Märchenanalyse. Eine Analyse dreier Märchen der Gebrüder Grimm


Hausarbeit, 2005

37 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Hexen – in der Geschichte und in den Märchen der Gebrüder Grimm
1.1 Die historische Figur
1.1.1 Herkunft und Bedeutung des Hexenbegriffs
1.1.2 Historischer Wandel des Hexens-/ Hexereibildes
1.1.3 Folterung von Hexen
1.1.4 Hinrichtung durch Verbrennen
1.1.5 Stimmen der Vernunft
1.2 Die fiktive Figur
1.2.1 Das Hexenbild an Hand Märchen der Gebrüder
Grimm
Schneewittchen
Hänsel und Gretel
Die sechs Schwäne
Rapunzel
1.2.2 Tötungsarten der Hexen im Märchen
1.3 Vergleich historische Hexe / Hexenbild im Märchen der
Gebrüder Grimm

2 Spinnerinnen – in der Geschichte und in den Märchen der
Gebrüder Grimm
2.1 Die Figur im Volksglauben
2.2 Die historische Figur
2.3 Die Figur im Märchen der Gebrüder Grimm
Die drei Spinnerinnen
Rumpelstilzchen
Frau Holle
2.4 Vergleich historische Spinnerin / Spinnerin im Märchen

3 Die Frau im Märchen der Gebrüder Grimm
3.1 Ursprung der Grimmschen Märchen
3.2 Das Frauenbild zu Zeiten der Gebrüder Grimm
3.3 Das Frauenbild im Märchen der Gebrüder Grimm
3.3.1 Der passive Typ
Dornröschen
Rotkäppchen
3.3.2 Der aktive Typ
Die Sterntaler
Frau Holle
3.3.3 Der gemischte Typ
Hänsel und Gretel
Aschenputtel
Der Froschkönig
König Drosselbart
3.3.4 Vergleich der drei Typen und Bezug auf das 19. Jahrhundert

Quellenverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen der Veranstaltung „Märchenanalyse“ habe ich mich mit den Themen: Hexen in den Märchen der Gebrüder Grimm, Spinnerinnen in den Märchen der Gebrüder Grimm und die Frau im Märchen der Gebrüder Grimm beschäftigt. Hierfür gehe ich zunächst auf die geschichtlichen Hintergründe ein, da Märchen immer im Kontext des Zeitgeschehens entstehen. So beschäftige ich mich zusätzlich mit den Themen: Hexen in der Geschichte, Spinnerinnen in der Geschichte und, weniger ausführlich, mit dem Frauenbild des 19. Jahrhunderts.

Anschließend vergleiche ich nach jedem Hauptkapitel die geschichtlichen Hintergründe mit den in den Grimmschen Märchen wiederkehrenden Aspekten.

1 Hexen – in der Geschichte und in den Märchen der Gebrüder Grimm

1.1 Die historische Figur

1.1.1 Herkunft und Bedeutung des Hexenbegriffs

Das Wort Hexe ist aus dem althochdeutschen Wort „hagzissa”, „hagazussa” abgeleitet.

“Hag” bedeutet Rodung, Feld und Flur, „zissa“ bzw. „zussa“ „die Schädigende”. Eine Hexe ist demnach die Feld und Flur Schädigende. 1

1.1.2 Historischer Wandel des Hexens- bzw. Hexereibildes

Laut dem Brockhaus Konversations-Lexikon sind die Hexen vermutlich aus den weisen Frauen (Priesterinnen), des germanischen Altertums hervorgegangen. 2

Ursprünglich sah man in Hexen dämonische Wesen. Sie hatten sowohl positive als auch negative Eigenschaften. Dämonisch hieß in diesem Zusammenhang ausschließlich, dass sie nicht-menschliche Fähigkeiten hatten. Erst mit der Christianisierung wurden die Hexen vermenschlicht, jedoch mit dämonischem Hintergrund 3. Damit war nun gemeint, dass sie mit dem Bösen im Bündnis waren – was ein Religionsverbrechen war. Der Hexenbegriff der mittel-alterlichen Theologie lag in der christlichen Dämonologie begründet und basiert auf aus der Bibel gewonnenen Anschauungen, auf dualistischen gnostischen Lehren, auf dem Neuplatonismus. Die Kirche gestand den heidnischen Göttern wirkliche Existenz in Form von Dämonen zu. 4

Um 1480 waren mit dem Begriff `Hexe´ neben Pakt und Buhlschaft mit dem Teufel auch Vorstellungen über Ketzerei, Schadenszauber und Flug durch die Luft sowie Tierverwandlung verbunden. Die Vorstellung, dass Hexen einen Pakt mit dem Teufel eingehen und Ketzerei betreiben, entstammt mittelalterlichem, kirchlichem Glauben, die Vorstellung des Schadenszaubers und die des Fluges durch die Luft sind auf uraltem Volksglauben zurück zu führen.

Man stellte sich Hexen als Wesen vor, die mit einem Besen durch die Lüfte ritten, einen langen schwarzen Umhang (zur Bewahrung der Anonymität) trugen, bei Vollmond Kräuter für gute und bei Neumond Kräuter für schlechte Taten sammelten. Wichtig war auch ein Kessel, worin sie ihr Gift, ihre Zaubertränke und ihre Salben herstellten. Dies passierte jedoch nie ohne Zauber- bzw. Beschwörungsformeln.

Es gab auch männliche Hexen, so genannte Hexenmeister. Auch er übte den Bosheitszauber aus und zwar gesteigert bis zur höchsten Stufe raffinierter diabolischer Freveltat. Die betreffenden Beschwörungsformeln und Veranstaltungen waren in Büchern niedergeschrieben. Bei dem Hexenmeister trat auch der wirkliche Kontakt mit dem Teufel ein, das Bündnis wurde durch Unterschrift mit dem eigenen Blut unterschrieben.

Im Mittelalter herrschte grundsätzlich die Überzeugung, dass die äußere Erscheinung den inneren Charakter widerspiegelt und umgekehrt. Das heißt ein mickriger kleiner Kerl musste von vornherein einen schlechten und ein großer starker Ritter einen guten Charakter haben. Ähnlich verhielt es sich also bei den Hexen. Somit waren es dann vor allem ungewöhnlich hässliche Frauen mit zerfurchtem Gesicht, einem Buckel und Warzen oder ähnlichem, hinter denen man dämonische Kräfte und Teufelsverbündete sah. Nichtsdestotrotz wurden auch besonders hübsche Frauen als Hexen angeklagt, wenn sie zum Beispiel eine andere Meinung hatten oder außergewöhnlich selbstbewusst auftraten. Man glaubte, diese hätten nicht nur magische Kräfte, sondern auch ihre verführerische Schönheit vom Teufel erhalten, um diesen begierig, lüstern und zur Teufelsbuhlschaft bereit machen zu können.

Im Jahre 1487 erschien unter Papst Innocenz VIII in Straßburg der Hexenhammer (Malleus maleficarum), ein dreiteiliges Werk der Inquisitoren Heinrich Institoris (Krämer) und Jakob Sprenger 5. Es wird allerdings angezweifelt, dass Sprenger wirklich Mitverfasser des Hexenhammers ist. Die ersten beiden Teile des Hexenhammers schildern das Treiben der Hexen. So wird unter anderem dargelegt, dass die Hexerei auf dem Pakt mit dem Teufel und auf der Teufelsverehrung (Häresie) beruhe. Kirchliche Mittel wie Gebete und Exorzismen würden nicht gegen Taten der Hexen (z.B. Tötung von Menschen und Tieren, Vernichtung von ungeborenem Leben im Mutterleib, Erzeugung von Krankheiten) helfen. Im Besonderen verursachte die Behexung beim Mann Impotenz und Unfruchtbarkeit bei der Frau. Auch stehe die Hexe mit dem Teufel in geschlechtlichem Kontakt, woraus gefolgert wurde, dass mehr Frauen als Männer Umgang mit dem Teufel haben müssten. Der dritte Teil der Schrift befasst sich mit den Normen der Hexenprozesse und unterweist die Gerichte im henkermäßigen Verfahren zur Überführung der Hexen und Zauberer. Geständnisse waren notfalls durch Folter zu erzwingen und in der Regel hatte die Todesstrafe am Ende des Prozesses zu stehen. Der Hexenhammer beschreibt auch im Einzelnen die Prozessführung, die gut durchdacht und gegen allzu große Willkür abgesichert ist. Folter ist zulässig, aber nicht die bevorzugte Methode, und ein Geständnis, das ausschließlich durch die Folter erzwungen wurde, ist ungültig. Auch ist Liebäugeln mit den teuflischen Mächten noch kein hinreichender Grund zur Verfolgung es muss ein wirkliches Maleficium vorliegen, das heißt, der begründete Verdacht einer strafbaren Handlung. Eventuelle körperliche Merkmale einer Hexe können höchstens als erschwerender Umstand hinzugezogen werden 6. Dass Links-händigkeit (das Symbol für Dämonie) im Hexenhammer unbeachtet blieb, liegt vermutlich an einem Mangel an Verbundenheit, an fehlendem Gruppengefühl der Linkshänder – etwas, das anderen Gruppen so fatal geworden ist 7. Im Gegensatz zu Linkshändern trafen sich andere Gruppen, um bestimmte okkulte Rituale auszuüben. Außerdem achtet man nicht darauf, ob jemand Rechts- oder Linkshänder ist. Warzen (besonders im Geschichtsbereich) sind hingegen auffälliger.

Es gibt drei weitere Merkmale, die die Wahrscheinlichkeit erhöhten, dass Frauen der Hexerei verdächtigt wurden. Das eine war Melancholie, ein depressiver Zustand, der gelegentlich durch dunkle oder bedrohliche Äußerungen und sonderbares Benehmen gekennzeichnet ist. Das andere gefährliche Merkmal war die Isolation. Besonders stark betroffen waren auch Wahrsager und Heiler (einschließlich Hebammen), die fas ausschließlich Frauen waren, und zwar wegen ihrer Außenseiterstellung in der Gesellschaft. Dass gerade Hebammen besonders verdächtig waren, lässt sich wohl dadurch erklären, dass diese Frauen am ehesten Gelegenheit hatten, eine wichtige Zutat der Hexensalbe zu bekommen -ein neugeborenes Kind-, und vor allem, dass sie in einem Bereich arbeiteten, der von alters her für Männer tabuisiert war.

Was auffällt, ist, dass die Beschuldigung am häufigsten von einer ortsansässigen Person ausging, die einem Nachbarn – manchmal einer älteren Frau oder einem Alleinstehenden – eine Bitte abgeschlagen hatte. Kurz darauf entdeckte diese Person ein Malefiz, das dann dem Menschen zur Last gelegt wurde, dem die Bitte abgeschlagen worden war. Derjenige, der die ungeschriebenen Gesetzte nachbarlichen Betragens verletzt hatte, empfand Besorgnis und Schuldgefühle, die dann in Hass auf den anderen umschlugen, der diese Schuldgefühle hervorgerufen hatte. Die Ablehnung und die anschließende Beschuldigung eines anderen war ein häufiges Mittel, eine Beziehung zu beenden, die lästig geworden war. 8

„Nicht die ketzerische Qualität des (…) Verbrechens der Hexen, sondern das Maleficium (...) [wird] in den Mittelpunkt gestellt” 9. Das Hexentreiben ist „grundsätzlich auf das weibliche Geschlecht zugespitzt” 10 und es „wird versucht, den Hexenprozess in den Kreis der weltlichen Jurisdiktion hinüberzuspielen. An Brutalität und Grausamkeit übertrifft der Malleus Maleficiarum alles Frühere” 11.

Eine neue Erfindung verstärkt noch die verheerende Wirkung dieses Buches. Es war ein unglückseliges Zusammentreffen, dass die Buchdruckerkunst gerade in dem Augenblick erfunden wurde, da der Eifer der Hexenjäger seinen Höhepunkt erreichte. Der Hexenhammer war so erfolgreich wie in moderner Bestseller: 16 Auflagen in Deutsch, 11 in Französisch, 2 italienische und 6 englische. 12

1.1.3 Folterung von Hexen

Die Folter wurde, anders als in der Theorie des Hexenhammers, als „Beweis aller Beweise” 13 angesehen und unter dem Begriff Peinliche Befragung angewandt. Durch mehrfache Folterung konnte man immer die gewünschten Geständnisse erlangen, vor allem Namen Mitschuldiger erfahren, so dass jeder Hexenprozess mehrere neue Prozesse nach sich zog 14. Bei solchen Folterungen wurden den Angeklagten „alle Haare rasiert, damit das Hexenzeichen zu Vorschein käme” 15. Daneben galt „bleiche Gesichtsfarbe als Zeichen der Ketzer, wilder Blick als Zeichen der Zauberer” 16. Vor der eigentlichen Folter wurden noch Hexenproben durchgeführt. Hierzu gehörten Wasser- und Feuerprobe, Probe mit der Waage (Unschuldige mussten schwerer sein als geschätzt), Nadelprobe durch Einstechen in das Hexenmal sowie Tränenprobe (Mangel an Tränen).

Herkömmliche Folterarten waren das „Zerdehnen und Ausrenken der Gliedmaßen durch den Aufzug an der Chorda, durch Spannen des Leibes vermittelst der Haspel, oder durch Anhängen von Gewichtssteinen bei über dem Rücken zusammengebundenen Händen, oft begleitet von Rutenschlag auf den nackten Leib” 17. Andere Foltern waren „das Einspannen in den Daumenstock oder in die Beinschrauben bzw. Spanischer Stiefel, wobei so lange zugedreht wurde, bis Blut floss oder bis die Schraube auf zerbrochenen oder zermalmten Knochen aufstand” 18. Beliebt war auch das Anlegen peinlicher Kleidungsstücke (z.B. der pommerschen Mütze, welche den Kopf zusammenpresste) des Halskragens, des Leibgürtels (ein mit Eisenstacheln besetztes Korsett, in welches die Hüfte der Angeklagten hineingezwängt wurde 19. Zusätzlich wurden „zur Verschärfung der Tortour (...) unter den Achselhöhlen oder auch am ganzen Körper (...) Fackeln angebrannt oder es wurden stechende Insekten an den bloßen Leib gesetzt oder eine mäuseeinschließende Schüssel auf den nackten Bauch gebunden” 20.

1.1.4 Hinrichtung durch Verbrennen

Die geständigen Hexen sind stets zum Feuertod verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden.

Unschuldige Opfer lehnten es oft ab, ihre Geständnisse auf dem Scheiterhaufen zu widerrufen: Wenn sie das taten, wurden sie bei lebendigem Leibe verbrannt. Wenn sie nicht widerriefen, wurden sie zuerst erwürgt, was ihnen die Qualen des Feuertods ersparte. 21

Das Pulver verbrannter Hexen wurde als Heilmittel verwendet. Wie für Ketzer hatte man auch für Hexen besondere Türme, in denen sie verwahrt und untersucht wurden.

Die erste Verbrennung einer Hexe fand 1272 in Toulouse statt, nachdem „eine Frau in Südfrankreich die so genannte Teufelsbuhlschaft” 22 gestand. Ab dem 14. Jahrhundert setzten dann verstärkt Verfolgungen von Hexen ein, Hinrichtungen wegen “hexerischem Kinderverspeisen und Kinderrauben” 23 erfolgten bereits 1360. Die „Blütezeit” der Hexenbrände war das 17. Jahrhundert. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts sollen „etwa einhunderttausend Menschen zum Feuertod verurteilt worden sein, meist Frauen, nur etwa ein zehntel Männer”.

1.1.5 Stimmen der Vernunft

Der Wahn des Hexenglaubens wurzelte so tief, dass es Jahrhunderte bedurfte, bis eine Opposition geduldet wurde und weitere Jahrhunderte, bis sie siegte. Erste Bekämpfer des Hexenwahns waren u.a. die Ärzte J. Weyer in Kleve (1653) und J. Ewich in Bremen (1584). F. Spee von Langenfeld griff 1631 in seiner Cautio criminalis die Praxis der Hexenprozesse an und Balthasar Bekker, reformierter Prediger in Amsterdam, 1691 in seiner „Bezauberte Welt“ das Prinzip der Dämonologie, den Glauben an den Teufel selbst. Seit der deutsche Rechtsprofessor und Philosoph C. Thomasius in seinen „Lehrsätze von dem Laster der Zauberei“ (1703) den offenen Kampf mit dem finsteren Vorurteil aufgenommen hatte, trat langsam auch bei der Gerichtsbarkeit ein Umdenken ein. 24

Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts entfernte dann die Gesetzgebung in Preußen, Österreich und in anderen Staaten das Verbrechen der Zauberei. England schaffte die Hexenverfolgungen 1684 ab, die Schweiz 1775. Frankreich 1745, Spanien 1781 und Polen, wo die letzte europäische Hexe hingerichtet wurde, 1793. Auf dem amerikanischen Kontinent lebte der Hexenwahn später wieder auf, in Peru fand 1888 die letzte Hinrichtung statt. In Deutschland wurde die letzte Hexe 1782 in Würzburg verbrannt. Die Schweizerin Anna Göldi war hierzulande das letzte Opfer des Hexenwahns. 25

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Details

Titel
Märchenanalyse. Eine Analyse dreier Märchen der Gebrüder Grimm
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
37
Katalognummer
V72615
ISBN (eBook)
9783638720670
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Märchenanalyse, Eine, Analyse, Märchen, Gebrüder, Grimm, Deutsch
Arbeit zitieren
Friederike Schmidt (Autor), 2005, Märchenanalyse. Eine Analyse dreier Märchen der Gebrüder Grimm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72615

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