Warum übernahm der junge König Ludwig XIV. von Frankreich 1661 die Selbstregierung


Hausarbeit, 2004
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. „Dieudonné“ – das Gottesgeschenk

3. Die Situation in Frankreich während der Kindheit und Jugend Ludwigs XIV

4. Wichtige Personen im Umfeld des jungen Königs
4.1. Anna von Österreich
4.2. Kardinal Mazarin
4.3. Ludwig XIII

5. Ludwigs Weg in die Selbstregierung

6. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Wenn man von der „Zeit des Sonnenkönigs“ spricht, verbinden die meisten Menschen noch heute eine glanzvolle und sehr prägende Epoche für Frankreich mit ihr. Obwohl der „Sonnenkönig“, Ludwig XIV. König von Frankreich, und seine Regentschaft nicht unumstritten sind, überwiegen meist die positiven Erinnerungen an den letzten politischen und kulturellen Höhepunkt Frankreichs vor dem Ende des „ancien régime“. Dadurch wird, wenn man an die Regierungszeit Ludwigs denkt, vor dem Hintergrund von Versailles und seinem opulenten Hofleben, oft genug das einfache Volk vergessen, dass vor allem unter der verschwenderischen Prunksucht und den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen ihres Königs zu leiden hatte. Schließlich war es dieser Bevölkerungsteil, der die Hauptsteuerlast und damit die Kosten für die „Abenteuer“ ihres Königs trug.

Nichtsdestotrotz gilt er als der Prototyp des absolutistischen Herrschers, und schon zu seinen Lebzeiten wurde dem Beispiel seiner Regierung nachgeeifert.

Doch welche Gründe führten letztendlich dazu, dass der junge König die bisherigen Führungseliten, den Klerus und vor allen den Adel, faktisch entmachtete und alle Regierungsgewalt in seiner Person vereinigte? Warum brach der junge Regent mit der französischen Tradition und ernannte nach dem Tode Kardinal Mazarins keinen weiteren Premierminister mehr?[1] Wie wurde Ludwig XIV. zu dem absolutistischen Herrscher schlechthin?

In der folgenden Arbeit soll versucht werden diesen Fragen auf den Grund zu gehen, indem ein besonderes Augenmerk auf die Kindheit und Jugend Ludwigs gelenkt wird. Angefangen bei den glücklichen Umständen seiner Geburt, über die traumatischen Erlebnisse während der Fronde, bis hin zur Übernahme der Selbstregierung im Jahre 1661 und den besonderen Beziehungen, die er mit den wichtigsten Personen in seiner Kindheit und Jungen unterhielt.

2. „Dieudonné“ – das Gottesgeschenk

Als Ludwig am Sonntag den 5. September 1638 um 11.22 Uhr in Saint-Germain-en-Laye geboren wird, erscheint es den meisten Franzosen fast wie ein Wunder, dass nun doch noch ein langersehnter Thronfolger gesund das Licht der Welt erblickt hat. Nach 20jähriger kinderloser Ehe des französischen Königspaars, hatte niemand mehr so recht an einen Thronfolger glauben wollen.

Auch da seine Eltern, Ludwig XIII. König von Frankreich und Anna von Österreich, zum Zeitpunkt der Geburt beide bereits 37 Jahre und somit nach damaligen Maßstäben, alte Menschen waren.

Und selbst um Ludwigs Zeugung, die in einer schicksalhaften Nacht im Dezember 1637 stattgefunden haben soll, ranken sich Gerüchte. Der König, dem in manchen Quellen homophile Neigungen nachgesagt werden, musste wegen eines Unwetters im Louvre nächtigen. Dort hatte sich bereits seine Frau für den Winter eingerichtet und da die Schlösser nur während der Anwesenheit der Herrschaften möbliert und beheizt wurden, musste Ludwig XIII. in den Gemächern seiner Gattin übernachten. Dies führte wohl 9 Monate später, zu der Geburt des neuen Dauphin.[2]

Schon bei der öffentlichen Niederkunft Annas von Österreich steht der kleine Thronfolger unter Beobachtung des gesamten Hofstaats[3] und seine ersten königlichen Pflichten beginnen bereits am Tag seiner Geburt.[4] Allerdings konnte Ludwig bis zum Erreichen seines „âge de raison“ (Alter der Vernunft), wohlbehütet unter lauter Frauen und mit der besonderen Fürsorge seiner Mutter aufwachsen, bevor sie seine Erziehung 1646 in die Hände von Kardinal Mazarin legte. Dieser führte den jungen König zielstrebig aber behutsam an seine späteren Aufgaben heran.[5] Mazarin lenkte wohl weniger sein Augenmerk auf die humanistische Ausbildung seines Schützlings, als vor allem auf die Aufgaben die sich dem jungen König in der späteren Praxis seiner Regierungsgeschäfte stellen würden. So wurden vor allem Ludwigs Fähigkeiten als Staatsmann von Mazarin gefordert und gefördert. Dies führte wohl auch dazu, dass sich Ludwig am Ende seines Lebens über die Qualität seines ‚Lateinunterrichts’ beschwerte.[6] Im Allgemeinen wird dem „Sonnenkönig“ ein nicht gerade intellektueller Geist unterstellt und so schreibt Saint-Simon in seinen Memoiren über den König sogar: „Seine Geistesgaben waren unterdurchschnittlich, aber er besaß die Gabe, sich zu bilden, sich zu vervollkommnen und anderen etwas abzugucken, ohne sie nachzuahmen.“[7]

Ludwigs Ausbildung wurde jedoch jäh unterbrochen, als sich die politischen Verhältnisse in Frankreich dramatisch verschlimmerten.

3. Die Situation in Frankreich während der Kindheit und Jugend Ludwigs XIV.

Für den Ausbruch der beiden Fronde (1648-1653), der sogenannten Parlaments- und der Prinzenfronde, gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen herrschte in der Führungselite des Landes ein großer Unmut darüber, dass an der Spitze des Staates mit Anna von Österreich und Kardinal Mazarin zwei Ausländer standen, die Frankreich regierten und die Politik einer zunehmenden Konzentrierung der Zentralregierung zu ungunsten des Adels immer weiter fortführten. Auch schoben sich soziale Spannungen zwischen dem Amtsadel (noblesse de robe) und dem sogenannten Geburtsadel (gentilshommes) weiter in den Vordergrund. Zusätzlich hatte die Verwicklung Frankreichs in den 30jährigen Krieg das Land in schwere finanzielle Probleme gestürzt. Der eigentliche Anstoß für den Beginn der Fronde, auf deren Verlauf ich hier nicht näher eingehen werde, waren dann schließlich steuerliche Maßnahmen Mazarins, die oberste Gerichtshöfe und Provinzparlamente betrafen. Diese Maßnahmen setzten den unheimlichen Mechanismus in Gang, der schließlich in einem Bürgerkrieg mündete.

Ludwig war zu diesem Zeitpunkt erst 10 Jahre alt und was er während dieser 5 Jahre der Fronde erlebte brannte sich tief in sein Gedächtnis ein. Da war zum einen die Flucht aus Paris in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1649, als der gesamte Hofstaat Hals über Kopf nach Saint-Germain-en –Laye fliehen musste und man dort nur unzureichend auf die plötzliche Ankunft der Königsfamilie vorbereitet war. In dieser Zeit lernte der junge „Sonnenkönig“ Hunger und Angst kennen. Besonders als er zusammen mit seiner Mutter im Palais-Royal vom 9. auf den 10. Februar 1651 von der aufgebrachten Pariser Bevölkerung faktisch gefangengesetzt wurde. Er hatte zu ertragen, dass der Pariser Mob, bis in seine privatesten Gemächer vordringen konnte. Dies ging nicht spurlos an dem jungen Regenten vorbei. Im weiteren Verlauf der Fronde musste Ludwig außerdem miterleben, wie seine Mutter gezwungen wurde, ihren engsten Berater und seinen väterlichen Freund Mazarin ins Exil zu schicken. Auch der Verrat engster Verwandter und so manches Adeligen oder Offiziers, müssen dem jungen Ludwig XIV. das Vertrauen in diese Führungselite geraubt haben.

[...]


[1] Schwesig, Bernd-Rüdiger: Ludwig XIV., Reinbek bei Hamburg5 2001, S.29

[2] www.net-lexikon.de/Anna-von-Oesterreich.html aufgerufen am 26.05.2004

[3] www.ndrkultur.de/ndrkultur_pages-stdep/0,2515,OID318318_REF202,00.html aufgerufen am 26.05.2004

[4] Malettke, Klaus: Ludwig XIV. von Frankreich. Leben, Politik und Leistung, Göttingen1 1994, S. 40

[5] Malettke, Klaus: Ludwig XIV. von Frankreich. Leben, Politik und Leistung, Göttingen1 1994, S. 43f

[6] Schwesig, Bernd-Rüdiger: Ludwig XIV., Reinbek bei Hamburg5 2001, S.18f

[7] von Massenbach, Sigrid (Hrsg.): Die Memoiren des Herzogs von Saint-Simon, Bd. 3: 1710-1715, Frankfurt am Main u. a. 1979, S. 262

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Warum übernahm der junge König Ludwig XIV. von Frankreich 1661 die Selbstregierung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Die Regierungszeit Ludwigs XIV.
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
13
Katalognummer
V72272
ISBN (eBook)
9783638621571
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Warum, König, Ludwig, Frankreich, Selbstregierung, Regierungszeit, Ludwigs
Arbeit zitieren
Jasmin Gally (Autor), 2004, Warum übernahm der junge König Ludwig XIV. von Frankreich 1661 die Selbstregierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72272

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