Fragebogenkonstruktion - Einstellungsmessung zu genveränderten Lebensmitteln


Seminararbeit, 2006

36 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methode
2.1. Fragebogenkonstruktion
2.1.1. Skalierung
2.1.2. Itemformulierung
2.2. Datenerhebung und Beschreibung der Stichprobe

3. Ergebnisse
3.1. Itemebene
3.2. Testebene
3.2.1. Objektivität
3.2.2. Reliabilität
3.2.3. Validität

4. Diskussion

Literaturverzeichnis

Anlagenverzeichnis

1. Einleitung

Die Genmanipulation von Lebensmitteln stellt eine der Zukunftstechnologien des neuen Jahrtausends dar. Während der Anbau in Europa und Deutschland bislang sehr gering ist, ist vor allem in den USA der Anbau von genetisch veränderten Sojabohnen und Mais weit verbreitet. Das Ziel der genetischen Veränderung von Lebensmitteln ist hauptsächlich eine wirtschaftlichere Produktion, aber auch die Verbesserung der „biologischen“ Lebensmittelqualität, wie zum Beispiel die Haltbar- keit oder die Resistenz gegen Unkrautvernichtungsmittel, Insekten und Viren. Innerhalb der Europäischen Union gelten strenge Gesetze zur Rückverfolgung und speziellen Kennzeichnung solcher Produkte. Kritiker setzen den Zielen unter anderem entgegen, dass die Genmanipulation unmittelbar in die Erbsubstanz der Natur eingreift. Viele Verbraucher stehen diesem Thema daher mit Misstrauen gegenüber und sind verunsichert, da die Unbedenklichkeit dieser Lebensmittel nicht garantiert ist und somit gesundheitliche Folgen noch nicht absehbar sind. Befür- worter von genveränderten Lebensmitteln betonen jedoch deren Wichtigkeit für Wirtschaft und Umwelt (Bogdandy & Wolfrum, 2004).

Um diese Einstellungsdiskrepanz zu erfassen, wurde im Rahmen der Statistik- veranstaltung Methodenlehre III des Studienganges Wirtschaftspsychologie an der Universität Lüneburg ein Fragebogen konstruiert, der aus mindestens 20 dichotomen Items bestehen und die Einstellung zum Thema „Genmanipulierte Lebensmittel“ messen sollte. Eine Einstellung ist nach Eagly und Chaiken eine psychische Tendenz, die dadurch zum Ausdruck kommt, dass ein bestimmtes Objekt mit einem gewissen Grad von Zuneigung oder Abneigung bewertet wird (1998, zitiert nach Bohner, 2002). Die Konstrukteure waren im ersten Schritt gefordert zweckmäßige Skalen zu bilden, die das zu untersuchende hypothetische Konstrukt sinnvoll abbilden und Rückschlüsse zulassen. Einstellungen werden in der Literatur häufig in drei Komponenten unterteilt: Verhalten, Kognition und Affekt (1960, zitiert nach Bohner, 2002). Die zu messende Einstellung zu genmanipulierten Lebensmitteln wurde daher anhand verschiedener Items erfasst, denen die folgenden drei Skalen zugrunde gelegt wurden: Kauf- und Essverhalten, Kognition sowie Emotion und Sicherheitsempfinden. Für die Datenerfassung wurde eine Stichprobe von 50 Versuchspersonen zur einmaligen Erhebung herangezogen.

In der vorliegenden Studie werden zunächst die Ergebnisse auf der Itemebene anhand von Itemschwierigkeit (Popularität) und Trennschärfe analysiert. Items, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden eliminiert und interpretiert. Im Anschluss an die Itemanalyse wird die Testebene betrachtet. Anhand der Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität wird überprüft, ob der konstruierte Fragebogen die Einstellung zu gen-veränderten Lebensmitteln unabhängig, zuverlässig und genau misst. Abschließend werden in der Diskussion verschiedene Aspekte der ermittelten Ergebnisse aufge-griffen und kritisch beleuchtet.

2. Methode

2.1. Fragebogenkonstruktion

Hauptbestandteile von Einstellungen sind das Vorhandensein eines Einstellungs- objektes und der geistige Vorgang der Bewertung. Ersteres können nicht nur Gegenstände oder materielle Dinge sein, sondern vielmehr alles, was eine Person wahrnehmen oder sich vorstellen kann (Bohner, 2002). Für die durchzuführende Erhebung ist dieser Bestandteil der Einstellung durch die Aufgabenstellung klar definiert: Das Einstellungsobjekt ist „genveränderte Lebensmittel“. Das Hauptaugen- merk bei der Fragebogenkonstruktion lag daher auf dem geistigen Vorgang der Bewertung. Die Bewertungstendenz ist allerdings nicht direkt beobachtbar. Sie stellt ein Bindeglied zwischen bestimmten Reizen (Einstellungsgegenständen) und bestimmten Reaktionen dar. Einstellungen fungieren demnach als intervenierende Variable. Es wird angenommen, dass die Bewertungstendenz auf Erfahrung beruht und in verschiedenen beobachtbaren Formen zum Ausdruck kommt (ebenda). Sowohl die Erfahrung, die zu einer bestimmten Einstellung führt, als auch deren Ausdrucksformen werden nach Rosenberg und Hovland in drei Komponenten unterteilt: Konation, Kognition und Affekt (1960, zitiert nach Bohner, 2002). Die Gültigkeit dieses Dreikomponentenmodells wurde von Breckler belegt (Bohner, 2002).

2.1.1. Skalierung

Das Interesse der vorliegenden Erhebung gilt nicht der Untersuchung der Zusammensetzung von Einstellungen. Da es sich aber bei den drei Komponenten um konzeptionell unterschiedliche Arten der Erfahrung und Reaktion handelt, ist anzunehmen, dass entsprechende Fragebogenskalen ebenfalls unterschiedliche Aspekte der Einstellung gegenüber genveränderten Lebensmitteln erfassen. Daher wurde dieses Modell den verwendeten Skalen zugrunde gelegt.

Skala 1 (Kauf- und Essverhalten) repräsentiert die Verhaltenskomponente bzw. die konative Komponente des Dreikomponentenmodells. Sie erfasst verbale Äußerungen über Handlungen und Verhaltensabsichten des Probanden. Die Verhaltensskala wurde auf Kauf und Verzehr von genveränderten Lebensmitteln beschränkt, da diese Tätigkeiten die Hauptberührungspunkte der befragten Probanden mit dem Einstellungsobjekt darstellen.

Skala 2 (Kognition) erfasst Überzeugungen und Meinungen gegenüber dem Einstellungsobjekt. Jedes Individuum konstruiert sich seine eigene subjektive Realität, die von verschiedenen Faktoren abhängig ist. Einerseits spielt der Wissensstand der Person gegenüber dem Einstellungsobjekt eine beträchtliche Rolle, andererseits das Erkennen und Gewichten von Vor- und Nachteilen und der daraus resultierenden Schlussfolgerung bezüglich der Einstellung zu diesem Thema (Zimbardo & Gerrig, 2004).

Skala 3 (Emotion und Sicherheitsempfinden) entspricht der Komponente „Affekt“ des Dreikomponentenmodells und erfasst Emotionen und Gefühle, welche der Proband mit genveränderten Lebensmitteln assoziiert. Die Komponente Sicherheitsempfinden bezieht sich auf das Vertrauen, welches der Proband der Regierung, öffentlichen Institutionen, der Lebensmittelindustrie und/oder dem Rechtssystem entgegenbringt. Dieser Aspekt wurde der Skala 3 hinzugefügt, da angenommen wird, dass er ebenfalls einen starken affektiven Einfluss hat und somit Teil der Emotionen gegenüber dem Einstellungsobjekt ist.

2.1.2. Itemformulierung

Zu jeder der drei Skalen wurden 30 Items unter Berücksichtigung folgender Kriterien formuliert: Vermeidung von doppelten Negationen, Verallgemeinerungen jeglicher Art, Tatsachenbehauptungen, Fremdwörtern und Fachbegriffen sowie komplizierten Satzkonstruktionen (Bühner, 2004). Dem Fragebogen liegt eine dichotome Antwortskala mit den Ausprägungen „stimme zu“ und „stimme nicht zu“ zugrunde. Um einseitige Antworttendenzen der Probanden zu vermeiden wurde bei der Formulierung der Items auf eine ausgeglichene Schlüsselrichtung (Polung) geachtet.

Bei der vorliegenden Erhebung liegt eine positive Merkmalsausprägung vor, d.h. eine ablehnende Einstellung gegenüber genveränderten Lebensmitteln, wenn der Proband positiv gepolte Items mit „stimme zu“ und negativ gepolte mit „stimme nicht zu“ beantwortet. Ein konträres Antwortverhalten drückt eine zustimmende Einstellung gegenüber dem Einstellungsobjekt aus (negative Merkmalsausprägung).

Im Anschluss an die Formulierung wurden die 90 Items bezüglich Bedeutungsäquivalenz, Relevanz für das zu messende Merkmal, Homogenität und sprachlicher Verständlichkeit erneut augenscheinlich beurteilt. Für den Erhebungsbogen wurden auf diese Weise 26 Items ausgewählt. Des Weiteren wurde ein Screening- Item formuliert, um mögliche Einflüsse des individuellen Informationsstandes auf den Bewertungsvorgang zu untersuchen (siehe Anlage 2).

2.2. Datenerhebung und Beschreibung der Stichprobe

Die der Untersuchung zugrunde liegende Stichprobe mit einem Umfang von N = 50 wurde im Zeitraum 22. November bis 02. Dezember 2005 befragt. Die Versuchspersonen waren einerseits Verwandte sowie Freunde der Fragebogenersteller und andererseits Personen aus dem beruflichen Umfeld. Letztere sind Mitarbeiter des Finanzamtes Lüneburg sowie der Firmen Steria Mummert Consulting AG und Hachenberg & Richter Unternehmensberatung GmbH. Die Personenauswahl wurde stark durch die Verfügbarkeit der Probanden determiniert.

Der Fragebogen wurde persönlich an die Probanden ausgegeben und nach Beantwortung direkt wieder entgegengenommen. Die Erhebung erfolgte als Einzelbefragung und ohne Zeitvorgabe.

Unter den Befragten befanden sich 22 Frauen und 27 Männer, so dass von einer annähernden Gleichverteilung gesprochen werden kann. Die Altersspanne lag zwischen 18 und 56 Jahren und war damit sehr ausgedehnt. Den stärksten Anteil stellten mit 26% Probanden im Alter von 26 bis 30 Jahren. Mit jeweils 18% folgten die 18 bis 25 Jährigen sowie die über 40 Jährigen (siehe Anlage 9).

Bei Betrachtung der Familienverhältnisse waren 40% verheiratet, 32% ledig und 28% der Probanden gaben an, sich in einer festen Partnerschaft zu befinden. Über die Hälfte der Befragten (58%) waren kinderlos. Ein Fünftel der Stichprobe hatte ein Kind, weitere 14% hatten zwei Kinder.

Bei der Analyse der beruflichen Tätigkeit ist eine starke Konzentration auf Finanzbeamte (38%) erkennbar, die sich auf die hohe Anzahl verfügbarer Probanden im Finanzamt Lüneburg während des Erhebungszeitraumes zurückführen lässt. Darüber hinaus ist unter den übrigen 62% eine breite Streuung von Berufen feststellbar. Dokumentiert wird dieser Sachverhalt unter anderem in der Rubrik „Sonstige“, die mit 22% ebenfalls einen relativ hohen Anteil darstellt. Innerhalb der restlichen fünf von den Fragebogen-Konstrukteuren gebildeten Berufsgruppen, wie zum Beispiel Bürokaufleute und Selbstständige, liegen die prozentualen Anteile bei 6% oder 8% und sind damit annähernd gleich groß (siehe Anlage 9).

3. Ergebnisse

Um die Antworten der Probanden unter Berücksichtigung der Itempolung zu betrachten, wurden zwei Scorematrizen erstellt. Es handelt sich dabei um eine codierte und eine invertierte Matrix.

Die codierte Matrix enthält die Antworten der Probanden zu den einzelnen Items, ohne die Polung der Items zu berücksichtigen. So wird hier jeder positiven Antwort („stimme zu“) auf ein Item eine „1“ und jeder negativen Antwort („stimme nicht zu“) eine „0“ zugewiesen.

Die invertierte Matrix enthält die Antworten der Teilnehmer unter Berücksichtigung der Itempolung. Das bedeutet, dass aus einem „stimme zu“ (positive Antwort = „1“) bei einem negativ gepolten Item eine „0“ wird. Aus einem „stimme nicht zu“ (negative Antwort = „0“) wird eine „1“.

Diese Methode wird angewandt, da negativ gepolte Items das zu überprüfende Merkmal bestätigen, wenn mit „stimme nicht zu“ geantwortet wird. Anhand der Scorematrix soll überprüft werden, bei welchem Item und wie häufig insgesamt ein Proband das zu überprüfende Merkmal aufweist.

Die erste Spalte enthält 40 Probanden. In der obersten Zeile sind die 27 Items abgebildet. Die Bezeichnung der Items setzt sich wie folgt zusammen: Das „i“ steht für den Begriff Item, die danach folgende Ziffer entspricht der jeweiligen Nummerierung des Items. Die Bezeichnung „s“ symbolisiert die jeweilige Skala, die mit dem Item überprüft werden soll: 1 = Kauf- und Essverhalten, 2 = Kognition sowie 3 = Emotion und Sicherheitsempfinden. Die folgende Bezeichnung positiv oder invertiert zeigt die jeweilige Polung an. Die Spalte ∑Xi enthält die Summe der positiven Antworten über alle Items, die ein Proband abgegeben hat (siehe Anlage 3).

3.1. Itemebene

„Bei der Itemanalyse handelt es sich um ein Kernstück der Fragebogenkonstruktion. Sie besteht in einer statistischen Überprüfung jedes Items des Fragebogens“ (S.71, Mummendey, 1999) anhand der Kriterien Itemschwierigkeit und Itemtrennschärfe. „Mit der Itemanalyse wird entschieden, welche Items beibehalten und in die spätere endgültige Form des Fragebogens aufgenommen werden - die übrigen Items werden eliminiert und nicht weiter verwendet“ (ebenda).

Um eine Verfälschung der Ergebnisse zu vermeiden wurden bei der Ermittlung der Kriterien nur die Fragebögen herangezogen, die keine „Missings“ aufwiesen (Listenweiser Fallausschluss). Dies hatte zur Folge, dass letztlich 40 von 50 Fragebögen in die Auswertung einflossen (siehe Anlage 3).

Unter der Itemschwierigkeit „wird die relative Häufigkeit von Probanden verstanden, die auf das betreffende Item im Sinne des untersuchten Merkmals reagieren“ (S.118, Amelang & Zielinski, 2002).

Die Berechnung der Itemschwierigkeit lässt sich auf folgende Formel zurückführen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispielberechnung für Item 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Laut Lienert und Raatz (1998) wird die Itemschwierigkeit auch als Popularität bezeichnet. Je mehr Probanden ein Item mit „stimme zu“ beantworten, desto populärer ist es, d.h., dass sich bei einer hohen Itemschwierigkeit die Mehrzahl der Probanden gegen genveränderte Lebensmittel ausgesprochen hat.

In wissenschaftlichen Studien werden Items gewöhnlich mit einer Itemschwierigkeit zwischen 0.3 und 0.7 anerkannt. Die optimale Differenzierung zwischen einer ablehnenden oder zustimmenden Einstellung zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln von Probanden liegt bei einer mittleren Itemschwierigkeit von 0.5 vor (Mummendey, 1999). Um bei der vorliegenden, in Zeit und Umfang begrenzten Studie eine verwertbare Basis für die Berechnung der Kennwerte auf Testebene zu erhalten, werden Items mit einem Schwierigkeitsgrad zwischen 0.2 und 0.8 verwendet, wie es nach Mummendey (1999) ebenfalls möglich ist.

Unter Trennschärfe versteht man „die Korrelation der Itembeantwortung mit dem Summenwert der Skala, zu der das betreffende Item gehört“ (S.127, Amelang & Zielinski, 2002).

Aufgrund der dichotomen Itemformulierung wurde für die Berechnung der korrigierten Itemtrennschärfe die punktbiseriale Korrelation angewandt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispielberechnung für Item 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Je höher die Trennschärfe, desto besser trennt ein Item zwischen Probanden mit hoher und Probanden mit niedriger Merkmalsausprägung. Im Zusammenhang mit der vorliegenden Studie gibt die Trennschärfe an, ob das einzelne Item zwischen Probanden mit einer positiven bzw. negativen Einstellung gegenüber genmanipulierten Lebensmitteln mehr oder weniger gut trennt. In wissenschaftlichen Studien sollte die Trennschärfe üblicherweise den Wert 0.5 überschreiten. In der vorliegenden Fragebogenerhebung wird zu Übungszwecken ein Item mit einer Trennschärfe von 0.3 als trennscharf anerkannt. Die Trennschärfe ist am höchsten bei mittlerer Popularität der Items (Lienert & Raatz, 1998).

Von den insgesamt 26 Fragebogenitems konnten nach Anwendung der oben genannten Kriterien 16 Items zur weiteren statistischen Analyse übernommen werden. Die restlichen Items wurden eliminiert, da diese den Voraussetzungen der Itemschwierigkeit und/oder der Trennschärfe nicht genügten. Im Folgenden werden die eliminierten Items der einzelnen Skalen näher betrachtet und auf mögliche Fehler bei der Fragebogenkonstruktion untersucht.

Die Skala Kauf- und Essverhalten versucht Handlungen und Verhaltensabsichten der Probanden zu erfassen (vgl. Kapitel 2.1). Sie beinhaltet insgesamt acht Items, von denen die folgenden drei Items eliminiert wurden:

Fragebogenitem 7: „ Ich würde auch eine blaue Tomate essen.“

Aufgrund der Grenzwertigkeit dieses Items wurde es nicht zu weiteren Berechnungen herangezogen. Die Itemschwierigkeit von 0,8000 könnte darin begründet liegen, dass dieses Item eher die Offenheit gegenüber Neuem, anstelle der Einstellung gegenüber genmanipulierten Lebensmitteln misst. Außerdem könnte die gewählte Farbe „blau“ als unnatürlich angesehen werden und Auswirkungen auf das persönliche Empfinden des Probanden haben, welches eine ablehnende Einstellung nach sich zieht.

Fragebogenitem 14: „Bevor ich ein Lebensmittel kaufe, informiere ich mich über die Inhaltsstoffe.“

Die Trennschärfe dieses Items beträgt 0.2164 und erfüllt nicht das Kriterium. Mit diesem Item wird scheinbar nicht die Einstellung gegenüber genmanipulierten Lebensmitteln gemessen. Es gibt lediglich eine Auskunft über das Kaufverhalten des Probanden, denn letztlich ist die Intention, sich über die Inhaltsstoffe eines Produktes zu informieren, individuell verschieden. Weiterhin ist der Begriff „informieren“ nicht hinreichend präzisiert.

Fragebogenitem 21: „Eine Obstsorte die nach all meinen Lieblingsfrüchten gleich- zeitig schmeckt, würde ich sofort kaufen.“

Dieses Item weist eine zu hohe Itemschwierigkeit von 0.8500 auf und wurde daher für die weiteren Berechnungen nicht mehr berücksichtigt. Eine Obstsorte zu kaufen, die nach allen Lieblingsfrüchten gleichzeitig schmeckt, erfordert eine Abweichung vom „natürlichen“, gewohnten Verhalten, was den ausgeprägten Wert der Itemschwierigkeit erklären würde. Zudem stellt sich die Frage, ob eine Kombination der verschiedenen Geschmacksrichtungen erwünscht ist.

Die zweite Dimension wurde als Kognition bezeichnet und erfasst Überzeugungen und Meinungen gegenüber genmanipulierten Lenbensmitteln (nähere Erläuterungen vgl. Kapitel 2.1). Sie umfasst insgesamt zehn Items, von denen die folgenden fünf die Kriterien nicht erfüllt haben:

Fragebogenitem 3: „Gemüse sollte nur aus dem bestehen, was ihm von der Natur gegeben ist.“

Die Itemschwierigkeit dieses Items liegt bei 0.8750 und wurde aus diesem Grund eliminiert. Die mögliche Ursache für die hohe Popularität könnte in der Formulierung des Items begründet liegen, da diese als Tatsachenbehauptung, „nur Natürliches ist gesund“, aufgefasst werden und daher stark lenkend wirken könnte. Des Weiteren handelt es sich um ein sehr allgemein gefasstes Item, welches keine differenzierte Aussage über den Begriff „Natur“ beinhaltet. Das Antwortverhalten der Probanden könnte auch durch die Intention, sozial erwünscht zu antworten, geprägt sein.

Fragebogenitem 10: „Der natürliche Reifungsprozess von Obst und Gemüse ist zu kostenintensiv.“

Die Itemschwierigkeit dieses Items weist einen Wert von 0.8250 auf, die Trennschärfte beträgt 0,1578. Hier könnte die mangelnde Bedeutungsäquivalenz des Items dazu geführt haben, dass die Probanden das Item in unterschiedlicher Weise interpretiert haben. Die Begriffe „natürlicher Reifungsprozess“ und „kostenintensiv“ wurden nicht klar umrissen. Somit ist deren Interpretation von der individuellen Einstellung und dem Informationsstand des Probanden abhängig. Ebenfalls könnte bei der Beantwortung des Items die derzeitige wirtschaftliche Situation eine Rolle gespielt haben.

Fragebogenitem 13: „Konsumenten gentechnischer Lebensmittel sind Testpersonen für die Lebensmittelindustrie.“

Dieses Item weist eine mittlere Itemschwierigkeit (0.5250) auf und müsste daher eigentlich trennscharf sein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Fragebogenkonstruktion - Einstellungsmessung zu genveränderten Lebensmitteln
Hochschule
Universität Lüneburg  (Wirtschaftspsychologie )
Veranstaltung
Methodenlehre III
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
36
Katalognummer
V72410
ISBN (eBook)
9783638632959
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fragebogenkonstruktion, Einstellungsmessung, Lebensmitteln, Methodenlehre
Arbeit zitieren
Kirsten Oltmer (Autor:in), 2006, Fragebogenkonstruktion - Einstellungsmessung zu genveränderten Lebensmitteln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72410

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