Nation-Building ist zunächst ein umfassender Prozess, der zur Entstehung von
Nationen und (National)- Staaten führt. Dieser Prozess entwickelt sich in der Regel in einem historischen Kontext und über einen langen Zeitraum hinweg.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird dieser Prozess jedoch vor allem aus der Perspektive externer Akteure untersucht, die versuchen, ihn in Post-Konflikt-Situationen und Fällen schwacher bzw. gescheiterter Staatlichkeit herbeizuführen.
Zunächst wird der Versuch unternommen eine Definition und Begriffsbestimmung von „Nation“ zu unternehmen. Des Weiteren wird auf den Begriff, das Konzept und die Elemente von Nation-Building eingegangen. Dann soll es um den Staat und die Merkmale fragiler Staatlichkeit gehen. Weiterhin wird der Begriff und die Phasen der Prävention erläutert und das Nation-Building hier kontextual eingeordnet. Auch die Möglichkeiten, Mechanismen und Grenzen von Nation- Building werden aufgezeigt.
Es soll versucht werden Nation- Building soweit wie möglich begrifflich zu bestimmen, um es dann in das Feld der Krisenprävention einzuordnen. Deutlich werden sollen die Möglichkeiten und auch die Grenzen von externen Versuchen, Nation-Building zu betreiben. Auch die Gründe für externe Aktivitäten sollen zum Thema werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Nation
3. Nation- Building -Begriff, Konzept, Elemente
3.1 Der Begriff des Nation-Building
3.2 Entwicklung des Konzepts
3.3 Die Elemente des Nation-Building
4. Staatlichkeit
4.1 Der Staat und seine Funktionen
4.2 Fragile Staatlichkeit
5. Prävention und Nation-Building
5.1 Phasen der Prävention
5.2 Nation-Building und Krisenprävention
6. Externes Nation-Building
6.1 Nation-Building -Möglichkeiten und Mechanismen
6.2 Nation-Building – Grenzen und Gefahren
7. Schlussbemerkung
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept des "Nation-Building" vornehmlich aus der Perspektive externer Akteure in Post-Konflikt-Situationen oder bei fragiler Staatlichkeit. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Nation-Building als strategisches Instrument der Krisenprävention fungieren kann und welche Möglichkeiten sowie Grenzen bei der externen Unterstützung dieses komplexen Prozesses bestehen.
- Begriffliche Definition und theoretische Einordnung von Nation und Nation-Building
- Analyse der Merkmale und Funktionen effektiver Staatlichkeit im Vergleich zu fragiler Staatlichkeit
- Verknüpfung von Nation-Building mit den verschiedenen Phasen der präventiven Konfliktbearbeitung
- Untersuchung externer Interventionsmechanismen wie Capacity-Building und Good Governance
- Kritische Reflexion der Gefahren und Grenzen bei der externen Implementierung staatlicher Modelle
Auszug aus dem Buch
3.2 Entwicklung des Konzepts
Schon in den 1950er und 1960er war Nation-Building ein wichtiges Konzept in der Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik. Gesellschaften sollten im Sinne der Modernisierungstheorie strukturell den Industriestaaten angepasst werden. Aus „tribalen“ oder „traditionellen“ Gesellschaften sollten „moderne“ Nationalstaaten werden (Hippler 2004a: 16).
Im Kontext des Ost-West Konflikts war Nation- Building eine Strategie zur Hemmung des Sozialismus und der Sowjetunion in der Welt. Im Verlauf der 70ger Jahre verlor das Nation Building als Konzept an Bedeutung. Seine Betonung im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg und seine Verbindung mit militärischen Strategien machten das Konzept unbeliebt (Hippler 2004a: 17) .
In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre hat sich der Begriff Nation-Building in politischen und wissenschaftlichen Debatten etabliert. Hintergrund war die Erkenntnis, dass Staatszerfall und Fragmentierung von Gesellschaften Gewaltkonflikte entweder auslösen oder unlösbar werden lassen können. Nation-Building wird als präventive Politikoption, als Alternative zum militärischen Eingriff, als Bestandteil militärischer Interventionen oder als Element der Konfliktnachsorge diskutiert (Hippler 2004a: 15).
Das Konzept Nation-Building bleibt dabei jedoch weitgehend im Unklaren. In keiner Wissenschaft oder intellektuellen Schule wird der Begriff Nation-Building klar definiert und entsprechend verwendet. Es gibt jedoch einige zentrale Merkmale von Nation-Building, die nun dargestellt werden sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Nation-Building als strategische Aufgabe im Kontext gescheiterter Staaten ein und umreißt die Untersuchungsperspektive auf externe Akteure.
2. Der Begriff der Nation: Dieses Kapitel erörtert die etymologische Herkunft sowie die definitionsbedingten Schwierigkeiten des Nationsbegriffs im Spannungsfeld von Ethnizität, Staatlichkeit und politischem Willen.
3. Nation- Building -Begriff, Konzept, Elemente: Hier werden das Konzept des Nation-Building differenziert, die historische Entwicklung nachgezeichnet und die drei zentralen Elemente – Ideologie, Integration und Staatsapparat – erläutert.
4. Staatlichkeit: Dieses Kapitel definiert die Kriterien eines effektiven Staates und analysiert die spezifischen Merkmale sowie negativen Folgen fragiler Staatlichkeit.
5. Prävention und Nation-Building: Der Fokus liegt hier auf der Einordnung des Nation-Building in das System der Präventionsphasen (Primär, Sekundär, Tertiär) und dessen Rolle als Mittel der Krisenprävention.
6. Externes Nation-Building: Dieses Kapitel diskutiert Mechanismen wie Capacity-Building und Good Governance sowie die erheblichen Risiken, Grenzen und Gefahren externer Unterstützungsleistungen.
7. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Appell, Nation-Building stärker präventiv statt nur kurativ zu denken und eine klare Trennung zwischen imperialen und entwicklungspolitischen Ansätzen zu wahren.
8. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Nation-Building, Staatszerfall, Krisenprävention, Post-Konflikt-Situationen, Staatlichkeit, Fragile Staaten, Externe Akteure, Friedenskonsolidierung, Capacity-Building, Good Governance, Nationale Identität, Politische Stabilität, Sicherheitspolitik, Entwicklungszusammenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des Nation-Building im Kontext der modernen Krisenprävention und untersucht insbesondere, wie externe Akteure in schwachen oder zerfallenen Staaten zur Stabilisierung beitragen können.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Begriffsdefinition von Nation, die Konzepte der Staatlichkeit und Fragilität sowie die Möglichkeiten und Gefahren externer Interventionen zur Staats- und Gesellschaftsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Nation-Building begrifflich zu schärfen und zu analysieren, unter welchen Bedingungen es als präventive Strategie zur Vermeidung von Staatszerfall und gewaltsamen Konflikten eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriebasierte Analyse, die sich auf politikwissenschaftliche und soziologische Fachliteratur stützt, um das Verhältnis zwischen externem Nation-Building und Krisenprävention kritisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Begriffs, die Analyse von Staatlichkeit, die Einordnung in Präventionsmodelle sowie die praktische Erörterung von Mechanismen und Grenzen externer Unterstützung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nation-Building, Fragile Staatlichkeit, Krisenprävention, Post-Konflikt-Situationen sowie der Gegensatz zwischen imperialen und entwicklungspolitischen Strategien.
Warum wird Nation-Building oft als "kurativ" statt "präventiv" kritisiert?
Die Autorin weist darauf hin, dass externe Unterstützung in der Praxis oft erst in Post-Konflikt-Situationen ansetzt, was den Prozess eher zu einer Form der Tertiär-Prävention (Reaktion auf Konflikte) als zu einer echten, präventiven Maßnahme macht.
Worin liegen laut Text die Gefahren bei imperialem Nation-Building?
Die Gefahr besteht darin, dass externe Akteure eigene Gesellschaftsmodelle überstülpen, eigene Machtinteressen vor Ort über die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung stellen und dabei historische sowie soziokulturelle Gegebenheiten des Ziellandes ignorieren.
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- Rieke Leemhuis (Author), 2006, Nationbuilding im Kontext von Krisenprävention, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72723