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Gesellschaftlich-kultureller Kontext des niederländischen Rechts

Title: Gesellschaftlich-kultureller Kontext des niederländischen Rechts

Term Paper , 2007 , 26 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Simone Köbel (Author)

Dutch (Literature, Culture and Language)
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Kein Rechtssystem der Welt kann verstanden werden ohne Kenntnis seiner Einbettung in historische, kulturelle, politische, soziale, wirtschaftliche und andere Bezüge. Will man ein Rechtssystem wirklich verstehen, muss man den Zusammenhang beachten, in welchem die Rechtsregeln wirksam sind. Erkenntnisleitende Fragen sind dabei etwa die danach, warum bestimmte Rechtsregeln in einem Land gerade so aussehen, wie sie sind und nicht anders und wie sie angewendet werden. Auch die Frage danach, welche Wertvorstellungen die nationalen Rechtssysteme leiten, kann nur aus der Einbettung der Rechtssysteme in übergeordnete Zusammenhänge beantwortet werden. Wer sich mit anderen Worten nur mit den Rechtsregeln eines nationalen Rechtssystems zufrieden gibt, wird die tiefere Bedeutung und Wirkungsweise dieses Rechtssystems nur unzureichend erfassen können. Am Beispiel von drei Ländern soll kurz verdeutlicht werden, worum es konkret geht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Rechtssysteme im gesellschaftlichen Zusammenhang

a) Frankreich

b) Deutschland

c) Niederlande

2. Determinanten des niederländischen Rechtssystems

a) Religiöse und kulturelle Vielfalt

b) Kultur der Toleranz

c) Kultur des Pragmatismus

3. Ausprägungen im niederländischen Rechtssystem

a) „Euthanasie“-Gesetzgebung

b) Drogengesetzgebung

c) Homosexuellen-Gesetzgebung

4. Ausländer- und Asylrechtsgesetzgebung

a) Entwicklungslinien der niederländischen Ausländer- und Asylpolitik

b) Das geltende Ausländer- und Asylrecht

c) Reformüberlegungen

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den gesellschaftlich-kulturellen Kontext des niederländischen Rechts und analysiert, wie historische und kulturelle Prägungen die spezifische Ausgestaltung des Rechtssystems beeinflussen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie die niederländische Kultur des Pragmatismus und der Toleranz dazu führt, dass Rechtsregeln flexibel an tatsächliche gesellschaftliche Entwicklungen angepasst werden.

  • Einfluss von Geschichte und Kultur auf nationale Rechtssysteme (Frankreich, Deutschland, Niederlande).
  • Determinanten des niederländischen Rechts: Religiöse Vielfalt, „Versäulung“ und Toleranz.
  • Analyse liberaler Rechtsausprägungen: Sterbehilfe, Drogenpolitik und Homosexuellen-Gesetzgebung.
  • Entwicklung und aktueller Wandel der niederländischen Ausländer- und Asylpolitik.
  • Die Rolle des „Pragmatismus“ als zentrales Steuerungsinstrument im niederländischen Staatswesen.

Auszug aus dem Buch

c) Kultur des Pragmatismus

Pragmatismus war schon in dem System der Versäulung angelegt, das es einer politischen Partei versagte, über die anderen Säulen zu dominieren. Erforderlich waren vielmehr immer Koalitionsregierungen und damit die Suche nach Konsens.

Was der Legalisierung etwa der Prostitution im Jahre 2000, aber auch anderen liberalen Gesetzgebungsschritten vorausging war jeweils, und das ist Ausdruck des niederländischen Pragmatismus, eine so genannte „geregelte Toleranz“. Nachdem man, etwa im Falle der Prostitution, erkannt hatte, dass das Strafrecht das soziale Problem nicht lösen konnte, ging man dazu über, bis zu einer Änderung der Gesetzgebung in der Praxis die Prostitution zu tolerieren. Dies ist charakteristisch für das niederländische Recht und für dessen Verständnis unentbehrlich: das Hauptinteresse liegt auf der Suche nach einer guten Lösung anstatt darauf, den eigenen Rechtsregeln zu folgen. Diese können vielmehr in einem späteren Stadium einer geänderten Praxis angepasst werden.

In der niederländischen Rechtsprache gibt es für diese besondere Kultur sogar einen eigenen Terminus, den es so in keinem anderen Rechtskreis gibt: den Begriff „gedogen“. Man könnte ihn am ehesten übersetzen mit „zulassen“, „dulden“, „wegsehen“ oder „ein Auge zudrücken“. „Geduldet“ wird so etwa die Abtreibung, die Prostitution, die Sterbehilfe, weiche Drogen. Die negativen Assoziationen, die dieser Begriff hervorzurufen vermag, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ein nach festen Regeln funktionierendes Rechtsinstrument v. a. im Verhältnis des Staates zu den Bürgern handelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Rechtssysteme im gesellschaftlichen Zusammenhang: Die Einleitung verdeutlicht, dass Rechtssysteme stets durch ihre historische, politische und soziale Einbettung verstanden werden müssen, wofür Frankreich und Deutschland als Vergleichsbeispiele dienen.

2. Determinanten des niederländischen Rechtssystems: Dieses Kapitel erläutert, wie historische religiöse Vielfalt und das System der „Versäulung“ eine spezifische politische Kultur der Toleranz und des pragmatischen Konsenses in den Niederlanden geformt haben.

3. Ausprägungen im niederländischen Rechtssystem: Hier wird anhand von Sterbehilfe, Drogenpolitik und Homosexuellen-Rechten aufgezeigt, wie der niederländische Pragmatismus liberalen Regelungen den Weg ebnet.

4. Ausländer- und Asylrechtsgesetzgebung: Das Kapitel analysiert den historischen Wandel der niederländischen Einwanderungspolitik von einem liberalen Modell hin zu einer durch Sicherheitsbedürfnisse geprägten „Law and Order“-Politik.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass die Niederlande durch eine einzigartige Kombination aus Toleranz und Pragmatismus eine Vorreiterrolle in der modernen Gesetzgebung einnehmen.

Schlüsselwörter

Niederländisches Recht, Rechtssystem, Pragmatismus, Kultur der Toleranz, Versäulung, Euthanasie-Gesetzgebung, Drogengesetzgebung, Homosexuellen-Gesetzgebung, Ausländerpolitik, Asylrecht, Konsens-Demokratie, Rechtsvergleich, Minderheitenpolitik, Integration, Gesetzgebung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den gesellschaftlich-kulturellen Kontext des niederländischen Rechtssystems und untersucht, welche historischen und sozialen Faktoren dessen besondere Ausgestaltung beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der niederländischen Rechtskultur, der Untersuchung liberaler Gesetzgebungsprozesse und der Darstellung der Entwicklung in der Ausländer- und Asylpolitik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu verdeutlichen, dass das niederländische Recht nicht isoliert, sondern als Ausdruck einer spezifischen politischen Kultur des Pragmatismus und der „geregelten Toleranz“ verstanden werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Autorin wendet einen rechtsvergleichenden und sozialwissenschaftlichen Ansatz an, indem sie nationale Rechtssysteme (Frankreich, Deutschland) in einen Kontext setzt und die Entstehung von Gesetzen durch soziokulturelle Determinanten erklärt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der niederländischen Gesellschaft, erklärt das Konzept des „Gedogen“ (Duldung) und beleuchtet konkrete Rechtsbereiche wie Euthanasie, Drogenpolitik und Integrationsgesetzgebung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind niederländisches Recht, Pragmatismus, Toleranz, Versäulung, Euthanasie-Gesetzgebung, Drogenpolitik sowie die aktuelle Ausländer- und Asylrechtsgesetzgebung.

Wie unterscheidet sich das niederländische System in der Drogenpolitik von anderen Ländern?

Im Gegensatz zu Ländern, die primär auf Repression setzen, verfolgen die Niederlande einen pragmatischen, rehabilitativen Ansatz, der den Erwerb weicher Drogen zum Eigenbedarf „duldet“ (gedogen), um soziale Probleme besser steuern zu können.

Was besagt das Konzept der „Versäulung“ für das Recht?

Die Versäulung beschreibt eine historisch gewachsene gesellschaftliche Struktur, die den Zwang zum inter-sektoralen Konsens und zur Koalitionsbildung förderte, was wiederum die pragmatische Ausrichtung der heutigen Gesetzgebung prägt.

Warum wird im Dokument der Staatsrat thematisiert?

Der Staatsrat spielt als Verfassungsinstitution eine kritische Rolle bei der Prüfung von Gesetzesvorlagen und setzt der politischen Exekutive juristische Grenzen bei der Umsetzung von Verschärfungen im Asylrecht.

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Details

Title
Gesellschaftlich-kultureller Kontext des niederländischen Rechts
College
University of Osnabrück  (Institut für Fremdsprachenphilologien)
Course
Niederländisches Recht
Grade
2,0
Author
Simone Köbel (Author)
Publication Year
2007
Pages
26
Catalog Number
V72707
ISBN (eBook)
9783638725903
Language
German
Tags
Gesellschaftlich-kultureller Kontext Rechts Niederländisches Recht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simone Köbel (Author), 2007, Gesellschaftlich-kultureller Kontext des niederländischen Rechts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72707
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