Mit dem Werk „Emil oder Über die Erziehung“ veröffentlichte Jean-Jacques Rousseau 1762 „eine Abhandlung über die Erziehung“, wie es sie bis zur damaligen Zeit auf dem Gebiet der Pädagogik noch nicht gab. Drei entscheidende Merkmale grenzt sie von den bis dahin erschienen Werken ab. Erstens werden in diesem Buch konkrete und somit praxisbezogene Vorschläge für die Erziehung eines Zöglings gemacht. Zweitens steht die von Rousseau vorgeschlagene Methode der Erziehung im Gegensatz zu der damals vorherrschenden Erziehungspraxis. Rousseaus „vorgeschlagene Erziehung [muss] für den Menschen geeignet und dem menschlichen Wesen angemessen“ sein, d.h. die Erziehung muss an den jeweiligen Zögling und nicht wie damals üblich an den allgemeinen Richtlinien der Gesellschaft ausgerichtet werden. Drittens wird dem Erzieher eine wichtige Position zugeordnet, die hinsichtlich der Erziehung des Zöglings weit über die Bedeutsamkeit, Stellung und Befugnisse dessen Eltern hinausgehen. Rousseaus entworfenes Erziehungskonzept und die damit einhergehende bedeutsame Rolle des Erziehers entspricht auch in dieser Hinsicht keineswegs den gesellschaftlichen Vorstellungen der damaligen Zeit. Die Erziehung des Zöglings wird die Lebensaufgabe des Erziehers, der das Kind von der Geburt an als einzige Erziehungsperson begleitet und nach der Erfüllung seiner Aufgabe als treuer Freund an der Seite seines Zöglings verbleibt.
Diese Abhandlung beschränkt sich jedoch lediglich auf die Untersuchung der Erziehungsmethode Rousseaus in der Kinderzeit Emils.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Aufbau des Buches
2. Die drei Erzieher
3. Die Erziehung
3.1 Negative Erziehung
3.1.1 „Das Gesetz der Notwendigkeit“
3.2 Positive Erziehung
3.2.1 „Das Gesetz der Nützlichkeit“
A..„Robinson Crusoe“
B. Die Gesellschaft
C. Der Aufbau der Gesellschaft
D. Die Beziehungen zu Anderen
E. Das Handwerk
3.3 Emil nach der Kindheit
4. Der Wechsel der Methoden!?
5. LITERATURLISTE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Erziehungskonzept von Jean-Jacques Rousseau in seinem Werk „Emil oder Über die Erziehung“, mit besonderem Fokus auf der Differenzierung und dem methodischen Zusammenhang zwischen der „negativen“ Erziehung in der Kindheit und der „positiven“ Erziehung im Jugendalter.
- Die Rolle der drei Erzieher: Natur, Menschen und Dinge.
- Das Konzept der negativen Erziehung und das Gesetz der Notwendigkeit.
- Das Konzept der positiven Erziehung und das Gesetz der Nützlichkeit.
- Die gesellschaftliche Einführung Emils und die Bedeutung des Handwerks.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der Frage eines vermeintlichen Methodenwechsels bei Rousseau.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Mit dem Werk „Emil oder Über die Erziehung“ veröffentlichte Jean-Jacques Rousseau 1762 „eine Abhandlung über die Erziehung“1, wie es sie bis zur damaligen Zeit auf dem Gebiet der Pädagogik noch nicht gab. Drei entscheidende Merkmale grenzt sie von den bis dahin erschienen Werken ab. Erstens werden in diesem Buch konkrete und somit praxisbezogene Vorschläge für die Erziehung eines Zöglings gemacht. Zweitens steht die von Rousseau vorgeschlagene Methode der Erziehung im Gegensatz zu der damals vorherrschenden Erziehungspraxis. Rousseaus „vorgeschlagene Erziehung [muss] für den Menschen geeignet und dem menschlichen Wesen angemessen“2 sein, d.h. die Erziehung muss an den jeweiligen Zögling und nicht wie damals üblich an den allgemeinen Richtlinien der Gesellschaft ausgerichtet werden.
Drittens wird dem Erzieher eine wichtige Position zugeordnet, die hinsichtlich der Erziehung des Zöglings weit über die Bedeutsamkeit, Stellung und Befugnisse dessen Eltern hinausgehen. Rousseaus entworfenes Erziehungskonzept und die damit einhergehende bedeutsame Rolle des Erziehers entspricht auch in dieser Hinsicht keineswegs den gesellschaftlichen Vorstellungen der damaligen Zeit. Die Erziehung des Zöglings wird die Lebensaufgabe des Erziehers, der das Kind von der Geburt an als einzige Erziehungsperson begleitet und nach der Erfüllung seiner Aufgabe als treuer Freund an der Seite seines Zöglings verbleibt.
Diese Abhandlung beschränkt sich jedoch lediglich auf die Untersuchung der Erziehungsmethode Rousseaus in der Kinderzeit Emils.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Werk von Rousseau und Darlegung der zentralen Zielsetzung der Arbeit, die sich auf die Erziehungsmethode in der Kindheit Emils konzentriert.
2. Die drei Erzieher: Erläuterung der Bedeutung von Natur, Menschen und Dingen als Erzieher, die im Idealfall auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sein müssen.
3. Die Erziehung: Untersuchung der frühkindlichen Entwicklung, der Abgrenzung von der Gesellschaft und der Einführung der Konzepte der negativen und positiven Erziehung.
4. Der Wechsel der Methoden!?: Kritische Diskussion der wissenschaftlichen Debatte darüber, ob Rousseau einen echten Methodenwechsel vollzieht oder ob es sich lediglich um eine inhaltliche Anpassung handelt.
5. LITERATURLISTE: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Jean-Jacques Rousseau, Emil, negative Erziehung, positive Erziehung, Gesetz der Notwendigkeit, Gesetz der Nützlichkeit, Pädagogik, Erziehungsmethode, Natur als Erzieher, Kindheit, Vorpubertät, Pubertät, Freiheit, Gesellschaft, Handwerk
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Erziehungskonzept von Jean-Jacques Rousseau, speziell den Übergang von der negativen zur positiven Erziehung im Lebenslauf seines fiktiven Zöglings Emil.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernpunkten gehören die Rolle der Natur als Erzieher, die Bedeutung existenzieller Notwendigkeiten, der Nutzen als moralischer Maßstab sowie die Vorbereitung auf die Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Rousseaus Erziehungsmethode in der Kindheit zu untersuchen und zu ergründen, ob man tatsächlich von einem „Methodenwechsel“ sprechen kann oder ob es ein durchgehendes pädagogisches Prinzip gibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der interpretierenden Auseinandersetzung mit Rousseaus Werk sowie ergänzender pädagogischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der drei Erzieher, die Ausdifferenzierung von negativer und positiver Erziehung, die Rolle des Gesetzes der Notwendigkeit bzw. Nützlichkeit sowie die praktische Umsetzung durch das Handwerk.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die „negative Erziehung“, das „Gesetz der Notwendigkeit“, das „Gesetz der Nützlichkeit“ und die Autonomie des Zöglings.
Warum ist laut Rousseau eine „negative Erziehung“ in der Kindheit notwendig?
Sie dient dazu, das Kind vor schädlichen gesellschaftlichen Einflüssen zu schützen und ihm Raum zu geben, sich gemäß seiner natürlichen Entwicklung zu entfalten, ohne durch verfrühte moralische Belehrungen belastet zu werden.
Was bedeutet das „Gesetz der Nützlichkeit“ im Kontext der Pubertät?
Es ist ein moralisches Prinzip, bei dem Emil lernt, nur das als gut und erstrebenswert zu bewerten, was für ihn nützlich ist und seine Selbsterhaltung unterstützt; es bereitet ihn auf das Leben in der Gesellschaft vor.
- Quote paper
- Katy Wedekind (Author), 2002, Die "negative" und "positive" Erziehung Emils bei Jean-Jacques Rousseau , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72578