Vor dem Jahre 2004 waren noch grundsätzlich alle Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung als Werbungskosten abziehbar. Es war sogar damit zu rechnen, dass der BFH die Kosten eines Erststudiums als Werbungskosten akzeptiert, es fehlte nur noch das passende Revisionsurteil, mit dem man diese neue Auffassung begründen konnte. Während der Arbeiten an diesem Bericht wurde ein hierzu passendes Urteil gefällt, das beinhaltet, dass alle Kosten für ein Erststudium bis einschließlich für den Veranlagungszeitraum 2003 als Werbungskosten abgezogen werden dürfen.
Das vorher beschriebene allgemeingültige Gesetz ist seit dem 21.07.2004 dahingehend geändert, dass rückwirkend ab dem 01.01.2004 im Zusammenhang mit einer erstmaligen Ausbildung keine Werbungskosten mehr abziehbar sind. Die Begründung dafür lautet, dass eine Berufsausbildung regelmäßig zu einer neuen sozialen Stellung in der Gesellschaft führt und somit Kosten der Lebensführung seien. Allerdings ist sich die Rechtssprechung in diesem Punkt nicht einig. So hat der BFH schon Entscheidungen gegen dieses Gesetz getroffen. Als Beispiel seien hier das berufsbegleitende Erststudium einer Bankangestellten und der Aufwand zur Erstausbildung eines Piloten genannt. Diese Kosten hat der BFH voll als Werbungskosten anerkannt. In dieser Arbeit soll nun aufgezeigt werden, wie steuerlich zwischen verschiedenen Bildungsmöglichkeiten, im speziellen bei Studenten, unterschieden wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entscheidung zwischen dem Ansatz von Werbungskosten und Sonderausgaben
3. Der Verlustvortrag und seine Vorteile
4. Differenzierungen zwischen den einzelnen Ausbildungsarten
4.1 Behandlung der üblichen Ausbildungsarten
4.1.1 Schulische Ausbildung
4.1.2 Ausbildung in einem Unternehmen
4.2 Fallbeispiele steuerlicher Behandlung zweier Studierender
4.2.1 Ansatz von Aufwendungen eines Studenten im Ausbildungsdienstverhältnis
4.2.2 Ausbildung durch ein erstmaliges Studium
4.2.3 Das Zweitstudium und seine Besonderheit
5. Trotz Erstausbildung oder –studium Möglichkeit des Werbungskostenabzuges
5.1 Allgemeine Argumentationsmöglichkeiten
5.2 Argumentation im Hinblick auf die Behandlung von Liebhaberei
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die steuerrechtliche Differenzierung bei der Behandlung von Ausbildungskosten, insbesondere bei der Abgrenzung zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben für Studenten, und analysiert Möglichkeiten der steuerlichen Geltendmachung sowie deren Vorteile.
- Steuerliche Abgrenzung zwischen Ausbildungskosten und Sonderausgaben
- Nutzen und Voraussetzungen des Verlustvortrags für Studierende
- Vergleich von BA-Studium und Universitätsstudium hinsichtlich der Steuerlast
- Argumentationsansätze für den Werbungskostenabzug bei Erstausbildungen
- Rechtliche Einordnung und Entwicklung der aktuellen steuerlichen Behandlung
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Ansatz von Aufwendungen eines Studenten im Ausbildungsdienstverhältnis
Im Rahmen seines Studiums erfährt A, dass es die Möglichkeit gibt, während seiner Ausbildung alle damit zusammenhängenden Kosten einkommensteuerlich geltend zu machen. Er zählt nämlich zu der Gruppe, die in § 12 Nr.5 EStG klar von dem Ansatz der Sonderausgaben distanziert wird, weil die Ausbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet. Somit kann der Abzug von Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Untermauert wird diese Auffassung auch von der OFD Karlsruhe, die sagt, dass bei dualen Studiengängen mit Ausbildungsvergütung diese grundsätzlich steuerpflichtigen Arbeitslohn darstellen und somit auch die Aufwendungen in diesem Zusammenhang Werbungskosten sind.10 Aus diesen Schlussfolgerungen ergibt sich dann folgende Berechnung, die der A in ein ESt-Erklärungsformular einträgt und dem Finanzamt übermittelt:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Ausgangslage zur steuerlichen Absetzbarkeit von Ausbildungskosten und die Problematik durch die Gesetzesänderung im Jahr 2004.
2. Entscheidung zwischen dem Ansatz von Werbungskosten und Sonderausgaben: Definiert die begriffliche Abgrenzung zwischen Aus- und Fortbildungskosten sowie die steuerliche Einordnung nach dem Einkommensteuergesetz.
3. Der Verlustvortrag und seine Vorteile: Erklärt, wie Studenten durch einen negativen Betrag zwischen Einnahmen und Ausgaben steuerliche Vorteile in künftigen Erwerbsjahren erzielen können.
4. Differenzierungen zwischen den einzelnen Ausbildungsarten: Analysiert verschiedene Bildungswege und vergleicht die steuerliche Behandlung von BA-Studierenden und Universitätsstudenten anhand von Fallbeispielen.
5. Trotz Erstausbildung oder –studium Möglichkeit des Werbungskostenabzuges: Erörtert Argumentationsstrategien für Steuerpflichtige, um trotz restriktiver gesetzlicher Regelungen den Werbungskostenabzug durchzusetzen.
6. Schlussbemerkung: Reflektiert die aktuelle Uneinigkeit in der Rechtsprechung und betont den Nachteil der Universitätsstudenten gegenüber BA-Studierenden.
Schlüsselwörter
Ausbildungskosten, Werbungskosten, Sonderausgaben, Verlustvortrag, Einkommensteuergesetz, Erststudium, Zweitstudium, Ausbildungsdienstverhältnis, BFH, Steuerrecht, Finanzamt, steuerliche Behandlung, Betriebsausgaben, Steuerpflicht, Berufsakademie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die steuerliche Absetzbarkeit von Ausbildungskosten für Studierende und Auszubildende im deutschen Steuerrecht.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den zentralen Themen zählen die Unterscheidung zwischen Werbungskosten und Sonderausgaben, die Nutzung des Verlustvortrags sowie die Argumentationsmöglichkeiten gegenüber dem Finanzamt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche Bildungsmöglichkeiten steuerlich bewertet werden und unter welchen Bedingungen ein Werbungskostenabzug vorteilhaft und durchsetzbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche Analyse des Einkommensteuergesetzes und der aktuellen Rechtsprechung des BFH, ergänzt durch praxisnahe Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die steuerliche Abgrenzung von Bildungsarten, vergleicht anhand von Praxisbeispielen die Situation von Studierenden und diskutiert Argumentationsansätze für den Werbungskostenabzug.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Ausbildungskosten, Werbungskostenabzug, Verlustvortrag und die Unterscheidung nach § 12 Nr. 5 EStG charakterisiert.
Welcher Unterschied besteht steuerlich zwischen BA-Studierenden und Universitätsstudenten?
BA-Studierende befinden sich meist in einem Ausbildungsdienstverhältnis, wodurch ihre Aufwendungen als Werbungskosten abziehbar sind, während Universitätsstudenten ohne solches Verhältnis meist auf den Sonderausgabenabzug beschränkt sind.
Warum ist ein Verlustvortrag für Studenten relevant?
Ein Verlustvortrag ermöglicht es Studenten, ihre studienbedingten Kosten, die ihre geringen Einnahmen übersteigen, in künftige Berufsjahre vorzutragen und so ihre Steuerlast bei Berufseintritt zu senken.
- Quote paper
- Verena Kühling (Author), 2006, Die aktuelle steuerliche Behandlung von Ausbildungskosten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72097