Fußball und Männlichkeit

Stürmen Frauen die Bastion der Männlichkeit?


Hausarbeit, 2007
25 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Die Entstehung des Fußballs
1.2 Fußball im 20. Jahrhundert
1.3. Fußball im 21. Jahrhundert

2. Fußball und Männlichkeit
2.1 Herstellung und Aneignung von Männlichkeit
2.2 Rollenbilder
2.3 Inszenierung von Fußball
2.3.1 Außerhalb des Spielfeldes
2.3.2 Auf dem Spielfeld

3. Andersartigkeit im Fußball
3.1 Fußball und Homosexuelle
3.1.1 Fußball und männliche Homosexuelle
3.1.2. Fußball und weibliche Homosexuelle
3.2 Frauen und Fußball
3.2.1 Frauenfußball
3.2.2 Fußball und Frauen

4 Zusammenfassung

Bibliographie

1 Einleitung

Die Fußball-WM im letzten Jahr sorgte nicht nur in Deutschland für einen Boom. Weltweit rückte dieser Sport wieder für sechs Wochen in den Fokus der Weltöffentlichkeit und führte zu einem neuen internationalen Ansehen der Bundesrepublik. Die Deutschen präsentierten sich entgegen der Stereotype als freundlich, aufgeschlossen und ausgelassen. Ein Grund war sicherlich, dass sich auch immer mehr Frauen für diesen männlich konnotierten Sport interessieren. Doch woher kommt diese Verbindung zwischen Fußball und Männlichkeit? Wie wird diese Männlichkeit hergestellt, welche Rollen gibt es und wie reagiert der Fußball auf Andersartigkeit? Im Rahmen dieser Hausarbeit versuche ich einen Überblick über Fußball und Männlichkeit zu geben, sowie Antworten auf die gestellten Fragen zu liefern. Zuerst muss allerdings die Entstehung des Fußballs betrachtet werden.

1.1 Die Entstehung des Fußballs

England wird seit vielen Jahren als das Mutterland des Fußballs bezeichnet, was historisch betrachtet allerdings falsch ist. Quellen1 besagen, dass schon im alten China vor 4000 Jahren Fußball gespielt wurde.

Im 19. Jahrhundert erlebte der Fußball einen großen Schub. 1846 stellten Studenten der Cambridge Universität erstmalig verbindliche Regeln auf und elf Jahre später gab es in England den ersten Fußballverein der Welt2, den FC Sheffield. Sechs Jahre nach der Gründung des ersten Fußballklubs der Welt entstand in England der weltweit erste Fußballverband, die Football Association (FA) und verfasste das erste Regelwerk.

Gespielt wurde Fußball im 18. und 19. Jahrhundert in der Regel von Schüler der englischen Privatschulen, die in dieser Sportart Werte wie Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, den Gedanken des Fair play und Mut vermittelt bekamen.

1.2 Fußball im 20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert ließ den Fußball zu einer populären Massenkultur werden. Die Zahl der Spieler und Vereine stieg stetig an und Fußball wurde von Jahr zu Jahr zu einem größeren Medienereignis.

Zu Beginn des Jahrhunderts erlebte der Fußball ein dunkles Kapitel, als die diktatorischen Führer wie Adolf Hitler, Benito Mussolini oder Francisco Franco diesen Sport für ihre Propaganda nutzten, Spiele manipulierten und durch die geführten Kriege dem Sport die Spieler entzogen.

1930 sah die Welt des Fußballs noch relativ freundlich aus. Nachdem Fußball vorher schon eine olympische Sportart war, wurde 1930 auch die erste Fußballweltmeisterschaft ausgerichtet. Zum ersten Spiel der WM-Geschichte zwischen Frankreich und Mexiko (4:1) kamen lediglich 500 Zuschauer ins Stadion3. Auch das Medieninteresse hielt sich in Grenzen.

1934 (in Italien) und 1938 (in Frankreich) fand die WM auf europäischem Boden statt und konnte steigende Besucherzahlen aufweisen. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 geriet der Fußball als Freizeitsport in eine Krise. Statt Fußball zu spielen hatten die Männer in Europa und später weltweit ihren Dienst an der Waffe zu leisten und die zahlreichen –vornehmlich männlichen- Opfer des Krieges entzogen nicht nur dieser Sportart die Akteure. Fußball wurde vom Militär stärker als Ertüchtigungsmaßnahme und Schärfung der Disziplin und der Teamfähigkeit genutzt, jedoch war der Wettbewerbsfußball während des Krieges unmöglich.

Nach Ende des Krieges widmeten sich die Männer wieder dem Fußball und ab 1950 fand die WM regelmäßig alle vier Jahre statt.

Knapp zwanzig Jahre später , am 24.03. 1973, präsentierte Eintracht Braunschweig im Spiel gegen Schalke 04 mit der Firma Jägermeister den ersten kommerziellen Trikotsponsor und kassierte dafür 100.000,- Mark4. Fußball wurde langsam von einer Sportart zu einem Geschäft der Unternehmer, Mäzen und Patriarchen. Mit dem Bau von VIP-Logen erhielten die finanzkräftigeren Fans einen Sonderstatus innerhalb des Stadions und die Werbung entdeckte den Fußball immer mehr als Medium für sich. Die Kommerzialisierung des Fußballs stieg kontinuierlich und erreichte anfangs des 21. Jahrhunderts seinen vorläufigen Höhepunkt.

1.3. Fußball im 21. Jahrhundert

Der Fußball im 21. Jahrhundert ist geprägt durch überfüllte Turniere, Vermarktung sämtlicher Rechte und endlosen Debatten über kostenpflichtige Übertragungen von Fußballspielen. Mittlerweile tragen 11 von 18 Stadien einen kommerziellen Namen (u.a. AllianzArena, BayArena, AOL-Arena) und der Schuh- bzw. Ausrüsterstreit der deutschen Nationalmannschaft zeigt einmal mehr, dass Fußball ein lohnendes Geschäft für die Industrie geworden ist. Ein außergewöhnliches Beispiel ist momentan aber der FC Chelsea, der seit knapp drei Jahren teilweise dreistellige Millionenverluste zeichnet, aber durch den Milliardär Roman Abramowich einen ausgeglichenen Haushalt hat. Im Gegensatz dazu ist der FC Barcelona der einzige Verein, der in seiner 108-jährigen Geschichte ohne kommerzielle Trikotwerbung auflief. Ein Novum in der heutigen Geldmaschine Fußball. Fußball ist im 21. Jahrhundert also ein Geschäft geworden und der Sport an sich rückt immer weiter in den Hintergrund. Spieler werden teilweise nicht mehr nur nach sportlichem Wert eingekauft, sondern danach, wo man sie gewinnbringend vermarkten könnte. Exemplarisch stehen hierfür David Beckham, der für Real Madrid sportlich kaum eine Verstärkung, marketingtechnisch jedoch ein brillanter Schachzug war. Auch der Chinese Jiayi Shao kam nicht nur aufgrund seiner technischen Fähigkeiten 2002 zum TSV 1860 München. Die Geschäftsleitung der Löwen sah in dem Spieler aus Fernost eine Möglichkeit auf dem asiatischen Markt Trikots abzusetzen und dort Geld zu verdienen.

2. Fußball und Männlichkeit

Punkt 2 der Hausarbeit widmet sich der Männlichkeit im Fußball. Hierbei wird untersucht, wie es zu der Herstellung kommt und wie der Fußball auch noch nach so langer Zeit eine weitestgehend maskuline Sportart sein kann. Anhand der Geschichte konnte schon gezeigt werden, dass die Frauen bei der Entwicklung und Verbreitung des (historischen) Fußballs keine Rolle spielten. Wie kommt es nun also dazu, dass dieser Sport auch weiterhin vielen Frauen verschlossen bleibt?

2.1 Herstellung und Aneignung von Männlichkeit

Seit sich Fußball immer mehr als ein regelhaftes Spiel mit einem Wettbewerbscharakter herauskristallisierte, ist dieses Spiel in den meisten Ländern eine vornehmlich männliche Sportart.

Eine wichtige Rolle für die Dominanz des männlichen Geschlechts in dieser Sportart spielte das Militär, als institutioneller Ort hegemonialer Männlichkeit, welcher seit seiner Erschaffung ausnahmslos Männern vorbehalten war, sich aber seit ein paar Jahren als traditionelle Männlichkeitsmaschine immer mehr abdankt und an Prägekraft verliert. Das britische Militär ließ seine Soldaten in den Kolonien regelmäßig Fußball spielen um die Moral aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die Disziplin zu fördern und den Körper zu tüchtigen. Zudem verbreiteten die Briten den Sport in den besetzten Gebieten und veranstalteten Freundschaftsspiele gegen lokale Mannschaften. Kurz darauf wurde Fußball in den Schulplan aufgenommen, allerdings nur für Jungen, da Mädchen als zu schwach angesehen wurden um diesen Sport auszuüben.

Dass das Militär den Fußball geprägt hat, ist auch daran zu erkennen, dass viele Begriffe aus dieser Sportart aus dem Kriegsjargon entlehnt sind:

Schießen, Kämpfen, tödlicher Pass, Leitwolf, vom Platz fegen, Todesstoß versetzen.

Wie George Orwell 1949 schon sagte: „Fußball ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln“5. Dass er damit nicht unrecht hat, beweist ein Blick in die Fankurven, die sich häufig Brigade, Legion, Armada oder Bastion nennen. Durch Symbole wie Fahnen, Schals, Gesänge und Trommeln grenzen sich die Anhänger eines Vereins vom Gegner bzw. Feind ab und symbolisieren Zusammengehörigkeit mit ihrer Mannschaft. Die Namensgebung der meisten Fangruppen (z.B. Cannibals Aachen 6, Blue Army Berlin 7, oder Brigade Ultras Wolfsburg 8) stellen demonstrativ eine aggressive Haltung zur Schau, die dem Gegner Angst einjagen soll. Gewalt spielt auch im Fußball eine Rolle (wie gesehen beim Spiel Lok Leipzig – Erzgebirge Aue II oder FC Valencia – Inter Mailand) und wird nicht per se als deviant bezeichnet.

Das Thema Gewalt im Fußball ist nach der WM ein großes Problem geworden. Fast täglich gibt es neue Nachrichten über Ausschreitungen oder Übergriffe. Dabei ist auffällig, dass sich die gewalttätigen Auseinandersetzungen immer mehr in die kleineren Ligen verlagern, was damit zu begründen ist, dass die Polizeiaufgebote und Kontrollen in der oberen Spielklassen teilweise drastisch verschärft wurden. Negativer Höhepunkt waren die Ausschreitungen beim Spiel in der italienischen Serie A zwischen Catania und Palermo vom 02. Februar 2007 als es nach diesem sizilianischen Derby bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen gab und über 100 Personen verletzt wurden und ein Polizist ums Leben kam.

Kurze Zeit später erreichte auch Deutschland eine Welle der Gewalt, als es beim Spiel Lok Leipzig – Erzgebirge Aue II zu einer regelrechten Hetzjagd auf Polizisten kam. Allerdings verlagert sich die Gewalt anscheinend auch auf den Fußballplatz. Die Prügelszenen nach dem Champions League- Spiel zwischen Valencia und Inter Mailand zeigten, dass auch aktive Sportler ein großes Gewaltpotenzial besitzen.

Auffällig bei diesen drei Beispielen ist, dass die Gewalt fast ausschließlich von Männern ausgeht. Es beteiligen sich auch Frauen an den Auseinandersetzungen, allerdings nicht in der Zahl und nicht mit der Passion, wie es die Männer tun.

Das Problem der Gewalt liegt in der Gruppendynamik und der Zusammensetzung von Fußballfangruppen. Durch den starken männlich geprägten Habitus sehen es die Männer teilweise als ihre Pflicht sich an Ausschreitungen zu beteiligen. Der soziale Status spielt bei solchen Phänomenen auch eine Rolle, da es in der Regel Jugendliche und junge Männer, oftmals ohne Chancen auf dem Arbeitsmarkt und mit latent bis stark ausgeprägtem Nationalismusgedanken sind, die an solchen Auseinandersetzungen beteiligt sind, was allerdings kein rein deutsches Phänomen ist. Durch den Fußball können Länder mit stark nationalistischen Tendenzen neue Hierarchien entwickeln. Die Hemmschwelle zur Gewalt sinkt und die Abgrenzung gegen Andere (Ausländer, Homosexuelle) verstärkt sich. In Holland werden die Anhänger Ajax Amsterdams immer mit Zischgeräuschen bedacht9. In Erinnerung an die Gaskammern in Konzentrationslagern, da sich die Fans von Amsterdam mit den Juden verbündet haben, und sich auch als Juden bezeichnen. Das gleiche Phänomen gibt es auch in England, wo Fans von Tottenham Hotspurs ebenfalls mit diesen Geräuschen begleitet werden10. In Deutschland gibt es zwar keine Fangruppe, die sich offen mit den Juden solidarisiert, jedoch bezeichnen gerade ostdeutsche Hooligan-Gruppen ihre Gegner oftmals so (bspw. Juden Berlin, Juden Dresden). In Italien verschärft es sich sogar soweit, dass in vielen Ultra-Kurven faschistische Symbole wie Hakenkreuze und SS-Runen zu sehen sind11.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Fußball und Männlichkeit
Untertitel
Stürmen Frauen die Bastion der Männlichkeit?
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Soziologie und Demographie)
Veranstaltung
Der Symbolische Interaktionismus
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V72577
ISBN (eBook)
9783638629751
ISBN (Buch)
9783638673693
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Männlichkeit, Symbolische, Interaktionismus
Arbeit zitieren
Steven Oklitz (Autor), 2007, Fußball und Männlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72577

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