Im Mittelpunkt dieser Hausarbeit steht Alan Sillitoes 1959 erschienene Kurzgeschichte "On Saturday Afternoon". Ziel der Arbeit soll es sein, zu zeigen, wie Alan Sillitoes Sozialkritik
in der vorliegenden Kurzgeschichte deutlich gemacht werden kann und auf welchen Hintergrund sie zurückzuführen ist. Relevant dafür sind zunächst einige Daten aus Alan Sillitoes Biographie, wobei hier das Hauptinteresse auf den Stationen liegt, die sich auf sein Leben im englischen Arbeitermilieu beziehen und nachfolgende Kapitel seines Lebens unberücksichtigt bleiben. Anschließend wird ein kurzer Abriß der realen Verhältnisse innerhalb der englischen Arbeiterklasse, wie sie von Historikern für die Jahre der Vor-und Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs dargestellt werden, gegeben. Darauf aufbauend soll in der Folge die Konzentration auf die Frage gerichtet sein, inwieweit sich Parallelen zwischen Sillitoes Leben im englischen Arbeitermilieu und seinem Frühwerk, zu dem auch "On Saturday Afternoon" zählt, ziehen lassen. Im Anschluß daran erfolgt im Hinblick auf "On Saturday Afternoon" die Auseinandersetzung mit dem möglichen Zusammenhang zwischen Arbeitermilieu und Frustration, die zeigen soll, inwieweit das Entstehen von Frustration durch ein Leben in einer von Mißständen geprägten Umgebung vorprogrammiert ist. Darüber hinaus werden die in "On Saturday Afternoon" thematisierten Formen der Frustrationsbewältigung, nämlich Aggression und Suizid, näher beschrieben. Abschließend
erfolgt zudem eine Darstellung einiger formaler Besonderheiten der Kurzgeschichte "On Saturday Afternoon", die Sillitoes Intention zusätzlich Nachdruck verleihen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Alan Sillitoe
II. Das englische Arbeitermilieu als Hintergrund für Silitoes Frühwerk
II.1 Kurzes Portrait der englischen Arbeiterklasse
II.2 Parallelen zwischen Sillitoes Werk und seinem Leben in der Arbeiterklasse
III. On Saturday Afternoon
III.1 Wechselbeziehung zwischen Milieu der Arbeiterklasse und Frustration
III.2 Aggression und Suizid als Formen der Frustationsbewältigung
III.2.1 Aggression
III.2.2 Suizid
IV. Sillitoes Sozialkritik in On Saturday Afternoon
V. Auffällige formale Aspekte
Schlußbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Alan Sillitoes Kurzgeschichte „On Saturday Afternoon“ im Hinblick auf ihre sozialkritischen Aspekte, wobei ein besonderer Fokus auf die Verbindung zwischen dem englischen Arbeitermilieu und individueller Frustration gelegt wird. Die Forschungsfrage widmet sich der Analyse, inwieweit das soziale Umfeld und ökonomische Bedingungen das Verhalten, die psychische Verfassung und die Frustrationsbewältigung der Protagonisten determinieren.
- Biographische Bezüge zwischen Sillitoes Leben und seinem Frühwerk
- Sozioökonomische Lebensumstände der englischen Arbeiterklasse
- Zusammenhang zwischen Arbeitermilieu, Armut und Frustration
- Analyse von Aggression und Suizid als Bewältigungsstrategien
- Formale narrative Aspekte und ihre Wirkung auf die Sozialkritik
Auszug aus dem Buch
III.2.1 Aggression
Aggression beim Menschen wird in der medizinischen Fachliteratur definiert als „körperliches oder verbales Handeln, das mit der Absicht ausgeführt wird, zu verletzen oder zu zerstören. Gewalt ist Aggression in ihrer extremen und sozial nicht akzeptablen Form.“ Durch Aggression wird auf individuellem Niveau normalerweise Feindseligkeit und Wut kanalisiert. Im Fall des Vaters in On Saturday Afternoon kann davon ausgegangen werden, daß er Feindseligkeit und Wut gegenüber seiner sozialen Situation, außerdem gegenüber denen, die als dafür verantwortlich gelten können und vielleicht sogar gegen sich selbst, empfindet.
In der Aggressionsforschung gilt als erwiesen, daß durch das emotionale „Rauslassen“ aggressiver Gefühle, durch ihre Verbalisierung aggressives Verhalten in Form von Gewaltanwendung vermieden werden kann. Der Familienvater in On Saturday Afternoon hat aber vermutlich nie gelernt, sich in dieser Form zu artikulieren oder überhaupt die konkreten Gründe seiner Frustration bewußt zu realisieren, denn es ist davon auszugehen, daß auch er eine ebenso unharmonische Kindheit unter ähnlichen Bedingungen verlebt hat wie jetzt sein eigener Sohn mit ihm als Vater.
So bleibt ihm nur die verbale („dirty word“, „swearing“) oder die körperliche („tipped up a tableful of pots“) Gewalt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, Sillitoes Sozialkritik anhand biographischer Daten und soziologischer Hintergründe in der Kurzgeschichte zu analysieren.
I. Alan Sillitoe: Dieses Kapitel beleuchtet biographische Stationen Sillitoes, insbesondere die prägenden Erfahrungen in einem Nottinghamer Arbeitermilieu während der wirtschaftlichen Depression.
II. Das englische Arbeitermilieu als Hintergrund für Silitoes Frühwerk: Hier werden die realen Lebensumstände der englischen Arbeiterklasse und die Parallelen zu Sillitoes literarischen Motiven dargestellt.
III. On Saturday Afternoon: Der Hauptteil analysiert die kausale Verbindung zwischen prekären Lebensverhältnissen und psychischer Frustration sowie die resultierenden Bewältigungsformen wie Aggression und Suizid.
IV. Sillitoes Sozialkritik in On Saturday Afternoon: Dieses Kapitel bewertet die spezifische Anklage des Autors gegenüber gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, die das Individuum in den sozialen Abstieg treiben.
V. Auffällige formale Aspekte: Die Untersuchung formaler Elemente wie Erzählperspektive und Diskrepanz zwischen erzählendem und erlebendem Ich verdeutlicht die Wirkung der Geschichte auf den Leser.
Schlüsselwörter
Alan Sillitoe, On Saturday Afternoon, Arbeiterklasse, Arbeitermilieu, Sozialkritik, Frustration, Aggression, Suizid, Depression, England, Nottingham, Literaturanalyse, Soziales Elend, Identität, Erzählperspektive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert Alan Sillitoes Kurzgeschichte „On Saturday Afternoon“ und ihre tiefergehende Sozialkritik vor dem Hintergrund der englischen Arbeiterklasse.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Kernbereichen gehören der Einfluss des sozialen Milieus auf das Individuum, die Auswirkungen von Armut und Arbeitslosigkeit sowie psychologische Reaktionen auf andauernde Frustration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Sillitoe die lebensbestimmende Wirkung sozialer Missstände durch Charaktere wie den Vater und den Selbstmörder kritisch hinterfragt und darstellt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt einen biographisch-literaturwissenschaftlichen Ansatz, kombiniert mit historischen Fakten zur englischen Arbeiterklasse und psychologischen Definitionen von Aggression und Depression.
Was steht im Hauptteil der Analyse?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Wechselbeziehung zwischen dem Milieu und der Frustration sowie der formalen narrativen Struktur der Kurzgeschichte.
Welche Schlüsselbegriffe definieren den Text?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sozialkritik, Frustrationsbewältigung, Identitätsentwicklung und Klassenunterschiede im England der Nachkriegszeit.
Warum spielt das Kino für den Protagonisten eine so zentrale Rolle?
Das Kino symbolisiert für den Jungen die einzige Fluchtmöglichkeit aus seiner tristen Realität; der Ausfall dieses Besuchs führt zur schicksalhaften Begegnung mit dem Selbstmordversuch.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Staates?
Sillitoe übt scharfe Kritik am Staat, der den Arbeiter lediglich als Eigentum betrachtet und anstatt Hilfe bei existentieller Not lediglich mit repressiven Sanktionen reagiert.
Welchen Einfluss hat das familiäre Umfeld auf die Entwicklung des Protagonisten?
Die ständige Gewalt und Hoffnungslosigkeit im Elternhaus prägen den Protagonisten zwar, führen ihn jedoch durch das abschreckende Beispiel des Vaters zu einem eigenen, reflektierten Lebenswillen.
- Quote paper
- Susanne Prang (Author), 2000, Sozialkritik in Alan Sillitoes "On Saturday Afternoon", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72323