Bei der Frage nach Modernisierung, neigt man gerne dazu, zu denken, es handle sich um eine historische Aufarbeitung des menschlichen Fortschritts bis zum Hier und Jetzt, denn schließlich betrachten wir uns als eine moderne Gesellschaft im Unterschied zu traditionellen Lebensformen. Doch nicht jener Unterschied zwischen Damals und Heute macht diesen Begriff klar, sondern erst mit der Untersuchung einzelner Aspekte und Perspektiven des Prozesses "Modernisierung" lassen sich die vielfachen Verzweigungen einigermaßen zureichend erfassen.
Vor dem Hintergrund des Buches "Modernisierung - Projekt und Paradox" von Hans van der Loo und Willem van Reijen soll im Folgenden ein Punkt aus dem allgemeinen Alltagsleben herausgegriffen und erläutert werden: Die Entfaltung und Veränderung des Geschmacks, sowohl im physiologischen, als auch psychologischen Sinne.
Das Buch "Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft" von Wolfgang Schivelbusch beschreibt die Entwicklung von Genußmitteln im weitesten Sinne. Doch die Tatsache, daß hier von einer Geschichte die Rede ist, zeigt, daß diese Ausführungen nur eine Möglichkeit der historischen Wirklichkeit aufzeigen.
Inhalt
Einführung
I. Inhaltlicher Aufbau
Das Paradies, der Genuß und die Vernunft
II. Diskussion
Van der Loo/ Van Reijen - Schivelbusch
III. Persönliche Evaluation
Literatur
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den historischen Prozess der Modernisierung anhand der Entfaltung und Veränderung von Genussmitteln in Europa, wobei sie insbesondere die physiologischen und psychologischen Aspekte des Geschmacks beleuchtet. Ziel ist es, unter Einbeziehung soziologischer Theorien aufzuzeigen, welche Rolle Genussstoffe wie Gewürze, Kaffee, Tee, Tabak und Alkohol in der Geschichte des modernen Menschen spielten und wie diese mit gesellschaftlichen Strukturen, Ritualen und dem Phänomen der Modernisierung verknüpft sind.
- Historische Entwicklung des Genussmittelkonsums in Europa
- Soziologische Analyse von Konsumgewohnheiten und Ritualen
- Zusammenhang zwischen Genussmitteln und gesellschaftlicher Modernisierung
- Vergleich und Einordnung in das Modell von van der Loo und van Reijen
- Bedeutung von Genussmitteln als Symbole für soziale Schichten und Identität
Auszug aus dem Buch
Die trockene Trunkenheit des Tabaks
Der Titel des Kapitels geht auf eine Satire gegen das Rauchen von Jakob Balde aus dem Jahr 1658 zurück. Die neuen Getränke Kaffee, Tee und Schokolade sind zwar ebenso exotisch, doch das Rauchen ist zudem eine gänzlich neuartige Form des Konsumierens. Die Ähnlichkeit zum Kaffee besteht nach der schon erläuterten Medizin des 17. und 18. Jahrhundert in der austrocknenden und antierotischen Wirkung, allerdings ist der Tabak im Gegensatz zum „nervösen“ Kaffee mit Stichworten wie Ruhe, Konzentration und Kontemplation verbunden. Der Genuß am Rauchen entsteht durch einen Komplex aus pharmakologischen, motorischen und psycholoischen Wirkungen.
(...)Bereits (...) also nicht allein nikotinbedingt, löst das Rauchen schlagartig psychomotorische Spannungszustände; es lenkt Erregungen in eine beruhigende Motorik ab. Die nervös unruhige Hand betätigt sich rauchend zweckvoll (...) Rauchen verschafft Beschäftigung in der Muße und Muße in der Beschäftigung (...)
Kaffee und Tabak ergänzen sich dennoch insofern, daß sie beide für die geistige Betätigung geeignet sind: Das Koffein regt den Kopf an, das Nikotin reduziert die Motorik des restlichen Körpers auf ein Minimum, was die Arbeit im Sitzen erleichtert. Rauchen ist damit quasi Ersatzbefriedigung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung erläutert das Verständnis von Modernisierung und führt in die Thematik der historischen Entwicklung von Genussmitteln ein, die im Fokus der Analyse stehen.
I. Inhaltlicher Aufbau: Dieser Hauptteil analysiert chronologisch und thematisch die Bedeutung verschiedener Genussmittel wie Gewürze, Kaffee, Schokolade, Tabak und Branntwein in ihrer jeweiligen historischen Ära.
II. Diskussion: Hier erfolgt eine theoretische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund der Modernisierungstheorie von van der Loo und van Reijen anhand der vier Säulen Struktur, Kultur, Person und Natur.
III. Persönliche Evaluation: Die Autorin reflektiert kritisch über die Lektüre und die erarbeiteten Erkenntnisse im Hinblick auf ihr Studium der Soziologie.
Schlüsselwörter
Modernisierung, Genussmittel, Konsumgeschichte, Schivelbusch, Geschmack, Tabak, Kaffee, Alkohol, Soziologie, Ritualisierung, Zivilisationsprozess, Identitätsbildung, Rationalisierung, Domestizierung, Rauschmittel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Untersuchung von Genussmitteln in Europa und deren Bedeutung für die Modernisierung des menschlichen Alltagslebens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Geschmacks, die soziale Funktion von Genussmitteln, die Entstehung neuer Rituale und die psychologischen Auswirkungen des Konsums von Stoffen wie Kaffee, Tabak und Alkohol.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum bestimmte Genussmittel in Europa zu unterschiedlichen Zeiten auftraten und wie diese den modernen Menschen in seiner physiologischen und psychologischen Entwicklung beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse, die historische Fakten mit soziologischen Konzepten verbindet, um die Entwicklung des Geschmacks als Prozess der Modernisierung zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung einzelner Genussmittel (Gewürze, Kaffee, Schokolade, Tabak, Branntwein), deren kulturelle und soziale Einordnung sowie eine anschließende theoretische Diskussion der Paradoxe der Modernisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Modernisierung, Genussmittel, Konsumgeschichte, Rationalisierung, Soziologie und Identitätsbildung charakterisiert.
Inwiefern beeinflussten Genussmittel die soziale Abgrenzung?
Genussmittel fungierten als Statussymbole, die halfen, soziale Schichten voneinander abzugrenzen, da sie jeweils spezifische Verhaltensweisen, Rituale und Räume, wie beispielsweise Kaffeehäuser oder Kneipen, erforderten.
Welche Rolle spielt der Begriff der „Domestizierung“?
Domestizierung beschreibt im Kontext der Arbeit den Prozess, bei dem natürliche und biologische Kräfte kontrolliert und durch soziale oder technologische Rahmenbedingungen optimiert werden, um ein gesellschaftlich normiertes Verhalten zu erzeugen.
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- Iris Baumgärtel (Author), 2000, Modernisierung und eine Geschichte der Genussmittel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7260