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Deutschsprachige Flüchtlinge in schwedischen Internierungslagern während des Zweiten Weltkrieges

Title: Deutschsprachige Flüchtlinge in schwedischen Internierungslagern während des Zweiten Weltkrieges

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 20 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Patricia Patkovszky (Author)

Scandinavian Languages
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Nach der Machtübernahme Hitlers 1933 begannen in Deutschland systematisch Übergriffe auf politisch Andersdenkende und die jüdische Bevölkerung. Auch die politischen Gegner des NS-Regimes wurden verfolgt und verhaftet, die illegale politische Arbeit immer schwieriger. Vielen blieb als einziger Ausweg nur noch die Flucht. Insgesamt sahen sich nach 1933 etwa 500.000 Menschen dazu gezwungen, Deutschland, Österreich und das Sudetenland zu verlassen, etwa zehn Prozent von ihnen waren politische Flüchtlinge, während die übrigen 90 Prozent von der nationalsozialistischen Rassengesetzgebung betroffen waren.

Nach Ausbruch des Krieges erwies sich das neutrale Schweden neben der Schweiz und Großbritannien als eines der letzten Länder, in denen Exilanten Zuflucht finden konnten.
Dabei wurde diese Zufluchtsstätte oftmals zu einem weiteren Ort der Auseinandersetzung mit dem Schicksal als Flüchtling, denn die Devise der protektionistischen Fremdenpolitik Schwedens hieß: 'Schweden den Schweden'. Hierbei galt es nicht nur den gespannten Arbeitsmarkt, sondern auch die 'schwedische Rasse' vor einer drohenden Überfremdung zu schützen. Vor allem Juden und Kommunisten aus Osteuropa und Deutschland wurden dabei als Bedrohung angesehen.

Eine Verfügung vom 16. Februar 1940 ermöglichte schließlich die Einrichtung von Lagern, in denen ab März 1940 nicht nur Kommunisten sondern auch andere 'unbequeme' Flüchtlinge interniert wurden. Paradoxerweise galt der Vorwand der Schutzhaft: sowohl die schwedische Bevölkerung sollte vor den Inhaftierten - mehr noch - die Inhaftierten vor dem Zugriff der deutschen Behörden geschützt werden.

Mit der Situation deutscher Internierter in schwedischen Internierungslagern soll sich diese Arbeit beschäftigen. Dabei werde ich zuerst die schwedische Fremdenpolitik 1938 -1945, sowie die Aufnahme der Flüchtlinge im Land, von der Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis bis zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt bzw. der Einweisung in Lager, kurz beleuchten. Danach werde ich mich den Internierungslagern zuwenden.
Mein Augenmerk möchte ich dabei auf folgende Fragen richten: Welche Motivationen führte die Regierung zur Einrichtung solcher Lager? Wie sahen die Lebensbedingungen für Internierte in diesen Lagern aus? Welche Möglichkeiten hatten die Inhaftierten gegen ihre Lage zu protestieren? Wie reagierte die schwedische Öffentlichkeit auf diese Lager?
Die Beantwortung dieser Fragen wird wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit sein.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Die schwedische Fremdenpolitik 1938–1945

2.1 Die Aufnahme der Flüchtlinge in Schweden

3 Internierungs- und Disziplinierungslager in Schweden

3.1 Die Lagerordnung am Beispiel Langmorå und Smedsbo

4 Nachwort

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Situation deutschsprachiger Flüchtlinge in schwedischen Internierungslagern während des Zweiten Weltkriegs, um die zugrunde liegende Fremdenpolitik sowie die konkreten Lebensbedingungen der Inhaftierten zu analysieren.

  • Analyse der schwedischen Fremden- und Asylpolitik zwischen 1938 und 1945.
  • Untersuchung der Aufnahmebedingungen für deutschsprachige Exilanten in Schweden.
  • Dokumentation des Lageralltags und der Disziplinierungsmaßnahmen in Internierungslagern wie Smedsbo und Langmorå.
  • Beleuchtung der gesellschaftlichen und politischen Wahrnehmung von Flüchtlingen in Schweden.
  • Reflexion über die Diskrepanz zwischen dem Selbstbild Schwedens als neutraler Staat und der realen Behandlung von Schutzsuchenden.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Lagerordnung am Beispiel Langmorå und Smedsbo

Obwohl der Historiker Helmut Müssener in seinem Werk Exil in Schweden: politische und kulturelle Emigration nach 1933 über die Internierungslager schreibt: „Die Behandlung war im allgemeinen human, und es ist eine große Übertreibung, von schwedischen Konzentrationslagern zu sprechen“ (Müssener, 1974, 74f), so weisen doch Berichte von Internierten auf Körpervisitationen, Besuchsverbote und erniedrigende Behandlungen hin. Hinweise, die neben der Tatsache, dass sowohl das Lager Langmorå als auch Smedsbo geschlossene Lager waren, eindeutig den Charakter einer Gefängnisanstalt widerspiegeln.

Auch waren beide Lager „ursprünglich Arbeitsanstalten für pflichtvergessene Familienväter, Verbrecher und Alkoholiker. [...] Die alte Lagerordnung wurde zu wesentlichen Teilen beibehalten, und das Personal der Arbeitsanstalt passte sich nur zögernd und mit Bedenken der neuen Art von Internierten an“ (Lindner, 1998, 46).

Jedes der Lager bestand aus einem Hauptgebäude mit Versorgungsbauten sowie zwei Arbeitshäusern, die getrennt nach Geschlechtern, etwa 50 (Langmorå) und 24 (Smedsbo) Inhaftierte aufnehmen konnten. Nach der Anmietung der Lager 1940 durch die Generaldirektion für das Gesundheits- und Sozialwesen und das Ausländeramt und dem Bau einiger Baracken konnte die Aufnahmekapazität gesteigert werden.

Im Hauptgebäude befanden sich die Räume der Wachen und des Lagerleiters, sowie der Aufenthaltsraum mit dem Lagerradio. Neben der Lagerleitung gab es auch eine Anzahl uniformierter und bewaffneter Wachen, deren Aufgaben u.a. darin bestanden, die Insassen stündlich zu zählen, die Einhaltung der Lagerordnung zu beaufsichtigen, und Gespräche der Insassen untereinander und zum Personal zu unterbinden. Hauptaufsicht über die Lagerorganisation hatte dabei nach wie vor die Generaldirektion, die nicht nur die Organisation der Lager, sondern auch den Lagerleiter und das übrige Personal überwachten und instruierten. (Lindner, 1998, 54/55)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Vorwort: Dieses Kapitel erläutert die historische Ausgangslage der Fluchtbewegung aus Nazi-Deutschland und formuliert die zentralen Forschungsfragen sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.

2 Die schwedische Fremdenpolitik 1938–1945: Hier wird die restriktive Haltung Schwedens gegenüber Flüchtlingen beleuchtet, die durch ökonomische Ängste und politische Xenophobie geprägt war.

2.1 Die Aufnahme der Flüchtlinge in Schweden: Dieser Abschnitt beschreibt die bürokratischen Hürden und die soziale Isolation, mit denen deutschsprachige Exilanten nach ihrer Ankunft in Schweden konfrontiert waren.

3 Internierungs- und Disziplinierungslager in Schweden: Das Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehung und Struktur der schwedischen Lager, in denen politische Flüchtlinge, insbesondere Kommunisten, inhaftiert wurden.

3.1 Die Lagerordnung am Beispiel Langmorå und Smedsbo: Eine detaillierte Untersuchung der täglichen Lagerordnung, der Überwachungsmaßnahmen und der erniedrigenden Bedingungen innerhalb dieser spezifischen Internierungseinrichtungen.

4 Nachwort: Das Nachwort reflektiert die historischen Ergebnisse und setzt das schwedische Verhalten im Zweiten Weltkrieg in den Kontext einer notwendigen historischen Aufarbeitung.

Schlüsselwörter

Schweden, Zweiter Weltkrieg, Flüchtlinge, Internierungslager, Exil, Fremdenpolitik, NS-Regime, Antisemitismus, Langmorå, Smedsbo, Lagerordnung, Asylpolitik, Überwachung, historische Aufarbeitung, politische Verfolgung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Situation und Behandlung von deutschsprachigen Flüchtlingen, die während des Zweiten Weltkriegs in schwedischen Internierungslagern festgehalten wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der schwedischen Fremdenpolitik, den Aufnahmebedingungen für Exilanten, der Organisation der Internierungslager und den konkreten Lebensumständen der inhaftierten Personen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Widerspruch zwischen dem humanitären Selbstbild Schwedens und der tatsächlichen, oftmals diskriminierenden Praxis gegenüber Flüchtlingen während des Krieges aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historischen Quellenanalyse, bei der Berichte von Internierten sowie vorhandene Forschungsarbeiten und Dokumente zur schwedischen Asylpolitik ausgewertet werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die politische Analyse der Fremdenpolitik Schwedens zwischen 1938 und 1945 sowie eine detaillierte Betrachtung der Internierungslager, insbesondere der Lagerordnung in Smedsbo und Langmorå.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Internierungslager, Fremdenpolitik, Exil, Zweiter Weltkrieg und politische Diskriminierung charakterisiert.

Warum wurden deutschsprachige Flüchtlinge in Schweden in Internierungslagern festgehalten?

Die Internierung diente primär der Kontrolle politisch unerwünschter Personen, insbesondere von Kommunisten, und der Unterbindung politischer Tätigkeit, die Schweden als Bedrohung seiner Neutralität oder gesellschaftlichen Ordnung wahrnahm.

Wie unterschied sich der Lageralltag in Smedsbo und Langmorå von einem freien Leben?

Die Insassen unterlagen einem streng reglementierten Tagesablauf, Arbeitszwang, stark eingeschränkter Korrespondenz, Überwachung durch bewaffnetes Personal und einem Mangel an Privatsphäre, was den Charakter einer Gefängnisanstalt unterstrich.

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Details

Title
Deutschsprachige Flüchtlinge in schwedischen Internierungslagern während des Zweiten Weltkrieges
College
Humboldt-University of Berlin  (Nordeuropa-Institut)
Course
UE Schwedische Flüchtlingspolitik im und nach dem 2. Weltkrieg
Grade
2,3
Author
Patricia Patkovszky (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V72096
ISBN (eBook)
9783638695312
ISBN (Book)
9783638746434
Language
German
Tags
Deutschsprachige Flüchtlinge Internierungslagern Zweiten Weltkrieges Schwedische Flüchtlingspolitik Weltkrieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patricia Patkovszky (Author), 2006, Deutschsprachige Flüchtlinge in schwedischen Internierungslagern während des Zweiten Weltkrieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72096
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