Eichendorff’s 1883 veröffentlichtes „Lustspiel in drei Aufzügen“ Die Freier wird oft, weil am Ende der Geschichte der romantischen Komödie stehend, .als Bilanz der Romantik gesehen gesehen; daraus ergibt sich die Erwartung, daß darin nicht nur die typischsten Elemente dieser Epoche enthalten sein müßten, sondern auch, aufgrund des Publikationsjahres des Stückes (1833) , eine Bewertung dessen, was die Romantik in ihrer Spätphase war, was von den verschiedenen Strängen und Ansätzen der Frühromantik geblieben ist und welchen Zeitgeist das Stück widerspiegelt.
Romantik als Gegenbewegung zur und Weiterführung der Aufklärung auf nicht-rationaler Ebene, das meint vor allem die Ebene der Gesellschaft, der Menschen, des Volkes und nicht zuletzt, des Publikums. In Anlehnung an die politische, soziale und gesellschaftliche Bedeutung der Französischen Revolution ergibt sich automatisch die Frage, wie sich die romantische Gesellschaft konstituiert, und genau diese Frage soll für die Gesellschaft der Freier untersucht werden.
Um sie zu beantworten, werde ich im Folgenden die gesellschaftlichen Strukturen zu Beginn des Stückes betrachten, die Entwicklung und das Zusammenspiel der Personen und Gesellschaftsschichten im Verlauf des Stückes sowie die Eigenschaften der Gesellschaft, die sich zum Ende hin konstituiert. Dabei werden Bezüge zu anderen Dramen der Romantik in diesem Zusammenhang ebenso hergestellt wie zu verschiedenen literarischen und historisch-sozialen Kontexten, die das Stück berührt. Eine genaue Auseinandersetzung nicht nur mit den Figuren, sondern auch den sozialen Schichten, denen diese Figuren angehören, zusammen mit einer detaillierten Analyse der Schlußszene und den darin enthaltenen Botschaften, soll schließlich die Frage nach dem Wesen der romantischen Gesellschaft beantworten, so, wie sie sich anhand des hier betrachteten Textes präsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE AUSGANGSSITUATION
3. DIE SOZIALEN SCHICHTEN
4. DIE FIGUREN
4.1 DIE GRUPPE UM LEONHARD
4.1.1 Leonhard
4.1.2 Hofrat Fleder
4.1.3 Flitt und Schlender
4.1.4 Knoll
4.2 DIE GRUPPE UM ADELE
4.2.1 Adele
4.2.2 Flora
4.2.3 Friedmann
4.2.4 Victor
4.3 DER PRÄSIDENT
4.4 DER BOTE UND MARIE
4.5 DIE SOZIALEN SCHICHTEN DER FIGUREN
5. AUFBAU DER HANDLUNG
5.1 DER ERSTE HANDLUNGSTRANG
5.2 DER ZWEITE HANDLUNGSSTRANG
5.3. DER WEITERE HANDLUNGSVERLAUF
6. DIE SCHLUßSZENE
7. ZUSAMMENFASSUNG
8. SCHLUßBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstitution der romantischen Gesellschaft in Joseph Freiherr von Eichendorffs Lustspiel „Die Freier“ (1833). Der Fokus liegt dabei auf der Analyse der Personengeflechte und ihrer sozioökonomischen Schichten sowie deren sprachlicher Manifestation, um zu ergründen, welches Weltbild und welcher Zeitgeist in dem Werk abgebildet werden.
- Analyse der sozialen Schichten (Adel, Bürgertum, Dienerschaft)
- Untersuchung von Figurenkonstellationen und Spiegelfiguren
- Deutung der sprachlichen Ebenen und Stilmittel
- Auswertung des Handlungsaufbaus und der Schlussszene
- Diskussion des Verhältnisses von Gesellschaftskonventionen und romantischer Individualität
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Hofrat Fleder
Hofrat Fleder stellt sich gleich in der ersten Szene dar als Inbegriff des unterwürfigen Staatsdieners, eine komische Figur, die sich selbst aber für sehr wichtig, diszipliniert und geschätzt hält und dabei nicht bemerkt, daß sie lediglich benutzt wird, Werkzeug ist des Präsidenten. Seine Sprache unterstreicht diese Haltung durch eine sterile Beamtensprache, geschmückt mit vielen Floskeln, die samt und sonders dazu dienen, den Sprecher in das jeweils rechte Licht zu rücken, und zwar abhängig vom Gegenüber.
Im Vergleich zu dem Boten, der mit ihm die erste Szene bestreitet, ist der Hofrat tatsächlich der Überlegenere; im Vergleich zum Präsidenten zeigt sich aber sehr schnell seine Einfalt, was durch seine Einwürfe beim Lesen des Briefes (I, 1; S. 514-516) sehr deutlich wird. Er läßt sich leicht manipulieren, fühlt sich sehr geschmeichelt von dem vermeintlichen Vertrauen, das ihm der Präsident entgegenbringt und ist sofort auf dessen Seite (Gott, ja wohl… o armer, würdiger Oheim!), läßt sich becircen durch den Hinweis auf sein vermeintlich „charmantes Flötenspiel“ (In der Tat … ) und reagiert indigniert, als der Präsident ihn in einem Postkript ermahnt, nicht noch größere Verwirrung zu stiften (Hält er mich für einen Jungfernknecht, wie den gemeinen Haufen?). „ …noch in dieser Stunde“ macht er sich in der Verkleidung eines Flötenspieler auf, „… zwei verwilderte Herzen für die allgemeine Sache der Menschheit zu erwärmen ….“, ein wahrhaft kühnes Unterfangen, dem er sich aber durchaus gewachsen fühlt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Fragestellung bezüglich der romantischen Gesellschaft und Einbettung des Werks in den literarischen Kontext der Spätromantik.
2. DIE AUSGANGSSITUATION: Einführung in das Szenario der beiden antagonistischen Gruppen um Leonhard und Adele.
3. DIE SOZIALEN SCHICHTEN: Klassifizierung der Figuren in Adel, Dienerschaft und niederes Bürgertum, inklusive der Sonderrolle des Hofrats Fleder.
4. DIE FIGUREN: Detaillierte Charakterisierung der einzelnen Akteure unter Berücksichtigung ihrer sozialen Zugehörigkeit und sprachlichen Ausgestaltung.
5. AUFBAU DER HANDLUNG: Analyse der zwei Handlungsstränge, die durch die Intervention des Präsidenten initiiert werden.
6. DIE SCHLUßSZENE: Interpretation des Endes als gescheiterte Auflösung der Ständegesellschaft und Bestätigung adliger Konventionen.
7. ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenführende Betrachtung der romantischen Motive und der Bedeutung des Traums innerhalb des Stücks.
8. SCHLUßBEMERKUNG: Positionierung Eichendorffs als Vertreter einer restaurativen, spätromantischen Haltung, die sich gegen radikale gesellschaftliche Umbrüche wendet.
Schlüsselwörter
Joseph von Eichendorff, Die Freier, Spätromantik, Gesellschaftsstruktur, Ständegesellschaft, Personenkostellation, Maskerade, Lustspiel, Literaturanalyse, soziale Schichten, Romantik-Rezeption, Ratio und Emotio, Dramentheorie, Figurenzeichnung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesellschaftlichen Strukturen und die Darstellung von sozialen Schichten in Eichendorffs Lustspiel „Die Freier“ anhand einer detaillierten Analyse der Figuren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Figurenkonstellationen, der sprachlichen Charakterisierung der Akteure sowie der Frage nach dem Umgang mit gesellschaftlichen Konventionen im spätromantischen Drama.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Eichendorff die romantische Gesellschaft konstituiert und warum das Stück als Absage an die radikalen gesellschaftlichen Umwälzungen seiner Zeit verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine textnahe Analyse unter Einbeziehung von literaturwissenschaftlichen Motiven, Figurenkonstellationsanalysen und biographischen Kontexten Eichendorffs.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der Figurengruppen, den Aufbau der Handlung, die Bedeutung der sozialen Hierarchien sowie eine Untersuchung der Schlüsselszene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Eichendorff, soziale Schichten, Maskerade, Ständegesellschaft, Personenkostellation und Spätromantik.
Warum spielt Hofrat Fleder eine so besondere Rolle?
Er fungiert als „griesgrämiger Philister“ und Spiegelfigur des Beamtentums, die durch ihre Unfähigkeit zu Spontaneität eine komische, jedoch tragische Sonderstellung einnimmt.
Wie endet der Konflikt der Stände im Stück?
Das Stück endet mit einer Restauration der klassischen Ständegesellschaft; eine echte Durchmischung oder Aufhebung der sozialen Grenzen findet nicht statt.
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- Magister Artium Clarissa Höschel (Author), 2001, Die romantische Gesellschaft in Joseph Freiherr von Eichendorffs "Die Freier", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72083