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Warum gibt es eine Todesstrafe in den USA?

Title: Warum gibt es eine Todesstrafe in den USA?

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 32 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Julia Fiedler (Author)

Politics - Region: USA
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Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die einzige westliche Demokratie, die bis heute an der Todesstrafe festhalten. Weltweit haben laut Amnesty International 129 Staaten die Todesstrafe entweder ganz oder zumindest de facto abgeschafft. Waren es am Ende des 19. Jahrhunderts gerade einmal drei Staaten, die auf die Todesstrafe verzichteten, wurde mit der Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 ein weltweiter Abschaffungsprozess in Gang gesetzt. Allein seit Anfang der 90er Jahre haben über 40 Staaten die Todesstrafe aus ihren Strafgesetzen entfernt, in der letzten Dekade wurde sie von durchschnittlich mehr als drei Staaten pro Jahr verboten und wird heute von der Mehrzahl als unmoralisch geächtet.

Diesem klaren, weltweiten Trend stehen 68 Staaten gegenüber, die noch immer an einem Gesetz zur Verhängung der Todesstrafe festhalten. Darunter auch zwei der führenden Demokratien: Japan und die USA. Der tatsächliche Anteil der Staaten, die Hinrichtungen auch durchführen, ist dabei allerdings weitaus geringer. So wurden fast alle Hinrichtungen im Jahre 2005, nämlich mindestens 94 Prozent, in nur vier Staaten vollstreckt. Dies sind China, der Iran, Saudi Arabien und die Vereinigten Staaten von Amerika. Damit „stehen die USA in einer Reihe mit Staaten, deren Gesellschaft sie ansonsten tunlichst zu vermeiden suchen“ und folgen somit nicht dem weltweiten moralischen Wandel, der sich in den letzten Jahrzehnten auf der Weltbühne vollzogen hat.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen Erklärungsansatz für die fortwährende Existenz der Todesstrafe in den USA und deren Abkoppelung von dieser internationalen Tendenz aufzuzeigen. Hierbei soll durch einen vergleichenden Ansatz untersucht werden, welche Faktoren ein Festhalten an der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten begünstigen und was in anderen Staaten, insbesondere in Europa, zu einer Abschaffung der Todesstrafe geführt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Besonderheiten der politischen Kultur

2.1 Geschichtlicher Abriss

2.2 Moralische Aspekte

3 Funktionalisierungsmöglichkeiten der Todesstrafe

3.1 Die Rolle und Politisierung der Kriminalität

3.2 Direkte Wahl von Richtern und Staatsanwälten

3.3 Wahlkampf

3.4 Föderalismus

4 Öffentliche Meinung

5 Die Todesstrafe als internationales Menschenrechtsthema

6 Einfluss politischer Führung

6.1 Europäische Bewegung

6.2 Anti-Todesstrafenkampagnen

7 Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Gründe für die fortdauernde Existenz der Todesstrafe in den USA und deren Abkoppelung von der weltweiten Tendenz zur Abschaffung. Dabei wird analysiert, wie spezifische Faktoren des amerikanischen politischen Systems und der politischen Kultur die Beibehaltung dieser Strafform begünstigen.

  • Besonderheiten des politischen Systems und des Populismus in den USA
  • Einfluss der Politisierung von Kriminalität und der Wahl von Justizbeamten
  • Rolle der öffentlichen Meinung und moralische Rechtfertigungen
  • Föderale Strukturen und ihre Auswirkungen auf die Todesstrafe
  • Vergleichende Perspektive zur europäischen Abschaffungsbewegung

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Rolle und Politisierung der Kriminalität

Der Glaube an eine abschreckende Wirkung durch harte Strafen stellt in vielen Staaten einen Grundpfeiler der Kriminalpolitik dar (Hood 2002a, S.463). Während die Kriminalitätsbekämpfung in der US-Politik zuvor eine eher unbedeutende Rolle spielte, wurde sie seit den Präsidentschaftswahlkämpfen Goldwaters, Wallace’ und besonders Nixons, und somit mit dem zunehmenden Einfluss der Christlichen Rechten zu einem zentralen politischen Thema. So lässt sich laut Mohn und Bedau gar der Beginn der gegensätzlichen Entwicklung der USA und Europas bezüglich der Todesstrafe insbesondere bei Nixon finden, der sich in seinem Präsidentschaftswahlkampf 1968 der steigenden Kriminalitätsfurcht bediente und sich mit einer harten „law and order“ Politik profilierte (Mohn 2002, S.92) und die Kriminalität somit endgültig zu einem Wahlkampfthema machte.

[…] the failure to abolish the death penalty during the 1960s […] is due to more than anything else to the influence of „law and order“ political rhetoric on both the local and national scene. Beginning with the 1968 presidential campaign, the liberal wing of the Democratic party was vulnerable in this vein, and this weakness was cynically and effectively exploited by the Republicans […] in their efforts to gain and hold public office. (zitiert nach Mohn 2002. S.92-93)

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Sonderrolle der USA als einzige westliche Demokratie, die an der Todesstrafe festhält, und führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein.

2 Besonderheiten der politischen Kultur: Dieses Kapitel untersucht den geschichtlichen Abriss der Todesstrafe und moralische Aspekte, um zu klären, ob kulturelle Unterschiede die Beibehaltung erklären können.

3 Funktionalisierungsmöglichkeiten der Todesstrafe: Es wird analysiert, wie politische Akteure die Todesstrafe durch Kriminalisierung, Richterwahlen, Wahlkämpfe und föderale Strukturen für ihre Ziele instrumentalisieren.

4 Öffentliche Meinung: Dieses Kapitel beleuchtet den Einfluss der öffentlichen Meinung und die starke Bedeutung des Volkswillens in der amerikanischen Demokratie im Vergleich zu Europa.

5 Die Todesstrafe als internationales Menschenrechtsthema: Die Untersuchung zeigt auf, warum die USA die Todesstrafe als interne Angelegenheit und nicht als internationales Menschenrechtsthema begreifen.

6 Einfluss politischer Führung: Hier wird das Versagen der politischen Elite in den USA dem entschiedenen Handeln in Europa gegenübergestellt und die Rolle von Anti-Todesstrafenkampagnen diskutiert.

7 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Faktoren für die Sonderrolle der USA zusammen und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen.

Schlüsselwörter

Todesstrafe, USA, politische Kultur, Föderalismus, Kriminalitätspolitik, Populismus, Menschenrechte, Todesstrafenreform, politische Elite, öffentliche Meinung, Wahlkampf, Moral, Rechtsverständnis, Abschaffungsbewegung, Justizsystem

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, warum die USA entgegen dem weltweiten Trend weiterhin an der Todesstrafe festhalten und welche Faktoren diese Sonderentwicklung begünstigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die politische Kultur, das Justizsystem, die Rolle der öffentlichen Meinung und der Einfluss politischer Eliten auf die Todesstrafendebatte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, einen Erklärungsansatz für die fortdauernde Existenz der Todesstrafe in den USA durch einen Vergleich mit der europäischen Abschaffungspraxis zu erarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet einen vergleichenden Ansatz, um die Faktoren des amerikanischen politischen Systems gegen die Entwicklung in anderen Staaten, insbesondere in Europa, zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Instrumentalisierung der Todesstrafe, die föderale Struktur der USA, die Rolle der öffentlichen Meinung sowie die Haltung der USA gegenüber internationalen Menschenrechtsnormen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe umfassen Todesstrafe, USA, politische Kultur, Föderalismus, Kriminalitätspolitik, Populismus und Menschenrechte.

Wie beeinflusst das Föderalsystem die Todesstrafe?

Durch die föderale Struktur der USA fällt die Todesstrafe in die Zuständigkeit der Einzelstaaten, was eine einheitliche Abschaffung auf Bundesebene nahezu unmöglich macht und die Bemühungen von Aktivisten erschwert.

Welche Rolle spielt die direkte Wahl von Richtern?

Die direkte Wahl führt zu einer starken Politisierung der Justiz, da Richter von der öffentlichen Meinung abhängig sind und sich durch harte Urteile profilieren können, was die richterliche Unabhängigkeit gefährdet.

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Details

Title
Warum gibt es eine Todesstrafe in den USA?
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Course
American Politics and Society in Comparative Perspective
Grade
1,3
Author
Julia Fiedler (Author)
Publication Year
2006
Pages
32
Catalog Number
V72584
ISBN (eBook)
9783638628624
Language
German
Tags
Warum Todesstrafe American Politics Society Comparative Perspective
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Fiedler (Author), 2006, Warum gibt es eine Todesstrafe in den USA?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72584
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