Online-Shopping: Strategische Herausforderungen aus Sicht der Unternehmen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

63 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des Online-Shopping
2.1 Eingrenzung und Definition des Begriffs „Online- Shopping“
2.2 Die Nutzer des Online-Shoppings
2.3 Der Ablauf einer Online-Shopping-Transaktion

3 Das Internet als Markt: Chancen und Risiken
3.1 Die Wettbewerbssituation: erhöhtes Absatzpotential vs. Wettbewerbsintensität
3.2 Die Kostenstruktur: Einsparungspotentiale vs. Niedrigpreis-Druck
3.3 Die Händlerstruktur: Disintermediation vs. Cybermediäre
3.4 Die Angebotsgestaltung: Flexibilität vs. medial bedingte Begrenztheit

4 Strategische Positionen für Online-Shops
4.1 Grundlegende Herausforderung
4.2 Wettbewerbsvorteile
4.3 Die Personalisierung der Kundenbeziehung
4.4 Die Personalisierung des Produktangebots

5 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die Teilbereiche des Electronic Business

Abb. 2: Die Teilbereiche des Electronic Commerce

Abb. 3: Phasen der digitalen Geschäftsabwicklung beim Electronic Commerce

Abb. 4: Grundsätze des Massenmarketing und des One-to- One-Marketing im Vergleich

Abb. 5: E-Commerce, klassifiziert nach Transaktionspartnern

Abb. 6: Online-Nutzung in Deutschland

Abb. 7: Der Frauenanteil bei den Internet-Nutzern

Abb. 8: Die Altersstruktur der Internet-Nutzer

Abb. 9: Der Bildungsabschluß der Internet-Nutzer

Abb. 10: Das monatliche Haushaltsnettoeinkommen der Nutzer

Abb. 11: Die meistgekauften Produkte und Dienstleistungen

Abb. 12: Die Zahlungsmethoden der Online-Shopper

Abb. 13: Gründe für E-Business Engagement

Abb. 14: Erfolge durch E-Business

Abb. 15: Gründe gegen E-Commerce

Abb. 16: Wertschöpfungspotentiale durch Disintermediation

Abb. 17: Wegfall von Zwischenhandelsstufen

Abb. 18: Motive für Online-Shopping

Abb. 19: Barrieren für Online-Shopping

Abb. 20: Nutzungs- und Potential-Index für E-Commerce

Screenshots

Screenshot 1: Preisauskunft

Screenshot 2: Pocket BargainFinder von Accenture

Screenshot 3: Power-Shopping

Screenshot 4: Kauai Exotix Flowers

Screenshot 5: Amazon

Screenshot 6: Dietrich Maßhemdenanfertigung

Screenshot 7: Barbie von Mattel

1 Einleitung

Keine Innovation hat die Gesellschaftsstrukturen in den letzten Jahrzehnten so schnell verändert wie das Internet - vergleichbar ist diese Entwicklung wohl am ehesten mit der industriellen Revolution1. Genauso wie diese - allerdings mit stark erhöhter Geschwindigkeit - ist nun das Internet dabei, die allgemeinen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu verändern und zu reformieren. Besonders die globalen ökonomischen Strukturen werden von einschneidenden Umstrukturierungen betroffen sein. Doch wohin uns diese Veränderung jedoch genau führt, kann niemand voraussagen.

Noch vor einem Jahr übertrafen sich die Prognosen über den E- Commerce gegenseitig, wurden immer begeisterter. Das Internet wurde als reine Goldgrube gesehen. Doch das eine Extrem wurde sehr bald durch das andere abgelöst: Auf Euphorie folgte Ernüchterung; durch die Pleiten vieler „Dotcoms“2 machte sich sogar Pessimismus breit.

Wie ist der E-Commerce nun wirklich einzuschätzen? Was unterscheidet ihn vom traditionellen Handelsverkehr, was sind seine neuen Möglichkeiten und was seine Probleme? Und vor welche neuen strategischen Herausforderungen stellt er die Unternehmen? Jene Fragen sollen in dieser Arbeit auf Basis der neuen Strukturen des Internet-Handels erörtert werden.

2 Grundlagen des Online-Shopping

2. 1 Eingrenzung und Definition des Begriffs „Online-Shopping“

„Online-Shopping“, „eBusiness“ und „eCommerce“ sind heutzutage gern und häufig gebrauchte Schlagworte, wenn es um die Kombination von Internet und Umsatz geht. Welche Prozesse und Aspekte aber genau angesprochen werden, darin ist man sich uneinig. Zu „eCommerce“ gibt es unzählige verschiedene Definitionsversuche3, „Online-Shopping“ dagegen wird häufig einfach synonym verwendet. Um die Thematik dieser Arbeit genauer einzugrenzen, sollen nun im folgenden die Zusammenhänge und Inhalte dieser Begriffe erläutert werden4.

Mit Electronic Business werden sämtliche von einem Unternehmen mit Hilfe von Informationstechnologie und interaktiven Medien vollbrachten Geschäftstätigkeiten gemeint. Diese Tätigkeiten lassen sich in drei Bereiche aufgliedern.

Abb. 1: Die Teilbereiche des Electronic Business

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: BAUER 1999, S. 92f.

Electronic Business Process bezeichnet die multimediale Unterstützung des Wertschöpfungsprozesses innerhalb des Unternehmens, also z.B. das CAD in der F&E, der EDI in der Beschaffung, CAM und CIM in der Produktion sowie das Intranet.

Electronic Communication / Information erleichtert dem Unternehmen durch Informationstechnologie die Informationsbeschaffung und -verarbeitung. Electronic Commerce ist „die über Telekommunikationsnetzwerke elektronisch realisierte Anbahnung, Aushandelung und Abwicklung von Geschäftstransaktionen zwischen Wirtschaftssubjekten.“5, betrifft also den Absatzweg des Unternehmens. Dieses Gebiet läßt sich ebenfalls in drei Bereiche aufspalten.

Abb. 2: Die Teilbereiche des Electronic Commerce

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: BAUER 1999, S. 92f.

Electronic Customer Relationship bezeichnet die Pflege bestehender und den Aufbau neuer Kundenbeziehungen mittels elektronischer Medien.

Electronic Marketing betrifft einerseits die neuen Möglichkeiten im Bereich der Marktforschung, speziell der verbesserten Segmentierung der Kundendaten. Andererseits ist damit das klassische Marketing-Mix - Preis, Produkt, Kommunikation und Distribution - gemeint, das besonders durch das Internet ganz neue Dimensionen und Möglichkeiten erhält. Electronic Shopping - bzw. Online-Shopping - ist ebenfalls der Distribution zuzuordnen. Während aber beim Electronic Marketing der Fokus auf dem Auftreten des Unternehmens in der Öffentlichkeit liegt, ist mit Online-Shopping die Realisierung des Verkauf via Internet gemeint.

Diese einzelnen Bereiche lassen sich in der Praxis allerdings nicht so systematisch voneinander trennen; die Übergänge sind meist fließend. Online-Shopping hängt besonders stark mit Electronic Marketing zusammen, so trägt zum Beispiel die bloße Einrichtung eines Online-Shops zum Marketing bei. Meist ist dieser Online-Shop auch gleichzeitig wichtigstes Instrument des Electronic Customer Relationship. Auch Altobelli und Hoffmann sprechen von einem „Zuordnungsproblem“ bei der Klassifizierung:

„Online-Shopping umfasst zum einen Sales-Promotion und Absatzwerbung (Kommunikationspolitik). Zum anderen ist ein Vertrieb von Produkten über den Info-Highway Teil der Distributionspolitik. Außerdem kann der Preis von Produkten in Online-Shopping Malls auch den Absatz über klassische Vertriebswege beeinflussen (Preispolitik). Durch den Online- Vertrieb können Daten über den Konsumenten generiert werden, wodurch auch der Bereich der Marketingforschung berührt wird.“6

Im folgenden soll nur der Business-to-Consumer-Bereich betrachtet werden, d.h. den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen von Unternehmen an den Endverbraucher7. Das Business-to-Business-Segment macht zwar den weitaus größten Teil allen Handels über das Internet aus, kann aber eher zum Bereich des Electronic Business Process - genauer noch: des Electronic Procurements, also der elektronisch ausgeführten Beschaffung - gerechnet werden. Der Consumer-to-Consumer-Handel folgt komplett anderen Gesetzmäßigkeiten; und inwiefern Transaktionen „to- Administration“ überhaupt mit dem Begriff „Shopping“ bezeichnet werden können, ist fraglich.

2. 2 Die Nutzer des Online-Shoppings

Die Anzahl der Menschen mit Zugang zum Internet ist in den letzten Jahren extrem stark angestiegen; so waren im Jahre 2000 ganze 18,3 Millionen Deutsche online.8 Der typische Internet-Nutzer entspricht immer noch dem Bild des jüngeren, gebildeteren, besser verdienenden Mannes. Doch in den letzten Jahren glich sich das Nutzer-Profil immer mehr dem Schnitt der Bevölkerung an, sowohl bezüglich dem Frauenanteil9, der Alterstruktur10 als auch dem Bildungsgrad11. Nur bezüglich der Einkommensstruktur12 läßt sich eine gegenläufige Entwicklung beobachten: die Nutzer verdienten schon immer mehr als der Schnitt der Bevölkerung, und diese Kluft wird immer tiefer.

Die Charakteristika der Nutzerschaft bieten den Unternehmen ein hochkarätiges Kundenpotential für den Online-Handel: jung, flexibel und mit enorm hoher Kaufkraft. Beim typischen Online-Shopper sind die o.g. Merkmale sogar noch verstärkt ausgeprägt. Die 19- bis 39- Jährigen sind mit 67 % deutlich überrepräsentiert13, ebenso die Männer mit 62 %14. Diese Gruppe zeichnet sich besonders durch Aufgeschlossenheit gegenüber der Technik, hohe Kaufkraft und Risikobereitschaft aus; letzteres besonders wichtig, da die Unsicherheit des Online-Shoppings derzeit den häufigsten Hinderungsgrund15 darstellt.

Laut der ARD/ZDF-Online-Studie 2000 steht das Online-Shopping an 15. Stelle der Lieblingsbeschäftigungen der Internet-Nutzer. Von diesen haben 45 % überhaupt schon einmal etwas im Internet eingekauft, 12 % sogar mind. ein Mal pro Woche.16 Kunden- und Absatzpotential ist also für die Online-Shops genügend vorhanden, sowohl bezüglich der Menge der erreichbaren Endverbraucher, deren Interesse am Einkauf via PC als auch bezüglich deren soziodemographischer Merkmale und Kaufkraft.

2.3 Der Ablauf einer Online-Shopping- Transaktion

Die Abwicklung eines Geschäftsvorfalls über das Internet läßt sich in die Informations-, Vereinbarungs-, Abwicklungs- und AfterSales-Phase einteilen.

Abb. 3: Phasen der digitalen Geschäftsabwicklung beim Electronic Commerce

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an HERMANNS / SAUTER 1999, S. 16; und LINCKE / ZIMMERMANN 1999, S. 204.

In der Informationsphase sucht sich der Kunde die zu seiner Kaufentscheidung persönlich relevanten Informationen über Produkte und Anbieter heraus. Seitens der Unternehmen spielt hier das Marketing eine wichtige Rolle, denn im immer unübersichtlicheren Informationsdschungel des www ist der Nutzer auf übergeordnete, unabhängige Informationsquellen wie Suchmaschinen, Verzeichnisdienste und elektronische Produktkataloge angewiesen, um gezielt die benötigten Informationen zu selektieren. Der Kunde besucht anschließend die Seiten der für ihn interessantesten Anbieter. Dort stellt dieser möglichst umfassende Beschreibungen der Angebotspalette zur Verfügung, um den Kunden in der Auswahl des geeigneten Produkts zu unterstützen.

In der Vereinbarungsphase werden sich Anbieter und Nachfrager über die Bedingungen und Konditionen der Transaktion einig. Die meisten dieser Vereinbarungen verlaufen noch einseitig, d.h. die Unternehmung stellt ihr Angebot dar und der Interessent akzeptiert es oder auch nicht. Doch die Entwicklung geht in manchen Branchen und bei manchen Produkten in Richtung Interaktion, und dem Kunden werden individuelle - also auf Basis seines Profils - Konditionen angeboten17. Der Kunde gibt seine Entscheidung für ein Produkt dem Shop bekannt, indem er über das Online-Bestellsystem seinen Auftrag erteilt. Meist geschieht das ganz anschaulich durch Bestätigung des vorher zusammengestellten „Warenkorbs“. In die Vereinbarungsphase fallen zudem seitens des Unternehmens vereinzelt Vorgänge wie die Kalkulation regionaler Steuersätze sowie Bonitätsüberprüfungen des Kunden bei Handelsregisterämtern oder Kreditkarteninstituten.

In der Abwicklungsphase wird die zuvor ausgehandelte Transaktion ausgeführt. Dies beginnt mit der Einigung über die Zahlungsmethode18 und über das Versandverfahren. Ersteres kann über herkömmliche Methoden wie die Kreditkarte19, das Lastschriftverfahren, Bankeinzug und Nachnahme, oder geschehen oder mittels speziell auf das Internet zugeschnittener Bezahlsysteme wie Smartcards20, eCash21 oder paybox22. Die Auslieferung wird bei den meisten immateriellen Produkten wie Software, Musik, Bildlizenzen u.ä. obsolet, da diese direkt über das Internet vertrieben werden können. Bei physischen Gütern können neben der Wahl des Logistikdienstleisters und des Zeitraumes der Lieferung auch etwaige Transportversicherungen abgeschlossen werden.

Die After-Sales-Phase wird nicht mehr zur Geschäftstransaktion im eigentlichen Sinne gerechnet - denn diese ist mit Bezahlung und Auslieferung beendet - sondern sie dient dazu, die Kundenzufriedenheit und -bindung zu erhöhen. Dieser Service beginnt damit, daß der Kunde stets Lagerbestandsinformationen sowie den Lieferstatus seiner Bestellung abrufen kann. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dem Kunden die Interaktion mit Kundenbetreuern via email oder chat anzubieten, ähnlich dem klassischen Call-Center. Aber auch asynchrone Services wie die Bereitstellung von FAQs, Datenbanken mit Problemlösungen, Produktdokumentationen und - bei Software und softwareunterstützten Produkten - Updates und Treibern auf der erstützten Produkten - Updates und Treibern auf der Seite des Anbieters.23

3 Das Internet als Markt: Chancen und Risiken

3. 1 Die Wettbewerbsituation: erhöhtes Kundenpotential vs. verstärkter Konkurrenzdruck

Die globale Verbreitung des Internets führt zu einer zunehmenden Vernetzung und Globalisierung der Weltwirtschaft. Durch die weltweiten Benutzergruppen und die Unabhängigkeit von Geschäftszeiten vervielfacht sich das Absatzpotential jedes Online- Shops. Jede regionale (bis auf wenige Ausnahmen) und zeitliche Begrenzung fallen weg. Auch kleine und neue Unternehmen haben die Möglichkeit, ohne Aufbau einer internationalen Firmenstruktur weltweit ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen, und dadurch sogar gegen große, etablierte Konzerne antreten können. Ohne den E-Commerce hätte es ein kleiner amerikanischer Buchladen, heute besser bekannt als Amazon, niemals geschafft, zu einer ernsthaften Konkurrenz für Buchhändler auf der ganzen Welt zu werden.

„Für die Unternehmen beinhaltet Electronic Commerce in erster Linie enorme Chancen durch Potentiale zur Steigerung des Umsatzes, der Wettbewerbsfähigkeit und der Produktivität, andererseits aber auch Risiken, da die Wettbewerbsintensität stark zunimmt und die erforderlichen Entscheidungen vor dem Hintergrund einer dem ständigen Wandel unterworfenen Umwelt erfolgen.“24

Denn gleichzeitig muß sich das Unternehmen nun nicht mehr nur gegenüber den regionalen Wettbewerbern behaupten, sondern es hat sich gegen Konkurrenten aus der gesamten Welt durchzusetzen, die für den Interessenten nur einen Mausklick entfernt sind. Durch die Globalität des Internets hat der Kunde im Internet eine stärkere Verhandlungsposition inne, denn es kostet ihn viel weniger Aufwand, auf die Seite eines internationalen Konkurrenten zu gelangen, als im traditionellen Handel auch nur das Geschäft auf der anderen Straßenseite zu besuchen. Dadurch müssen die Online-Shops verstärkt um dessen Gunst wetteifern.

Durch die dem Internet eigenen rasanten Geschwindigkeit wird dieser Druck noch potenziert. Je mehr Firmen in den Internet-Nutzern das ungeheure Kundenpotential entdecken und entsprechend mit einem Online-Shop reagieren, desto stärker wird die Wettbewerbsintensität. Intensiviert wird dieser Effekt durch die geringen Markteintrittsbarrieren. „Aufgrund der Offenheit multimedialer Systeme - so hat jeder die Möglichkeit, eigene Seiten ins Internet zu stellen, sowie den geringen anfallenden Startkosten bei Markteintritt - sind nur relativ niedrige Eintrittsbarrieren vorhanden.“25

Einsparungspotentiale vs. Niedrigpreis-Druck Die niedrigen Markteintrittsbarrieren ergeben sich aus den relativ geringen Anfangsinvestitionen, die zum Aufbau eines Online-Shops nötig sind. Weder Verkaufsräume in günstiger Lage noch Geschäftsausstattung sind erforderlich, es müssen keine Kataloge gedruckt werden, die Personalkosten reduzieren sich auf ein Minimum und die Waren können nach der tagesaktuellen Auftragslage besorgt werden.

„Das Verhältnis von fixen zu variablen Kosten wird massiv zum Vorteil des Anbieters verschoben. Durch Wegfall des größten Teils der festen Kosten wie Miete, Abgaben für Geschäftsräume, Versorgungsleistungen und Löhne können die Unternehmer des elektronischen Handelskanals mit knapperen Margen arbeiten. Abgesehen von relativ geringen Investitionen in Computer und Telekommunikationstechnik, die ohnehin heute für jedes Geschäft nötig wären, sind alle Betriebskosten variabel - Werbung, Inventar, Ausführung und Kundendienst.“26

Durch diese umsatzabhängige Kostenstruktur wird das Risiko minimiert, bei schlechten Verkaufzahlen zu großen Verlust zu machen, denn durch den geringen Fixkostenanteil reicht auch ein relativ schwacher Umsatz aus, um diese Kosten zu decken.

Neben dieser effizienteren Kostenstruktur ergeben sich konkrete Einsparungspotentiale bezüglich der Interaktion mit dem Kunden. Alle zum Geschäftsvorgang notwendigen Daten werden von diesem selbst eingegeben und treffen wenige Augenblicke später im Unternehmen ein, wo sie meist elektronisch weiterverarbeitet werden. Viele langwierige und kostenintensive Schritte, die bei der traditionellen Verkaufsabwicklung anfallen, werden überflüssig, wie z.B. die manuelle Eingabe von Kundendaten, die Bestellungs-Aufgabe über den Postweg, die Zwischenlagerungen der Waren, usw. Die kürzeren Durchlauf- und Abwicklungszeiten sorgen für schnellere Reaktionszeiten des Unternehmens und reduzieren die Kosten für Information, Kommunikation und Transaktion. Ebenso wird der Kundenservice kostengünstiger: „Experten von Andersen Consulting errechneten, daß eine Abwicklung des Kundendienstes über das Internet durchschnittlich weniger als ein Zehntel kostet als eine vergleichbare Leistung per Service-Telefon.“27 Zudem können sich je nach Unternehmensaufbau noch viele weitere Kosteneinsparungen ergeben, wie z.B. durch die Verkleinerung bzw. den Wegfall eines Call-Centers oder durch die Verringerung eines Filialnetzes.

Insgesamt bringt E-Shopping für eine Unternehmung vielfältige Kosteneinsparungspotentiale. Daß diese auch bereits genutzt werden, zeigt eine Umfrage von TechConsult: die Unternehmen nannten - nach den Erfolgen von eBusiness gefragt - an dritter bis fünfter Stelle die kostengünstigere Zahlungsabwicklung, dann die Reduzierung der Vertriebskosten und schließlich die Reduzierung der Lagerhaltungskosten.28 Sie können ihre Gewinnmargen erhöhen und gleichzeitig ihre Preise senken. Dieser Effekt wird noch gesteigert durch den Wegfall einiger Zwischenhandelsstufen.

Doch auf der anderen Seite können die Unternehmen keinen direkten Wettbewerbsvorteil daraus ziehen, denn im Internet haben nur die günstigsten Angebote eine Chance. Erstens haben alle Online-Shops die ähnlichen Einsparungsmöglichkeiten, deren Nutzung dadurch kein Vorsprung gegenüber anderen ist, sondern eine Grundvoraussetzung.

[...]


1 Vgl. BAUER 1999, S. 88.

2 Siehe z.B. http://www.dotcomfailure.com, ein Dotcom-Friedhof.

3 Siehe Anhang, S.33, für weitere Definitionen für „Electronic Commerce“

4 Vgl. BAUER 1999, S. 92f.

5 STRAUß / SCHODER 1999, S. 62.

6 ILLIK 1999, S. 87.

7 Vgl. Anhang, S.34 , Abb. 5: E-Commerce, klassifiziert nach Transaktionspartnern.

8 Vgl. Anhang, S. 6, Abb. 35: Online-Nutzung in Deutschland.

9 Vgl. Anhang, S. 35, Abb. 7: Der Frauenanteil bei den Internet-Nutzern.

10 Vgl. Anhang, S. 36, Abb. 8: Die Altersstruktur der Internet-Nutzer.

11 Vgl. Anhang, S. 36, Abb. 9: Der Bildungsabschluss der Internet-Nutzer.

12 Vgl. Anhang, S. 37, Abb. 10: Das monatliche Haushaltsnettoeinkommen der Nutzer.

13 Vgl. Anhang, S. 36, Abb. 8: Die Altersstruktur der Internet-Nutzer.

14 Vgl. Anhang, S. 35, Abb. 7: Der Frauenanteil bei den Internet-Nutzern.

15 Vgl. Anhang, S. 44, Abb. 19: Barrieren für Online-Shopping.

16 Vgl. VAN EIMEREN / GERHARD, S. 5.

17 Amazon.com legte im September 2000 für verschiedene Kundengruppen seines amerikanischen Shops verschiedene Preise für DVDs fest. So mussten beispielsweise Kunden mit Netscape-Browser für die Serie „Planet of the Apes“ als DVD-Video 64,99 US$ zahlen, während von Explorer-Kunden für das gleiche Produkt 74,99 US$ verlangt wurde - um nur ein Differenzierungskriterium und nur ein Produkt anzuführen. Die Kunden wurden darüber nicht informiert; erst ein Computer-Magazin deckte diese Tatsache auf. Daraufhin stellte Amazon aufgrund massiver Proteste von Kunden und Verbraucherschützer diese Preisunterschiede ein. Offiziell begründet wurde diese Differenzierungspolitik mit „Fine-Tuning-Tests zur Verbesserung der Kundenansprache“. Vgl. O. V.[1].

18 Vgl. Anhang, S. 38, Abb. 12: Die Zahlungsmethoden der Online-Shopper.

19 Die Kreditkartendaten werden meist mit SSl (Secure Socket Layer) verschlüsselt übertragen. Dieser sicherere Übertragungsweg ist daran zu erkennen, daß die URL mit https:// anstatt http:// beginnt. Ein Verschlüsselungssystem, das extra von Kreditkarteninstituten für Kreditkartentransaktionen entwickelt

20 Smartcards sind kleine elektronische Geldbörsen, auf die der Kunde an Terminals bis zu 400 DM laden kann, und die sich für Micropayments, also die Bezahlung kleiner Summen eignet. (vgl. O. V.[7] 2001.)

21 Beim eCash-Verfahren wird virtuelles, von der Bank signiertes Geld auf den Rechner des Kunden geladen. Autorisierte Händler können das eingenommene elektronische Geld wieder in echtes umtauschen. (vgl. O. V.[7] 2001.)

22 paybox ist eine Zahlungsmethode, die via Mobiltelefon erfolgt, und deshalb nicht nur auf die Bezahlung via Internet beschränkt ist. Siehe auch http://www.paybox.de

23 Vgl. LINCKE / ZIMMERMANN 1999, S. 206f.

24 HERMANNS / SAUTER 1999, S. 428.

25 BAUER 1999, S. 96.

26 KRAUSE 1999, S. 349.

27 SAUTER 1999, S. 104.

28 Vgl. Anhang, S. 39, Abb. 14: Erfolge durch E-Business

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Online-Shopping: Strategische Herausforderungen aus Sicht der Unternehmen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Online-Angebote aus dem Blick der KW
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
63
Katalognummer
V7223
ISBN (eBook)
9783638145466
Dateigröße
17559 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Achtung: 17 MB Dateigröße!
Schlagworte
Internet Online-Shopping eCommerce eMarketing Ökonomie Shopping
Arbeit zitieren
Katrin Dirscherl (Autor), 2001, Online-Shopping: Strategische Herausforderungen aus Sicht der Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7223

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