Über das Gedicht "Till Manen" von Erik Johan Stagnelius


Hausarbeit, 2007
12 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Biografisches zu Erik Johan Stagnelius

2. Gedichtanalyse
2.1 Inhalt
2.2 Formaler Aufbau
2.2.1 Freie Rhythmen: Orientierung an Goethes Hymnen
2.2.2 Besonderheiten der Syntax
2.3 Die Bedeutung des Mondes
2.3.1 Der Mond als Metapher für die Veränderung
2.3.2 Der Einfluss des Mondes auf das irdische Leben
2.4 Der Dualismus als gestaltendes Element
2.5 Philosophische Hintergründe
2.5.1 Stagnelius´ Bezug auf das pythagoreische Weltbild
2.5.2 Stagnelius´ Verarbeitung neuplatonischen Gedankenguts
2.6 Die Sprache der Veränderung

3. Die Sonne als Gegenspielerin des Mondes
3.1 Die doppelt belegte Bildsprache in Bezug auf die Sonne
3.2 Der Mond als Spiegel des Sonnenlichts

4. Schluss

5. Bibliografische Angaben

1. Biografisches zu Erik Johan Stagnelius

Erik Johan Stagnelius (1793 bis 1823) ist einer der bekanntesten Dichter der schwedischen Romantik. Nach seiner Kindheit auf Öland zieht die Familie des Dichters 1810 nach Kalmar, wo der Vater das Amt des Bischofs antritt. Ein Jahr später beginnt Stagnelius ein Theologiestudium in Lund, bricht es aber wegen seiner schwachen Gesundheit – vermutlich litt er an einem Herzfehler – ab und versucht sich als autodidaktischer Dichter. Trotz einiger Veröffentlichungen (sein erstes Werk „Wladimir den Store“ erscheint 1817 anonym) bleibt er zeit seines Lebens finanziell vom Vater abhängig. In seinem Studierzimmer liest er Platon, Kant, Hegel, die griechischen und lateinischen Klassiker, deutsche, französische und schwedische Schriftsteller.

Der Einzelgänger und Sonderling hat keinen Erfolg bei den Frauen – das Motiv des unerfüllten Begehrens findet sich in vielen seiner Gedichte.

1815 zieht er nach Stockholm, wo er unter anderem die Bekanntschaft von Carl Jonas Love Almqvist macht. In den letzten Jahren seines Lebens wohnt er unter wechselnden Adressen in Stockholm, wird 1823 wegen Trunkenheit festgenommen und stirbt kurz darauf, mit nicht einmal 30 Jahren, wohl an den Folgen seines Herzfehlers.[1]

Sein Gedicht „Till Månen“ entstand vermutlich 1816 oder 1817; ein Gedicht der Universalromantik, voller „magi“ und „lyskraft“.[2] Inhalt, Aufbau und Aussage von „Till Månen“ sollen im Folgenden in einer exemplarischen Gedichtanalyse näher bestimmt werden.

2. Gedichtanalyse

2.1 Inhalt

In der ersten Strophe des Gedichts „Till Månen“ wird der Mond direkt angesprochen, der auf seiner nächtlichen Bahn „Ned på vårt dunkla / Sovande klot“[3] blickt. Der Dichter, in melancholischer Stimmung, „försmälter / Vid ditt mystiska ljus / I vemod.“ (S, 147)

„Den andra strofen innehåller en kosmologisk berättelse, nämligen om månens uppkomst“[4], woraufhin eine Beschreibung der Himmelskörper, der Sterne, der Erde und des Mondes, die gemeinsam um die Sonne wandern, folgt. Stagnelius beschreibt den Mond als ewigen Begleiter der Erde auf ihrem Weg, als Spiegel des irdischen Schicksals: „En helig spegel / [] / Av det jordiskas öden.“ (S, 147)

Die Sonne erscheint als ewig strahlender Schöpfer. Gegen ihren Glanz verblassen sogar die Sterne: „Ej mista sitt sken / De vänliga stjärnor“ (S, 148).

Die Veränderungen, die der Mond auf der Erde bewirkt („Med dig, o Måne, / Förvandlingen börjar“, S, 148), werden „nu utifrån ett jordiskt perspektiv“[5] dargestellt: Der Wechsel von Ebbe und Flut, das Wachsen und Sterben der Blumen, das Hin- und Hergeworfensein der Menschen zwischen Glück und Unglück – all das sind „månens verkningar på jorden.“[6]

In der letzten, der siebten Strophe, wird eine Besonderheit der Erscheinungsform des Mondes behandelt, nämlich dass er nicht von selbst leuchtet, sondern „att den lånat sitt ljus från solen.“[7] So wird die Erde auch nachts noch von einem Teil des edlen Sonnenlichts beschienen.

2.2 Formaler Aufbau

2.2.1 Freie Rhythmen: Orientierung an Goethes Hymnen

Die sieben unterschiedlich langen Strophen des Gedichts (zwischen vier bis 14 Verse) sind in freien Versen ohne Reim geschrieben, die Endungen sind meist unbetont: „versformen är den relativt fria, orimmade, stikiska vers med två höjningar och ett skiftande antal sänkningar i raden, som Stagnelius [] tillägnat sig från Goethe, väl tidigast i Till Månen“.[8] Nur wenige Verse, oft am Schluss einer Strophe wie „I vemod“ (S, 147) oder „Härnere“ (S, 149) haben anstatt zwei nur eine Hauptbetonung. Dem gesamten Gedicht wohnt durch diese formale Strukturierung ein wiegender Rhythmus inne.

Stagnelius´ formales Vorbild ist also jenes hymnischer, in freier, suggestiver Versform „der Anrufung göttlicher oder kosmologischer Instanzen gewidmeter Gedichte wie Goethes Ganymed und Prometheus[9]. Verse mit nur einer Betonung wie bei Stagnelius gibt es bei Goethe jedoch nicht:

den korta entaktiga raden finns inte hos Goethe, hos honom har alla rader två huvudbetoningar. Avvikelsen ger „Till Månen“ en friare, mindre högtidlig och samtidigt mera suggestiv rytm än Goethes motsvarigheter.[10]

2.2.2 Besonderheiten der Syntax

Bezüglich der Syntax finden sich leichte Abweichungen von der Alltagssprache, obwohl das Gedicht als Ganzes für den Leser einfach zu verstehen ist. Diese syntaktischen Besonderheiten betreffen vor allem die Stellung der Verben, die von Stagnelius bisweilen nicht nach den grammatikalischen Regeln der schwedischen Alltagssprache direkt nach dem Subjekt, sondern nach Rhythmus und Betonung an einen anderen Platz im Vers gesetzt werden, zum Beispiel an den Schluss: „Så även på jorden / Växlingen rår.“ (S, 148) Auch der Chiasmus zu Beginn der zweiten Strophe spielt mit der Stellung der Verben: „Då jorden skaptes, / Skaptes ock Du“ (S, 147).

2.3 Die Bedeutung des Mondes

2.3.1 Der Mond als Metapher für die Veränderung

„Till Månen“ gehört zu den „dikter av Stagnelius, som helst eller till större delen är gestaltade som en apostrofering av personifikationer eller mytologiska väsen“.[11]

Hier ist es der Mond, der gleich zu Beginn personifiziert wird: „Tankfull går Du, / Nattliga Måne!“ (S, 147)

Die Apostrophe, die feierliche Anrufung etwas eigentlich Abwesenden, hier: des Mondes, steht im Mittelpunkt des Gedichts. Mit dem bereits erwähnten Chiasmus „Då jorden skaptes, / Skaptes ock Du“ (S, 147) wird die enorme Zeitdauer verdeutlicht, während derer der Mond schon am Himmel seine Bahn zieht: Am Himmel der Mond, auf der Erde das Treiben der Menschen, die der Veränderlichkeit allen Seins unterworfen sind: „Med dig, o Måne, / Förvandlingen börjar.“ (S, 148)

Der Mond wird als Auslöser und Sinnbild all dieser Veränderungen angesehen und ist im Gedicht weniger als „metonymi“[12], wie Jan Olov Ullén in seiner Interpretation schreibt, zu verstehen als vielmehr als Metapher für die Veränderung: Denn „Während der metaphorische Prozess als „Sprung“ eines Wortes in einen im Rahmen seiner normalen Verwendung ungewöhnlichen Kontext begriffen werden kann“[13], bezeichnet Metonymie „nur“ eine Bedeutungsverschiebung, die „Ersetzung des eigentlich gemeinten Wortes [] durch ein anderes, das in einer geistigen oder sachlichen Beziehung zu ihm steht“[14].

Im Gedicht selbst schreibt Stagnelius vom Mond als „En helig spegel, / En klar symbol / Av det jordiskas öden“ (S, 147). Der Mond tritt hier als heiliger Spiegel des Schicksals auf Erden auf. Die Formulierung „En helig spegel, / En klar symbol“ (S, 147) ist ein starker Parallelismus „av det slag som retorikerna kallar isokolon: två likformiga uttryck med ungefär samma stavelselängd.“[15]

[...]


[1] Biografische Angaben aus: Ullén, Jan Olov: Erik Johan Stagnelius, Stockholm 2003, S. 25 ff. und 191f.

[2] Ullén, Jan Olov: Erik Johan Stagnelius, Stockholm 2003, S. 7.

[3] Stagnelius, Erik Johan: Samlade Skrifter II, Stockholm 1913, S. 147. Zitate aus diesem Werk werden im Folgenden im fortlaufenden Text mit „S“ gekennzeichnet.

[4] Lysell, Roland: Erik Johan Stagnelius. Det absoluta begäret och själens historia, S. 185.

[5] Ders.: S. 185.

[6] Lysell, S. 185.

[7] Ders.: S. 186.

[8] Malmström, Sten: Studier över stilen i Stagnelius lyrik, Lund 1961, S. 32 f.

[9] Burdorf, Dieter: Einführung in die Gedichtanalyse, Stuttgart 1997, S. 127.

[10] Ullén, S. 17.

[11] Malmström, S.110.

[12] Ullén, S. 13.

[13] Burdorf, S. 155.

[14] Glück, Helmut (Hg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart 2000, S. 439.

[15] Ullén, S. 13.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Über das Gedicht "Till Manen" von Erik Johan Stagnelius
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V72618
ISBN (eBook)
9783638727877
ISBN (Buch)
9783638755016
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gedicht, Till, Manen, Erik, Johan, Stagnelius, schwedische Romantik, Universalromantik, romantische Ironie, Goethe, Hymnen, Neuplatonismus, freie Rhythmen, Lyrik, Skandinavien, Interpretation
Arbeit zitieren
Susanne Hasenstab (Autor), 2007, Über das Gedicht "Till Manen" von Erik Johan Stagnelius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72618

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