Globalisierung - eine Frage der Perspektive?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Perspektiven zur Globalisierung
Anthony Giddens: ‚The consequences of modernity’ (1990)
Roland Robertson: ‚Globalization’ (1992)
Held et al.: ‚Global transformations’ (1999)

3 Globalisierung als Diskursphänomen
Die drei Phasen des Globalisierungsdiskurs

4 Globalisierung als Prozess

5 Probleme bei der Messung von Globalisierung
Der A.T. Kearney / Foreign Policy Globalization Index
Der KOF Globalisierungsindex

6 Zusammenfassung

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wenn man sich heutzutage mit sozialem Wandel in einer Gesellschaft beschäftigt, so kommt man kaum daran vorbei, sich eingehend mit dem Thema Globalisierung zu befassen. Schlagworte wie Internationalisierung, Arbeitsmarktflexibilisierung, Wirtschaftswachstum, weltweite Vernetzung, aber auch zunehmende Unsicherheit – das alles sind Begriffe, die mit Globalisierung verbunden werden und die in diesem Zusammenhang in den verschiedensten Büchern, Aufsätzen und Zeitungsartikeln immer wieder vorgefunden werden können. Das bemerkenswerte daran ist, dass Globalisierung aus den verschiedensten Perspektiven betrachtet werden kann und dabei – je nach gewähltem Fokus – völlig unterschiedliche Formen annehmen und dadurch auch völlig unterschiedliche Ergebnisse produzieren kann:

„Despite the rapidly growing body of literature on the topic of globalization and its implications, there is disagreement about how to conceptualize what is happening. Although the term is widely used to characterize the profound changes unfolding in the world, the nature of these shifts and what they mean remain debated questions.“ (Teeple 2000: 9)

Die vorliegende Arbeit versucht, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Blickwinkel herauszuarbeiten und dadurch letztlich zu klären, was denn der strittige Begriff Globalisierung überhaupt alles beinhaltet und was nicht. Zu diesem Zweck wird zunächst das Problem der zeitlichen Zuordnung der Globalisierung anhand einiger Konzepte zu historischen Perspektiven der Globalisierung erörtert. Der darauf folgende Abschnitt beschäftigt sich dann mit der Darstellung der drei Phasen des Globalisierungsdiskurses, die den Wandel der Wahrnehmung des Begriffs in der Öffentlichkeit widerspiegeln. Daran knüpft eine aktuelle Definition des Begriffs Globalisierung an und es wird versucht, das derzeitige Konzept der verschiedenen Elemente darzustellen, die dem Phänomen der Globalisierung zugeordnet werden können. Abschließend werden die Probleme erörtert, die mit der Messung des Globalisierungsgrades einzelner Länder verbunden sind. Insgesamt soll dargelegt werden, dass die Darstellung der Globalisierung auf vielen Ebenen mit subjektiven Entscheidungen verbunden ist, was zu unterschiedlichen Interpretationen und Meinungen und teilweise auch widersprüchlichen Ergebnissen führen kann.

2 Historische Perspektiven zur Globalisierung

Eine systematische[1] Erfassung der Globalisierung und all ihrer Aspekte und Facetten stellt den Betrachter unmittelbar vor ein zeitliches Problem: Wo bzw. vielmehr wann fängt man eigentlich mit der Betrachtung an? Während man gelegentlich hört Globalisierung sei ein Phänomen der Moderne und existiere noch nicht allzu lange, sind viele Sozialwissenschaftler der Meinung, Globalisierung hätte es von jeher gegeben und nur erst in der jüngsten Vergangenheit durch die rasante Entwicklung von Verkehrs- und Kommunikationsnetzwerken ein derartiges Ausmaß angenommen, dass es für alle deutlich bemerkbar geworden ist. Die Frage ist also, zu welchem Zeitpunkt man den Einschnitt macht und den Beginn der Globalisierung setzt. Giddens (1990), Robertson (1992) und Held (1999) haben verschiedene Konzepte entwickelt, die sich mit der historischen Zuordnung von Globalisierung befassen.

Anthony Giddens: ‚The consequences of modernity’ (1990)

Giddens (1990) sieht Globalisierung als unmittelbar mit der Entwicklung von modernen Gesellschaften verbunden an. Sie hängt außerdem direkt mit der Industrialisierung und der Akkumulation von materiellen Ressourcen zusammen und stellt somit vielmehr eine Fortführung der Moderne dar als eine Abkehr von dieser. Die gegenwärtige Periode bezeichnet er als „high modernity“ (Giddens 1990; vgl. hierzu auch Beynon/Dunkerley 2000: 8), womit er meint, dass Modernität sich inzwischen auf eine globale Stufe bewegt hat: aus einzelnen Gesellschaften wurde eine gemeinsame Weltgesellschaft und das Individuum wird mit sozialen Institutionen konfrontiert, die auf globaler Ebene arbeiten. Nirgendwo können die Menschen sich dem Globalen völlig entziehen, da Mode, Waren und Symbole im 20. Jahrhundert weltweit vermarktet werden. Giddens identifiziert drei Faktoren des 19. Jahrhunderts, die seiner Meinung nach die Herausbildung der gegenwärtigen Globalisierung in die Wege geleitet haben:

1. Die europäische Nationenentwicklung des 19. Jahrhunderts, mit ihren Eroberungen von Stammesgesellschaften und anschließender Kolonienbildung;
2. Die vergleichsweise friedliche Zeit des 19. Jahrhunderts erlaubte es insbesondere den Briten, Ressourcen in den Ausbau kolonialer Bestrebungen zu investieren;
3. Die europäische Bürokratie machte es möglich, diplomatische Netzwerke zu errichten und transnationale politische Einrichtungen aufzubauen.

Obwohl die europäischen Staaten immer wieder Krieg gegeneinander führten, haben sie sogar noch öfter zusammengearbeitet, was zur Folge hatte, dass der Nationalstaat im Zentrum der heutigen Globalisierung und ihrem Netzwerk der internationalen Beziehungen verbleibt. Der Kapitalismus mit seinem aggressiven Wettbewerb um Rohstoffe und der kontinuierlichen Suche nach bisher unerschlossenen Märkten hat die schon vorher bestehende Tendenz zur Globalisierung noch weiter vorangetrieben. Giddens hofft auf eine idealistische Art und Weise, dass Globalisierung in der Zukunft zu einer armutslosen Wirtschaft und zur globalen Entmilitarisierung führt und dass hoch entwickelte Technologien derart genutzt werden, dass alle Vertreter der menschlichen Art davon profitieren können.

Roland Robertson: ‚Globalization’ (1992)

Im Gegensatz zu Giddens (1990) siedelt Robertson (1992) die Entstehung der heutigen Globalisierung lange vor der Moderne und dem Aufschwung des Kapitalismus an. Viele Forscher betrachten bei Analysen zur Globalisierung die soziale Verdichtung der Welt seit dem 16. Jahrhundert. Robertson hingegen setzt die Ursprünge der Globalisierung bereits früher und identifiziert fünf Phasen der Globalisierung in Europa (vgl. hierzu auch Beynon/Dunkerley 2000: 8-9):

1. Phase (1400 - 1750):

Die Keimphase der globalen Erforschung geht mit der Ausbreitung der römisch-katholischen Kirche einher: der Gregorianische Kalender wird zum gängigen Standard der Zeitrechnung, Kartenzeichnung und Geografie kommen auf, nationale Kommunen und Staatssysteme beginnen zu wachsen.

2. Phase (1750 - 1875):

Der Internationalismus entsteht in Form von internationalen Beziehungen. Außereuropäische Länder beginnen, sich auf eine von Europa angeführte internationale Gesellschaft einzulassen.

3. Phase (1875 - 1925):

Die Startphase der Globalisierung ist gekennzeichnet durch Globalisierungstendenzen wie voranschreitende Kommunikationsmöglichkeiten und zunehmende ökonomische und politische Verflechtungen, ebenso wie kulturelle und sportliche Verknüpfungen (beispielsweise die Olympischen Spiele). Jedoch gibt es auch erstmals einen weltweiten Konflikt: den 1. Weltkrieg von 1914 bis 1918.

4. Phase (1925 - 1969):

Diese Phase ist geprägt vom Kampf um eine weltweite Vorherrschaft: Der 2. Weltkrieg und die Entwicklung der Atombombe spielen hier eine ebenso wichtige Rolle wie die Gründung der Vereinten Nationen und anderen Organisationen mit weltweitem Aufgabenbereich.

5. Phase (1969 - heute):

Eine Vielzahl von Ereignissen und Prozessen wie das Ende des kalten Krieges oder die Landung auf dem Mond bestimmt diese Phase. Die Entstehung globaler Institutionen und globaler Massenmedien führt zu weltweiten Debatten über Rassen, Ethnizität, Geschlechterrollen, Sexualität und Menschenrechte.

Heutzutage sind es nicht mehr europäische Institutionen, die die Welt kontrollieren, und viele der alten „Sicherheiten“ sind ins Wanken geraten. Robertson (1992) ist sogar der Meinung, dass wir inzwischen eine 6. Phase der Globalisierung erreicht haben, nämlich die der globalen Unsicherheiten: neue Krankheiten wie AIDS verbreiten sich zunehmend, alte Krankheiten wie Tuberkulose tauchen in neuartigen Formen wieder auf, Umweltkatastrophen betreffen immer mehr Menschen und der islamische Fundamentalismus nimmt neue Ausmaße an (vgl. hierzu auch Beynon/Dunkerley 2000: 9). Auf lange Sicht sind die Konsequenzen der Globalisierung kaum berechenbar. Doch was die gegenwärtige Globalisierung so einzigartig macht ist die Tatsache, dass Nationen sich heutzutage intensiv für wirtschaftliche, militärische, kulturelle und politische Zusammenarbeit engagieren und dass die Menschen die Welt neuerdings immer mehr als einen gemeinsamen Lebensraum ansehen und dabei global denken, fühlen und handeln.

[...]


[1] Dieses Kapitel basiert primär auf Beynon/Dunkerley (2000: 8-10).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Globalisierung - eine Frage der Perspektive?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Globalisierung und der Wandel sozialer Ungleichheit
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V72371
ISBN (eBook)
9783638730495
ISBN (Buch)
9783640857623
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Frage, Perspektive, Wandel, Ungleichheit
Arbeit zitieren
Florian Wohlkinger (Autor), 2006, Globalisierung - eine Frage der Perspektive?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72371

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