Der Friede von Hubertusburg 1763


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Der Siebenjährige Krieg (1756 – 1763)
1.1 Die diplomatische Revolution und der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges
1.3 Die Erklärung des Reichskrieges

C. Der Friede von Hubertusburg
2.1 Die Friedensverhandlungen
2.2 Die Bestimmungen des Friedensvertrages
a) Der Vertrag zwischen Preußen und Österreich
b) Der Vertrag zwischen Preußen und Sachsen
2.3 Die Rolle des Reiches beim Friedensschluss

D. Resumée

Literaturnachweis
Quellen:
Sekundarliteratur:

A. Einleitung

„ ‚Preußen muß übern Haufen geworfen werden’, war die Maxime des österreichischen Staatskanzlers in der letzten sprachlichen Fassung vor Kriegsbeginn, seine Destruktion und Rückführung auf den ihm zustehenden Rang einer ins Reich eingebundenen deutschen Mittelmacht war das erklärte Ziel der Wiener Politik, ihrer Verbündeten und schließlich des Siebenjährigen Krieges. Der Grundirrtum des jungen Friedrich war, daß er mit einer großen Armee und mit einem schnellen erfolgreichen Coup schon die Dignität eines anerkannten europäischen Mitspielers im Staatensystem erlangt habe. In Wahrheit hatte er im Gegenteil darauf aufmerksam gemacht, daß das allmählich reifer und friedlicher werdende Staatensystem hier ein unerwünschtes Zusatzproblem bekam, das man lösen, um nicht zu sagen beseitigen mußte, so lange es noch möglich schien.“[1]

Wurde das Kriegsziel der habsburger Monarchie erreicht? Hat Johannes Burkhardt recht mit seiner These, dass Preußen noch kein vollwertiges Mitglied des europäischen Machtgefüges war? Wie bedeutend war der Friedensvertrag, der am Ende des Siebenjährigen Krieges geschlossen wurde? Wer stand auf der sonnigen Seite der Gewinner und wer musste schmachvoll seine Niederlage eingestehen? Welche Veränderungen brachte der Friede von Hubertusburg mit sich und welche Rolle spielte das Reich während des Krieges und dann im späteren Friedensschluss?

Diese Fragen bilden das Grundgerüst meiner Arbeit. In den meisten Darstellungen des Siebenjährigen Krieges werden zwar das Kampfgeschehen und die komplexe Diplomatie eingehend geschildert, der Friedensschluss zu Hubertusburg wird jedoch oftmals in wenigen Zeilen abgehandelt. Durch die friedensgeschichtlichen Forschungen dieses Seminars von Herrn Burkhardt wird sich dies ändern. Diese Arbeit rückt nun das große Finale des Siebenjährigen Krieges ins Rampenlicht.

B. Der Siebenjährige Krieg (1756 – 1763)

1.1 Die diplomatische Revolution und der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges

Preußen hatte in den vorangegangenen Jahren immer mehr Gebiete und Macht gewonnen. Friedrich der Große trug sich mit mehreren expansorischen Vorhaben, die er, wie in den beiden Schlesischen Kriegen zur Schau gestellt, teilweise auch erfolgreich realisieren konnte. Der Aufstieg des preußischen Königtums nicht nur innerhalb des Reiches, sondern auch auf dem internationalen Parkett, wurde nicht ohne Besorgnis beobachtet, zumal dieser Machtgewinn weniger am Verhandlungstisch als auf dem Schlachtfeld errungen wurde. Der Verlust Schlesiens schmerzte Österreich sehr. Man überlegte angestrengt ob und wie die verlorenen Gebiete zurück gewonnen werden konnten und wandte den Blick hilfesuchend zum französischen Nachbarn. Für den eventuellen Beistand war Österreich 1755 sogar bereit gewesen Gebiete in Flandern abzutreten.[2] Im Vorzeichen des beginnenden deutschen Dualismus bahnte sich ein Umsturz geschichtlicher Muster an.

Der Herrschaftswechsel in Schlesien und die wachsende Macht des preußischen Staates trieb zwei historische Erbfeinde immer näher zusammen: Frankreich und Österreich. Im europäischen Mächtekonzert bestand die Konkurrenz zwischen den beiden Staaten fast schon so lange, dass man von einer Art Tradition sprechen konnte. Auch Friedrich der Große hielt die habsburgisch-bourbonischen Differenzen für unüberbrückbar und beging in diesem Glauben einen folgenschweren diplomatischen Fehler.[3] Die Kolonialstreitigkeiten über Gebiete auf dem amerikanischen Kontinent zwischen England und Frankreich begannen sich zuzuspitzen.

Da die englische Krone in Personalunion mit Hannover stand, sah man das hannoveranische Gebiet durch die französische Übermacht auf dem europäischen Festland bedroht und wandte sich an den geographischen Nachbarn Hannovers: Preußen. Man bat um ein Neutralitätsbündnis mit Preußen im Falle eines französischen Angriffs und versprach im Gegenzug Besitzstandsgarantien und Subsidien. Gestützt auf die historische Kluft zwischen Versailles und Wien, willigte Friedrich in die Westminsterkonvention ein und bahnte Graf Kaunitz den Weg zur „Diplomatischen Revolution“.[4] Der preußische Verbündete Frankreichs hatte die Seiten gewechselt. In Versailles war man mehr als verärgert über das Zustandekommen der Westminsterkonvention, da man sich von Friedrich dem Großen eher einen Entlastungsangriff im Sinne der Franzosen erwartet hätte. Somit begann man die Zeichen der Zeit zu deuten und wandte sich mit einem wesentlich offeneren Ohr als zuvor den Bündnisvorschlägen von Wenzel Graf Kaunitz zu. Am 1. Mai 1756 wurde somit das defensive Versailler Bündnis zwischen Österreich und Frankreich geschlossen, das Wien die französische Hilfe im Falle eines preußischen Angriffs garantierte.[5] Die Sensation hatte sich ereignet. Das „renversement des alliances“ war geglückt und es bildeten sich zwei neue Fronten, die zum einen geographisch auf einer Linie lagen, mit Preußen und England im Norden und Frankreich und Österreich im Süden, und zum anderen konfessionell, Katholiken gegen Protestanten, Hand in Hand gingen.[6]

Friedrichs Ruf in Europa als kriegerischer Herrscher hatte sich bereits manifestiert. Kaunitz schätzte die politische Lage und das Wesen des preußischen schon 1749 ganz richtig ein, als er sagte, dass Friedrich „seiner Gewohnheit nach, ohne alle erhebliche Ursach, am ersten den Frieden brechen“ würde. Er sollte Recht behalten. Ganz nach dem Kredo des Hohenzollern – praevenire quam praeveniri – holte das sich bedroht fühlende Preußen zu einem Präventivschlag aus und eröffnete die Kriegshandlungen in dem es im August 1756 in das neutrale Kurfürstentum Sachsen einfiel.[7] Der Siebenjährige Krieg hatte begonnen.

1.2 Die Kriegsziele der Kontrahenten

Nun, da der Krieg begonnen hatte, stellte sich auch unmittelbar die Frage nach den Gründen, den Intentionen und den Kriegszielen der verfeindeten Parteien. Warum fiel Preußen zum Beispiel gerade in das Kurfürstentum Sachsen ein? Gab es spezielle Gründe um den neutralen Nachbarn mit Krieg zu überziehen?

J.W. von Archenholz, ein preußischer Soldat, der aktiv am Siebenjährigen Krieg teilgenommen hatte, verfasste 1789 zuerst eine Taschenbuch- und vier Jahre später eine umfangreichere, zweibändige Ausgabe seines Werks „Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland“, in dem er die Geschehnisse aus seiner persönlichen Sicht schildert. Seiner Meinung nach war das große Ziel der Allianz Friedrich II. als Person zu demütigen und seine herrscherliche Existenz zu beenden. Den Grund für den Überfall auf Sachsen sieht von Archenholz in der lockenden Elbherrschaft und dem freien Zugang nach Böhmen.[8]

Burkhardt jedoch schätzt die Lage anders ein. Er kommt, gestützt auf Quellen, zu dem Schluss, dass das Zustandekommen der neuen Allianz weniger gegen Friedrich II. als Person gerichtet war, sondern viel mehr den Sinn hatte das preußische Königreich wieder auf die Position einer Mittelmacht zu drücken, die in das deutsche Reich eingebunden war. Der Dualismus im Reich war dabei sich immer signifikanter zu manifestieren und Preußen gewann, gestützt auf eroberte und annektierte Gebiete, mehr und mehr Macht.[9] Wenn Friedrich jetzt nicht gestoppt werden konnte, so würde der österreichische Einfluss unwiderruflich schrumpfen.

Ebenso macht Burkhardt darauf aufmerksam, dass der Angriff auf Sachsen definitiv kein Zufall war, sondern klare, expansorische Hintergründe hatte.

[...]


[1] Burkhardt, J.; Vom Debakel zum Mirakel; Zur friedensgeschichtlichen Einordnung des siebenjährigen Krieges; in: Neuhaus, H. und Stollberg-Rillinger, B. (Hg.); Menschen und Strukturen in der Geschichte Alteuropas; Festschrift für Johannes Kunisch zur Vollendung seines 65. Lebensjahres, dargebracht von Schülern, Freunden und Kollegen; Historische Forschungen; Bd. 73; Berlin 2002; S. 304.

[2] Burkhardt, J.; Geschichte als Argument in der habsburgisch-französischen Diplomatie. Der Wandel des frühneuzeitlichen Geschichtsbewußtseins in seiner Bedeutung für die Diplomatische Revolution von 1756; in: Babel, R. (Hg); Frankreich im europäischen Staatensystem der Frühen Neuzeit; Beihefte der Francia; Bd. 35; Sigmaringen 1995; S. 206.

[3] Burkhardt, J.; Vom Debakel zum Mirakel; Zur friedensgeschichtlichen Einordnung des siebenjährigen Krieges; in: Neuhaus, H. und Stollberg-Rillinger, B. (Hg.); Menschen und Strukturen in der Geschichte Alteuropas; Festschrift für Johannes Kunisch zur Vollendung seines 65. Lebensjahres, dargebracht von Schülern, Freunden und Kollegen; Historische Forschungen; Bd. 73; Berlin 2002; S. 305.

[4] Burkhardt, J.; Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches 1648-1763; in: Reinhard, W. (Hg); Frühe Neuzeit bis zum Ende des Alten Reiches (1495-1806); Gebhardt; Handbuch der deutschen Geschichte; Bd. 11; 2006; S. 398 f.

[5] Burkhardt, J.; Geschichte als Argument in der habsburgisch-französischen Diplomatie. Der Wandel des frühneuzeitlichen Geschichtsbewußtseins in seiner Bedeutung für die Diplomatische Revolution von 1756; in: Babel, R. (Hg); Frankreich im europäischen Staatensystem der Frühen Neuzeit; Beihefte der Francia; Bd. 35; Sigmaringen 1995; S. 207.

[6] Kunisch, J.; Das Mirakel des Hauses Brandenburg; Studien zum Verhältnis von Kabinettspolitik und Kriegsführung im Zeitalter des Siebenjährigen Krieges; München, Wien 1978; S. 11.

[7] Burkhardt, J.; Vollendung und Neuorientierung des frühmodernen Reiches 1648-1763; in: Reinhard, W. (Hg); Frühe Neuzeit bis zum Ende des Alten Reiches (1495-1806); Gebhardt; Handbuch der deutschen Geschichte; Bd. 11; 2006; S. 401.

[8] Archenholz, J.W. von; Geschichte des Siebenjährigen Krieges in Deutschland; Leipzig 1863; S. 1-13.

[9] Burkhardt, J.; Vom Debakel zum Mirakel; Zur friedensgeschichtlichen Einordnung des siebenjährigen Krieges; in: Neuhaus, H. und Stollberg-Rillinger, B. (Hg.); Menschen und Strukturen in der Geschichte Alteuropas; Festschrift für Johannes Kunisch zur Vollendung seines 65. Lebensjahres, dargebracht von Schülern, Freunden und Kollegen; Historische Forschungen; Bd. 73; Berlin 2002; S. 304.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Friede von Hubertusburg 1763
Hochschule
Universität Augsburg  (Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit)
Veranstaltung
Hauptseminar Friedensschlüsse in der Frühen Neuzeit
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V72038
ISBN (eBook)
9783638633949
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friede, Hubertusburg, Hauptseminar, Friedensschlüsse, Frühen, Neuzeit
Arbeit zitieren
Stephanie Guillen Niubo (Autor), 2007, Der Friede von Hubertusburg 1763, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72038

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Friede von Hubertusburg 1763



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden