Interdependenzen zwischen internationalem Terrorismus und Tourismus


Diplomarbeit, 2006
93 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

A. Einleitung

B. Einfluss des internationalen Terrorismus auf den Tourismus
I. Darstellung der Terrorismussituation
1. Definitorische Abgrenzung
2. Erscheinungsformen des Terrorismus
II. Darstellung der Tourismussituation
1. Tourismus
2. Der Tourismus im Focus des Terrors
a. Die Situation der Tourismusbranche vor dem 11. September 2001
aa. Tourismus weltweit
bb. Tourismus in Deutschland
b. Die Situation der Tourismusbranche nach dem 11. September 2001
aa. Tourismus in den USA und weltweit
bb. Tourismus in Deutschland
cc. Nebeneffekt und Prognosen
3. Veränderung der Risikowahrnehmung und Reiseentscheidungen
III. Zwischenergebnis

C. Luftsicherheitsgesetz
I. Historischer Hintergrund
II. Gesetzlicher Hintergrund und Regelungen des LuftSiG
III. Nichtigerklärung des § 14 LuftSiG durch das Bundesverfassungs- gerichts – Rechtliche Diskussion
IV. Zwischenergebnis

D. Passagierdaten-Abkommen zwischen EU und USA
I. Hintergrund, Inhalt und Entstehung des Abkommens
1. Hintergrund
2. Entstehung und Inhalt
II. Nichtigerklärung des Passagierdaten-Abkommens zwischen EU und USA
1. Einzelheiten der Klageschrift
a. Angemessenheitsentscheidung
b. Abkommen
III. Zwischenergebnis

E. Ideen zur Bekämpfung des Terrorismus
I. Wirksamkeit terroristischer Gewalt
II. Ursachen von Terrorismus
III. Strategien und Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Terrorismus
IV. Zwischenergebnis

F. Endresumé

G. Anhang

H. Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildungen:

Abb. 1: Wachstumsrate des Terrorismus von 1968 bis 2003

Abb. 2: Internationale Reisen

Abb. 3: Verlauf der Reiseintensität

Abb. 4: Touristische Entwicklung nach dem 11.09.2001

Abb. 5: Angst vor Terror hat immer noch Einfluss auf Reiseentscheidung

Abb. 6: Faktoren, die das Reiseverhalten beeinflussen

Abb. 7: Die Prioritäten der Ängstlichen

Tabellen:

Tab. 1: Erscheinungsformen des Terrorismus

Tab. 2: Terroranschläge weltweit seit dem 11.09.2001 bis heute

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A. Einleitung

„Die Deutschen bleiben Reiseweltmeister“[1]. Derlei Überschriften in Zeitungen sind wohl bekannt. Aber nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt erfreut sich das Reisen immer größerer Beliebtheit. Wer das nötige Kleingeld zum Reisen und Interesse an anderen Ländern und Kulturen hat, der reist.

Leider wird in den Medien auch immer häufiger von Terroranschlägen berichtet. Die Terroranschläge des 11.September 2001 in New York und Washington trafen die gesamte Weltöffentlichkeit völlig überraschend. Danach häuften sich terroristische Anschläge in der Welt und der Terrorismus rückte stärker in das Interesse der Medien und der Menschen. Dabei gehört der Terrorismus zu den am wenigsten verständlichen Gewalttaten von Menschen gegen Menschen.

Doch wie kommen diese beiden Themen, Terrorismus und Tourismus, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben, zusammen?

Internationale Untersuchungen haben gezeigt, dass Terrorismus zwangsläufig immer einen Einbruch der Tourismuswirtschaft mit sich bringt. Dabei hat der Reisende immerhin noch die Wahl Reisen in das vom Terrorismus betroffene Gebiet zu meiden, doch die Folgen für das betroffene Land sind oftmals katastrophal und können sich je nach Ausmaß des terroristischen Anschlags über mehrere Wochen, Monate und Jahre hinziehen. Niemand ist wohl in der Lage zu sagen, wie anhaltend die wirtschaftlichen Einbrüche von Terroranschlägen sein können und ob oder wie sie zumindest auf lange Sicht kompensiert werden können.

Der Terrorismus ist in seiner Form sehr vielseitig und entsteht aus unterschiedlichen Motiven. Trifft der Terrorismus jedoch eine Touristen-destination, so hat dies meist schlimme Auswirkungen auf das Land und den Tourismus im Allgemeinen. Da der Tourismus in vielen Ländern zu einem der wichtigsten Wirtschaftsbranchen gehört und auch viele Arbeitsplätze schafft, können terroristische Anschläge zu einem Wirtschaftseinbruch führen. Die Tourismusbranche kann also unter den Konsequenzen von Terroranschlägen stark leiden, da auch die Reisenden in ihrer Urlaubsentscheidung beeinflusst werden, denn nach den vielen terroristischen Anschlägen in der vergangenen Zeit, ist die Angst vor weiteren Anschlägen immer präsent.

Im Zuge dieser Diplomarbeit soll der Themenkomplex „Interdependenzen zwischen internationalem Terrorismus und Tourismus“ untersucht werden. Dabei gliedert sich die Arbeit in vier Hauptteile. Im ersten Teil wird der Begriff des Terrorismus und seine Erscheinungsformen näher betrachtet. In diesem Teil wird auch der Tourismus und die Auswirkungen des Terrorismus auf den Tourismus beleuchtet und wie der Terrorismus die Reiseentscheidung der Urlauber beeinflusst. In dem sich anschließenden zweiten und dritten Teil wird das Luftsicherheitsgesetz und das Passagierdaten-Abkommen zwischen der EU und den USA untersucht, welche kurz nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 zur Prävention und Bekämpfung des Terrorismus kurzzeitig in Kraft getreten sind, und auf ihre Vereinbarkeit mit höher rangigen Recht hin überprüft. Des Weiteren werden im vierten Teil weitere Bekämpfungs-maßnahmen von Terrorismus aufgezeigt.

Abschließend werden die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit noch einmal zusammengefasst dargestellt.

B. Einfluss des internationalen Terrorismus auf den Tourismus

I. Darstellung der Terrorismussituation

1. Definitorische Abgrenzung

Terrorismus ist ein Phänomen, das mit jeder größeren, spektakulären Aktion immer wieder für Aufruhr in den Medien und der Welt sorgt. Die Intensität und das weltweite Ausmaß des Terrorismus haben stark zugenommen.

Die Folgen terroristischer Anschläge erzeugen bei den Aufnehmenden in der Regel tiefes Entsetzen, Abscheu, Ablehnung, aber auch Aufmerksamkeit.

Obwohl das Phänomen des Terrorismus alles andere als neu ist, konnte man sich bislang noch nicht auf eine einheitliche Definition, was Terrorismus eigentlich ist, einigen.

Allgemein wird unter dem Begriff Terrorismus Gewaltaktionen (wie z.B. Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge, etc.) gegen eine politische Ordnung verstanden, mit dem Ziel auf ihre politischen, religiösen und moralischen Anliegen aufmerksam zu machen.[2]

Terror bezeichnet die systematische Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt und ebenso wie beim Terrorismus werden dabei politische Ziele verfolgt. Der Begriff Terror wird auch in der Umgangssprache verwendet, wo er für aggressive Umgangsformen steht.[3]

Der Terror dient somit als Maßnahme und Druckmittel zur Erreichung dieser Anliegen und zur Herbeiführung einer politisch-gesellschaftlichen Umwälzung. Er soll einerseits Furcht und Schrecken verbreiten, aber auch Unterstützungs-bereitschaft und Sympathie auslösen.[4] Ihre Anschläge sind auch für einen Teil der Bevölkerung als Hoffnungszeichen gedacht, sie sollen Schadenfreude oder eventuell auch die Bereitschaft auslösen, die Gewaltaktivisten bei ihrem Kampf zu unterstützen. Terroristen setzen sich gezielt über moralische und rechtliche Bestimmungen weg und zeichnen sich meist durch eine besondere Unmenschlichkeit, Brutalität und Willkür aus.

Staatsterrorismus wird üblicherweise als „Terror“ bezeichnet, und ist nicht in der Definition enthalten. Personen und Gruppen, die Terrorakte verüben („Terroristen“ bzw. “Terrororganisationen“) werden zusammenfassend ebenfalls als „der Terrorismus“ bezeichnet (etwa in Begriffen wie „der internationale Terrorismus” oder „der rechtsradikale Terrorismus“).[5]

Über den Begriff des Terrorismus selbst lässt sich streiten. Die Grenze z.B. zwischen „Terrorist“ und „Widerstandskämpfer“[6] wird jeweils von der Weltanschauung beeinflusst und ist daher nicht immer objektiv festzulegen.

Der Terrorismus ist somit eine Art Signal, um einer Vielzahl von Menschen etwas mitzuteilen. Er ist keine militärische Aktion, sondern ist primär als Kommunikationsmittel gedacht.

Terroristen stellen sich selbst als Kriegspartei dar, von den Regierungen kommt ihnen aber meist der Begriff des Staatsfeindes oder Kriminellen zu.[7]

Von den Terroristen wird der Terrorismus meist mit einer Ideologie begründet, die der politischen Weltanschauung entgegensteht und mit friedlichen Mitteln nicht durchzusetzen sei.[8]

Er ist weltweit zu einem gravierenden Problem geworden, die Intensität und das Ausmaß des Terrorismus ist so stark wie nie zuvor; wie Abb. 1 zeigt.

Abb. 1: Wachstumsrate des Terrorismus von 1968 bis 2003

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: „Wachstumsrate des Terrorismus von 1968 bis 2003”, Sandler, Todd and Enders, Walter: „Transnational Terrorism- An Economic Analysis JEL classifictions: D74 H 56, 2004.

Der Terrorismus hatte bereits Mitte der 80er Jahre ein starkes Wachstum zu verzeichnen, doch im Jahr 2001 erreichte das Ausmaß des Terrorismus bisweilen seinen Höhepunkt.

2. Erscheinungsformen des Terrorismus

Der Terrorismus hat eine alte und lange Geschichte und kennt viele unterschiedliche Formen.

Die Bedeutung des Terrorismus wurde durch die terroristischen Attacken gegen das World Trade Center (WTC) in New York und das Pentagon in Washington vom 11.September 2001 und gegen die drei Bahnhöfe in Madrid vom 11.März 2004 besonders deutlich. Mittlerweile gehen die Aktivitäten der Terroristen weit über islamistische Extremisten[9] hinaus. Doch auch die Vergangenheit zeigt, dass der Terrorismus auch in Konflikten wie z.B. um Nordirland, das Baskenland oder auch Korsika, als „Waffe“ eingesetzt wurde. Vor längerer Zeit gab es in Deutschland und Italien Terror durch die RAF[10] und die Roten Brigaden[11]. In Japan hatte die Aum-Sekte[12] Giftgas in der Tokioter Untergrundbahn versprüht.

Der Terrorismus lässt sich in zwei Formen unterteilen: der „traditionelle, klassische“ Terrorismus (typische Beispiele: ETA[13], IRA[14]) und der „moderne“ Terrorismus (typisches Beispiel: El Kaida[15]).

Die folgende Tab. zeigt charakteristische Merkmale für diese zwei Formen des Terrorismus.

Tab. 1: Erscheinungsformen des Terrorismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: „Erscheinungsformen des Terrorismus“, Online-Dokument<http://www.crp-infotec.de/08spezi7terror7formen.html>, 18.03.2006.

Des Weiteren können vier verschiedene Hauptgruppen des Terrorismus unterschieden werden, bei denen es durchaus zu Überschneidungen kommen kann.

1. Sozialrevolutionärer Terrorismus

Diese Art von Terrorismus ist in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre im geistigen Umfeld der „Neuen Linken“ entstanden. Ziel bestand darin, die grundlegende Umwälzung der Besitz und Herrschaftsverhältnisse, vor allem in den hoch industrialisierten Ländern, zu erreichen.[16] Beispiele für diese Gruppe des Terrorismus sind die deutsche Bewegung 2. Juni[17], RAF[18] und die italienische Rote Brigade[19].

2. Ethnisch-nationalistischer Terrorismus/ Territorialer Terrorismus

Diese Terrorismusform verfolgt mit ihren Anschlägen das Ziel eines territorialen Landgewinns, entweder durch die Gründung eines eigenen Staates oder durch Verschiebung von einem Staat zu einem anderen.[20]

Zur Politik dieser Form gehört die gewaltsame Selbsthilfe und Auseinadersetzungen mit dem eigenen Regime. Beispiele für diese Gruppe des Terrorismus sind die ETA[21] im Baskenland und die nordirische IRA[22].

3. Religiöser Terrorismus

Seit Mitte der achtziger Jahre des 20 Jahrhunderts ist vor allem auch durch Fundamentalismus der religiöse Terrorismus bekannt geworden. Beispiele hierfür sind die radikalen protestantischen Sekten, die 1995 bei dem Anschlag von Oklahoma von sich reden gemacht haben oder islamische Splittergruppen, deren Ziel darin besteht einen globalen Gottesstaat (Staat und Religion als unauflösliche Einheit) unter der Führung der islamischen Geistlichkeit zu errichten.[23]

Des Weiteren zählt auch der so genannte „eschatologische Terrorismus“ zu dem religiös motivierten Terrorismus. Die Aktivisten propagieren die Zerstörung der „bösen“ Welt auch mit Massenvernichtungsmitteln, damit sie danach „gereinigt“ unter Vorherrschaft des „guten“ Erlösers wieder neu entstehen kann. Ein Beispiel für diese Art ist die japanische Aum-Sekte[24], die durch den Giftanschlag 1995 in der Untergrundbahn von Tokio zehn Menschen tötete.

4.Vigilantistischer Terrorismus

Der vigilantistische Terrorismus ist eine „Mischform“ von „Terror“ und „Terrorismus“. Diese Form des Terrorismus zielt auf Stärkung der staatlichen Autorität durch Provokation selbiger.[25] Die amerikanische Ku-Klux-Klan[26] Bewegung gehört zu dieser Terrorismusform.

5. Symbiotischer Terrorismus

Eine neue Form des Terrorismus ist der symbiotische Terrorismus. Er bezeichnet den gefährlichen Zusammenschluss von Mafiastrukturen und Terrorismus.[27] Die Anhänger dieser Gruppe sind bei der Auswahl der potentiellen Opfer grundsätzlich gleichgültig. Ziel ist es ganz allein „die terroristische Erpressung zum Ziel der Vorteilsgewinnung“.[28]

Ein Beispiel für diese Art von Terrorismus ist die Entführung der zwei Leipziger Männer, Nitzschke und Bräunlich, im Irak. Die Entführer hatten das Ziel mit dieser Entführung Geld zu erpressen, welches sie auch erreicht haben.

3. Übersicht über weltweite terroristische Anschläge von 2001 bis heute

Terrorismus war bereits im 20. Jahrhundert ein dauernd präsentes Phänomen. Doch durch die Anschläge am 11.September 2001 ist er nun stärker ins öffentliche Interesse geraten.

Die Zahl der terroristischen Anschläge hat weltweit ein gravierendes Ausmaß genommen, wie man bereits in Abb. 1 erkennen konnte. Terrorismus begleitet uns ständig und überall.

Im Jahr 2004 sind nach Angaben des US-Außenministeriums weltweit so viele Anschläge verübt worden wie seit 1983 nicht mehr. Demnach starben 1.907 Menschen durch „maßgeblich terroristische Anschläge“. Im Jahr 2003 seien es 625 Menschen gewesen.[29]

Neuste Zahlen für das vergangene Jahr 2005 wurden noch nicht veröffentlicht. Dennoch gehen Experten davon aus, dass sich die Zahl der Terroranschläge gegenüber 2004 noch einmal verdreifacht hat. Erstmals seien mehr als 10.000 Anschläge in einem Jahr gezählt worden.[30]

Im Folgenden sind die schwersten terroristischen Anschläge seit dem 11.September 2001 kurz dargestellt.

Tab. 2: Terroranschläge weltweit seit dem 11.September 2001 bis heute

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: „Terroranschläge weltweit“, Online-Dokument<http://www.learn-line.nrw.de/angebote/agenda21/archiv/05/daten/FR09-Terror-weltweit.htm, http://de.news.yahoo.com/26052006/3/dschihad-funktionaere-sterben-sprengstoffattentat-libanon.html, http://www.fatnews.de/autor/news/kategorie_id/3b02586a5a68f/artikel_id/43d5f0781e372/layout/1/Zwei-Deutsche-aus-Leipzig-im-Irak-entfuehrt/Zwei-Deutsche-aus-Leipzig-im-Irak-entfuehrt.html >, 20.05.2006.

II. Darstellung der Tourismussituation

1. Tourismus

Unter Tourismus allgemein versteht man die Gesamtheit aller durchgeführten Reisen. Der Tourismus umfasst die Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten.[31]

Die Reise ist nach § 651a BGB die Gesamtheit aller Leistungen aus dem Reisevertrag. Das heißt, dass der Reiseveranstalter die Leistungen, die Bestandteil der Reise sind, erbringen muss und der Reisende den vereinbarten Reisepreis zu zahlen hat (gemäß § 651 a Abs. 1 Satz 2 BGB).

Sobald der Reisende bei einem Reisveranstalter (RV) eine Pauschalreise bucht, tritt er auch in eine vertragliche Beziehung mit dem Veranstalter. Der RV ist hier als Organisator tätig und bündelt die einzelnen Reiseleistungen zu einem Pauschalangebot mit einheitlichem Preis. Außerdem schließt er Beherbergungsverträge mit der Hotellerie und Beförderungsverträge mit Verkehrsunternehmen ab. Diese Rechtsbeziehungen zwischen dem Reisenden und dem RV sind Gegenstand des Reisevertragsrechts, welches in §§ 651 a bis 651 l BGB geregelt ist.

Demzufolge sind Geschäftsreisen keine Reisen i.S.d. § 651 a BGB, da sie auf Initiative des Geschäftsreisenden zusammengestellt werden und nicht von vornherein als Reisearrangement gebündelt werden. Sie sollen daher in der nachfolgenden Untersuchung keine Berücksichtigung finden.

In diesem Sinne sind Reisen bei denen Flug und Unterkunft separat und nicht als Pauschalreise gebucht werden, keine Reisen gemäß §651 a BGB. Dennoch sind sie in den folgenden Statistiken enthalten, da in diesen unter „internationale Reisen“ Pauschalreisen, Individualreisen, sowie Geschäftsreisen zählen.

2. Der Tourismus im Focus des Terrors

Die Tourismusindustrie ist eine starke Wirtschaftsbranche in der ganzen Welt, welche viele Menschen beschäftigt und den einzelnen Ländern ein Wirtschaftswachstum beschert.[32] Doch leider bringen terroristische Anschläge immer wieder negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Tourismusbranche mit sich, die den Tourismus in den betroffenen Ländern kurz- oder auch langfristig zum Einbrechen bringen können.

a. Die Situation der Tourismusbranche vor dem 11. September 2001
aa. Tourismus weltweit

Reisen hat eine lange Tradition. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist Reisen zu einer Selbstverständlichkeit geworden, so dass die Tourismusindustrie in vielen Ländern zu einer der wichtigsten Wirtschafts-zweige geworden ist.[33]

Seit Jahrzehnten gehört die Tourismusbranche zu den stabilsten und dynamischsten Branchen in der europäischen Wirtschaft.[34] Die jährlichen Zuwachsraten lagen mit 3 bis 5 % immer deutlich über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum.[35] Einbrüche gab es in der Vergangenheit nur zweimal, während der Ölkrise Anfang der 70er Jahre und während des Golfkrieges 1991.[36] Dies hatte zur Folge, dass die Tourismuswirtschaft immer mit ihrem Erfolg als Wachstumsbranche „glänzen“ konnte.

Lange Zeit verfügte nur ein kleiner Teil der Bevölkerung über die Mittel und die Zeit auf Reisen gehen zu können. Nach dem zweiten Weltkrieg aber war ein sprunghafter Anstieg der Reisetätigkeit aller Bevölkerungsschichten zu verzeichnen.[37]

Erste Statistiken der World Tourism Organisation (WTO) wiesen 1950 rund 25 Mio. internationale Reisen aus. Bis zum Jahr 2000 hatte sich diese Zahl auf rund 700 Mio. internationale Reisen jährlich vervielfacht.

Abb. 2: Internationale Reisen: Volumen verdreißigtfacht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Reiselust ist auf die zunehmende Globalisierung, d.h. auf die technischen und sozialen Veränderungen der Gesellschaft zurückzuführen. Durch den technischen Fortschritt hat sich die Welt im übertragenen Sinne verkleinert. Immer mehr Leute reisen. Außerdem haben auch die Veränderung des Freizeitverhaltens, Einkommenssteigerungen, Wirtschaftswachstum, höhere Lebenserwartung, Verbesserung der Infrastruktur und die zunehmende individuelle Mobilität zu einer Zunahme des Reiseverkehrs geführt.

Für viele Länder ist der Tourismus zur wichtigsten Beschäftigungsgrundlage geworden. Der Tourismus beschäftigt weltweit ca. 100 Mio. Menschen und ist somit der größte Arbeitgeber unter den Branchen.[39] 1997 erzielte die Tourismusbranche nach Angaben der WTO einen Gesamtumsatz von 35 Billionen US-$.[40]

Die positive Entwicklung des Reiseverkehrs wurde dennoch durch politische und wirtschaftliche Krisen, Kriege und Naturkatastrophen in den letzten fünfzig Jahren negativ beeinflusst. Dabei kann die Dauer des Einflusses kaum allgemeingültig festgelegt werden. Es hat in der Regel etwa ein bis drei Jahre gedauert bis sich die Tourismuswirtschaft in den betroffenen Regionen nach den jeweiligen Ereignissen wieder erholt hat.[41]

Im Jahr 1982 war die Entwicklung des weltweiten Reiseverkehrs um 0,4% gegenüber dem Vorjahr rückläufig. Grund dafür war eine weltweit schwache Wirtschaftsentwicklung. Der Golfkrieg 1991 und der Kosovokonflikt 1999 hatten lediglich eine Verlangsamung des Wachstums des Reiseverkehrs zur Folge, sowie regionale Einbrüche der Reiseströme.

bb. Tourismus in Deutschland

Auch in Deutschland kam es zu einer langsamen Entwicklung des Tourismus in der Nachkriegszeit. Für die Bevölkerung ab 14 Jahren war im Jahr 1954 eine Reiseintensität von 24% zu verzeichnen. Allerdings waren davon 43% Reisen zu Verwandten und Bekannten und nur 15% der Reisen führten ins Ausland. Seit den 50er Jahren ist ein starker, kontinuierlicher Zuwachs der Reiseintensität zu registrieren, diese Reiseintensität erreichte 1994 78%.[42]

Abb. 3: Verlauf der Reiseintensität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: „Der Verlauf der Reiseintensität“, REISEANALYSE und Urlaub+Reisen, verschiedene Jahrgänge.

Dieser enorme Entwicklungsprozess seit dem zweiten Weltkrieg in Deutschland ist auf zwei Faktoren zurück zu führen. Die deutschen Bürger bekamen ein höheres Pro-Kopf-Einkommen, die allgemeinen Arbeitszeiten verringerten sich und es gab mehr Urlaubstage im Jahr. Hinzu kam auch die Ausbreitung des PKW, die Einführung der Düsenverkehrsflugzeuge und den damit verbundenen Aufschwung im Charterflugverkehr ab 1965, sowie das veränderte Freizeitverhalten mit veränderten und neuen Ansprüchen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 verzeichneten die Inlandsreisen in Deutschland einen Anstieg.[43]

[...]


[1] „Deutsche bleiben Reiseweltmeister“, Online-Dokument<www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,332977,00.html>, 14.06.2006.

[2] Vgl. „Terrorismus“, Online-Dokument < http://de.wikipedia.org/wiki/Terrorismus>, 20.05.2006.

[3] Vgl. „Terror“, Online-Dokument < http://de.wikipedia.org/wiki/Terror>, 26.06.2006.

[4] Vgl. Hirschmann, Kai/ Gerhard, Peter: „Terrorismus als weltweites Phänomen“, Berlin Verlag A.Spitz, Berlin 2000, S. 11, im Folgenden zitiert: Hirschmann/Gerhard.

[5] Vgl. „Terrorismus“, Online-Dokument <http://de.wikipedia.org/wiki/Terrorismus>, 20.05.2006.

[6] als Widerstandskämpfer werden Menschen bezeichnet, die sich meist kollektiv in Widerstandsbewegungen gegen eine bestimmte, meist politische Macht engagieren wie Regierungen, Kolonialmächte, Besatzungsmächte, Militär, Sicherheits- und Polizeikräfte und andere bewaffnete Gruppierungen wie Nationalgarde und Heimatschutz.

[7] Vgl. Hirschmann/ Gerhard, S. 15.

[8] Vgl. „Terrorismus“, Online-Dokument< http://de.wikipedia.org/wiki/Terrorismus>, 20.05.2006.

[9] islamistische Extremisten wie El Kaida.

[10] RAF= Rote Armee Fraktion, linksterroristische Untergrundorganisation der BRD, kämpften gegen das „System“, den Staatsapparat der BRD und wollten mit ihren terroristischen Anschlägen in Deutschland auf faschistoiden Tendenzen und auf die nicht „wiedergutgemachte“ und immer noch wirkende nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands aufmerksam machen, Selbstauflösung 1998.

[11] linksextreme Organisation in Italien, Ziel: Errichtung marxistischer Gesellschaftsordnung, letzte Organisation dieses Namens war von 1970 bis Mitte 1980 in Italien aktiv.

[12] Japanische Sekte, Gründung 1984, Lehre: geprägt von Weltuntergangsverkündigungen und Nostradamus-Weissagungen, „äußere Welt“ wird als korrupt und verdorben bezeichnet, 1995 Giftgasanschlag mit Sarin in U-Bahn in Tokio durch Aum-Sekte.

[13] Euskadi Ta Askatasuna, baskische bewaffnete Terrororganisation, Ziel: Selbstbestimmung und allmähliche Abspaltung der von ihr als baskisch betrachteten Gebiete und Schaffung eines kommunistisch geprägten, baskischen Staates.

[14] Irish Republican Army, Ziel: Befreiung Nordirlands von britischer Besatzung, die Loslösung von Großbritannien und die Vereinigung mit Südirland in der Republik Irland.

[15] Islamistische Terrororganisation, als Gründer und Anführer gilt Osama bin Laden, Gründung 1988, Ziele: Zerstörung Israles, Angriff auf Schutzmacht USA, Wiederherstellung des Kalifats (Vereinigung alles Muslime unter einem muslimischen Herrscher).

[16] Vgl. „Hauptgruppen des Terrorismus“, Online-Dokument< http://www.bpb.de/veranstaltungen/DXKVCA,0,0,Erscheinugsformen_Wurzeln_und_aktuelle_Entwicklungslinien_im_Terrorismus>, 15.03.2006.

[17] in den 1970er Jahren aktive terroristische Gruppierung, lose Verbindung zur RAF, gab sich Anfang der 70er den Namen im Hinblick auf den Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der am 2.Juni 1967 von einem Polizeibeamten erschossen wurde, er nahm an Demonstration anlässlich eines Staatsbesuchs des Schahs von Persien teil, Auflösung 2.Juni 1980.

Vgl. „Deutsche Bewegung 2.Juni”, Online-Dokument< http://www.nadir.org/nadir/archiv/PolitischeStroemungen/Stadtguerilla+RAF/2_juni/>, 10.06.2006.

[18] Vgl. „RAF“, Online-Dokument<http://www.rafinfo.de/hist/kap05.php>, 08.06.2006.

[19] Vgl. „Brigate Rosse“, Online-Dokument< http://www.brigaterosse.org/brigaterosse/index.htm>, 15.06.2006.

[20] Vgl. „Terrorismusformen“, Online-Dokument < http://de.wikipedia.org/wiki/Terrorismus>, 06.06.2006.

[21] Vgl. „ETA“, Online-Dokument <http://www.abertzale.org/l>, 10.06.2006.

[22] Vgl. „IRA“, Online-Dokument< http://irsm.pair.com/>, 15.06.2006.

[23] Vgl. „Terrorismusformen“, Online-Dokument<http://www.bpb.de/veranstaltungen/DXKVCA,0,0,Erscheinugsformen_Wurzeln_und_aktuelle_Entwicklungslinien_im_Terrorismus>, 15.03.2006.

[24] Vgl. „Aum-Sekte“, Online-Dokument <http://www.religio.de/akinfo/202.html>, 11.06.2006.

[25] Vgl. „Überlegungen zum Terrorismus“, Online-Dokument< http://www.friedenskooperative.de/ff/ff04/6-61.htm>, 11.06.2006.

[26] noch heute bestehender, rassistischer Geheimbund in den USA, Gründung 1865, Ziel: Diskriminierung der Schwarzen in Amerika beibehalten, um so die weiße Vormachtstellung zu bewahren.

Vgl. „Ku-Klux-Klan“, Online-Dokument< http://www.kkk.bz/index1.htm>, 16.06.2006.

[27] Vgl. „Überlegungen zum Terrorismus“, Online-Dokument< http://www.friedenskooperative.de/ff/ff04/6-61.htm>, 11.06.2006.

[28] Vgl. „Hauptgruppen des Terrorismus“, Online-Dokument< http://www.bpb.de/veranstaltungen/DXKVCA,0,0,Erscheinugsformen_Wurzeln_und_aktuelle_Entwicklungslinien_im_Terrorismus>, 15.03.2006.

[29] Vgl. „Statisktik Terrorismus“, Online-Dokument<http://www.stern.de/politik/ausland/:Muster-Terrorismus-USA-Terror-Statistik/539703.html>, 12.05.2006.

[30] Vgl. „Statistiken 2005“, Online-Dokument< http://www.heise.de/tp/r4/artikel/22/22517/1.html>, 20.05.2006.

[31] Tourismusdefinition der Welt Tourism Organisation (WTO).

[32] Vgl. „WTO-Facts and Figures“, Online-Dokument < http://www.world-tourism.org/facts/menu.html>, 11.06.2006.

[33] Vgl. „WTO-Facts and Figures” , Online-Dokument<www.world-tourism.org>, 10.06.2006.

[34] Vgl. „WTO-Facts and Figures“, Online-Dokument < http://www.world-tourism.org/facts/menu.html>, 11.06.2006.

[35] Vgl. „Wachstumsraten des Tourismus“, Online-Dokument< http://www.btw.de/unterseiten/aktuelles/itb_2002_kaub.html>, 25.05.2006.

[36] Vgl. „Wachstumsraten des Tourismus“, Online-Dokument< http://www.btw.de/unterseiten/aktuelles/itb_2002_kaub.html>, 25.05.2006.

[37] Vgl. „WTO-Facts and Figures” , Online-Dokument<www.world-tourism.org>, 10.06.2006.

[38] Geschäfts- und Urlaubsreisen, sowie sonstige Privatreisen (z.B. Besuche).

[39] Vgl. „Tourismus“, Online-Dokument< http://de.wikipedia.org/wiki/Tourismus>, 10.06.2006.

[40] Vgl. „WTO-Facts and Figures” , Online-Dokument<www.world-tourism.org>, 10.06.2006.

[41] Vgl. „Tourismus im Umbruch, GCI Hering Schuppener, consellgruppe “, Online-Dokument<http://www.heringschuppener.com/hsu/de/t_studie_02.pdf>, 22.05.2006.

[42] Vgl. Troeger-Weiß, G. (2003): „Wenn einer eine Reise macht…“, Neue Tourismustrends in Deutschland am Beispiel der Fremdenverkehrssegmente Kletter- und Städtetourismus, in: Arbeitspapiere zur Regionalentwicklung 3, S. 13-21, im Folgenden zitiert: Troeger-Weiß.

[43] Vgl. Troeger-Weiß, S. 13-21.

Ende der Leseprobe aus 93 Seiten

Details

Titel
Interdependenzen zwischen internationalem Terrorismus und Tourismus
Hochschule
Euro-Business-College Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
93
Katalognummer
V72249
ISBN (eBook)
9783638618960
Dateigröße
950 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interdependenzen, Terrorismus, Tourismus
Arbeit zitieren
Stephanie Koch (Autor), 2006, Interdependenzen zwischen internationalem Terrorismus und Tourismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72249

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