Diese Untersuchung beschreibt die schrittweise Entwicklung eines Fragebogens als methodisches Instrument und dessen Einsatz zur Messung des hypothetischen Konstruktes: Einstellung zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Im Rahmen des Studiums der Wirtschaftspsychologie sollten Studenten des dritten Semesters ihre erlangten theoretischen Fähigkeiten in einer praxisnahen Situation umsetzen und somit erste Erfahrungen in der Testkonstruktion gewinnen. Zu den Aufgaben der Studenten zählten neben der Item-Formulierung auch die praktische Durchführung der schriftlichen Befragung. Hierzu wurde eine Stichprobe von 50 Probanden herangezogen. Auf Basis der erhobenen Daten waren die einzelnen Fragebogenitems sowie die gesamte Testkonstruktion anhand der wissenschaftlichen Gütekriterien Popularität und Trennschärfe sowie Reliabilität, Validität und Objektivität zu prüfen, zu analysieren und zu bewerten.
Schlagworte: Fragebogen-Konstruktion - Einstellung – Item-Formulierung – gentechnisch veränderte Lebensmittel – Gütekriterien in der Testkonstruktion
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methode
2.1. Fragebogenkonstruktion
2.1.1. Skalierung
2.1.2. Itemformulierung
2.2. Datenerhebung und Beschreibung der Stichprobe
3. Ergebnisse
3.1. Itemebene
3.2. Testebene
3.2.1. Objektivität
3.2.2. Reliabilität
3.2.3. Validität
4. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit beschreibt die schrittweise Entwicklung eines Fragebogens zur Messung der Einstellung zu genveränderten Lebensmitteln. Ziel der Untersuchung ist es, die theoretischen Kenntnisse der Wirtschaftspsychologie in einem praktischen Umfeld anzuwenden und die psychometrische Qualität der Konstruktion anhand von Gütekriterien zu überprüfen.
- Entwicklung eines Fragebogens als methodisches Instrument
- Messung des hypothetischen Konstrukts "Einstellung zu genveränderten Lebensmitteln"
- Statistische Analyse der Itembene (Schwierigkeit, Trennschärfe)
- Bewertung auf Testebene anhand von Objektivität, Reliabilität und Validität
- Empirische Datenerhebung mittels einer Stichprobe von 50 Personen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Genmanipulation von Lebensmitteln stellt eine der Zukunftstechnologien des neuen Jahrtausends dar. Während der Anbau in Europa und Deutschland bislang sehr gering ist, ist vor allem in den USA der Anbau von genetisch veränderten Sojabohnen und Mais weit verbreitet. Das Ziel der genetischen Veränderung von Lebensmitteln ist hauptsächlich eine wirtschaftlichere Produktion, aber auch die Verbesserung der „biologischen“ Lebensmittelqualität, wie zum Beispiel die Haltbarkeit oder die Resistenz gegen Unkrautvernichtungsmittel, Insekten und Viren. Innerhalb der Europäischen Union gelten strenge Gesetze zur Rückverfolgung und speziellen Kennzeichnung solcher Produkte. Kritiker setzen den Zielen unter anderem entgegen, dass die Genmanipulation unmittelbar in die Erbsubstanz der Natur eingreift. Viele Verbraucher stehen diesem Thema daher mit Misstrauen gegenüber und sind verunsichert, da die Unbedenklichkeit dieser Lebensmittel nicht garantiert ist und somit gesundheitliche Folgen noch nicht absehbar sind. Befürworter von genveränderten Lebensmitteln betonen jedoch deren Wichtigkeit für Wirtschaft und Umwelt (Bogdandy & Wolfrum, 2004).
Um diese Einstellungsdiskrepanz zu erfassen, wurde im Rahmen der Statistikveranstaltung Methodenlehre III des Studienganges Wirtschaftspsychologie an der Universität Lüneburg ein Fragebogen konstruiert, der aus mindestens 20 dichotomen Items bestehen und die Einstellung zum Thema „Genmanipulierte Lebensmittel“ messen sollte. Eine Einstellung ist nach Eagly und Chaiken eine psychische Tendenz, die dadurch zum Ausdruck kommt, dass ein bestimmtes Objekt mit einem gewissen Grad von Zuneigung oder Abneigung bewertet wird (1998, zitiert nach Bohner, 2002). Die Konstrukteure waren im ersten Schritt gefordert zweckmäßige Skalen zu bilden, die das zu untersuchende hypothetische Konstrukt sinnvoll abbilden und Rückschlüsse zulassen. Einstellungen werden in der Literatur häufig in drei Komponenten unterteilt: Verhalten, Kognition und Affekt (1960, zitiert nach Bohner, 2002). Die zu messende Einstellung zu genmanipulierten Lebensmitteln wurde daher anhand verschiedener Items erfasst, denen die folgenden drei Skalen zugrunde gelegt wurden: Kauf- und Essverhalten, Kognition sowie Emotion und Sicherheitsempfinden. Für die Datenerfassung wurde eine Stichprobe von 50 Versuchspersonen zur einmaligen Erhebung herangezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Genmanipulation von Lebensmitteln ein und erläutert die theoretische Herleitung sowie das Ziel der Fragebogenkonstruktion im Rahmen des Seminars.
2. Methode: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Dreikomponentenmodells für Einstellungen und das Vorgehen bei der Skalierung, Itemformulierung sowie die Stichprobenbeschreibung detailliert beschrieben.
3. Ergebnisse: In diesem Teil erfolgt die statistische Auswertung auf Item- und Testebene, wobei Kennwerte wie Schwierigkeit und Trennschärfe analysiert sowie Objektivität, Reliabilität und Validität bewertet werden.
4. Diskussion: Das abschließende Kapitel reflektiert kritisch das methodische Vorgehen, die Stichprobenauswahl und interpretiert die erzielten Ergebnisse im Kontext von soziodemografischen Einflüssen und gesellschaftlichen Störvariablen.
Schlüsselwörter
Fragebogen-Konstruktion, Einstellung, Item-Formulierung, gentechnisch veränderte Lebensmittel, Gütekriterien, Testkonstruktion, Itemanalyse, Itemschwierigkeit, Trennschärfe, Reliabilität, Validität, Objektivität, Wirtschaftspsychologie, Datenerhebung, Skalierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert den Prozess der Konstruktion eines psychologischen Fragebogens, der die Einstellung von Menschen gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln messbar macht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Bereiche Konsum- und Essverhalten, kognitive Überzeugungen sowie emotionale Aspekte und Sicherheitsempfinden in Bezug auf Genfood.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel war es, innerhalb eines universitären Seminars theoretisches Wissen zur Testkonstruktion praktisch anzuwenden und einen Fragebogen zu entwickeln, der wissenschaftlichen Gütekriterien standhält.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Befragung mit 50 Probanden durchgeführt, wobei die Daten hinsichtlich Itemschwierigkeit, Trennschärfe sowie Reliabilität (Cronbachs Alpha, Split-half) mittels SPSS ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die methodische Konstruktion der Items, die statistische Überprüfung der einzelnen Testfragen sowie die Analyse der Testgüte hinsichtlich Objektivität, Reliabilität und Validität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Fragebogen-Konstruktion, Einstellungsforschung, Testgütekriterien, Itemanalyse und gentechnisch veränderte Lebensmittel.
Warum wurden bestimmte Items eliminiert?
Items wurden aufgrund unzureichender statistischer Trennschärfe oder extremer Schwierigkeitswerte eliminiert, wenn sie den wissenschaftlichen Kriterien für eine gute Differenzierung der Probanden nicht entsprachen.
Welche demografischen Unterschiede zeigten sich bei der Auswertung?
Die Analyse ergab, dass jüngere Befragte tendenziell positiver eingestellt sind als ältere und dass Frauen eine negativere Einstellung zu genveränderten Lebensmitteln aufweisen als Männer.
- Quote paper
- Kirsten Oltmer (Author), 2006, Fragebogenkonstruktion - Einstellungsmessung zu genveränderten Lebensmitteln, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72410