Angola - Der ewige Krieg


Hausarbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Der Beginn der innerstaatlichen Konflikte
2.1 Die portugiesische Kolonialherrschaft
2.2 Die Bildung der einzelnen Befreiungsbewegungen
2.3 Der Weg in die Unabhängigkeit (1961 – 1974)

3 Angola und die Unabhängigkeit (1974 – 1992)
3.1 Der Anfang der Unabhängigkeit
3.2 Der Stellvertreterkrieg in Angola
3.3 Die Internationalisierung des Krieges in Angola
3.3.1 UNITA
3.3.2 MPLA
3.4 Das Ende des Kalter Krieges

4 Die Volksrepublik Angola - Die Herrschaft der MPLA (1992 – 2002)

5 Die Kriegsfinanzierung – Mit Öl und Diamanten an die Macht
5.1 UNITA
5.2 MPLA

6 Die Situation heute (ab 2002)

7 Fazit

8 Literatur

1 Einleitung

Angola erlebte über 40 Jahre einen nicht enden wollenden Krieg. Das ganze begann mit dem Befreiungskrieg der angolanischen Bevölkerung gegen die Kolonialmacht Portugal in den sechziger Jahren. In den nächsten zwei Jahrzehnten fand ein Stellvertreterkrieg zwischen den verfeindeten Mächten des Kalten Krieges statt. Zu Beginn der neunziger Jahre schien alles ein Ende zu finden, doch brach in der der Mitte des Jahrzehnts der Bürgerkrieg erneut aus. Während der gesamten Kriegsjahre wurde das Geschehen durch die sich rivalisierenden Befreiungsbewegungen geprägt, die sich auch heute noch als Regierung und Opposition gegenübersitzen.

Diese Hausarbeit versucht, sich den periodisch eskalierenden innerstaatlichen Konflikt in Angola, sowie deren mehr oder weniger erfolgreichen Lösungsversuche anzunähern. Im Blickpunkt stehen dabei nicht nur die involvierten Länder; ich werde versuchen, den Konflikt zwischen den beiden Parteien MPLA und UNITA zu fokussieren.

Für den Aufbau erwies sich folgende Gliederung der Arbeit als sinnvoll: Im zweiten Kapitel wird auf die Befreiungsbewegungen und die Entkolonialisierung eingegangen. Das Kapitel drei versucht den Bürgerkrieg nach der Unabhängigkeit Angolas zu erörtern, indem der Stellvertreterkrieg beschrieben werden soll. Wichtiges Augenmerk ist, dass nicht nur interne sondern auch externe Akteure bzw. Einflussnahmen die Kriegsjahre bestimmen. Das Kapitel vier beinhaltet die Jahre 1992 bis 2002. In diesen zehn Jahren erlebte Angola einen schweren Bürgerkrieg, der erst mit dem Tod des UNITA-Anführers Jonas Savimbis sein Ende fand. Da der Krieg in Angola nicht ohne die Erdöl- und Diamantenverkäufe solch ein Ausmaß hätte, widmet sich das fünfte Kapitel diesem Exkurs. Am Ende wird die Hausarbeit mit der heutigen Situation und einem Fazit des Vergangenen abgeschlossen.

Zu betonen ist, dass diese Arbeit nicht versucht, in einzelne Details des Krieges zu gehen. Vielmehr versuche ich, die wichtigsten Eckpunkte und Beteiligten darzustellen, um einen Überblick der gesamten Kriegsjahre in Angola zu erhalten.

2. Der Beginn der innerstaatlichen Konflikte

Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Befreiungskampf der verschiedenen Bewegungen und dem Prozess der Entkolonialisierung. Das Geschehen spielte sich von 1961 bis 1975 ab und kann als typischer Befreiungskrieg und Bürgerkrieg bezeichnet werden.[1] Um die Sachverhalte zu verstehen, muss einführend die Zeit der Kolonialherrschaft und die Entstehung der einzelnen Befreiungsbewegungen dargestellt werden.

2.1 Die portugiesische Kolonialherrschaft

Angola war über 400 Jahre unter portugiesischer Kolonialherrschaft und „weist damit die längste Geschichte als Kolonie eines europäischen Landes in Afrika auf.“[2]

Im Jahre 1482 kam die erste portugiesische Expeditionsflotte an Angolas Küste an. 1575 begann mit der Gründung der Hauptstadt Luanda die portugiesische Kolonisierung. Die typischen negativen Folgen einer Kolonisation sind auch in Angola klar zu erkennen: Im Land hat sich ein „Bruch mit ihren eigenen historischen Traditionen und ihrer sozioökonomische Entwicklungen“[3] vollzogen.

Die portugiesische Kolonialherrschaft in Angola lässt sich in zwei Perioden einteilen. Die erste Periode von 1885 bis 1926 begann mit einer Eroberungsexpedition ins Hinterland Angolas, um zum einen die Bevölkerung unterwürfig zu machen und zum anderen, um den Expeditionsversuchen Deutschlands und Englands zuvorzukommen. In dieser Zeit wurde rigoros versucht, die wirtschaftlichen Interessen Angolas zu Gunsten Portugals zu gestalten.[4]

1923 kam es in Angola zu einer zunehmenden Inflation. Die Gründe waren die hohe Staatsverschuldung, ausgelöst durch die durchgeführte Wirtschaftspolitik von Seiten der Portugiesen. In Portugal selbst war die finanzielle Lage nicht besser, so dass es 1926 zu einem Staatsstreich des Militärs in Lissabon kam.[5]

Hier beginnt die zweite Periode der Kolonialisierung. Seit der Machtübernahme des Militärs herrscht in Angola eine faschistische Diktatur, die ihre Ziele und Intentionen in den Kolonien neu definiert:

„Wir müssen den Schutz der schwächeren Rassen, deren Aufnahme in unsere christliche Zivilisation eine der kühnsten Vorstellungen und eines der gewaltigsten Werke der portugiesischen Zivilisation ist, von Tag zu Tag wirkungsvoller und besser organisieren.“[6]

In diesem Absatz der Rede von 1933 sind klare rassistische und ideologische Grundzüge erkennbar. Die nächsten Jahrzehnte stehen im Zeichen dieser Worte und werden „durch die wirtschaftliche Ausbeutung von Arbeitskräften und Rohstoffen, sowie durch die Vergewaltigung der kulturellen Identität der Völker Angolas geprägt.“[7] Freilich musste sich die angolanische Bevölkerung gegen den Verlust ihrer eigenen Identität und ihrer Freiheit wehren.

2.2 Die Bildung der einzelnen Befreiungsbewegungen

Im vorherigen Absatz zeigte sich, wieso sich ein Kampf der Befreiung aus den Fängen Portugals vollziehen würde, der mit einigen Hindernissen verbunden war: Die Besonderheit ist die Heterogenität innerhalb der Gesellschaft, was anfangs wohl einer der wichtigsten Gründe war, weswegen sich die Bewegungen überhaupt in unterschiedliche Richtungen entwickelten. Die Befreiungsbewegungen sind einzelne nationalistische Lager, die zum Teil noch bis heute das Bild der gesellschaftlichen Splitterung des Landes prägen.

Die Frage, weswegen sich diese verschiedenen nationalen Kräfte in Angola mobilisierten, ist nicht klar zu beantworten. Ein wahrscheinlicher Grund war das Verbot der Ausübung jeglicher Grundfreiheiten. „Die Gruppierungen konnten sich dadurch nur im näheren sozialen Umfeld bilden.“[8] Allerdings ist festzustellen, dass die Ziele der Bewegungen grundlegend gleich waren – sie wollten keine portugiesische Kolonie mehr sein.[9]

1956 gründete sich die „Movimento Popular de Libertação de Angola“ (MPLA), eine marxistische Befreiungsbewehung, in Luanda. Ihre Anhängerschaft bestand aus dem größten Teil der urbanen Bevölkerung.

Neben der MPLA existierte die „Frente Nacionale de Libertação de Angola“ (FLNA), die sich westlich orientierte. Zu ihnen gehörten die einzelnen Stämme im Norden Angolas.

Eine dritte Strömung bildete sich aus Ovimbundo, die in den Gebieten des Zentrums und des Südens von Angola leben. Sie machen circa 40% der angolanischen Bevölkerung aus. Ihr Führer Jonas Savimbi, zuvor Anhänger der FLNA, gründete 1964 eine eigene Bewegung mit dem Namen „Uniâo Nacional para a Independência Total de Angola“ (UNITA), die „ursprünglich anti-amerikanisch und maoistisch geprägt“[10] wurde.

Ich werde in meiner Arbeit nicht tiefer erörtern, wieso kein gemeinsamer Kampf möglich war, und wieso die Zersplitterung bis in die Gegenwart, wie in keiner anderen ehemaligen Kolonie Portugals, zu spüren ist.

2.3 Der Weg in die Unabhängigkeit (1961 – 1974)

Im Jahre 1961 begann in Angola der bewaffnete Befreiungskampf. Diese Phase ist, wie bereits festgestellt, durch die Zersplitterung der nationalen Kräfte geprägt. Startschuss des Kampfes war die Stürmung eines Gefängnisses der portugiesischen Polizei in Luanda im Februar 1961. Portugal reagierte mit einem massiven Gegenschlag auf die umliegenden Gebiete.[11]

In den nächsten 15 Jahren wiederholt sich das Geschehen: Die Portugiesen wurden angegriffen und schlugen postwendend zurück. Unterm Strich können auf beiden Seiten lediglich viele Kriegstote verzeichnet werden. Der Kampf der Befreiungsbewegungen schien erfolglos.[12] Die Wende kam mit dem Sturz des Regimes in Portugal am 25. April 1974 durch einen linksgerichteten Militärputsch[13], womit die Unabhängigkeit Angolas eingeläutet wurde.

[...]


[1] Paes, W. -C.: Frieden rechnet sich nicht – die Ökonomie des Krieges und ihre Verlierer, in: Angola – Ein Land wird geplündert, hg. von Haupt, J., Hofgeismar, 2001:40.

[2] Escoval, A. P.: Staatszerfall im Südlichen Afrika – Das Beispiel Angola, Berlin, 2005:2.

[3] Osterhammel, J.: Kolonialismus – Geschichte, Formen, Folgen, München, 1995:19.

[4] Luansi, L: Angola – Zuwischen regionaler Hegemonie und nationalem Selbstmord – Die Suche nach einer Lösung, Marburg, 2001:62ff.

[5] 1910 fand ein Militärputsch statt, der 1926 die faschistische Diktatur zur Folge hatte. Somit wurde die Selbstverwaltung der Kolonien aufgehoben und ihre engen Bindungen an Portugal wurden gesetzlich geregelt.

[6] Auszug der Rede Salazars vom 1. Juli 1933 in Lissabon; Zitat in: Kivouvou, P.: Angola – vom Königreich Kongo zur Volksrepublik, Köln, 1980:100.

[7] Luansi 2001:65.

[8] Luansi 2001:105.

[9] Luansi 2001:103.

[10] Paea 2001:41.

[11] Götz,J .: Ethnische Grenzen und Frontlinien in Angola, Köln, 2002:49.

[12] Luansi 2001: 120.

[13] Gemeint ist die Nelkenrevolution, bei der die Diktatur in Portugal ohne großes Blutvergießen gestürzt wurde.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Angola - Der ewige Krieg
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Nord-Süd-Konflikt
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V72349
ISBN (eBook)
9783638730235
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Angola, Krieg, Nord-Süd-Konflikt
Arbeit zitieren
Shirley Burow (Autor), 2007, Angola - Der ewige Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72349

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Angola - Der ewige Krieg


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden