Pedro Almodóvar gilt als einer der bekanntesten spanischen Regisseure unseren Jahrhunderts. Spätestens seit „Mujeres al borde de un ataque de nervios“ ist er auch international bekannt. Doch was ist das Besondere an seinen Filmen, das die Welt berührt? Sicherlich ließen sich viele Facetten aufzeigen, die den typischen „almodóvarschen“ Stil kennzeichnen wie bspw. die Eindringlichkeit seiner Bilder, das Skurrile seiner doch so normalen Geschichten, die Genderverwirrung, Almodóvars filmgeschichtliche Einbettung in das nachfranquistische Spanien etc.
In dieser Hausarbeit will ich mich, wie der Titel schon verrät, einem Phänomen des almodóvarschen Filmes widmen, dem der Intermedialität bzw. der Intertextualität. Im Folgenden werde ich kurz die Begrifflichkeiten der Intermedialität und Intertextualität erläutern und definieren, um eine einheitliche Verwendung innerhalb des Textes zu gewährleisten.
Im dritten Kapitel werde ich dann konkret auf Almodóvar und sein filmisches Schaffen eingehen. Im Zentrum meiner Betrachtung steht die Intramedialität des Films „Todo sobre mi madre“. Dieser Film eignet sich sehr gut für die Untersuchung unterschiedlicher Ausprägungen von Intermedialität, da er deutliche intermediale Verweise beinhaltet. Die Vielfalt dieser verwendeten Bezüge in „Todo Sobre mi Madre“ ist derart groß, dass ich mich in dieser Arbeit sogar darauf beschränken will, nur die Verweise auf andere filmische Werke zu untersuchen und weitere intermediale Bezüge außer Acht lasse.
Die von Almodóvar verwendeten Bezüge zu anderen Werken der Filmgeschichte lassen sich in zwei Kategorien aufteilen. Erstens verwendet Almodóvar Geschichten, Motive, Bilder aus anderen Filmen und zweitens zitiert er sein eigenes Oeuvre...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Intertextualität und Intermedialität
2.1 Intertextualität
2.2 Intermedialität
2.3 Selbstreferentialität
2.4 Intramedialität im Film
2.4.1 Das „WAS“ intertextueller Bezüge
2.4.2 Das „WIE“ intertextueller Bezüge
2.4.3 Das „WARUM“ intertextueller Bezüge
3 Intramedialität bei „Todo sobre mi madre“
3.1 Der Film „Todo sobre mi madre“
3.2 Intramedialität im Ouevre Almodóvars
3.2.1 Figuren- und Themenbezug
3.3 Nichtalmodóvarsche Prätexte
3.3.1 „All about Eve“ (Alles über Eva)
3.3.1.1 Der Film „All about Eve“
3.3.1.2 Intertextuelle Bezüge
3.3.2 „Opening Night“ (Die letzte Vorstellung)
3.3.2.1 Der Film „Opening Night“
3.3.2.2 Intertextuelle Bezüge
3.4 Exkurs: Das Spiel mit den Gegensätzen
4 Resumée
5 Anhang
5.1 Sequenzprotokoll des gesamten Filmes „Todo sobre mi madre“
5.2 Szenenprotokoll von Minute 0:02:33:120 bis 0:04:33:360
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Intramedialität im Film „Todo sobre mi madre“ (1999) von Pedro Almodóvar. Das primäre Ziel ist es, die Funktionen und Bedeutungen der intertextuellen Bezüge zu anderen filmischen Werken – insbesondere „La flor de mi secreto“, „All about Eve“ und „Opening Night“ – innerhalb des narrativen Kontextes zu analysieren und deren Beitrag zum internationalen Erfolg des Regisseurs zu beleuchten.
- Analyse von Intertextualität, Intermedialität und Selbstreferentialität im Film
- Untersuchung des „WAS“, „WIE“ und „WARUM“ intertextueller Bezüge
- Deutung von Motiv- und Szenenzitaten in Almodóvars Œuvre
- Erforschung der Verschränkung von Realität und Fiktion sowie von Künstlichkeit und Authentizität
- Rolle des kollektiven Gedächtnisses bei der Rezeption filmischer Bezüge
Auszug aus dem Buch
3.3.1.2 Intertextuelle Bezüge
Almodóvars „Todo sobre mi madre“ bezieht sich immer wieder auf den Film von Mankiewicz. Als Allererstes, noch vor der Titeleinblendung, verwendet Almodóvar bereits einen Originalausschnitt aus „All about Eve“, auf dessen Titel er dann auch ganz klar Bezug nimmt. Esteban spricht, während er und Manuela vor dem Fernseher sitzen und „All about Eve“ schauen, über die Angewohnheit in der Filmbranche, den Sinn des Titels durch einen anderen Wortlaut in der Übersetzung zu verändern. Esteban verweist darauf, dass der Film eigentlich nicht „Eva desnuda“, sondern „Todo sobre Eva“ heißen müsste, um daraufhin in das Notizbuch, in dem er sich Notizen über das Leben seiner Mutter macht, „Todo sobre“ zu schreiben, worauf der Titel „Todo sobre mi madre“, als scheinbare Vervollständigung von Estebans Überschrift, eingeblendet wird (vgl. Todo sobre mi madre, 1:02:33 bis 1:04:33). So werden von Anbeginn des Filmes „Todo sobre mi madre“ formale wie inhaltliche Parallelen zu „All about Eve“ gezogen.
Auch wenn diese Szene nur zwei Minuten dauert, wird viel über den dann folgenden Film im Voraus erzählt. Viele Thematiken des Filmes können hier bereits abgelesen werden. Den kompletten Film Almodóvars kennend kann bereits in dieser Anfangssequenz eine Durchmischung sämtlicher Realitäts- und Fiktionsebenen entdeckt werden, die nicht zuletzt durch die Verknüpfung mit „All about Eve“ funktioniert. Die angesprochenen Bereiche möchte ich im Folgenden kurz ansprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema Intermedialität im Werk von Pedro Almodóvar mit Fokus auf den Film „Todo sobre mi madre“ und die wissenschaftliche Herangehensweise.
2 Intertextualität und Intermedialität: Theoretische Grundlegung der Begriffe sowie Abgrenzung von Intra- und Transmedialität anhand verschiedener wissenschaftlicher Ansätze.
3 Intramedialität bei „Todo sobre mi madre“: Analyse der konkreten Bezüge des Films zu Almodóvars eigenem Schaffen sowie zu den Referenzfilmen „All about Eve“ und „Opening Night“.
4 Resumée: Zusammenfassende Erkenntnis, dass die intermedialen Bezüge das filmische Gesamtkunstwerk bereichern und eine essenzielle narrative Ebene für das Verständnis der Vermischung von Realität und Fiktion bilden.
5 Anhang: Detaillierte tabellarische Dokumentation der im Film verwendeten intertextuellen Bezüge sowie ein spezifisches Szenenprotokoll der Anfangssequenz.
Schlüsselwörter
Pedro Almodóvar, Todo sobre mi madre, Intramedialität, Intertextualität, Intermedialität, Selbstreferentialität, Postmoderne, Filmgeschichte, All about Eve, Opening Night, Realität und Fiktion, Rezeptionsästhetik, Filmtheorie, Motivzitat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Pedro Almodóvar in seinem Film „Todo sobre mi madre“ gezielt auf andere filmische Werke verweist, um die Narration zu bereichern und Bedeutungsebenen zu schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Begriffe der Intermedialität und Intertextualität, das Zusammenspiel von filmischer Realität und Fiktion sowie die Bedeutung von künstlerischen Zitaten für das Verständnis des Films.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die Funktion dieser intertextuellen Bezüge für den Rezipienten zu entschlüsseln und zu zeigen, wie Almodóvar internationale Referenzen nutzt, um einen Einstieg in seine komplexe Filmwelt zu erleichtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein rezeptionsästhetischer Ansatz gewählt, der die Wahrnehmung des Zuschauers und das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft in den Vordergrund stellt, um die Bezüge zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Almodóvar Figuren und Themen aus seinem eigenen Œuvre wiederverwertet sowie wie er durch die explizite Bezugnahme auf die Klassiker „All about Eve“ und „Opening Night“ eine zusätzliche inhaltliche Ebene aufbaut.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Intramedialität, Selbstreferentialität, Postmoderne und die ständige Vermischung von Realität und Fiktion.
Wie spielt die Figur Manuela eine Rolle bei der Intramedialität?
Manuela fungiert als Bindeglied zwischen verschiedenen Realitätsebenen; sie ist sowohl eine Krankenschwester, die Filme für Ärzte dreht, als auch eine Schauspielerin, deren eigenes Leben zunehmend mit den Rollen verschmilzt, die sie im Theater spielt.
Welche Bedeutung hat das Zitat von „All about Eve“ für das Verständnis des Filmtitels?
Die Anfangssequenz stellt einen direkten Bezug zu Mankiewicz' Film her, indem die Problematik von Titeln und Übersetzungen thematisiert wird, was schließlich zur Namensfindung von „Todo sobre mi madre“ führt.
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- Heide Junker (Author), 2006, Intramedialität bei Pedro Almodóvar am Beispiel der filmischen intertextuellen Bezüge in „Todo sobre mi madre“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72735