allem zu rationalisieren und zu vereinheitlichen.
In der Forschung war die Carolina traditionell eines der zentralen Themen der
Rechtsgeschichte. Vor allem im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aber auch noch einmal
in den 60er Jahren und abermals in den 80er Jahren zum 450. Jubiläum stand sie im
Mittelpunkt rechtsgeschichtlicher Untersuchungen. Ende der 80er Jahre setzte eine intensive
Auseinandersetzung mit der deutschen Kriminalitätsgeschichte nicht mehr von Seiten der
Rechtshistoriker sondern von Kulturhistorikern und von Gesellschaftshistorikern ein. Dabei
wurde das Strafrecht in jüngster Zeit in seiner Funktion der sozialen Disziplinierung
beleuchtet.
Diese Arbeit verbindet die Ergebnisse der rechtsgeschichtlichen Forschung mit einigen
neueren Ansätzen der Kultur- und Gesellschaftsgeschichte. Dabei soll nach einer kurzen
Einführung in die Umstände der Entstehung der Carolina und deren wesentliche Ideen geklärt
werden, inwiefern sich die Ergebnisse der Strafrechtsreform tatsächlich in der Rechtspflege
niederschlugen und worin die Ursachen hierfür liegen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Vorgeschichte der Carolina

1. Das mittelalterliche Strafrecht

a) Der akkusatorische Prozeß

b) Der Inquisitionsprozeß

2. Die Entstehung der Carolina

III. Der wesentliche Inhalt der Carolina

1. Sinn und Zweck

2. Voraussetzungen der Strafbarkeit

3. Die Strafen der Carolina

4. Der Prozeß der Carolina

a) Die Prozeßeröffnung

b) Die Folter

IV. Die Carolina in der Strafrechtspraxis

1. Die tatsächliche Anwendung der Carolina im Reich

2. Gründe für die Nichtanwendung

a) Machtlosigkeit des Kaisers

b) Rechtsnatur der Carolina

c) Interesse der Fürsten an eigenen Strafgesetzen

d) Handhabung durch die Richter

e) Volksbräuche

V. Schluß

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht die Entstehungsgeschichte, den Inhalt und die tatsächliche strafrechtliche Anwendung der Constitutio Criminalis Carolina (CCC) im Heiligen Römischen Reich. Dabei wird analysiert, inwiefern die moderne Strafrechtsreform der Carolina in der Praxis durchgesetzt wurde und welche gesellschaftlichen sowie politischen Faktoren ihre Umsetzung beeinflussten.

  • Historische Entwicklung des mittelalterlichen Strafrechts
  • Struktur und Zielsetzung der Constitutio Criminalis Carolina
  • Die Praxis der Strafverfolgung und das Inquisitionsverfahren
  • Ursachen für die mangelnde Durchsetzung der Carolina in deutschen Territorien
  • Einfluss von Volksglauben und lokalen Bräuchen auf die Strafjustiz

Auszug aus dem Buch

Die Entstehung der Carolina

Eine Initiative zur Abschaffung dieser Zustände begann mit dem Bericht des gerade 1495 eingerichteten Reichskammergerichts an den Reichstag von Lindau 1496/97 über zahlreiche eingegangene Beschwerden, wonach Obrigkeiten „Leute unverschuldet und ohne Recht und redliche Ursache zu Tode verurteilt und gerichtet haben sollen.“ Der Reichstag von Augsburg übertrug die Aufgabe der Ausarbeitung einer neuen Gerichtsordnung dem neugeschaffenen Reichsregiment, das jedoch 1502 bereits wieder aufgelöst wurde, wodurch das Vorhaben auf Reichsebene zunächst zum Erliegen kam. Statt dessen schufen einige Landesfürsten für ihr Territorium eigene Gerichtsordnungen. Die berühmteste davon ist die Bamberger Halsgerichtsordnung von 1507.

Nachdem die Reichsstände 1517 nochmals die Beendigung des Zustandes forderten, legte der Wormser Reichstag 1521 einen Entwurf vor, der sich im wesentlichen auf die Bambergensis stützte. Deren Verfasser Johann von Schwarzenberg war Vorsitzender des entsprechenden Ausschusses und bis zu seinem Tod 1528 Mitglied des mit der Ausarbeitung des Gesetzes beauftragten neu geschaffenen Reichsregiments. Wegen des Widerstandes einzelner Reichsfürsten gegen jegliche Bestrebungen der Reichsvereinheitlichung wurde das Unternehmen immer wieder hinausgezögert, bis es schließlich 1532 mit der Verabschiedung der Carolina seinen Abschluß fand.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Constitutio Criminalis Carolina von 1532 ein und beschreibt den Wandel in der rechtsgeschichtlichen Forschung.

II. Die Vorgeschichte der Carolina: Dieses Kapitel erläutert die rechtliche Zersplitterung Deutschlands und den Übergang vom traditionellen akkusatorischen zum inquisitorischen Strafprozess.

III. Der wesentliche Inhalt der Carolina: Hier werden die Ziele, die Voraussetzungen der Strafbarkeit sowie das Prozess- und Folterrecht der Carolina detailliert dargestellt.

IV. Die Carolina in der Strafrechtspraxis: Dieses Kapitel analysiert die tatsächliche Rezeption der Carolina in den verschiedenen Territorien und untersucht die Gründe, warum sie oft nicht angewendet wurde.

V. Schluß: Das Fazit fasst zusammen, dass die Carolina trotz ihrer fortschrittlichen Ideen durch politische Interessen und volkstümliche Bräuche in ihrer praktischen Wirksamkeit stark eingeschränkt blieb.

Schlüsselwörter

Constitutio Criminalis Carolina, Strafrechtsreform, Kaiser Karl V., Inquisitionsprozess, Strafrechtspflege, Rechtsgeschichte, Frühe Neuzeit, Territoriale Zersplitterung, Landesherren, Strafzumessung, Folter, Rechtskodifikation, Reichsregiment, Sozialdisziplinierung, Kriminalitätsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und der praktischen Anwendung der Constitutio Criminalis Carolina (CCC) im 16. Jahrhundert.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Neben der historischen Genese des Strafrechts stehen die Inhalte der Carolina, die Praxis der Strafverfolgung sowie die Gründe für die teilweise Ablehnung des Gesetzes durch die Reichsstände im Fokus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu klären, inwiefern die Reformziele der Carolina tatsächlich in die Rechtspraxis der Territorien einflossen und warum sie häufig ignoriert oder nur teilweise umgesetzt wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert rechtsgeschichtliche Analysen mit neueren Ansätzen der Kultur- und Gesellschaftsgeschichte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen (mittelalterliches Strafrecht), die Struktur der Carolina (Inhalt und Prozess) sowie die Hindernisse bei ihrer Anwendung, etwa die Ohnmacht der Zentralgewalt und den Einfluss lokaler Bräuche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Carolina, Strafrechtsreform, Inquisitionsprozess, soziale Disziplinierung und frühneuzeitliche Strafjustiz.

Welche Rolle spielte die salvatorische Klausel?

Die salvatorische Klausel erlaubte es den Reichsständen, an ihren alten, überlieferten Rechtsgebräuchen festzuhalten, was die bundesweite Verbindlichkeit der Carolina massiv untergrub.

Wie reagierte die Bevölkerung auf Hinrichtungen?

Die Bevölkerung zeigte teilweise erheblichen Widerstand gegen das rationale Strafrecht, wenn dieses beispielsweise mit lokalen Vorstellungen vom Gottesurteil oder Mitleid für bestimmte Delinquenten kollidierte.

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Details

Title
Die Carolina und ihre Anwendung im Reich
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichte)
Course
Proseminar: Einführung in die Geschichte der frühen Neuzeit
Grade
1,0
Author
Thomas Woelki (Author)
Publication Year
2001
Pages
21
Catalog Number
V7202
ISBN (eBook)
9783638145305
Language
German
Tags
Rechtsgeschichte Carolina Karl V. Inquisition Folter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Woelki (Author), 2001, Die Carolina und ihre Anwendung im Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7202
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