Die Erziehung bei G. E. Lessing und J. G. Herder


Hausarbeit, 2002

28 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Aufklärung
IIa. Die neue Epoche der Aufkl ä rung
IIb. Die Literatur in der Aufkl ä rung

III. Lessings Nathan der Weise: die Entstehung
IIIa. Nathan der Weise: historischer Hintergrund, Inhalt und Analysis der Hauptfiguren

IV. Lessing: „Die Erziehung des Menschengeschlechtes“
IVa. Erzieherische Aspekte des Werkes

V. Herders pädagogische Schriften

VI. Primärliteratur

VII. Sekundärliteratur

I. Einleitung

Gotthold Ephraim Lessing und Johann Gottfried Herder waren zwei wichtige deutsche Autoren des 18. Jahrhunderts. Beide erlebten die bedeutenden Ereignisse jenes Jahrhunderts, vor allem die Verbreitung der Aufklärung, auch wenn Lessing im Jahre 1781 starb und also konnte er der französischen Revolution nicht beiwohnen.

In ihren zahlreichen Werken entwickelten sie religiöse und erzieherische Gedanken, die einige gemeinsame sowie einige gegensätzliche Punkten zeigen, wenn man sie im Allgemeinen miteinander vergleicht.

Gemeinsam für diese Autoren war der Kampf für die persönliche Freiheit, für die Verbreitung des selbständigen Gedankens und die folgerichtige Ausschlagung allerhand Kompromiss mit der politischen und religiösen Obrigkeit.

Insbesondere ist das in Lessings Leben sichtbar. Er ließ sich mit vielen wichtigen Leuten in eine Polemik ein, um seinen persönlichen Streit gegen die Intoleranz und die geistige und politische Tyrannei zu führen. Aus diesem Grund wurde er das Symbol des Kampfes des Bürgertums gegen den Klerus und den Feudalismus.

Außerdem war er fast immer mit Schulden belastet, aber trotzdem versuchte er seine sittliche Unabhängigkeit, die er als die wertvollste Gabe seines Lebens betrachtete, mit großer Kraft zu bewahren.[1] Tatsächlich lehnte er mehrmals ab, bei Fürsten oder Herzögen im Dienst zu sein, weil sie seine Freiheit beschränkt hätten.

Nur als er vierzig Jahre alt war, nahm er die Einladung des Herzogs von Brunswick an, als Bibliothekar von Wolfenbüttel zu arbeiten, weil er müde wegen seiner vielen Kämpfe war. Jedoch bewahrte Lessing auch während dieser Jahre seine kämpferische Natur: zum Beispiel gehorchtete er dem Verbot des Herzogs nicht, andere religiöse Schriften nach der Auseinandersetzung mit dem Hamburger Hauptpastor zu schreiben und verfasste Nathan der Weise, in dem Lessing die negativen Aspekten der religiösen Obrigkeit unterstrich.

Im Gegenteil zu Lessing, war Herder im Laufe seines Lebens mehrmals bei Fürsten und Herzögen im Dienst, aber er hatte fast keine gute Beziehungen mit ihnen, weil er ihre despotische Haltung nicht billigte. Das passierte zum Beispiel in Bückenburg, wo er als Oberprediger arbeitete, und auch in Weimar. Hier erlebte er politische Ohnmacht und am Anfang fand Widerstände und keine finanziellen Unterstützungen für seine Reformpläne, die die sozialen Probleme und insbesondere die Schule betrafen.

Er versuchte gegen die Gewalttätigkeit, die Niedertracht und den Despotismus zu kämpfen, die nicht zu seinem Begriff von Staat und Humanität gehörten.

Außerdem hielt Herder immer an seinen sittlichen und religiösen Überzeugungen fest und er verriet sie nicht, auch wenn er persönliche Vorteile erreichen konnte. Das passierte, zum Beispiel, als er im Jahre 1773 sein erstes theologisches Werk Ä lteste Urkunde des Menschengeschlechts veröffentlichte. Hier kritisierte er stark die Meinungen von Michaelis, der Bibelausleger und Professor in Göttingen war. Zu jener Zeit wollte Herder genau in Göttingen lehren und natürlich halfen diese Kritiken ihm gar nicht, seinen Wunsch zu erfüllen.[2]

Der Zusammenhang zwischen ihnen taucht auch in der Schrift auf, die Herder nach Lessings Tod im Jahre 1781 ihm widmete. Er schrieb:

„Kein neuerer Schriftsteller hat, dünkt mich, in Sachen des Geschmacks und des feineren, gründlichen Urteils über literarische Gegenstände auf Deutschland mehr gewirkt als Lessing. […] Solange deutsch geschrieben ist, hat, dünkt mich, niemand wie Lessing deutsch geschrieben. […] Seit Luther hat niemand die Sprache von dieser Seite so wohl gebraucht, so wohl verstanden. […] Meine Absicht ist nur, überhaupt die Spur zu verfolgen, wo Lessing seinen Weg nahm, wo er anfing, wo er aufhörte, wo andre ihm nachzugehen oder weiterzugehen haben.“[3]

Dagegen hatten Herder und Lessing unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der wichtigsten Bewegung des 18. Jahrhunderts, das heißt die Aufklärung (ich werde dieses Thema im folgenden Abschnitt behandeln): während Lessing als ein Aufklärer bezeichnet wurde, kritisierte Herder viele Aspekte dieser Strömung.

Lessing begegnete den Ideen der Aufklärung bereits als Student in Leipzig und als junger Schriftsteller in Berlin und setzte sich mit ihnen bis an sein Lebensende auseinander. Man kann sagen, dass er so sehr Aufklärer war, dass er sich keiner der philosophischen Denkschulen der Aufklärung voll zuordnen ließ. Als selbständiger Denker entwickelte er manchmal sogar einige Gedanken, die nicht mit jenen der Aufklärung übereinstimmen. Zum Beispiel glaubten die Aufklärer, dass es nicht nötig war, sich selbst immer zu entwickeln und zu fortschreiten; im Gegenteil behauptete Lessing, dass man nie stehenbleiben musste, weil, seiner Meinung nach, die absolute Wahrheit nicht existierte, sondern es existierte nur die Bemühung des Menschen, der sie unermüdlich suchen sollte. Also für ihn ist die Suche nach der Wahrheit wichtiger als die fragwürdige Behauptung, sich im Besitz der Wahrheit zu wähnen.[4]

Herders Stellung gegenüber der Aufklärung war viel zweideutiger: er billigte viele Aspekte dieser Bewegung, aber zugleich konnte er als ein Vertreter der aufgeklärten Kultur betrachtet werden. Tatsächlich hatten sie dieselben Zwe>Dagegen kritisierte Herder die Aufklärung insbesondere weil, sie, die meistens eine französische Bewegung war, eine breite Verbreitung der französischen Kultur und Sprache in Deutschland verursachte. Herder war mit seinem Land und seiner Muttersprache eng verbunden: aus diesem Grund betrachtete er die Aufklärung als eine große Gefahr für Deutschland. Er schrieb in seinem Werk Briefe zur Beförderung der Humanität:

„Wenn Sprache das Organ unsrer Seelenkräfte, das Mittel unsrer innersten Bildung und Erziehung ist: so können wir nicht anders als in der Sprache unsers Volks und Landes gut erzogen werden; eine sogenannte französische Erziehung (wie man sie auch wirklich nannte), in Deutschland muß deutsche Gemüter notwendig mißbilden und irreführen. Mich dünkt, dieser Satz stehe so hell da als die Sonne am Mittage.“[5]

Herders Traum bestand darin, die Erziehung des deutschen Gemütes ausschließlich auf die deutsche Kultur und Sprache zu basieren.

Lessing, Herder und die Aufklärung waren über die Bedeutung des Begriffs der Erziehung einig, die als das notwendige Element für den Fortschritt der Menschheit betrachtet wurde.

Meine Hausarbeit handelt genau über den erzieherischen Gedanken von Lessing und Herder.

II. Die Aufklärung

Ich werde jetzt über die Bewegung der Aufklärung behandeln, die sehr wichtig für Herders und Lessings Bildung war.

Die Aufklärung war eine gesamteuropäische Bewegung, die sich im 18. Jahrhundert entwickelte.

Sie kann als Geburtsstunde unserer modernen Welt angesehen werden: die Aufklärung war das wesentliche Moment für die Überwindung von Feudalismus und Absolutismus, sowie die Erehebung der Ratio zum obersten Prinzip jeglichen Handels.

Sie veränderte das Bewusstsein des Einzelnen ebenso wie die politischen Strukturen, sie verursachte die fortschreitende Aufgabe eines Weltbildes, das durch religiöse Vorstellung charakterisiert war und förderte den Anfang einer Epoche, die auf konkrete natur-wissenschaftliche Elemente basierte.

Außerdem vollzog sich mit der Aufklärung die vollständige Emanzipation des Individuums, die schon mit dem Humanismus und der Renaissance begonnen hatte.

Entscheidend für die Aufklärung war die Bildung einer neuen sozialen Schicht, das heißt das Bürgertum, das durch Handel, Bankgewerbe und durch die eben erst aufkommenden Industrieweisen zu Reichtum gelangte und so ein soziales Prestige bekam.

Von nun an forderten die Bürger, die ohne politischen Einfluss waren, eine Mitwirkung am Staat, die manchmal nach harten Auseinandersetzungen gewahrt oder erzwungen wurde.

Wichtig für die Aufklärung war auch die Entwicklung neuer Denkweisen, die in zwei philosophischen Richtungen wirksam wurden: der französische Rationalismus und der englische Empirismus; zusätzlich wurde der alte Gedanke des Naturrechts wieder aufgenommen.

Obwohl die Aufklärung eine gesamteuropäische Bewegung war, wies sie nicht überall die gleiche Entwicklung vor. Sie hatte einen großen Erfolg in Frankreich, wo sie direkt zu einer sozialpolitischen Veränderung führte, das heißt die französische Revolution.

Dagegen hatte die Aufklärung in Deutschland (eher arm an hervorragenden Werken und Autoren) eine kleinere Entwicklung.[6] Die Hauptimpulse dieser Bewegung kamen aus England und Frankreich, wo Schriftsteller und Denker wie Bacon, Diderot, Newton, Locke, Hume, Descartes, Montesquieu, Voltaire etc. ein System begründet hatten, das auf dem Primat von Vernunft und Erfahrung basierte und zugleich das Selbstbewusstsein des Bürgertums ausdrückte, das sich von politischen und ideologischen Bevormundungen löste.

In Deutschland gab es außer Leibniz und Kant kaum bedeutende Philosophen, die selbständigen Ansätze entwickelten. Der Beitrag der einflussreichen Professoren Christian Wolff und Christian Thomasius bestand wesentlich in der Popularisierung der Ideen von Leibniz, die von ihnen verzerrt wiedergegeben wurden.

IIa. Die neue Epoche der Aufkl ä rung

Im 17. Jahrhundert war Europa politisch durch den Absolutismus geprägt, der auf die uneingeschränkte Herrschaft eines Königs oder Fürsten basierte.

Der absolute Staat zeigte eine Gesellschaft, in der jeder sich von seiner Geburt an in einem bestimmten Stand befand, den er nicht mehr verlassen konnte.

An der Spitze dieser Ständegesellschaft gab es der Adel, der zwar vom absolutistischen Herrscher politisch entmachtet worden war, aber dafür die Privilegien der Steuerfreiheit und der Grundherrschaft besaß.

Dann befand sich das Bürgertum, das einerseits Träger und Nutznießer der staatlich gelenkten Wirtschaft (Merkantilismus) war, aber andererseits hatte es keinen politischen Einfluss sowie der Adel und zudem keine Privilegien.

Diejenige, die in schlechteren Verhältnissen lebten, waren die Bauern: sie spielten keine wichtige Rolle in der absolutistischen Gesellschaft und darüber hinaus bezahlten sie Steuern für den Staat und Abgaben für die Grundherren, auf deren Land sie arbeiteten.

Die katholische sowie die protestantische Kirche waren mit den Königen verbunden und übten einen großen Einfluss auf die Bürger aus. Unwissenheit, Aberglaube (zum Beispiel Hexenwahn), Vorurteile und ein tiefer Pessimismus waren weit verbreitet.

Im 18. Jahrhundert begannen Teile des Bürgertums und auch einige Adlige zunächst in Frankreich diese Zustände zu kritisieren. Sie versuchten die allgemeine Situation zu verbessern und aus diesem Grund begannen sie neue Ideen zu verbreiten, die Grundsätze der Aufklärung wurden.

Diese waren vor allem: die Berufung auf die selbständige Vernunft als Maßstab des persönlichen und gesellschaftlichen Handels, Hinwendung zum Diesseits (das heißt statt auf Jenseits zu hoffen, sollten alle Menschen voller Optimismus ihren Lebenssinn im Diesseits sehen), positives Menschenbild, Einforderung der Menschenrechte für alle Menschen, Religionskritik (vor allem der Einfluss der Kirche auf die Erziehung), wissenschaftliche Erkenntnisse statt Vorurteile und Aberglauben und Toleranz statt Dogmatismus. Die Menschen sollten über ihre politische, soziale und geistige Unterdrückung „aufgeklärt“ werden.

[...]


[1] L. Mittner, Storia della letteratura tedesca. Dal pietismo al romanticismo (1700-1820), Tomo primo. Torino: Piccola Biblioteca Einaudi 1971, S. 199

[2] Giuseppe Baccolo, Herder. Brescia: Società Editrice Vannini 1994, S. 76

[3] Johann Gottfried Herder , Werke in zwei B änden. Herausgegeben von Karl-Gustav Gerold. München: Carl Hanser Verlag 1953, S. 616-617

[4] B. Allason, Lessings ‚Minna di Barnhelm’ – ‚Nathan il Saggio’ – ‚Emilia Galotti’. Torino: Unione Tipografico-EditriceTorinese 1964, S. 17-18

[5] Johann Gottfried Herder , Werke in zwei B änden. Herausgegeben von Karl-Gustav Gerold. München: Carl Hanser Verlag 1953, S. 501

[6] L. Mittner, Storia della letteratura tedesca. Dal pietismo al romanticismo (1700-1820), Tomo primo. Torino: Piccola Biblioteca Einaudi 1971, S.78

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Erziehung bei G. E. Lessing und J. G. Herder
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1.0
Autor
Jahr
2002
Seiten
28
Katalognummer
V72749
ISBN (eBook)
9783638730679
ISBN (Buch)
9783638735131
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Lessing, Herder
Arbeit zitieren
Doktor Alessandro De Vivo (Autor), 2002, Die Erziehung bei G. E. Lessing und J. G. Herder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/72749

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