Konsequenzen der Diffusion von Innovationen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Untersuchung von Konsequenzen

3 Arten von Konsequenzen
3.1 Wünschenswerte vs. unerwünschte Konsequenzen
3.2 Direkte vs. indirekte Konsequenzen
3.3 Erwartete vs. unerwartete Konsequenzen

4 Innovationen und ihre Folgen
4.1 Stahlbeile für steinzeitliche Eingeborene in Australien
4.2 Form, Funktion und Bedeutung einer Innovation
4.3 Die Rolle des Gleichgewichts im System

5 Chancengleichheit bei den Konsequenzen von Innovation
5.1 Bewässerungspumpen für Bauern in Bangladesch und Pakistan
5.2 Sozialstruktur und Chancengleichheit
5.3 Strategien zur Verringerung von Ungleichheit

6 Zusammenfassung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wenn man sich mit sozialem Wandel in einer Gesellschaft beschäftigt, so kommt man nicht umhin sich einige ganz bestimmten Fragen zu stellen: Was hat sich geändert? Warum hat es sich geändert? Und nicht zuletzt: Wie hat es sich geändert? An diese Punkte knüpft die vorliegende Arbeit an, indem sie sich mit den Konsequenzen der Diffusion von Innovationen auseinandersetzt. Dieser Zweig der Diffusionsforschung ist auf Grund seiner Vielfältigkeit und insbesondere seiner schweren Vorhersehbarkeit ein oftmals vernachlässigtes Teilgebiet.

Wenn man sich genauer mit den Konsequenzen der Diffusion von Innovation befassen möchte, so ist es vorher notwendig, zuerst einmal die Prinzipien der Diffusion selbst zu verstehen. Da es jedoch im Rahmen dieser Arbeit zu weit gehen würde, zunächst die Grundlagen der Diffusionsforschung ausführlich darzustellen, sei hier anstelle eines solchen einleitenden Kapitels der Einfachheit halber auf Rogers verwiesen, der diesem Thema mit seinem umfangreichen Werk „Diffusion of Innovations“ (2003) ein komplettes Buch gewidmet hat. Im Folgenden wird davon ausgegangen, dass die Elemente der Diffusion sowie ihre Mechanismen und gängige Theorien bekannt sind, weswegen diese Themen auch nicht näher erläutert werden.

Diese Arbeit versucht zunächst, den schwierigen Umgang mit den Konsequenzen der Diffusion von Innovationen darzulegen. Daran schließt sich eine Kategorisierung von Konsequenzen an. Zur Veranschaulichung werden auch zwei konkrete Fälle dargestellt, die die Problematik der Untersuchung von Konsequenzen erläutern sollen. Im letzten Kapitel wird dann mit der sozialen Ungleichheit ein heikles Thema aufgegriffen, das auch bei der Betrachtung der Folgen von Diffusion von Innovationen eine Rolle spielt.

2 Die Untersuchung von Konsequenzen

Bei der Diffusionsforschung geschieht es allzu leicht und deswegen nicht selten, dass die Untersuchung mit der Entscheidung über die Annahme der Innovation endet. Dabei wird vernachlässigt, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist und welche Folgen sie nach sich zieht (Rogers 2003: 440). Jede Diffusion einer Innovation – ob sie „erfolgreich“ war oder nicht spielt dabei keine Rolle – zieht gewisse Konsequenzen nach sich.

Schon Merton (1936) beschäftigte sich mit den Konsequenzen von sozialem Handeln. Ihm ging es zwar um die Folgen des sozialen Handelns im Allgemeinen, also nicht konkret um Diffusion von Innovationen; nichtsdestotrotz lassen sich seine Überlegungen hierzu ohne weiteres auf die moderne Diffusionsforschung übertragen. Er definierte Konsequenzen von zweckhaftem sozialen Handeln als „those elements in the resulting situation which are exclusively the outcome of the action, i.e., those elements which would not have occurred had the action not taken place” (Merton 1936: 895). Da – wie sich später noch zeigen wird – diese sehr strenge Definition jedoch mit methodologischen Problemen bei der kausalen Zuordnung verbunden ist (vgl. hierzu auch Goss 1979: 764), wird sie von Merton selbst umgehend etwas gelockert: „the consequences result from the interplay of the action and the objective situation, the conditions of action” (Merton 1936: 895).

Rogers, der sich gezielt mit der Diffusion von Innovationen beschäftigte, bevorzugte eine andere Definition: „Consequences are the changes that occur an individual or a social system as a result of the adoption or rejection of an innovation” (2003: 436; Hervorhebung im Original). Er kritisierte die Tatsache, dass die bisherige Diffusionsforschung den Konsequenzen viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet hatte und dass man selbst dort wo dies nicht der Fall sei die Daten nur schwer verallgemeinern könne, da sie sich vorrangig auf einzelne Studien stütze. Rogers betonte auch nachhaltig, dass die Untersuchung der Konsequenzen auf Grund ihrer Unvorhersehbarkeit stets mit Unsicherheiten verbunden sei (Rogers 2003: 436). Es gibt noch einige weitere Gründe die dafür verantwortlich sind, dass Konsequenzen bisher vernachlässigt wurden (Rogers 2003: 440-442):

1. In vielen Fällen legen Organisationen, die sich die Diffusionsforschung bzw. die Verbreitung einer Innovation zur Aufgabe gemacht haben, zu großen Nachdruck auf die Adoption selbst und setzen stillschweigend voraus, dass die Konsequenzen der Innovation von Vorteil sind. Change Agents gehen davon aus, dass die Innovation benötigt wird und somit ihre Einführung erwünscht ist. Diese Annahmen sind jedoch nicht zwangsläufig zutreffend.
2. Die regulären Erhebungsmethoden sind zur Untersuchung der Konsequenzen einer Innovation teilweise ungeeignet. Um Auswirkungen zu untersuchen werden häufig Beobachtungen oder tief greifende Fallstudien herangezogen. Bedauerlicherweise werden auf diese Weise meist nur hochspezifische Daten angesammelt, die man nicht auf andere Innovationen oder Systeme übertragen kann.

Die Erforschung von Konsequenzen erfordert normalerweise einen hohen Zeitaufwand. Um die Folgen einer Innovation zu verstehen reicht es nicht einfach aus, ein paar zusätzliche Fragen in den Fragenbogen aufzunehmen, eine Stichprobe erneut um eine gewisse Anzahl zu erhöhen oder die Studie schlichtweg ein paar Tage länger andauern zu lassen. Stattdessen müssen weit reichende Untersuchungen durchgeführt werden, durch welche Konsequenzen analysiert werden wenn sie auftreten, was auch nach einigen Jahren immer noch möglich sein kann.

Durch eine Panelstudie, bei der man die Teilnehmer vor und nach der Einführung einer Innovation befragt, könnten Informationen über mögliche Auswirkungen zusammengetragen werden. Denkbar wären auch Feldforschungen, in deren Verlauf eine Innovation erstmals getestet wird und die Ergebnisse unter realistischen Bedingungen, jedoch vor der endgültigen Ausbreitung der Neuerung vermerkt werden. Mittels solcher Methoden würden quantitative Daten erhoben, die anstelle vager Beschreibungen Verallgemeinerungen zulassen.

3. Auswirkungen sind schwer messbar. Wenn Individuen eine Neuerung verwenden sind sie sich oftmals selbst nicht bewusst, inwieweit ihr Leben davon tatsächlich verändert wird. Daher führen Versuche, die Konsequenzen lediglich über die Aussagen von Adoptoren zu bestimmen häufig zu irreführenden und unvollständigen Folgerungen.

Aussagen über Konsequenzen sind unvermeidbar subjektiv und von Werturteilen durchzogen. Dies spielt insbesondere bei der Untersuchung fremder Länder und Kulturen eine Rolle. Vertreter des Kulturrelativismus sind daher der Ansicht, dass jede Kultur nur im Licht ihrer eigenen Situation und Bedürfnisse beurteilt werden sollte. Doch auch diese Sichtweise bringt Messprobleme mit sich. Wenn Innovationen von außen in einem System verbreitet werden, so werden die erhobenen Daten darüber mit den im System vorherrschenden Normen, Sitten und Vorstellungen vermengt, Konsequenzen möglichst objektiv wiederzugeben ist also eine Gratwanderung zwischen den ursprünglichen Absichten im Herkunftssystem und den Auffassungen der Anwender im Ausbreitungssystem der Innovation.

Eine weitere Schwierigkeit bei der Bestimmung von Konsequenzen ist, dass sie oft zeitgleich mit anderen Effekten auftreten. Dies erschwert das Nachvollziehen von Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Idealerweise würde man daher nur solche Konsequenzen betrachten, die ausschließliches Ergebnis der Innovation sind, also diejenigen Änderungen, die ohne die Verbreitung der Innovation nicht zustande gekommen wären (vgl. hierzu auch Merton 1936). Viele Konsequenzen sind jedoch, wie sich im folgenden Kapitel zeigen wird, indirekt und unerwartet und dadurch bei der Erforschung der Auswirkung von Innovationen problematisch (Rogers 2003: 440-442).

3 Arten von Konsequenzen

Konsequenzen sind nicht lediglich eindimensional, sondern können viele Formen annehmen und sich auf verschiedene Arten äußern (Rogers 2003: 436-471). Sie lassen sich in drei Kategorien klassifizieren: (1) wünschenswerte bzw. unerwünschte Konsequenzen, (2) direkte bzw. indirekte Konsequenzen und (3) erwartete bzw. unerwartete Konsequenzen (vgl. hierzu auch Goss 1979: 768).

3.1 Wünschenswerte vs. unerwünschte Konsequenzen

Die wohl nächstliegende Kategorisierung von Konsequenzen ist diejenige hinsichtlich ihrer Erwünschtheit. Wünschenswerte Konsequenzen sind die „functional effects of an innovation for an individual or for a social system” (Rogers 2003: 442). Unerwünschte Konsequenzen sind dementsprechend die „dysfunctional effects of an innovation to an individual or to a social system” (Rogers 2003: 442). Die Festlegung darauf, ob eine Konsequenz als funktional angesehen werden kann oder nicht hängt davon ab, wie sich die Innovation auf die Adoptoren auswirkt. Eine Innovation kann aber auch andere Individuen als die Adoptoren beeinflussen. So könnte eine Ablehnung einer Innovation dazu führen, dass sich zwischen den von der Neuerung profitierenden Adoptoren und den Verweigerern eine sozioökonomische Kluft bildet. In den meisten Fällen ist jedes Individuum in einem System von einer technologischen Innovation betroffen. Denkbar ist auch, dass eine Innovation für ein gesamtes System von Vorteil ist, einzelne Individuen aber negativ davon betroffen sind. Somit hängt die Erwünschtheit von Konsequenzen auch davon ab, ob man sich bei der Frage danach auf Individuen oder auf das gesamte System bezieht (Rogers 2003: 442-443).

Durch die Verbreitung einer Innovation kann auch eine Situation entstehen, in der bestimmte Individuen innerhalb eines Systems einen Vorteil auf Kosten anderer erzielen. Die Vorteile haben dann häufig solche Menschen, die die Innovation als erstes annehmen. Diese Vorzüge werden „windfall profits“ (Rogers 2003: 443) genannt. Um sie zu erzielen, muss man häufig Risiken in Kauf nehmen, da sich nicht alle Ideen oder Produkte erfolgreich ausbreiten.

Das Gegenstück zu den windfall profits sind die „windfall losses“ (Rogers 2003: 443). Sie entstehen beispielsweise dann, wenn neue Produkte teuer auf den Markt gebracht werden. Hier erhalten die späteren Adoptoren die Vorzüge der niedrigeren Preise durch die gesunkene Nachfrage. In der Regel tendieren jedoch Neuerungen dazu, die sozioökonomische Lücke zwischen frühen und späten Adoptoren zu vergrößern, indem sie die Reichen reicher machen und die Armen ärmer (Rogers 2003: 444).

Verständlicherweise möchte man die wünschenswerten Konsequenzen einer Innovation erzielen und die unerwünschten vermeiden. Das setzt jedoch voraus, dass man die erwünschten Folgen einer Neuerung von den unerwünschten trennen kann. Dies ist in den wenigsten Fällen tatsächlich erreichbar. Generell kann man also sagen, dass die wünschenswerten Folgen einer Innovation nicht von den unerwünschten getrennt werden können (Rogers 2003: 444-445).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Konsequenzen der Diffusion von Innovationen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Sozialer Wandel als Diffusionsprozess
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V72369
ISBN (eBook)
9783638730488
ISBN (Buch)
9783640857685
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konsequenzen, Diffusion, Innovationen, Sozialer, Wandel, Diffusionsprozess
Arbeit zitieren
Florian Wohlkinger (Autor), 2006, Konsequenzen der Diffusion von Innovationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72369

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