Es geht in dieser Arbeit darum, die Lebensgeschichte von Regina A. zu begreifen und ein Verständnis für sie und ihr Verhalten zu entwickeln.
Die Frage, unter welchen Bedingungen sich ihre Persönlichkeit entwickelt hat, gibt Antwort auf das Vorhandensein bestimmter Symptome, wie zum Beispiel selbstverletzendes Verhalten. In Situationen starker Belastung ist die Selbstverletzung Reginas „Ventil“ um den Druck abzulassen. Des Weiteren werden noch andere Symptome benannt, mit denen sich Regina A. identifizieren kann. Das Hauptaugenmerk soll jedoch auf Reginas „Attacken“ liegen.
Anliegen dieser Arbeit ist es, zu zeigen, dass diese Symptome für Regina lebensgeschichtlich nachvollziehbare Muster darstellen.
Aus diesem Grund wird in einem Kapitel der Arbeit die Biographie von Regina A. unter entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten betrachtet. In diesem Kontext soll speziell die „Krise des Einjährigen“ im Blickpunkt stehen.
Außerdem werden noch weitere Gedichte von Regina bzw. Auszüge aus
E-Mails an mich in die Ausführungen mit einfließen, weil diese sehr gut ihre Stimmung zeigen.
Zum Abschluss der Arbeit soll kurz versucht werden, Perspektiven für Regina A. aufzuzeigen, die ihr Orientierung und Sicherheit vermitteln.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Einleitung
2. Zur Biographie von Regina A.
2.1 Frühe Kindheit
2.2 Schulzeit und Pubertät
2.3 Berufliche Orientierung und Berufsausbildung
2.4 Berufsleben
2.5 Kuraufenthalt 2000/2001
2.6 Die Zeit nach der Diagnosestellung (aus Sicht der Betroffenen)
2.6.1 Wann kommt es zu einer „Attacke“ und was geschieht dann?
2.6.2 Wie oft kommt es zu einer „Attacke“?
2.6.3 Was hilft?
2.7 Aktuelle Situation (bis Dezember 2004)
3. Betrachtung der Biographie aus entwicklungspsychologischer Sicht
3.1 Die Krise des Einjährigen - Kleinkindalter (1 Jahr bis 3 Jahre)
3.2 Die Krise des Einjährigen unter isolierenden Bedingungen
4. Perspektiven für Regina A.
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Lebensgeschichte von Regina A. durch den Ansatz der Rehistorisierung zu verstehen, um ihr Verhalten und das Auftreten spezifischer Symptome, wie selbstverletzendes Handeln, nachvollziehbar zu machen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die entwicklungspsychologischen Bedingungen ihrer Persönlichkeitsentwicklung unter Berücksichtigung früher Bindungserfahrungen.
- Biographische Analyse unter Berücksichtigung von Kindheit und Jugend
- Untersuchung des Borderline-Syndroms aus subjektiver Betroffenensicht
- Entwicklungspsychologische Betrachtung der „Krise des Einjährigen“
- Analyse von Auswirkungen isolierender Lebensbedingungen
- Aufzeigen von Bewältigungsstrategien und Zukunftsperspektiven
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Krise des Einjährigen unter isolierenden Bedingungen
Isolierende Bedingungen sind beispielweise gegeben, wenn eine anregungsarme Umgebung und ein rein versorgender Umgang mit dem Kind (unkooperativ und undialogisch) vorliegt. Demzufolge kann der Heimalltag, indem sich Regina im Alter von einem Jahr schon länger befindet, durchaus als isolierende Bedingung angesehen werden. In solchen Einrichtungen fehlt häufig die Zeit für individuelle Kontakte zu den Kindern. Dementsprechend kann man auch davon ausgehen, dass es Regina in der Phase der gegenständlichen Tätigkeit an adäquater Zuwendung gefehlt hat. Wird der Zugang zu den Gegenständen von Seiten der Erwachsenen verwehrt oder die Bedürfnislage des Kindes abgewertet, kann es zu aggressivem Verhalten kommen. Das Kind versucht dadurch seine Bedürfnisse bezüglich der gegenständlichen Tätigkeiten um jeden Preis durchzusetzen. Dazu gehört auch, die Aggression gegen Gegenstände oder Personen zu richten, die das Kind an seiner Tätigkeit hindern bzw. es verzichtet gänzlich auf die Realisierung seiner Bedürfnisse aus Angst vor Bestrafung. (vgl. JANTZEN 1992, S. 322)
Leider ist von Reginas Verhalten während dem Heimaufenthalt nichts konkretes bekannt, deshalb können an dieser Stelle gewisse Dinge nur erahnt werden. Es ist denkbar, dass Regina das später noch angewendete Schreien schon in dieser Zeit genutzt hat, um Kooperation mit den Betreuern einzufordern und von den anderen Kindern „abzulenken“. Denn später nutzte Regina, nach Aussagen der Adoptivmutter, das Schreien häufig im Kontext mit ihren Adoptivbrüdern oder anderen „Eindringlingen“.
Während der Entwicklung der gegenständlichen Tätigkeit werden Tätigkeiten häufig wiederholt, dadurch festigen sich Vorstellungen von Gegenständen und Personen, Gedächtnis von Werkzeugbedeutungen entsteht. Wie schon erwähnt, benötigt das Kind dazu eine angemessene Aufmerksamkeit und Bekräftigung durch einen Erwachsenen. Dies ist unbedingt notwendig, weil das Kind den Werkzeugcharakter erschließt, indem es Sprachmuster (von Erwachsenen) nachahmt. Was später beim Kind zum Sprechen von Ein- und Zweiwortsätzen führt, mit denen es dazu befähigt wird seine Bedürfnisse auszudrücken.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Ein persönliches Gedicht der Betroffenen verdeutlicht den inneren Zwiespalt und die existenzielle Sinnsuche.
1. Einleitung: Vorstellung des methodischen Ansatzes der Rehistorisierung zur Ergründung von Reginas Lebensgeschichte und Symptomatik.
2. Zur Biographie von Regina A.: Detaillierte Darstellung der Lebensstationen von der frühen Kindheit im Heim über die Schulzeit und Ausbildung bis hin zum Berufsleben.
3. Betrachtung der Biographie aus entwicklungspsychologischer Sicht: Theoretische Einordnung von Reginas Kindheitserfahrungen in entwicklungspsychologische Konzepte, insbesondere die „Krise des Einjährigen“.
4. Perspektiven für Regina A.: Aufzeigen von Unterstützungsmöglichkeiten und notwendigen Schritten zur Stabilisierung der aktuellen Lebenssituation.
5. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Erkenntnis, dass das gezeigte Verhalten lebensgeschichtlich begründete Muster sind, die ein stabiles Fundament in den frühen Lebensjahren vorausgesetzt hätten.
Schlüsselwörter
Borderline-Syndrom, Rehistorisierung, Entwicklungspsychologie, Biographiearbeit, Selbstverletzung, Kleinkindalter, Bindungssicherheit, Deprivation, Krise des Einjährigen, Identitätsentwicklung, Heilpädagogik, psychische Gesundheit, Traumwelt, emotionale Instabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Borderline-Syndrom am Beispiel der Lebensgeschichte von Regina A., um ein tieferes Verständnis für ihre Verhaltensmuster zu entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die biographische Aufarbeitung, die Auswirkungen früher Vernachlässigung und die entwicklungspsychologische Analyse der Kindheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Anwendung des Ansatzes der Rehistorisierung, um Reginas Handlungen als lebensgeschichtlich nachvollziehbare Muster begreifbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Verfasserin nutzt eine biographische Fallstudie, die durch entwicklungspsychologische Theoriebildung und die Einbeziehung persönlicher Dokumente gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende biographische Darstellung sowie die theoretische Analyse unter entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Borderline-Syndrom, Rehistorisierung, Bindungssicherheit, Deprivation und Identitätsentwicklung.
Welche Rolle spielt die „Krise des Einjährigen“ in dieser Arbeit?
Sie dient als entwicklungspsychologischer Schlüsselmoment, um Reginas spätere Schwierigkeiten in der Ich-Entwicklung und den Umgang mit zwischenmenschlicher Nähe zu erklären.
Warum spielt das Schreien laut der Verfasserin eine so wichtige Rolle für Regina A.?
Das Schreien wird als eine früh erlernte Verhaltensstrategie interpretiert, um in einer anregungsarmen Heim-Umgebung Aufmerksamkeit und Kooperation zu erzwingen.
Wie bewertet die Verfasserin Reginas Chancen auf Besserung?
Die Verfasserin sieht durch kontinuierliche therapeutische Begleitung und ein stabiles Umfeld Perspektiven für Regina, mahnt jedoch bei erneuten Krisen einen Klinikaufenthalt an.
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- Susanne Richter (Author), 2004, Borderline-Syndrom , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72439