Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Social Work

Die Eugenik bei der Pränataldiagnostik und der Präimplantationsdiagnostik

Title: Die Eugenik bei der Pränataldiagnostik und der Präimplantationsdiagnostik

Diploma Thesis , 2005 , 131 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Diplom-Pädagogin Katrin Lange (Author)

Social Work
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Ziel dieser Arbeit ist die Ergründung der Frage, was neu an der „neuen“ Eugenik ist. Im Mittelpunkt stehen zwei Verfahren der neuen Reproduktionstechnologien: die Pränataldiagnostik (PND) und die Präimplantationsdiagnostik (PID). Untersucht wird dabei, ob die angewandten Methoden der Medizin als eugenisch bestimmbar sind.

Die PND beinhaltet alle Vorgänge der vorgeburtlichen Untersuchungen, die der Erkennung von Krankheiten und Behinderungen des Fötus im Mutterleib dienen. Welche Erwartungen die InanspruchnehmerInnen pränataldiagnostischer Maßnahmen verfolgen, wird u. a. durch die kritische Beleuchtung eines Schwangerschaftsratgebers dokumentiert, der die Untersuchungen offensichtlich als Beruhigungsmaßnahme deklariert. Dies entspricht dem Ansinnen vieler NutzerInnen und ist im Kontext der Untersuchungen jedoch nicht leistbar.

Differenzierter Betrachtung bedarf desgleichen die PID. Ein rigoros verallgemeinertes „Ja“ oder „Nein“ ist unerreichbar. Zur Verdeutlichung dieser Komplexität wird das Konzept einer liberalen Eugenik vorgestellt. Diese Konzeption bezeugt, dass es bei den gegenwärtigen Debatten nicht mehr um einen unmoralischen eugenischen Charakter der angebotenen Methoden geht, sondern darum, wie die Leistungen gerecht einsetzbar sind. Da die PID mit einer Auswahl von „guten“ und „schlechten“ Embryonen verbunden ist, ist ein eugenischer Charakter ist für sie de facto verpflichtend.

Deutlich wird, dass den Methoden der PND und der PID eine innere eugenische Logik unterliegt, auf deren Gefahren stets verwiesen und über deren sich ständig erweiternden Aussichten immer wieder neu verhandelt werden sollte. Die Vermutung einer Doppelmoral, da Leben im Mutterleib vernichtet werden kann, die Auswahl in der Petrischale in Deutschland jedoch derzeit noch unzulässig ist, müssen geltend gemacht werden. Argumentationsführend wird eine Einschätzung zum Konformitätsdruck zu einer Inanspruchnahme vorgeburtlicher Untersuchungen absolviert. Daraus wird ein Bogen gespannt, der kennzeichnet, dass zwar die Zugangsvoraussetzungen im Gegensatz zur „alten“ Eugenik verändert sind (Freiwilligkeit/Selbstbestimmung im Gegensatz zu Zwang), deren Wahrheitswert durch die erbrachten Ausführungen jedoch fraglich wird. Anhand der Erläuterungen wird ersichtlich, dass die „neue“ Eugenik im Vergleich zur „alten“ andere, verlagerte Gefahren birgt, die stets der Diskussion bedürfen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Kapitel I – Historischer Teil – Die „alte“ Eugenik und die „neue“ Eugenik

2. Was ist Eugenik?

2.1 Einleitung

2.2 Galtons eugenisches Konzept

2.3 Darwins Evolutionstheorie und der Sozialdarwinismus

2.4 Die These von der Degeneration der Menschheit

2.5 Die Anfänge einer eugenischen Bewegung

2.6 Die Rassenhygiene in Deutschland und die eugenischen Verbrechen im Dritten Reich

2.6.1 Die Sterilisierung Minderwertiger

2.6.2 Die Massenmorde im Namen der Euthanasie

2.7 Zusammenfassung

3. Von der „alten“ Eugenik zur „neuen“ Eugenik

3.1 Einleitung

3.2 Entwicklung von der Eugenik zur Humangenetik

3.2.1 Das eugenische Gedankengut nach 1945

3.2.2 Das CIBA-Symposium als Beispiel unveränderten Gedankenguts nach 1945

3.3 Höhepunkte der humangenetischen Wissenschaft

3.4 Das Konzept einer liberalen Eugenik – „Genetics & Justice“ von Buchanan et al.

3.4.1 Einleitung in das Konzept

3.4.2 Leitgedanken

3.4.3 Wer entscheidet, was perfekt ist?

3.4.3.1 Genetische Beratung

3.4.3.2 Was ist „wrongful life“ oder „wrongful disability”?

3.4.3.3 Was bedeutet Selbstbestimmung im Kontext reproduktiver Freiheit?

3.5 Zusammenfassung

Kapitel II – Vorstellung zweier Verfahren der neuen Reproduktionstechnologien – die Pränataldiagnostik (PND) und die Präimplantationsdiagnostik (PID)

4. Pränatale Diagnostik – eugenische Methoden im HUMANgenetischen Gewand?

4.1 Einleitung

4.2 Geschichte der Pränatalen Diagnostik

4.2.2 Der Tenor der „neuen“ Eugenik

4.2.2.1 Die deutschen Humangenetiker Wendt und Vogel

4.2.2.2 Das Postulat der Selbstbestimmung

4.3 Ziele und Möglichkeiten der Pränataldiagnostik

4.3.1 Der Triple-Test

4.3.2 Die Amniozentese

4.3.3 Die Chorionzottenbiopsie

4.3.4 Diskurs zu einigen Schwangerschaftsratgeber-Dokumenten

4.4 Zielstellungen für die Pränatale Diagnostik nach den Richtlinien der Bundesärztekammer

4.4.1 Erkennung von Störungen der embryonalen und fetalen Entwicklung

4.4.2 Durch Früherkennung von Fehlentwicklungen eine optimale Behandlung der Schwangeren und des (ungeborenen) Kindes zu ermöglichen

4.4.3 Befürchtungen der Schwangeren objektivieren (abbauen)

4.4.4 Schwangeren Hilfe bei der Entscheidung über die Fortsetzung oder den Abbruch der Schwangerschaft zu geben

4.5 Zum Problem statistischer Wahrscheinlichkeiten über komplexes menschliches Leben

4.5.1 Einleitende Gedanken zur Wahrscheinlichkeit

4.5.2 Statistische Wahrscheinlichkeiten innerhalb der Pränatalen Diagnostik

4.6 Die genetische Beratung

4.7 Wissenschaftliche Errungenschaften und die Ausweitung der Pränatalen Diagnostik

4.7.1 Der Paragraph 218a

4.7.2 Das Kind als Schaden

4.8 Fazit

5. Präimplantationsdiagnostik – Vorgelagerte Pränataldiagnostik oder optimierte Variante der medizinischen Schwangerschaftsvorsorge?

5.1 Einleitende Gedanken zur Präimplantationsdiagnostik

5.2 Das Verfahren der Präimplantationsdiagnostik

5.3 Die Rechtslage in Deutschland

5.3.1 Der moralische Status des Embryos

5.3.2 Des Kindes Rechte

5.4 Fazit

KAPITEL III – Was ist neu an der „neuen“ Eugenik?

6. PND und PID – Methoden einer „neuen“ Eugenik?

6.1 Kritische Analyse der Zielstellungen innerhalb der Pränatalen Diagnostik hinsichtlich der eugenischen Bestimmung

6.1.1 Selektion durch Schwangerschaftsabbruch

6.1.2 Die verschiedenen Varianten der Eugenik

6.1.3 Konformitätsdruck

6.1.4 Fazit

6.2 Kritische Analyse der Präimplantationsdiagnostik hinsichtlich der eugenischen Bestimmung

6.2.1 Das Recht auf ein gesundes Kind

6.2.2 Problemskizze

6.3 Die Eugenik, die uns heute „droht“

7. Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch, was unter dem Begriff der „neuen“ Eugenik zu verstehen ist, insbesondere im Kontext moderner Reproduktionstechnologien wie der Pränataldiagnostik (PND) und der Präimplantationsdiagnostik (PID). Dabei wird hinterfragt, ob die medizinischen Methoden als eugenisch klassifiziert werden können und inwieweit das Postulat der individuellen Selbstbestimmung einen Wandel gegenüber der historisch belasteten „alten“ Eugenik darstellt.

  • Historische Entwicklung von Eugenik und Rassenhygiene
  • Übergang von der staatlich verordneten Zwangseugenik zur sogenannten „freiwilligen“ Individualeugenik
  • Ethische Analyse der pränatalen und präimplantationsdiagnostischen Verfahren
  • Rolle der statistischen Wahrscheinlichkeiten bei medizinischen Diagnosen
  • Konformitätsdruck in der genetischen Beratung

Auszug aus dem Buch

2. Was ist Eugenik?

Die Geschichte der Eugenik reicht bis in die Antike zurück und ergibt ein facettenreiches Bild. Allen Facetten gemeinsam ist die Vorstellung von der Verbesserung der Menschheit anhand ihres genetischen Erbes, wobei „Die Kontrolle der menschlichen Sexualität und die Steuerung der Fortpflanzung … das durchgängige Thema.“ (Weingart/Kroll/Bayertz, 1988, S. 27) ist. Diese Lenkung der menschlichen Fortpflanzung soll anhand bestimmter erwünschter Eigenschaften eine gezielte Auswahl unter den Menschen treffen, die sich fortpflanzen dürfen (vgl. Kevles, 1995, S. 20).

Der Begriff Eugenik ist erst im Jahre 1883 von Francis Galton (1822-1911) geprägt worden, der diesen von dem griechischen Wort eugenes, was soviel wie edelgeboren oder von guten Stamm bedeutet, ableitete (vgl. Schmuhl, 2001, S. 7). Eine der ersten eugenischen Utopien lässt sich in Platons (427/428-347/348 v. Chr.) Staat entdecken.

„Schon bei Platon trifft man auf eine große Zahl der institutionellen Vorkehrungen zur Sicherung einer eugenischen Fortpflanzung, die fortan in allen Utopien zu finden sind und schließlich in die konkreten Vorschläge der Eugeniker eingehen.“ (Weingart/Kroll/Bayertz, 1988, S. 28f.).

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel I – Historischer Teil – Die „alte“ Eugenik und die „neue“ Eugenik: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge der Eugenik bei Francis Galton und Charles Darwin sowie die degenerationsbiologischen Konzepte, die in die nationalsozialistische Rassenhygiene mündeten.

Kapitel II – Vorstellung zweier Verfahren der neuen Reproduktionstechnologien – die Pränataldiagnostik (PND) und die Präimplantationsdiagnostik (PID): Hier werden die technischen Grundlagen, die medizinischen Ziele und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik detailliert analysiert.

Kapitel III – Was ist neu an der „neuen“ Eugenik?: Das letzte Kapitel führt eine kritische Analyse durch, inwieweit die moderne PND und PID eugenische Züge tragen und ob das Argument der Freiwilligkeit und Selbstbestimmung die Praktiken rechtfertigt.

Schlüsselwörter

Eugenik, Rassenhygiene, Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Humangenetik, Selbstbestimmung, Bioethik, Reproduktionstechnologien, genetische Beratung, Selektion, Sozialdarwinismus, Degenerationsthese, medizinische Indikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch, ob und inwiefern moderne medizinische Verfahren wie die PND und PID als „neue“ Form der Eugenik betrachtet werden müssen, nachdem die historisch belastete Eugenik nach 1945 diskreditiert wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Eugenik, die Theorieentwicklung des Sozialdarwinismus, die Entwicklung humangenetischer Verfahren sowie die kritische Auseinandersetzung mit den ethischen Postulaten von Freiwilligkeit und Selbstbestimmung im modernen medizinischen Kontext.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu ergründen, was tatsächlich „neu“ an der heutigen „neuen“ Eugenik ist und ob die Veränderungen in den Zugangsvoraussetzungen (von Zwang zu vermeintlicher Freiwilligkeit) eine inhaltliche Wende markieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer interpretativen Textanalyse wissenschaftlicher Quellen und Dokumente, um die eugenischen Argumentationsmuster historisch und aktuell nachzuzeichnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil setzt sich mit den Verfahren der PND und PID auseinander, analysiert die Rolle statistischer Wahrscheinlichkeiten und untersucht den Konformitätsdruck, dem schwangere Frauen und Paare in der genetischen Beratung ausgesetzt sein können.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Eugenik, Rassenhygiene, Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Selbstbestimmung, Humangenetik und Selektion.

Welche Rolle spielen statistische Wahrscheinlichkeiten in dieser Arbeit?

Die Autorin verdeutlicht, dass statistische Wahrscheinlichkeiten als Grundlage medizinischer Diagnosen oft irreführend wirken, da sie keine individuellen Risiken abzubilden vermögen, jedoch bei Patienten zu massiver Verunsicherung führen können.

Warum wird die „neue“ Eugenik als „schleichend“ bezeichnet?

Der Begriff „schleichende Eugenik“ bezieht sich darauf, dass die heutige eugenische Praxis nicht durch staatlichen Zwang erfolgt, sondern in den Alltag der Gesundheitsvorsorge integriert ist, wodurch der eugenische Charakter hinter den guten Absichten medizinischer Fürsorge verborgen bleibt.

Excerpt out of 131 pages  - scroll top

Details

Title
Die Eugenik bei der Pränataldiagnostik und der Präimplantationsdiagnostik
College
University of Erfurt
Grade
1,3
Author
Diplom-Pädagogin Katrin Lange (Author)
Publication Year
2005
Pages
131
Catalog Number
V72284
ISBN (eBook)
9783638625685
ISBN (Book)
9783638711890
Language
German
Tags
Eugenik Eine Analyse Beispiel Pränataldiagnostik Präimplantationsdiagnostik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom-Pädagogin Katrin Lange (Author), 2005, Die Eugenik bei der Pränataldiagnostik und der Präimplantationsdiagnostik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72284
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  131  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint