Texte, Texttypen, Textsorten


Hausarbeit, 2001

16 Seiten, Note: Note 1-


Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Der Textbegriff und seine Charakteristika
II.1. Fiktionale und nicht- fiktionale Texte

III. Texttypen

IV. Textsorten

V. Schlussbemerkung

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

´Textlinguistik´, so wird die Teildisziplin genannt, die sich mit den Struktureigenschaften des Textes befasst. Dieser Begriff taucht erst seit etwa Mitte der 60er Jahre auf, was bedeutet, dass die Beschäftigung mit Texten relativ neu ist. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Text als solcher im Rahmen der Sprachwissenschaft eher eine Randerscheinung. Mit dem Text als sprachlicher Erscheinungsform im Mittelpunkt setzt sich die Textlinguistik deutlich ab von der systematischen Linguistik, in deren Zentrum der Satz steht. Die Textlinguisten rechtfertigen ihre Schwerpunkt - Setzung mit der Beobachtung, dass sich sowohl die semantischen als auch syntaktischen Funktionen bestimmter grammatischer Phänomene (wie z.B. der Pronomina und der deiktischen Ausdrücke) erst genau bestimmen lassen, wenn man sie satzübergreifend, also auf der Textebene, betrachtet.

Einerseits stellt die Textlinguistik eine sprachwissenschaftliche Disziplin dar, die sich mit der Abgrenzung und Klassifizierung von Texten beschäftigt, fragt also danach, wie sich linguistisch die Größe „Text“ genau bestimmen lässt und welche verschiedenen Typen von Texten es gibt. Anderseits wird durch sie der Bau und die Struktur von Texten untersucht, d.h. sie geht der Frage nach, welche sprachlichen Bauelemente Texte konstituieren, wie die einzelnen Elemente (Sätze, Textabschnitte) systematisch zusammenhängen und wie sie zu Texten verbunden werden.[1]

Textlinguistik ist heute mehr als nur bestimmte sprachwissenschaftliche Teildisziplin. Wann immer nach dem Sprachgebrauch, seiner Bedeutung für menschliches Handeln und soziales Miteinander gefragt wird, geht es um Texte. Texten kommt in allen Gesellschaften und Gruppen eine Schlüsselfunktion zu; sie sind ein zentraler Bestandteil dessen, was man „Kultur“ bzw. „Ideologie“ nennt. Soziale Ordnung und historischer Wandel in Politik und Wirtschaft, Recht und Religion, Wissenschaft und Technik, Literatur und Alltag beruhen wesentlich auf Texten. Je flexibler soziale Strukturen werden, um so mehr hängt von den Fähigkeiten der Kommunizierenden ab, stilistische Wahlen zu treffen und rhetorisch zu überzeugen. Je komplexer und globaler die Kommunikation, umso gefragter sind Textexperten als Wissens- und Kulturvermittler.

Die vorliegenden Ausführungen befassen sich hauptsächlich mit den Grundbegriffen: Text, Texttyp und Textsorte. Die Hauptfrage könnte lauten: haben diese Elemente erkennbare Auswirkung auf das Lesen ?

II. Der Textbegriff und seine Charakteristika

Wie eingangs schon erwähnt, ist das Phänomen „Text“ hauptsächlicher Untersuchungsgegenstand der Textlinguistik. Dieser Begriff wird in verschiedenen Wissenschaften verwendet, so z. B. in der Literaturwissenschaft, in der Linguistik und einigen Nachbardisziplinen der Linguistik, die von ihm einen mehr oder weniger expliziten Gebrauch machen. Außerdem spielt er in einigen Wissenschaften und wissenschaftlichen Teildisziplinen eine Rolle, die ihn nicht direkt reflektieren[2] (z.B. die Beweistheorie innerhalb der Mathematik: ein Beweis ist sicher in einem gewissen Sinne ein „Text“. Er wird jedoch in der Mathematik nicht direkt reflektiert[3]).

Es gibt derzeit keine allgemein verbindliche Definition des Begriffes. Das lateinische Wort textus ist vom Verb textere abgeleitet und bedeutet „Gewebe, Geflecht“. In der textlinguistischen Literatur wird allgemein davon ausgegangen, dass ein textuelles Gebilde mündlich oder schriftlich vorliegen kann. Nach Werlich kommen u.a. auch -bzw. überwiegend- Texte zustande, wenn ein Sprecher durch nicht–sprachliches oder sprachliches Handeln in Interaktion zu einem Hörer tritt.[4] D.h. wenn wir sprechen oder schreiben, um jemandem etwas mitzuteilen, produzieren wir Texte. Die Elemente, über die in Texten gesprochen wird, sind Personen, Objekte und Sachverhalte der Wirklichkeit. Den Bezug, der aus dem Text heraus auf diese Elemente hergestellt wird, nennt man Referenz.[5]

Sowohl in gesprochenen als auch in geschriebenen Äußerungen existieren:

a) textliche Äußerungen (kurz: Texte) – diese Äußerungen sind durch die Kohärenz (Zusammenhalt), also „die für den Textzusammenhang relevanten syntaktisch-semantischen Beziehungen zwischen aufeinanderfolgenden Sätzen eines Textes“[6] und Geschlossenheit gekennzeichnet;
b) nicht - textliche Äußerungen – das sind hingegen Äußerungen, die inkohärent und unvollständig sind, die also durch Beliebigkeit in der Abfolge sprachlicher Einheiten (hier: Sätze) in einer zeitlichen und/oder räumlichen Ausdehnung gekennzeichnet sind. Hierzu gehören vor allem aus Gesprächsfetzen zusammengesetzte mündliche Äußerungen, die in einer Situation mit einer Vielzahl von Sprechern und ständig wechselnder Geräuschüberlagerung (Hotelempfang, besetztes Cafe, Imbißraum etc.) an das Ohr eines einzelnen Hörers dringen.[7]. Im Gegensatz zu Texten haben diese Äußerungen sehr begrenzte kommunikative Wirkungen (z.B. Vermittlung von Stimmungen, Auslösung von Gefühlen).[8]

Intuitiv kann man unter einem Text als alltäglich erfahrbarer Gegebenheit eine Folge von Sätzen/Äußerungen verstehen, die thematisch und in ihren Bedeutungen sinnvoll zusammenhängen und einen erkennbaren Anfang und ein Ende haben. Man möchte an einem solchen Text eine kommunikative Funktion erkennen, und man will ihn einer bestimmten Sorte bzw. einem Typ von Text zuordnen können.

Brinker definiert Text folgendermaßen: „Der Terminus „Text“ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert.“[9]

Den Texten werden mit dieser Definition verschiedene Eigenschaften zuerkannt, die auf unterschiedlichen Beschreibungsebenen angesiedelt sind. Wenn Brinker Texte als begrenzte Zeichenfolgen beschreibt, verweist er damit „auf die sogenannten Textbegrenzungssignale“. Diese kennzeichnen „die Zeichen bzw. Satzfolgen“, die der Schreiber „als Texte verstanden wissen will“.[10] Sie bestehen aus der Anrede z.B. Sehr geehrte Damen und Herren und aus dem Postskript, das am Ende eines Briefes steht. Unter Kohärenz versteht Brinker nicht nur die inhaltliche, sondern auch die grammatische Organisation eines Textes, die etwa durch Wiederaufnahmestrukturen, aber auch durch Konjunktionen und Adverbien geleistet wird.[11]

II.1. Fiktionale und nicht- fiktionale Texte

Durch die Einbeziehung linguistischer Verfahren und Methoden hat sich bei der Einleitung von Texten eine grobe Zweiteilung durchgesetzt. Egon Werlich teilt in seiner Texttypologie[12] alle Textvorkommen grundsätzlich in eine von zwei großen Textgruppen ein: Der Gruppe der fiktionalen oder der der nicht- fiktionalen Texte.

Fiktionen entstehen immer dann, wenn etwas gewußt Nichtwirkliches als wirklich angesehen und gebraucht wird: Gegenstände und/ oder deren Eigenschaften, Sachverhalte, aber auch Rollen der Beteiligten und/ oder Situationsgegebenheiten. Fiktionen sind Formulierungen (`Codierungen`) von Äußerungen, die unter diesen Bedingungen der Umdeutung oder der freien Erfindung eines oder mehrerer Bereiche hervorgebracht oder zumal als solche „gebraucht“ werden.[13]

Nicht-fiktional dagegen sind Schriften und Lesesituationen, bei denen nach Auffassung der lesenden Personen :

a) Schreibweise und zugewiesene Textsorte verträglich sind mit wahrheitsfähigen und ernsthaften Äußerungsformen
b) der Text sich auf Wirkliches bezieht und
c) der Schreiber zurechnungsfähig ist und „als er selbst“ spricht, also sich mit „ich“ auf sich selbst bezieht.[14]

Der Hauptunterschied zwischen fiktionalem und nicht-fiktionalem Text ist die Situationsabstraktheit des fiktionalen im Gegensatz zur kontextunabhängigen Referenz des nicht-fiktionalen Textes.[15] In fiktionalen Texten steht der Situationsbezug zur Kohärenzsicherung nicht zur Verfügung, also muss ihre innere Verflechtung sehr viel dichter sein als in vielen Fällen nicht- fiktionaler Texte. Der Aufbau der fiktiven Situation erfordert ganz andere Arten der Referenz als die konkrete Situationsgrundlage des nicht-fiktionalen Textes: Ausführliche Beschreibungen versus Referenz durch bloße Namensnennung.[16] Die fiktive Situation (es findet keine Einbettung in die einmalige Kommunikationssituation zwischen Sprecher und Hörer statt[17]) im Verlaufe des Textes wird erst geschaffen; durch textinterne Referenzen wird auf sie Bezug genommen. Erweist sich ein Element eines Textes in dieser Weise als fiktional, so ist zumeist der ganze Text als fiktional zu betrachten (wie z.B. in Historiendramen). Für diese Entwicklung der Referenzgrundlage im Verlaufe des Textes wird Kohärenz in viel höherem Maße als im nicht-fiktionalen Text vorausgesetzt.

Der nicht-fiktionale Text (etwa ein Sachtext, z.B. ein Artikel über die Stahlregionen Europas in einem Erkundebuch), bildet eine bestimmte auf die Wirklichkeit bezogene Situation ab. Die geschilderte Situation existiert unabhängig vom Geschrieben- bzw. Gelesen - Werden des Textes, vom Verfasser des Artikels und von dessen potentiellem Leser. So findet der Autounfall auf einer Landstraße unabhängig davon statt, ob später in einem Zeitungsartikel oder einem Radiobeitrag darüber berichtet wird.[18]

Bei den fiktionalen Texten ist es ganz anders - auch wenn Wirklichkeitsausschnitte existieren. Die Wirklichkeit der fiktionalen Texte wird erst im Zusammenspiel zwischen Autor, Text und Rezipient erschaffen, der die Leer- und Unbestimmtheitsstellen mit seiner Phantasie ausfüllt. Der Autor eines fiktionalen Textes bedient sich zudem größtenteils einer Vermittlungsinstanz (in epischen Texten ist das der Erzähler, in lyrischen Texten der Sprecher, in dramatischen Texten sind es die Figuren), die mit dem Autor selbst nicht identisch ist und Positionen vertreten kann, die nicht die des Autors sein müssen.[19]

[...]


[1] LINKE, A./NUSSBAUMER/PORTMANN: Studienbuch Linguistik, S. 212.

[2] ISENBERG, Horst: der Begriff Text in der Sprachtheorie, S. 1.

[3] ISENBERG, Horst: der Begriff Text in der Sprachtheorie, S. 19.

[4] WERLICH, Egon: Typologie der Texte, S. 13.

[5] BEISBART, O. /DOBNIG- JÜLCH, E. /HANS-WERNER, E./Koß, G.: Textlinguistik und ihre Didaktik, S.21. 6 BRINKER, Klaus: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden, S. 21.

[7] WERLICH, Egon: Typologie der Texte, S. 15ff.

[8] WERLICH, Egon: Typologie der Texte, S. 18.

[9] BRINKER, Klaus: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden, S. 17.

[10] BRINKER, Klaus: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden, S. 19.

[11] BRINKER, Klaus: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden, S. 42.

[12] WERLICH, Egon: Typologie der Texte, S. 19.

[13] BRACKERT, H.; STÜCKRATH, J. : Literaturwissenschaft. Ein Grundkurs, S.498.

[14] BRACKERT, H.; STÜCKRATH, J. : Literaturwissenschaft. Ein Grundkurs, S.496.

[15] WERLICH, Egon: Typologie der Texte, S. 21

[16] WERLICH, Egon: Typologie der Texte, S. 22.

[17] WERLICH, Egon: Typologie der Texte, S. 21.

[18] MATZKOWSKI, Bernd: Wie interpretiere ich ?, S. 24.

[19] MATZKOWSKI, Bernd: Wie interpretiere ich ?, S. 108

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Texte, Texttypen, Textsorten
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
Note 1-
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V72250
ISBN (eBook)
9783638722599
ISBN (Buch)
9783638769433
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Texte, Texttypen, Textsorten
Arbeit zitieren
Magdalena Palarz (Autor), 2001, Texte, Texttypen, Textsorten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72250

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