Machiavellis „Der Fürst“ im staatsphilosophischen Kontext


Hausarbeit, 2006
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. „Der Fürst“: Erwerb und Erhalt von Macht
2.1. Der Fürst wird beobachtet
2.2. Machiavellis Axiom: Der Mensch ist böse
2.3. Der Fürst schafft den Staat
2.4. Ziel: absolute Herrschaft

3. Machiavellismus: Zweckrationalität in der Politik
3.1. Realpolitik statt Staatsphilosophie
3.2. Trennung von Ethik und Politik
3.3. Machiavellismus in der Demokratie

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Niccolo Machiavelli wurde 1469 in Florenz geboren und starb dort 1527. Sein Werk „Der Fürst“ ( italienisch „Il Principe“), welches 1532, fünf Jahre nach seinem Tode gedruckt wurde und ihn berühmt machte, verfasste er 1513. Die Schrift umfasst 26 kurze Kapitel, manifestiert aber eine bedeutende Wende in der Geschichte der Rechts- und Staatsphilosophie. Wie Kopernikus in Bezug auf den Sternenhimmel, so geht Machiavelli bezüglich des Verhaltens der Menschen innerhalb der Staatsgemeinschaft von seinen eigenen Beobachtungen aus und stellt zunächst fest, wie es in der Gesellschaft zugeht, bevor er sich dem normativen Bereich zuwendet.

Machiavelli schreibt für den Fürsten, der ein bestimmtes Interesse verfolgt: Machterwerb, Machtkonsolidierung und Machterhalt. Somit stellt er nicht ein göttliches Gesetz oder eine bestimmte Idee des Staates in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen, sondern den Souverän, den Fürsten, der seine Macht und somit auch die Souveränität seines Staates sichern muss, um überhaupt eine Staats- und Gesetzesordnung zu gewährleisten.

Mit Kopernikus entsteht die neuzeitliche Astronomie, die von Kepler und Galilei endgültig etabliert wird; Machiavelli ist der erste Staatsphilosoph der Neuzeit, nach ihm etablieren Bodin und Hobbes mit verschiedenen Ansätzen die Idee der Staatssouveränität.

2. „Der Fürst“: Erwerb und Erhalt von Macht

2.1. Der Fürst wird beobachtet

Machiavelli beobachtet, dass die Menschen in der staatlichen Gemeinschaft sich gegenseitig beobachten. Er bemerkt, dass Beobachtungen von Menschen durch Menschen immer moralische Bewertungen beinhalten. Der Fürst muss, will er den Unmut des Volkes nicht erwecken, den etablierten moralischen Werten gerecht werden. Machiavelli schreibt: „Ein Fürst muss also sehr darauf achten, dass nie ein Wort über seine Lippen kommt, das nicht von den vorgenannten fünf Eigenschaften geprägt ist, und dass er, wenn man ihn sieht und hört, ganz von Milde, Treue, Aufrichtigkeit, Menschlichkeit und Frömmigkeit erfüllt sein scheint. Und es gibt keine Eigenschaft, deren Besitz vorzutäuschen, notwendiger ist, als die letztgenannte. Die Menschen urteilen im allgemeinen mehr nach dem, was sie mit den Augen, als nach dem, was sie mit den Händen wahrnehmen. Denn allen ist vergönnt zu sehen, aber nur wenigen, zu berühren. Alle sehen, was du scheinst, aber nur wenige erfassen, was du bist...“ ( Machiavelli 2004, S. 139 ). Das Berühren und Erfassen scheint hier im Gegensatz zum Sehen nicht wörtlich gemeint zu sein, wobei natürlich das Sehen, das Beobachten, auch schon eine moralische Wertung ( des sicht- oder scheinbaren Verhaltens des Fürsten ) einschließt. Machiavelli meint das intellektuelle Erfassen der wahren Natur des Fürsten, die sich hinter der Maske aus vornehmen Eigenschaften verbirgt, welche aber kaum ans Licht kommt, wenn der Fürst ein guter Verstellungskünstler ist.

Selbstverständlich muss ein Herrscher Größe und Macht ausstrahlen: „Vor allem muss sich ein Fürst bemühen, mit jeder seiner Taten den Ruf eines großen Mannes von hervorragenden Fähigkeiten zu verbreiten“ ( Ebd., S. 175 ).

2.2. Machiavellis Axiom: Der Mensch ist böse

Machiavelli geht von der Grundannahme aus, dass der Mensch egoistisch ist. Die Gesamtheit der egoistischen Menschen macht die Gesellschaft aus, die der Fürst angemessen zu regieren wissen muss, und wenn der Fürst den grundlegenden Egoismus jedes Einzelnen in seinem Staat bei seinen innenpolitischen Betrachtungen außer Acht lässt, kann es ihm seine Macht kosten. Machiavelli postuliert nicht nur den Eigennutz als oberstes Handlungsprinzip des Menschen, sondern rechnet damit, dass der Menschen eher zu Lastern als zu Tugenden neigt. Für den Regenten hat dies die Konsequenz, dass er sich keineswegs der Dankbarkeit der Regierten sicher sein kann, wenn er seine Sache gut macht, aber sich darum sorgen muss, dass diese aufbegehren, wenn sie ihn nur nicht genug fürchten. Machiavelli führt aus: „Damit ergibt sich die Streitfrage, ob es besser ist, geliebt als gefürchtet zu werden oder umgekehrt. Die Antwort ist, dass man das eine wie das andere sein sollte; da es aber schwer fällt, beides zu vereinigen, ist es viel sicherer, gefürchtet als geliebt zu werden, wenn man schon den Mangel an einem von beiden in Kauf nehmen muss. Denn kann man von den Menschen im allgemeinen sagen, dass sie undankbar, wankelmütig, unaufrichtig, heuchlerisch, furchtsam und habgierig sind; und solange du ihnen Gutes erweist, sind sie dir völlig ergeben: sie bieten dir ihr Blut, ihre Habe, ihr Leben und ihre Kinder, wenn – wie ich oben gesagt habe – die Not fern ist; kommt diese dir aber näher, so begehren sie auf“ ( Ebd., S. 129 f. ).

Wenn Bedürfnisse auf Egoismus treffen, entsteht Maßlosigkeit. Da die Bedürfnisse knapp sind, und somit zwangsläufig Streit entsteht, suchen die Menschen Schutz von den Aggressionen anderer und finden diesen im Staat. Nur eine starke Regierung kann das Chaos verhindern und die Sicherheit der aufgrund ihrer lasterhaften Natur untereinander verfeindeten Menschen gewährleisten. „Das sind für Machiavelli gegebene Tatsachen; eine philosophische Analyse über das Wesen des Menschen nimmt er nicht vor. Ein Herrscher muss also mit dem Bösen im Menschen rechnen. Ein Herrscher muss hart und zynisch sein, wenn er den Staat erhalten will und damit Sicherheit und Eigentum des Volkes“ ( Skirbekk/ Gilje 1993, S. 278 ).

Zwar bedient sich Machiavelli eines Axioms – er hält es nicht für nötig, zu beweisen, dass der Mensch von Natur aus zum Bösen neigt, oder zu untersuchen, warum es unter den Menschen eine weit verbreitete Neigung zum Laster gibt, und so gut wie niemand aus freien Stücken tugendhaft handelt, aber Machiavellis Axiom stützt sich nicht etwa auf ein autoritatives Zitat oder ein dogmatisches Welt- und Menschenbild. Machiavelli kommt zu seiner Grundannahme nicht durch eine Untersuchung der Bibel oder der Schriften des Aristoteles, sondern allein durch seine eigene Beobachtung der Gesellschaft der norditalienischen Stadtstaaten zu Anfang des 16. Jahrhunderts.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Machiavellis „Der Fürst“ im staatsphilosophischen Kontext
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V72367
ISBN (eBook)
9783638730464
ISBN (Buch)
9783638769495
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieses Hausarbeit ist eine Studienleistung im B.A.-Studiengang. Es gibt keine offizielle Benotung. Die Bewertung wird mitgeteilt und ist hier anstelle der Benotung angegeben.
Schlagworte
Kontext, Machiavelli, Machiavellismus, machiavellistisch
Arbeit zitieren
Konstantin Karatajew (Autor), 2006, Machiavellis „Der Fürst“ im staatsphilosophischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72367

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