Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Economics - Micro-economics

Verlustaversion und Prospect Theory als Erklärungsansätze für Verhaltensanomalien

Title: Verlustaversion und Prospect Theory als Erklärungsansätze für Verhaltensanomalien

Seminar Paper , 2002 , 19 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Dipl.-Kfm. Robert Bayerlein (Author)

Economics - Micro-economics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Entscheidungstheorie verfolgt das Ziel, Menschen bei komplexen Entscheidungen zu unterstützen. Innerhalb der Entscheidungstheorie wird zwischen präskriptiver und deskriptiver Entscheidungstheorie unterschieden. Die präskriptive Entscheidungstheorie beschreibt nicht die Realität, sondern gibt Verhaltensempfehlungen für alternative Entscheidungssituationen. Ihr Gegenstand sind Aussagen zur rationalen Auswahl einer Alternative unter verschiedenen Alternativen. Eine rationale Wahl kann dann getroffen werden, wenn das Rationalprinzip angewendet wird. Nach dem Rationalprinzip sollte ein rational handelnder Mensch seine Ressourcen so verwenden, dass sein Nutzen maximiert wird. Die Erwartungsnutzentheorie, deren axiomatische Fundierung auf einen Ansatz von Neumann und Morgenstern zurückgeht, gehört zu den wichtigsten Grundlagen der präskriptiven Entscheidungstheorie. Das Ziel der deskriptiven Entscheidungstheorie besteht dagegen darin, das tatsächlich beobachtbare menschliche Verhalten in Entscheidungsprozessen zu beschreiben. Hierzu werden Hypothesen über das Verhalten von Individuen formuliert, mit deren Hilfe bei Kenntnis der jeweiligen Ausgangsposition Entscheidungen prognostiziert werden können . Das tatsächliche Verhalten von Entscheidungsträgern in Entscheidungsprozessen widerspricht zum Teil dem in der präskriptiven Theorie vorausgesetzten rationalen Verhalten. In letzter Zeit ist die Erwartungsnutzentheorie durch eine Vielzahl von empirisch-experimentellen Befunden zu sogenannten Verhaltens- und Entscheidungsanomalien unter Druck geraten. Nach Klose sind Entscheidungsanomalien "empirisch beobachtbare (systematische) Abweichungen individuellen Urteils- und Entscheidungsverhaltens von Standardannahmen entscheidungslogischer Entwürfe und ökonomischer Modelle" . Insbesondere die Verletzung des Unabhängigkeitsaxioms durch das Allais- und das Ellsberg-Paradoxon führte zu einer Suche nach sog. alternativen Erwartungsnutzentheorien. Als Reaktion auf diese Befunde sind in jüngster Zeit einige Alternativen zur Erwartungsnutzentheorie entstanden. Eines der bedeutsamsten und am häufigsten diskutierten Modelle ist die Prospect Theorie von Kahneman/Tversky (1979).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Entscheidungs- und Verhaltensanomalien

1. Verlustaversion

2. Referenzpunkt-Effekt

3. Endowment-Effekt

4. Status Quo Bias

5. Anchoring

6. Abnehmende Sensitivität (Diminishing Sensitivity)

7. Overconfidence

III. Prospect Theorie

1. Klassische Prospect Theorie

1.1. Editierphase

1.2. Nutzenfunktion

1.3. Wertfunktion

1.4. Wahrscheinlichkeitsgewichtungsfunktion

1.5. Kritik der klassischen Prospect Theorie

2. Cumulative Prospect Theorie

IV. Anwendungsgebiete der Prospect Theorie

V. Fazit

VI. Quellen:

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Grundlagen der Prospect Theorie darzustellen und aufzuzeigen, wie sie menschliche Entscheidungsanomalien besser erklären kann als die klassische Erwartungsnutzentheorie. Dabei wird analysiert, wie systematische Abweichungen von rationalem Verhalten, insbesondere in Entscheidungssituationen unter Risiko, theoretisch modelliert werden können.

  • Grundlagen der deskriptiven Entscheidungstheorie
  • Systematische Verhaltensanomalien wie Verlustaversion und Anchoring
  • Struktur und Funktionsweise der klassischen Prospect Theorie
  • Erweiterungen durch die Cumulative Prospect Theorie
  • Anwendungsfelder in der Behavioral Finance und im Marketing

Auszug aus dem Buch

1. Verlustaversion

Die Beobachtung, dass Menschen Verluste stärker als Gewinne gewichten, wird als Verlustaversion bezeichnet. In einem von Kahneman, Knetsch und Thaler durchgeführten Experiment wurden vor einem Drittel der Sitzplätze eines Versuchsraumes Tassen platziert, nachdem sich die Versuchspersonen gesetzt hatten. Den Personen auf den Sitzplätzen mit Tassen wurde erklärt, dass sie die Tasse als Geschenk betrachten könnten. Die Besitzer der Tassen hatten nun die Wahl, diese zu behalten oder zu einem später festgesetzten Preis zu verkaufen. Anschließend sollten sie sich auf einen Preis zwischen 0,50 $ und 9,50 $ festlegen, zu welchem sie zum Verkauf bereit wären Die Personen ohne Tassen wurden vor die Wahl gestellt, ob sie eine Tasse oder lieber einen wiederum später festgesetzten Geldbetrag präferierten. Auch diese Gruppe sollte angeben, ab welcher Summe zwischen 0,50 $ und 9,50 $ sie den Geldbetrag der Tasse vorziehen würde. Obwohl beide Gruppen vor demselben Entscheidungsproblem standen, ergaben sich bei den angegebenen Geldbeträgen sehr starke Unterschiede. Bei den Personen mit Verkaufsoption ergab sich ein Mittelwert von 7,12 $ für den Verkaufspreis, während die potentiellen Käufer im Durchschnitt nur bereit waren, 3,12 $ für eine Tasse auszugeben. Dieses Beispiel zeigt, dass Menschen Verluste stärker schmerzen, als sie Gewinne gleicher Höhe erfreuen. Das Phänomen der Verlustaversion liegt mehreren anderen Verhaltensanomalien zugrunde. Beispielsweise kann die Darstellungsweise (Framing) der Konsequenzen einer Entscheidung, entweder als Gewinn oder als Verlust, die Alternativenwahl beeinflussen. Verlustaversion führt auch dazu, dass der Ausgangspunkt (Referenzpunkt-Effekt, Anchoring) oder die Ausstattung (Endowment-Effekt) relevant ist und eine Präferenz für den Status Quo (Status-Quo-Bias) besteht.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einführung: Die Einleitung grenzt die präskriptive von der deskriptiven Entscheidungstheorie ab und erläutert den Druck, unter den die Erwartungsnutzentheorie durch empirische Verhaltensanomalien geraten ist.

II. Entscheidungs- und Verhaltensanomalien: Dieses Kapitel systematisiert empirisch beobachtbare Abweichungen vom rationalen Entscheidungsverhalten, darunter Verlustaversion, Referenzpunkteffekte und Overconfidence.

III. Prospect Theorie: Hier wird das Modell von Kahneman und Tversky detailliert erläutert, angefangen bei den Phasen des Entscheidungsprozesses bis hin zur mathematischen Darstellung der Wert- und Wahrscheinlichkeitsgewichtungsfunktion.

IV. Anwendungsgebiete der Prospect Theorie: Das Kapitel skizziert die praktische Relevanz des Modells in Bereichen wie der Behavioral Finance, dem Marketing und der Preispolitik.

V. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Prospect Theorie eine wertvolle Integration psychologischer Erkenntnisse in ökonomische Modelle darstellt und das Entscheidungsverhalten präziser abbildet.

VI. Quellen:: Auflistung der verwendeten Fachliteratur und Studien.

Schlüsselwörter

Prospect Theorie, Entscheidungsanomalien, Verlustaversion, Erwartungsnutzentheorie, Referenzpunkt, Behavioral Finance, Nutzentheorie, Wertfunktion, Wahrscheinlichkeitsgewichtung, Framing-Effekt, Cumulative Prospect Theorie, Entscheidungsverhalten, Rationalprinzip, Endowment-Effekt, Anchoring.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Grenzen der klassischen Erwartungsnutzentheorie und stellt die Prospect Theorie als alternatives Modell zur Erklärung menschlichen Entscheidungsverhaltens vor.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen Verhaltensanomalien wie Verlustaversion, Referenzpunkteffekte und die mathematische Modellierung von Entscheidungen unter Risiko.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, zu zeigen, wie die Prospect Theorie systematische Abweichungen von der Rationalität in Entscheidungsprozessen besser beschreiben und prognostizieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die auf empirischen Studien und Modellen aus der Entscheidungsforschung basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Anomalien, die Struktur der klassischen und der Cumulative Prospect Theorie sowie deren mathematische Komponenten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Prospect Theorie, Verlustaversion, Referenzpunkt, Entscheidungsanomalien und Behavioral Finance.

Was unterscheidet die Wertfunktion der Prospect Theorie von der klassischen Nutzenfunktion?

Im Gegensatz zur klassischen Theorie bezieht sich die Wertfunktion nicht auf absolute Endvermögensgrößen, sondern auf Gewinne und Verluste relativ zu einem subjektiven Referenzpunkt.

Warum wird die Cumulative Prospect Theorie eingeführt?

Sie erweitert die klassische Prospect Theorie, um Entscheidungsprobleme mit einer beliebigen Anzahl von Konsequenzen abzubilden und die gesamte Wahrscheinlichkeitsverteilung zu berücksichtigen.

Excerpt out of 19 pages  - scroll top

Details

Title
Verlustaversion und Prospect Theory als Erklärungsansätze für Verhaltensanomalien
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre)
Course
Seminar: Neue Modelle ökonomischen Entscheidens
Grade
2,7
Author
Dipl.-Kfm. Robert Bayerlein (Author)
Publication Year
2002
Pages
19
Catalog Number
V7211
ISBN (eBook)
9783638145367
ISBN (Book)
9783640098897
Language
German
Tags
Informationsökonomik Verhaltensanomalie Prospect Theorie Verlustaversion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Kfm. Robert Bayerlein (Author), 2002, Verlustaversion und Prospect Theory als Erklärungsansätze für Verhaltensanomalien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7211
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  19  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint