Die Idee eines mehr-kulturellen Staates Kanadas steht der eines melting pot, wie es in den USA praktiziert wird, entschieden entgegen. In Kanada herrscht die Prämisse, ein ethnisches Mosaik zu erschaffen, in dem jede Kultur einem Steinchen gleicht. Zusammengenommen soll dies ein buntes Gesamtbild ergeben, in dem jede Herkunft ihre spezifische Form und Farbe erhalten kann.
Dieses Mosaik diverser Kulturen und ethnischer Vielfalt, die historische Entwicklung dorthin sowie die aktuelle bildungspolitische Situation vor der Leitfrage "Inwiefern berücksichtigt das kanadische Bildungssystem die Staatsideologie des Multikulturalismus?" ist Gegenstand der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Begriffsklärung: Multikulturalismus vs. Interkulturalismus
3 Historie der Einwanderung in Kanada und die heutige Situation
4 Multikulturalität als politisches Ziel
5 Das kanadische Bildungssystem
6 Interkulturelle Integration im kanadischen Bildungswesen
6.1 Sprachprogramme
6.2 Aboriginal Programme
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der staatlichen Multikulturalismus-Ideologie auf das kanadische Bildungssystem, um zu analysieren, inwiefern interkulturelle Aspekte in Bildungsangebote integriert werden und wie diese zur sozialen Partizipation und Integration beitragen.
- Historische Entwicklung der Einwanderung in Kanada
- Differenzierung zwischen Multikulturalismus und Interkulturalismus
- Die kanadische Staatsideologie des Multikulturalismus
- Strukturen und Herausforderungen im Bildungssystem
- Integrationsmaßnahmen für Migranten und Aboriginals
Auszug aus dem Buch
4 Multikulturalität als politisches Ziel
Der Multikulturalismus als politisches Ziel in Kanada entstand in den 1960er Jahren, in denen die beiden Gründungsnationen, Franko- und Anglokanadier, eine Debatte um den vorherrschenden Bi- Kulturalismus im Land führten. Dazu wurde 1963 die Royal Commission on Bilingualism and Biculturalism (B&B Commission) von dem damals amtierenden Premierminister Lester Pearson gegründet. Diese sollte sich damit auseinander setzen, wie man in Kanada eine vereinte Nation auf der Basis einer gleichwertigen Partnerschaft von Briten und Franzosen entwickeln könne. In diesen Diskurs mischten sich ironischerweise die ethnischen Minderheiten des Landes ein, somit entwickelte sich aus der Debatte um einen bi- kulturellen Staat eine multi- kulturelle Diskussion.
1971 wurde der Multikulturalismus schließlich von Premierminister Pierre Trudeau als staatlich geförderte Politik aufgenommen und als Staatsideologie ausgerufen. Diese Politik des Multikulturalismus sollte in einem zweisprachigen Rahmen stattfinden. Trudeau erklärte am 8. Oktober 1971, „Canada is a bi lingual but multicultural country.“
Diese Idee eines mehr- kulturellen Staates steht der eines „melting pot“, wie es in den USA praktiziert wird, entschieden entgegen. In Kanada ist die Prämisse, ein ethnisches Mosaik zu erschaffen, in dem jede Kultur einem Steinchen gleicht. Zusammengenommen soll dies ein buntes Gesamtbild ergeben, in dem jede Herkunft ihre spezifische Farbe und Form erhalten kann. Im Gegensatz dazu steht der „melting pot“, in dem alle kulturellen Eigenarten zu einem Ganzen, dem dominanten US- amerikanischen Leitbild, zusammengeschmolzen werden.
Das Ziel der Multikulturalitäts- Politik ist, dass alle Kulturen unterstützt, gefördert, gepflegt und bewahrt werden. Die Integration soll erleichtert und Barrieren überwunden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung erläutert die persönliche Motivation der Autorin und benennt die Leitfrage zur Berücksichtigung der Staatsideologie des Multikulturalismus im Bildungswesen.
2 Begriffsklärung: Multikulturalismus vs. Interkulturalismus: Dieses Kapitel definiert und differenziert die zentralen Begriffe und betont die Bedeutung von Kommunikation und Reflexion bei kulturellen Differenzen.
3 Historie der Einwanderung in Kanada und die heutige Situation: Es wird die historische Einwanderungsentwicklung betrachtet, unterteilt in vier Hauptgruppen, die Kanada zu einem ethnischen Mosaik geformt haben.
4 Multikulturalität als politisches Ziel: Das Kapitel beschreibt den politischen Prozess, der 1971 zur Ausrufung des Multikulturalismus als Staatsideologie und zum Multiculturalism Act von 1988 führte.
5 Das kanadische Bildungssystem: Hier werden die organisatorischen Strukturen des öffentlichen und privaten Schulwesens sowie die Rolle der Provinzen und Territorien dargestellt.
6 Interkulturelle Integration im kanadischen Bildungswesen: Das Kapitel analysiert konkrete Maßnahmen zur Integration durch Bildung, wobei der Fokus auf sprachlicher Förderung und der Unterstützung indigener Bevölkerungsgruppen liegt.
6.1 Sprachprogramme: Dieser Abschnitt behandelt die Bedeutung des Erwerbs der Landessprachen für die soziale und berufliche Integration von Einwanderern.
6.2 Aboriginal Programme: Hier wird die bildungspolitische Priorisierung für die First Nations und die Bekämpfung von Bildungsdefiziten innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe thematisiert.
7 Schlussbetrachtung: Die Autorin resümiert, dass trotz des staatlichen Engagements das Ziel eines „Kanada für alle“ durch die Notwendigkeit kontinuierlicher Bildungsarbeit weiterhin eine Herausforderung bleibt.
Schlüsselwörter
Kanada, Multikulturalismus, Interkulturalität, Bildungssystem, Einwanderung, Integration, Sprachprogramme, Aboriginals, First Nations, ethnische Vielfalt, Staatsideologie, Partizipation, Bildungsarbeit, Migration, kulturelle Differenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem kanadischen Staat und untersucht, wie das dortige Bildungssystem die offizielle Staatsideologie des Multikulturalismus in die Praxis umsetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der kanadischen Einwanderung, die begriffliche Abgrenzung von Multikulturalismus und Interkulturalität sowie die Analyse spezifischer Bildungsprogramme für Zuwanderer und indigene Gruppen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt die Leitfrage, inwiefern das kanadische Bildungssystem die Staatsideologie des Multikulturalismus in seiner inhaltlichen Ausrichtung berücksichtigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen theoretischen Rückblick auf die historische und politische Entwicklung Kanadas in Kombination mit der Analyse aktueller bildungspolitischer Programme und Initiativen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der zentralen Konzepte, die historische Einordnung der Bevölkerungsgruppen, die Darstellung der Strukturen des Bildungssystems sowie detaillierte Einblicke in Sprachförderprogramme und Bildungsinitiativen für die First Nations.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Multikulturalismus, Bildungssystem, ethnische Vielfalt, Integration, Interkulturalität, Sprachprogramme und Aboriginals.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen „Multikulturalismus“ und „Interkulturalität“ eine so große Rolle?
Die Autorin hebt hervor, dass „Multikulturalität“ die gesellschaftliche Situation der Vielfalt beschreibt, während „Interkulturalität“ die aktive pädagogische Bemühung zur Vermittlung zwischen den verschiedenen Kulturen bezeichnet.
Welche Bedeutung haben die Aboriginal-Programme?
Diese Programme sind von entscheidender Bedeutung, da sie auf die hohen Bildungsabbrecherquoten und die soziale Marginalisierung der First Nations reagieren, um durch gezielte Bildungsförderung deren Partizipation an der Gesellschaft zu ermöglichen.
- Quote paper
- Julia Bremer (Author), 2006, Der Multikulturalismus im kanadischen Bildungssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72254