Wenn man sich heutzutage mit sozialem Wandel in einer Gesellschaft beschäftigt, so kommt man kaum daran vorbei, sich eingehend mit dem Thema Globalisierung zu befassen. Schlagworte wie Internationalisierung, Arbeitsmarktflexibilisierung, Wirtschaftswachstum, weltweite Vernetzung, aber auch zunehmende Unsicherheit – das alles sind Begriffe, die mit Globalisierung verbunden werden und die in diesem Zusammenhang in den verschiedensten Büchern, Aufsätzen und Zeitungsartikeln immer wieder vorgefunden werden können. Das bemerkenswerte daran ist, dass Globalisierung aus den verschiedensten Perspektiven betrachtet werden kann und dabei – je nach gewähltem Fokus – völlig unterschiedliche Formen annehmen und dadurch auch völlig unterschiedliche Ergebnisse produzieren kann:
„Despite the rapidly growing body of literature on the topic of globalization and its implications, there is disagreement about how to conceptualize what is happening. Although the term is widely used to characterize the profound changes unfolding in the world, the nature of these shifts and what they mean remain debated questions.“ (Teeple 2000: 9)
Die vorliegende Arbeit versucht, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Blickwinkel herauszuarbeiten und dadurch letztlich zu klären, was denn der strittige Begriff Globalisierung überhaupt alles beinhaltet und was nicht. Zu diesem Zweck wird zunächst das Problem der zeitlichen Zuordnung der Globalisierung anhand einiger Konzepte zu historischen Perspektiven der Globalisierung erörtert. Der darauf folgende Abschnitt beschäftigt sich dann mit der Darstellung der drei Phasen des Globalisierungsdiskurses, die den Wandel der Wahrnehmung des Begriffs in der Öffentlichkeit widerspiegeln. Daran knüpft eine aktuelle Definition des Begriffs Globalisierung an und es wird versucht, das derzeitige Konzept der verschiedenen Elemente darzustellen, die dem Phänomen der Globalisierung zugeordnet werden können. Abschließend werden die Probleme erörtert, die mit der Messung des Globalisierungsgrades einzelner Länder verbunden sind. Insgesamt soll dargelegt werden, dass die Darstellung der Globalisierung auf vielen Ebenen mit subjektiven Entscheidungen verbunden ist, was zu unterschiedlichen Interpretationen und Meinungen und teilweise auch widersprüchlichen Ergebnissen führen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HISTORISCHE PERSPEKTIVEN ZUR GLOBALISIERUNG
ANTHONY GIDDENS: ‚THE CONSEQUENCES OF MODERNITY’ (1990)
ROLAND ROBERTSON: ‚GLOBALIZATION’ (1992)
HELD ET AL.: ‚GLOBAL TRANSFORMATIONS’ (1999)
3 GLOBALISIERUNG ALS DISKURSPHÄNOMEN
DIE DREI PHASEN DES GLOBALISIERUNGSDISKURS
4 GLOBALISIERUNG ALS PROZESS
5 PROBLEME BEI DER MESSUNG VON GLOBALISIERUNG
DER A.T. KEARNEY / FOREIGN POLICY GLOBALIZATION INDEX
DER KOF GLOBALISIERUNGSINDEX
6 ZUSAMMENFASSUNG
7 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den vielschichtigen Begriff der Globalisierung, beleuchtet historische Perspektiven auf den Prozess und analysiert die diskursive sowie methodische Problematik bei seiner Erfassung und Messung.
- Historische Einordnung des Globalisierungsprozesses
- Globalisierung als Phänomen öffentlicher Diskursveränderung
- Die Prozesshaftigkeit globaler Makroentwicklungen
- Methodische Herausforderungen und Messinstrumente (Kearney/KOF)
- Subjektivität der Globalisierungsforschung
Auszug aus dem Buch
3 Globalisierung als Diskursphänomen
„ ‚Globalisierung’ ist ein relativ junges Modewort. Es wurde vor zwei Jahrzehnten zuerst benutzt in der Marketing-Literatur, wo man von der Globalisierung von Marken wie Coca Cola oder BMW zu sprechen begann. Später bezeichnete man damit mehr und mehr den Vorgang der immer stärkeren globalen wirtschaftlichen Verflechtung. Seit einigen Jahren fasst das Wort die Sorge all derjenigen zusammen, die in dem historischen Vorgang einer immer weiter wachsenden weltweiten wirtschaftlichen Interdependenz mehr Nachteile als Vorteile sehen.“ (Von Weizsäcker 1999: 47)
Diese Worte von Christian von Weizsäcker bringen es sehr schön zum Ausdruck: Globalisierung ist ein Begriff, dessen Bedeutung sich im Laufe der kurzen Zeit die es ihn gibt bereits stark verändert hat. Während ihm anfangs vor allem wirtschaftliche, gelegentlich auch politische Prinzipien zu Grunde gelegt wurden, umfasst er heute ebenso kulturelle und soziale Aspekte. Ähnlich hat sich das Meinungsbild der Öffentlichkeit zur Globalisierung gewandelt: zu Beginn war Globalisierung verbunden mit etwas positivem. Globalisierung war etwas, das die gesamte Welt förmlich zusammenwachsen ließ und daher für alle Vorteile bedeutet. Im Laufe der Zeit tauchten dann aber immer mehr Globalisierungsgegner auf, und mit dem ursprünglich als positiv eingestuftem Begriff verbanden immer mehr Menschen Negatives wie z.B. steigende Arbeitslosenzahlen oder geringere Arbeitsplatzsicherheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Komplexität des Globalisierungsbegriffs ein und definiert das Ziel, Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Sichtweisen herauszuarbeiten.
2 HISTORISCHE PERSPEKTIVEN ZUR GLOBALISIERUNG: Dieses Kapitel vergleicht die Ansätze von Giddens, Robertson und Held zur historischen Einordnung und zeitlichen Definition der Globalisierung.
3 GLOBALISIERUNG ALS DISKURSPHÄNOMEN: Hier wird anhand von Fiss' Frame-Analyse der Wandel der öffentlichen Wahrnehmung von Globalisierung über drei Jahrzehnte hinweg dargestellt.
4 GLOBALISIERUNG ALS PROZESS: Das Kapitel betrachtet Globalisierung als einen nicht-kohärenten Prozess aus verschiedenen Makroprozessen, der nationale Märkte und Staaten wechselseitig beeinflusst.
5 PROBLEME BEI DER MESSUNG VON GLOBALISIERUNG: Es werden Schwierigkeiten bei der Quantifizierung diskutiert und Messinstrumente wie der A.T. Kearney Index sowie der KOF Globalisierungsindex kritisch beleuchtet.
6 ZUSAMMENFASSUNG: Dieses Kapitel bündelt die zentralen Erkenntnisse zu den historischen Modellen, dem Diskursverlauf und den messtechnischen Herausforderungen.
7 FAZIT: Das Fazit stellt fest, dass Globalisierung stark von der Perspektive des Forschers abhängt und ein einheitlicher Begriff noch aussteht.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Sozialer Wandel, Globalisierungsdiskurs, Historische Perspektiven, Moderne, Weltgesellschaft, Wirtschaftliche Interdependenz, Globalisierungsindex, A.T. Kearney, KOF Index, Messung, Prozess, Soziale Ungleichheit, Diskursanalyse, Weltmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum der Begriff Globalisierung trotz seiner weiten Verbreitung kein eindeutig definiertes Phänomen ist, sondern je nach historischer, diskursiver oder methodischer Perspektive völlig anders interpretiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der Globalisierung, der Wandel ihrer öffentlichen Wahrnehmung und die methodischen Herausforderungen bei ihrer quantitativen Messung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede verschiedener Blickwinkel auf die Globalisierung herauszuarbeiten und aufzuzeigen, dass die Darstellung des Prozesses stets von subjektiven Entscheidungen geprägt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse und stützt sich auf theoretische Modelle von Wissenschaftlern wie Giddens, Robertson und Held sowie auf die Frame-Analyse von Fiss.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Zuordnung, den Verlauf des öffentlichen Diskurses, die Charakterisierung als komplexer Makroprozess sowie Probleme bei der Indizierung und Messung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Globalisierungsdiskurs, soziale Ungleichheit, Messinstrumente, Prozesshaftigkeit und die Perspektivenabhängigkeit der Definition geprägt.
Warum ist die zeitliche Zuordnung der Globalisierung so schwierig?
Da verschiedene Wissenschaftler unterschiedliche Schwerpunkte setzen – etwa die Moderne, den Kapitalismus oder frühere Handelsimperien –, variiert der angenommene Beginn des Prozesses erheblich zwischen den Modellen.
Inwiefern ist die Messung von Globalisierung subjektiv?
Die Messung ist subjektiv, da sowohl die Auswahl der einbezogenen Variablen als auch deren Gewichtung vom jeweiligen Forscher abhängen, was zu unterschiedlichen Ergebnissen und Interpretationen führt.
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- Florian Wohlkinger (Author), 2006, Globalisierung - eine Frage der Perspektive?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72371