In der Zeit des Umbruchs zwischen Oktober 1989 bis zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik, einer Zeit des Aufeinandertreffens unterschiedlicher medienpolitischer Konzepte, entstand das Jugendmagazin Elf99, das Mediengeschichte geschrieben hat und Thema dieser Ausarbeitung ist. Die Kombination aus Jugendmagazin und politischen Magazin in Elf99, sowie die besondere Position, die Elf99 im Wendeprozess zu Teil wurde, machte Elf99 zu einem „der markantesten Magazin-Exempel der Wendezeit.“ Grundlegend dafür ist vor allem die Tatsache, dass Elf99 die „im Nachhinein wohl berühmteste, weil oppositionellste Sendung“ der letzten Tage des DDR-Fernsehens war, die zu einem „Symbol der Wendeberichterstattung" wurde. Zudem konnte sich kein anderes Jugendmagazin des DDR-Jugendfernsehens auch nach der Wende in der BRD etablieren.
Im Folgenden wird sich mit der Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Jugendmagazins Elf99 befasst. Thematisiert werden die historischen Veränderungen hinsichtlich der Sendeprogrammatik, der thematischen Orientierung und der Präsentationsformen des Magazins, sowie dessen Programmprinzipien und mediengeschichtliche Bedeutung vor und nach der Wende.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehungsgeschichte von Elf 99
2.1 „Die Vorläufer“ von Elf99
2.2 Anfänge von Elf99
3. Programmprinzipien
4. Senderubriken
5. Rezeption
5.1 Ursachen des Anfangserfolgs
6. Weitere Entwicklung der Sendung
6.1 Elf 99 in der Wendezeit
6.2 Elf99 bis zum Jahre 1991
6.3 Der Verbleib der Sendung nach Auflösung des DFF
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des DDR-Jugendmagazins Elf99 und analysiert dessen Rolle als medienhistorisch bedeutsames Phänomen während der Wendezeit. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie das Magazin durch seine spezifische Programmgestaltung und journalistische Arbeitsweise zur „Wendeberichterstattung“ beitragen konnte und warum es als einzige Jugendsendung des DDR-Fernsehens auch nach der Wiedervereinigung in der Bundesrepublik fortbestehen konnte.
- Historische Entwicklung der DDR-Jugendfernsehformate
- Struktur und Programmkonzeption von Elf99
- Die Funktion von Elf99 während des gesellschaftlichen Umbruchs
- Journalistischer Wandel und „Enthüllungsjournalismus“ in der DDR
- Rezeption und Erfolg des Magazins beim jungen Publikum
- Transformation des Sendeformats nach der Auflösung des DFF
Auszug aus dem Buch
2.2 Anfänge von Elf99
Elf99 wurde zunächst als Jugendmagazin konzipiert. Elf99 knüpft konsequenter als bisherige DDR-Jugendsendungen an jugendliche Fernsehbedürfnisse an (Musik und Film gruppieren alles andere). Laut Hans-Jörg Stiehler müsse Jugendfernsehen auch immer Musikfernsehen sein, um den Bedürfnissen der Jugendlichen zu entsprechen. Fernsehen dient Jugendlichen hauptsächlich als Unterhaltungsmedium. Jugendliche präferieren aus diesem Grund meist Musikvideos, Serien und Spielfilme. Die im Fernsehen angebotenen politischen Informationen werden dagegen „in deutlich eingeschränktem Maße“ genutzt.
Das Problem in fast allen Ansätzen des DDR-Jugendfernsehens lag im „Überredungskonzept“, das Fernsehen zum Erziehungsmittel und nicht zum Massenmedium werden ließ. Das Fernsehen der DDR war in der Hinsicht konzipiert, dass ein hochkulturelles, traditionelles Modell von zu meist „verbaler“ Aufklärung und Belehrung zusammen mit einem fortschrittsverweigernden Agitations-, und Propagandakonzept zum Einsatz kam. „Die Spezifik des Fernsehens als eines visuellen Mediums wie auch die der Medienkommunikation als Freizeitkommunikation [wurde] weitgehend ignoriert.“
Selbst noch im Januar 1989 wurde die Fortsetzung dieser Konzeption vom Sekretariat des ZK der SED gefordert:
„Dem Fernsehen der DDR ist die Aufgabe gestellt, in verstärktem Maße mit interessanten, vielseitigen Sendungen, die jugendliche Zuschauer besonders ansprechen, zur kommunistischen Erziehung der Kinder und Jugendlichen beizutragen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein und umreißt die medienhistorische Bedeutung von Elf99 als „Symbol der Wendeberichterstattung“ im DDR-Fernsehen.
2. Entstehungsgeschichte von Elf 99: Es wird die Genese der Sendung beleuchtet, wobei die Vorläuferformate und die politischen Rahmenbedingungen der Entstehung im Jahr 1989 im Vordergrund stehen.
3. Programmprinzipien: Dieses Kapitel erläutert die sechs zentralen Leitprinzipien, die zur Gründung der Sendung festgelegt wurden, und wie diese mit westlichen Infotainment-Standards kombiniert wurden.
4. Senderubriken: Der Aufbau der Sendung wird anhand konkreter Rubriken wie „Jetzt“, „Der Superhit“ oder „der aufrechte Gang“ detailliert dargestellt.
5. Rezeption: Hier werden die Zuschauerresonanz, die Quoten und die Wahrnehmung in der Presse sowie durch westdeutsche Medien analysiert.
6. Weitere Entwicklung der Sendung: Dieser Abschnitt beschreibt die Veränderung der Sendung im Zuge der Wende, die Einführung der „Elf99-Specials“ und den späteren Übergang zum privaten Fernsehprogramm (RTL/VOX).
7. Fazit: Das Fazit resümiert die Geschichte der Sendung als Pionier des Wendejournalismus und stellt deren Einzigartigkeit innerhalb der ostdeutschen Medienlandschaft heraus.
Schlüsselwörter
Elf99, DDR-Fernsehen, Wendezeit, Jugendmagazin, Infotainment, Wendejournalismus, Medienlandschaft, Deutsche Einheit, DFF, Enthüllungsjournalismus, Programmprinzipien, Medienrezeption, Agitation, Sozialismus, Fernsehgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Geschichte, Programmstruktur und die gesellschaftliche Bedeutung des DDR-Jugendmagazins Elf99 in der Zeit der Wende.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Entwicklung der Sendung, ihre Rolle als politisches Sprachrohr während der Wende und ihre spätere Transformation in ein kommerzielles Fernsehformat.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Elf99 vom DDR-Erziehungsinstrument zum „Motor der Wende“ wurde und warum es als einzige ostdeutsche Produktion diesen Status in der gesamtdeutschen Medienwelt behaupten konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung historischer Dokumente, Programmbeispiele und Zuschauerstatistiken aus der Wendezeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entstehungsgeschichte, die Analyse der Programmprinzipien, den Aufbau der Senderubriken, die Zuschauerrezeption sowie die Entwicklung der Sendung bis zu ihrer Einstellung 1994.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Elf99, Wendezeit, Infotainment, Wendejournalismus, DDR-Fernsehen und Medienrezeption.
Welche Rolle spielten die sogenannten „Elf99-Specials“?
Die Specials dienten als investigativ-kritische Sendungsformate, die aktuelle Ereignisse wie Maueröffnung oder die Öffnung der Stasi-Zentrale live aufgriffen und somit die journalistische Glaubwürdigkeit massiv stärkten.
Warum wurde Elf99 letztlich eingestellt?
Die Einstellung im Jahr 1994 war das Ergebnis sinkender Akzeptanz durch zunehmenden „optischen Verschleiß“, konzeptioneller Unsicherheiten bei privaten Sendern wie VOX und der Überzeugung, dass ein spezifisch ostdeutsches Jugendmagazin in der neuen Medienlandschaft keinen Platz mehr habe.
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- Juliane Krueger (Author), 2003, Elf99 - ein Magazin schreibt Wendegeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72394